Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 6 (15.6.1927)
- Date
- 1927-06-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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y< nmmer (> ^u5t)ri^(öcl)ul^citung. ^cire >r bcm Lobspruch für die Jnljrc; beim Gott zerschmettert die Brecher der Marktpreise und die Fälscher der Getrcidemaße und die in sträflicher Sicherheit lebcirbeir Reichen, denn sic alle gleichen in ihrer Stärke den Zedern (sie sind schwer zu vernichten). Gott aber segnet seine Welt und spendet ihr Wohlfeilheit (der Lebensmittel),' so bricht er den Stab des Frevlers (man beachte auch hier die Bezugnahme auf den Wortlaut des Verses 15 im Psalm 10, f. o.) und so segnet er die Fahre. — Wie sehr die Fälscher von Maß und Gewicht verurteilt werden, beweist (nach Raschi z. St.) auch der Wortlaut des <1. Buches Moses 19,: Ihr sollt kein Unrecht tun im Recht: an Längenmaß, Gewicht und Hohlmaß. (S. d.) Der Wortlaut unserer Bcnediltion bietet wenig Schwierigteiten. Cie schließt sich inhaltlich der vorausgegangencn B’roclioh logisch an. denn der leiblich und seelisch gesunde , Mensch bedarf der Ernährung und zu dieser des Beistandes seines Gottes. Co betet er in erster Linie um das tägliche Brot, bas nach der Aufsassung unserer Weisen in den sieben „Arten" (ya) des Ertrages (nKian von hü kommen) des heiligen Bodens sich darbictet: Erez cliittoh uß'auroh w’^efe» uüTmioIi w’rimmaun, crez s£s scheinen tid’wosch (V, 8,8). — Das Wort irVtf wird am treffendsten mit „unsertwegen" übersetzt. Heber das Textwort mittuwedio bestanden und bestehen bei den Redaktoren bzw. Exegeten des Gebets Zweifel. In den T'.sclmwaus berausch heifzt es darüber: Man sollte in Birkas haschsdionim beten: w’ßabb'emi mittuwedio, nicht aber mlttuwoli und nicht den von unsern Weisen geprägten Text ändern. Demgegenüber schreibt der Gaon R. Elijahu Wilna in seinen Anmerkungen zum Schidchan aruch: Man bete w’ßabb’iMiu inittuwoli, denn es bezieht sich auf das Land Israel, nicht aber mittuwedio. und der Verfasser des Istuii Iiatt'ti'lloli hält diese letztere Meinung für zutreffend erstens, weil sie dem Text in der sogenannten großen Naclib’roclioli entspricht: w’nißba mittuwoh (dort freilich auf ,ir hakkaudescli bezüglich), zweitens weil die ChacluiiC Iiatt’filleli zweifellos unter adomoli admas erez jisroel verstanden, drittens endlich weil in der kurzen Fassung klawinönu es einwandfrei heißt: W’dasdisch’iiöiiu bin’aus a r z e c h o, Inf; uns gedeihen auf den Fluren deines Landes! Rach dieser Meinung könnten auch wir mit diesen Worten die Sehnsucht nach dem Lande der Väter zum Ausdruck bringen. — Indessen haben die neueren Dezisoren, wie aus vielen alten Drucken und Handschriften hcrvorgeht, sich doch für den mehr auf unser gegenwärtiges und persönliches Bedürfnis und schließlich aus all e^Zeitverhältnisse zugeschnitteucn Text mittuwedie entschieden. — Der Kommentar Jaaraus d’wasch legt in dieses Wort auch den schönen Sinn, als beteten wir um Gottes Beistand im täglichen Erwerbsleben, um Schutz vor eigener und fremder Hnmoral und Unredlichkeit im Kampf ums Brot. Da Tau und Regen für das Gedeihen der Saat von höchster Bedeutung für das Land Israel, in dem Quellen nicht sehr reichlich fließen, mehr noch als für manches andere Gebiet, wie dies auch aus mannigfachen Schriftstellen ersichtlich — denken wir nur an Isaaks Segnungen seiner beiden Söhne — so ist cs nur natürlich, daß wir nach talmudischer, eingehend behandelter Vorschrift in dies Gebet das um Tau und Regen zu gegebener Zeit einschalten. Wir müssen diese einschränkenden Worte gebrauchen, denn bekanntlich sind die Meinungen darüber verschieden, ob man im Sommer auch um den Tau (tal) oder nur im Winter um Tau und Regen (tal umetor) beten solle. Der scphardische Ritus hat daher für jede Jahreszeit einen besonderen, an Poesie sehr reichen Text, der für den Winter größer als für den Sommer ist. Der letztere lautet in freier Hebertragung etwa folgendermaßen: Segne uns. Ewiger, unser Gott, in allem Werk unserer Hände, bedenke unser Jahr mit den Segnungen des Wohlwollens und der Milde, so das; sein Ende Leben. Sättigung und Frieden bringe wie die segensreichsten Jahre, denn Du, o Gott, bist gut und tust Gutes und segnest die Jahre. Im Winter betet der sephardische Jude etwa so: Segne unsertwegen, Ewiger, unser Gott, dieses Jahr und alle Arten seines Ertrages zum Guten und sende Tau und Regen zum Segen aus die Erdoberfläche und tränke das Antlitz des Erdballs und sättige die ganze Welt aus der Fülle deiner Güte, ja, fülle unsere Hände aus Deinen Segensquellen und aus dem Reichtum der Gaben Deiner Hand.. Beschütze und bewahre dieses Jahr vor allem Bösen und vor allen Arten der Entartung, vor allen Strafen und bereite ihm Hoffnung aus Glück und eine Zukunft des Friedens. Schone und erbarme Dich seiner, seines gesamten Ertrages und seiner Früchte. O segne es mit befruchtendem, mildem Regen, so daß sein Ende Leben, Sättigung und Frieden bringe wie die segensreichsten Jahre, denn Du, o Gott, bist gut und tust Gutes und segnest die Jahre. Psychiatrie und Pädagogik. Vortrag, gehalten tm Jüdischen Frauenbund zu München, von Erna Strauß. Zuerst möcht: ich Ihnen danken, daß Sie diesen Abend ctiicm Thema widmen wollen, das, wie kein anderes, der Erörterung i n Franenkreise wert ist, und das in praxi seit unendlichen Generationen im Mittelpunkt des Lebens jeder Frau steht, nämlich: der Erziehung unserer Kinder. Wer sich zu den: Grundsatz Pestalozzis bekennt, daß alle Lebensoerhältnisse nur besser werden können, wenn die Menschen selbst sich bessern, — und daß man da am besten bei der Jugend anfängt, weil mit dem Alter doch nicht mehr viel zu machen sei, — der wird die Wahl dieses Themas gerechtfertigt finden. Aber es gibt auch andere Stimmen unter Frauen und Männern, besonders aber unter Männern, die ironisch herablassend über die Erörterung von Erziehnngssragen lächeln, die sagen, „erziehen kann man doch, nicht lernen! Das muß man in den Fingerspitzen haben, dafür sorgt der angeborene Instinkt; dieser Instinkt kann nur verwirrt werden durch zu viel Theoretisches, und das, was gelernt wurde, wird womöglich an falscher Stelle angewendet." Ob diese Zweifler Recht haben? Nur sehr zum Teil! Tatsächlich ist — praktisch gesehen — Erziehung oon Kindern eine Kunst, keine Wissenschaft, und Kunst — Kunst ist in ihrer letzten Vollendung nicht erlernbar. Kein Maler kann malen, weil er Kunstgeschichte studiert hat, kein Musiker Shmphonicn schaffen, weil er die Kompositionslehre beherrscht, aber die meisten Maler interessieren sich für Kunstgeschichte, studieren auch Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers, kurz — sie bemühen sich um d i e Wissenschaften, die n m ihre Kunst gelagert sind, die im Zusammenhang mit ihr stehen. Sie erlernen eben das, was an Handwerklichem dazngehört und was erlernbar ist. Freilich — es gibt auch Künstler, die kein Bedürfnis nach irgend einer Theorie und Ausbildung haben, die die Lösung malerischer Probleme bei andern gar nicht interessiert, die nur auf sich gestellt sind. Solche ursprünglichen und oft starken Begabungen sind besonders im Volk in der Kunst der Erziehung zu finden. Sie sind allerdings so selten zu treffen, wie bei anderen Künstlern auch. Wir dürfen aber für die „große Masse" nicht mit den Ausnahmen rechnen. Wer kein Talent hat zum Malen, wird im allgemeinen nicht Maler werden. Aber dcr größere Teil der Menschheit wird Vater oder Mutter, und muß so — ob er wU oder nicht, ob