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Jüdische Schulzeitung · 1927-06-15 · 6 (15.6.1927) · page 6

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
3 (1927)
Issue
6 (15.6.1927)
Date
1927-06-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Jüdische Schulzeitung. Er sagt, sie yiumr.u'itümlicheir Aroma der Freud'schcn Doktrin, ist durchdrungen von einem schweren, liefen Pessimismus, von einer immer wieder anstauchcnden Bitterkeit, — lauter untadelige Dinge, aber gefährliche für einen Seelen forscher. Für dieses Aroma ist bezeichnend die .Freud'sche Meinung: „Der Inhalt des Unbewußten ist den Geistern der Hölle znzurechnen. Wir werden gelenkt von unbekannten, unbcherrschbarcn Mächten". Wir haben hier den ausgeprägten Gegensatz zu einer Weltanschauung, wie sie etwa in dem Schiller'schcn Wort lebt: „Ter Mensch ist frei geschaffen, ist frei, und war' er in Ketten geboren!" In Freud'scher Auffassung sind wir unfrei und verstricken uns* im'mer tiefer, wenn wir den Fesseln unserer Triebe entrinnen wollen. Seine Einstellung ist verwandt dem Ohnmachtsgesühl, wie es sich im Tämoncnglanben des Mittelalters ausspricht. Pessimismus ist keine gute Grundlage für den Erzieher. Aber trotzdem ist die Psychoanalyse tief eingedrungen in Pädagogen- und Theologenkreisen, begreiflich bei allen denen, die cs mit verwahrlosten, geistes- oder seelenkranken Kindern zu tun haben. Aber betrachten wir vorurteilsfrei das, was die Tiefenpsychologie der Allgemeiupädagogik zu bieten hat. Tie Lehre von der Verdrängung enthält ohne weiteres die Mahnung für den Erzieher, nicht mit Chokwirkungen zu arbeiten, die Kinder nicht zu erschrecken, sie vor Szenen jeder Art zu schützen. Ein Pädagoge der fünfziger Jahre hat es einfacher und sehr hübsch ausgcdrückt, wenn'er sagt: „Zum Erziehen von Kindern ist wie zum Ausbrüten von Küchlein Wärme und Stille nötig." Nun können wir cs aber nicht immer vermeiden, daß die Kinder chokartigen Erlebnissen ausgcsetzt sind. In solchen Fällen müssen wir das unscrige dazu Inn, daß ein langsames Vergessen und nicht eine gewaltsame Verdrängung stattfindet. Wir müssen, wie Freud sagt, die Sache „abrcagieren" lassen. Das Kind soll sich des öfteren darüber aussprechcn dürfen, wenn es den Wunsch danach hat. Aber freilich: Kinder können sich oft nicht aussprechen. Dafür aber haben sie eine andere Ausdrucksmögtichkeit, und die liegt im Spiel. Die Aufmerksamkeit, die den: kindlichen Spiel als Offenbarung unbewußter Triebe zu schenken ist, kann gar nicht groß genug sein. Und wenn Sie die Pädagogen — wie Fröbel oder die Montessori — fragen, und nicht den Psychiater, so werden Sie hören, daß im Spiel das Kind sein eigentliches Leben lebt. Die Wissenschaft von der Machtsphäre erweist, daß wir vom Kind keine Logik im Leben und Handeln verlangen können, und ebensowenig befriedigende Erklärungen für Dummheiten oder Geniestreiche, mit denen es uns gelegentlich überrascht. Wenn so starke Impulse den erwachsenen Menschen treiben, deren er sich nicht bewußt ist, wie sollten wir dann vom Kind Antwort auf die Frage bekommen: „Weshalb hast du das getan?" Das sollten sich besonders d i e Erzieher merken, die überall Trotz und Verstocktheit witteru, wenn das Kind bei ihren Vorwürfen und Erkundigungen verstummt. (Sckluh folat.) „Keilpüdagogisches Ambulatorium". Von Georg Sawady. Prof. Tr. med. F. Schnecrfvhn, der Berliner Arzt und Heilpädagoge, ärztlicher Leiter der Poliklinik dev „Jüdischen Kinderhilfe zu. Berlin", bereits rühmlichst bekannt durch eine Reihe heilpädagogischer Schriften, hat kürzlich wieder eine kleine Schrfit „Heilpädagogisches Ambulatorium" erscheinen lassen. Obwohl das Schriftchen nur 40 Seiten zählt, fordert sein hochaktueller Inhalt geradezu zu einer ausführlichen Besprechung heraus. Diese Besprechung *oU vornehmlich den Zweck verfolgen, in Kollcgcnkreisev gebührend darauf hinzuwcisen und vielleicht Gemeindeverwaltungen in Städten mit großer jüdischer Bevölkerung zn ermuntern, ähnliche Einrichtun' gen, wie sie ine „Jüdische Kinderhilse" getroffen hat, zu organisieren. Es dürfte vielleicht nicht allgemein bekannt sein, das; dein Berliner Owlogen, dem derzeitigen Prof. Dr. Artur Hartmann, die Einrichtung des Schulärzte-Systems, das sich jetzt in fast allen Kulturländern eingebürgert hat, zu verdanken ist. Indem Hartmann zwei eklatante Fälle von Schwerhörigkeit (1900) bei Volksschulkindern an die Oeffentlichkeit brachte, von denen der eine Fall das Martyrium eines Schülers behandelte, der fünf Jahre in der untersten Klasse einer Volksschule wegen Schwerhörigkeit gesessen hatte, zeigte er deutlich, wohin es führen kann, wenn Kinder ohne ärztliche Beobachtung und ohne fürsorgerische Obhut 'herdenweise dahinzuleben gezwungen sind. Daß die Normalschulcn ihre Schulärzte Haben, ist heute gewiß als selbstverstäudliche und segensreiche Einrichtung zu bezeichnen. Aber viel wichtiger ist es, daß solche Einrichtung für die große Zahl der unglücklichen Anormalen besteht, von denen wiederum die Psychopathen gebieterisch nach heilpädagogischer Behandlung verlangen. Wohl gibt cs in den meisten Ländern Europas speziell, heilpädagogische Anstalten für die verschiedenen Kategorien psychisch abnormer Kinder, die auf eine dauernde, mindestens über das ganze Jugendalter sich erstreckende heilpädagogische Erziehung berechnet sind. Schneer - sohn sagt aber ganz richtig, daß es nicht wenig psychisch abnorme Erscheinungen des Kindesalters gibt, die keiner Anstaltsbehaudlung bedürfen, sondern bei denen eine ambulatorisch-heilpädagogische Behandlung genügen würde, z. B. bei vielen sozial bedingten oder durch Erziehungsfehler hervorgerufenen psychischen Schwankungen. In meinem in Düsseldorf anläßlich der Tagung der „Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden" (6. bis 8. Juni 1926) gehaltenen Referate „Die Fürsorge für jugendliche Psychopathen" führte ich ans, daß die beste Fürsorge ein besonderes jüdisches Heim für Psychopathen wäre, und daß cs außerordentlich zu bedauern sei, daß die jüdische Gesellschaft Deutschlands sich bis jetzt noch nicht dazn hat aufschwingen können, die jüdischen schulpflichtigen Psychopathen entsprechend zu versorgen; die Beelitzer Anstalt des D. I. G. B. für geistig zurückgebliebeue Kinder sollte nicht länger die einzige Anstalt 'bleiben. Wir vermissen noch immer die jüdische Anstalt für Psychopathen, schwer erziehbare, nervöse Kinder. Es sollte einmal der ernstliche Versuch gemacht werden, diese Kinder in ganz Deutschland zu zählen. 1924—1925 befanden sich nach einer von mir aufgestellten Statistik z. B. in den Berliner Hilfsschulen (nicht Groß-Berlin) über 100 geistig zurückgebliebene Kinder jüdischer Konfession. Wenn man bedenkt, daß alle Schwachsinnigen zugleich Psychopathen sind, so wird man ohne weiteres begreifen, -daß Beelitz allein nicht genügen kann. Das Bedürfnis nach einer jüdischen Spezialanstalt für psychopathische Kinder ist darltiu dringend und groß. Da etwas geschehen muß, und da sofort etwas geschehen muß, so empfahl ich schon 1926 sofortige Einrichtung von öffentlichen jüdischen Beratungsstellen für Psychopathen mit angeschlossenem Kinderhort für solche Kinder in allen Städten mit großer jüdischer Bevölkerung. Dieser Ruf ist bisher leider, leider verhallt. Lediglich die „Jüdische Kinderhilfe" hat ihre 1923 begonnene Arbeit' still, bescheiden und ohne viel Aufhebens fortiKKv: dreijä'n ist, 2^ Dders e: dieser . gische durch : denen Kinder nichts und isj oft die überwi A: gogisch püdagr unterst, bulcno: Am bu l. Soviel draics setzen, das ii, Kind? - Kino c könnt? r> . A.’. vier S. follre durchs z. i) . 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