Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 6 (15.6.1927)
- Date
- 1927-06-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 gestützt, iin Texte fortfahren — dann möchten wir uns Deiner eigenen Heilung, Deiner unmittelbaren Hilfe rühmen. Der Verfasser des Ez jaußöf will diese Eebetworte, ähnlich wie die ersten der B'roclioh klaschiwönu. so auffassen: Hilf Du uns, o Gott, auf dem Wege zu unserer seelischen Genesung, dann können wir uns selbst weiter Helsen. Auf apperzeptionellem Wege schreitet der Text unseres Gebetes dann fort zu dem naheliegenden: W’haaR'lir’fuoh sch’lömoh l’cliol makkaußihiu, wörtlich auch auf Jeremiasworte zurückzuführen: Umimmakkaußajicli crpoech (30,17), inhaltlich nach vielen Kommentaren ganz auf körperliche Leiden bezüglich, wie auch aus dem erweiterten sephardischen Text ersichtlich: W’haaRMi aruchoh mnarpd l’cliol tachalutMiu ul’cliol mach’auwünii ul’chol makkaußötiu. Zn den weiteren Textworten Kl öl melecli rautö neernon >v'racliamon otoli sagt der Kommentar Acharis 1’scJioIaum (Verfasser Jizchok Elijohu Landau): Ein bervährter Arzt scheut nicht davor zurück, dem Kranken auch schmerzende Heilmittel zu applizieren, sogar auf die Gefahr hin, selbst unter dem Leid des Patienten mitzuleiden. So auch Gott als Raufe neemon. Als Raufö racliamou jedoch vermag Gott mehr als der menschliche Arzt: seine Heilkunst schließt auch die-Kraft in sich, durch sein göttliches Erbarmen schmerzende Heilmittel gänzlich zu vermeiden, denn Er ist nicht nur Raulö, sondern auch der allmächtige und allwaltende El melecli. Hier wird auch auf die im Zaum kippur-Gebet enthaltene Bitte des Raw luunm’nuno suto (B’rochaus 17 l) hingewiesen: Umall schecliotoßi l’fonecho, tnorök b’rachamccho liorabbitn awol lau al j’dö jißurim wocliolojim roim, unter Bezugnahme auf den Schriftvers (V,28,59): Wocliolojim roim w’neemonim; das letztere ist wiederzufinden in dem Gebetworte w’nöeinon; gegenüber dem roim aber steht das w’rachamon. In Wirklichkeit hat Abudrahani das Textwort umgestellt in Raukö rachamon w'neernon. Der Schluß der B’roclioh scheint, wie Elbogen durch den Hinweis auf den oben bereits angeführten Namen der Benediktion, sowie auf jer. B'rocliaus (s. o.) beweist, früher Raufb cliaulim gelautet, also alle Kranken in sich geschlossen zu haben. Elbogen führt. die etwas partiknlaristisch anmutende Einschränkung amrnau jisroel auf den in Schabbos 121 zitierten Wunsch beim Krankenbesuch zurück: klainmokaum j'rachern olcclio w’al cliaulö amrnau jisroiM. Man muß das nicht als „nationale Enge" — wie Bäck solche Erscheinungen in unserem Schrifttum nennt — aufsassen — nein, es ist, um mit Bäck zu reden, eine „Entschiedenheit des persönlichen Verhältnisses" zu Gott, die aus der Zeit, in der unser Gebet entstanden, sowie aus der späteren Ausschließung Israels durch seine Bedrücker nur noch besser zu verstehen ist. Uebrigens steht diesem Partikularismus der Universalismus einer der ersten B'roeliau8 unseres täglichen Morgengebets hellstrahlend gegenüber: Borueb atto kl., raufe chol boßor umafli laaßaus — du heilst alle Wesen und wirkest Wunder. Es lag nahe, bei dieser B'rocbob auch die Einschaltung persönlicher Bitten zu gestatten (s. o.) Daher wird hier im Einzelgebet durch Einfügung eines J’hi rozaun Gebetes vor den Worten kl öl melecli die Fürbitte für einen Kranken ermöglicht. 9. Ueber den neunten Lobspruch heißt es in M’^Uloli 17 -: Moli rou lau mar D'Wn I*D"n batt’schiis? Omar R. Alexander: k’neged mafkiü sch’orim! Warum ordneten die Weisen diese Benediktion als neunte an? R. Alexander sagt: Gegenüber den - Brechern der Marktpreise. (Wir kommen auf diese Antwort noch zurück.) — Auch in B’rocliaus V, 2 wird unser Lobspruch Birclia5 hasclischonim genannt. Er ist zweifellos einer der ältesten Bestandteile des Achtzehn- Gcbetes, entstanden zu der Zeit, als der Ackerbau im Heiligen Lande noch in Blüte stand und der Getreidehandel in Stadt und Land von höchster Bedeutung war. Aber schon in den nach- Nurnmer salomonischen und später in den Zeiten der Propheten hebt sich — nach May. Soziales Leben usw. — aus dein Bauernstände allmählich eine Schicht ab. die sich nicht begnügt, das eigene Getreide zu vertreiben, sondern darauf bedacht ist, möglichst viel kostbaren Ackerboden an sich zu reißen, und die Nahrung des Volkes zum Objekt niedrigster Spekulation, sogar durch Getreide- Handel nach dem Auslande, macht, so daß das Volt im eigenen Lande hungert. Auf diese Frevler an Land und Nation bezieh! darum der Talmud z. St. den Psalm 10 (nach der Auffassung, daß entweder die Psalmen 1 und 2 oder 9 und 10 zusammengehören. ist es der neunte, also auch in der Stellung dem Inhalt unseres Lobspruches angemessen), besonders auf den Vers 17» hinweisend: Sch’waur s’raua roseho, Zerbrich den Arm des Gesetzlosen!, wozu Naschi: Das sind diejenigen, die das Getreide verteuern und den Marktpreis brechen. (ivD neuhebr. von sclioaur berechnen, daraus auch schaar - Maß (siehe \,2\>. 12, worauf inhaltlich bezeichnender Weise auch der Midrasch, angeführt im ersten Teil unserer Abhandlung, bei dieser B’roclioh Bezug nimmt; vielleicht auch mit schaar Tor zusammenhängend, entsprechend 2. Kön. 7,1). Woher wissen wir aber, daß der Psalm sich aus diese Frevler bezieht? Weil es im Verse 9 heißt: Im Verborgenen lauert er wie ein Löwe in seinem Gehege, lauert, um einen Armen zu ergreifen, greift den Armen, indem er ihn in sein Retz zieht. Lauert denn ein gewöhnlicher Näuber auf Arme? Er sieht es doch vielmehr auf Reiche ab.. So kann der Psalm nur von einem Räuber sprechen, dessen Absicht darauf gerichtet ist. dem Armen zu schaden, und das ist der Getreidewucherer. Gegen ihn und sein schädliches Sinnen und Handeln richtet sich der Psalmist mit dem.Wort: Brich den Arm des Frevlers! — Diese Auffassung scheint auch der Einleitung S. N. Hirschs zu diesem Psalm zugrunde zu liegen: „Psalm 10 steht mitten im sozialen Leben dieser Zeitengegenwai t, schildert Sinnes- und Denkungsart eines einzelnen Menschen, der für sich jede Herrschaft des Sitteugesetzes nbgewcrfen, auf den Ruin feiner Mitmenschen die Befriedigung sein.'s Besitzes- und Gennsses-Strebens gründet und, wenn ihm auch die Erkenntnis nicht entgeht, daß die in solchen sittlich getrübt:» Zeiten den Gewaltstreichen der Gesetzlosen Erliegenden selbst noch der sittlichen Besserung bedürfen, so ringt sich ihm doch die Hoffnung aus der Brust, Gott wolle doch die Macht des Gesetzlosen insoweit brechen, daß die kecke Rücksichtslosigkeit n-'.cht weiter schreite. Leugnung des Gott-Daseins überhaupt oder doch göttlichen Einsehens in die irdischen menschlichen Dinge fei ja die Stütze aller ausschreitenden Gesetzlosigkeit. Eine Kundgebung der Gottes-Gegenwart in den menscheugesellschaftlichen Verhältnissen können allein — soweit Menschen- Kurzsichtigteit ein Urteil wagen darf — dem Fortschreiten einer solchen Gesetzlosigkeit Einhalt tun." Darum hebt der Talmud also den Vers la: Zerbrich den Arm des Gesetzlosen! besonders hervor und nennt unser Gebet im Sinne des „taawas anowim", des Wunsches der Bescheidenen (Vers 17) als k’ncKed inafk.il; seh’orim, gegenüber den Getreidewucherern verfaßt, denn uns. die wir, im Kriegsjargon gesprochen, größtenteils keine Selbstversorger sind, kann im Hinblick auf diese Leugner des sozialen Ethos doch nur die Hilfe des allgerechten Gottes, des Spenders alles Segens auf Flur und Feld frommen. Ganz die gleiche Idee beherrscht die unfern Lobspruck) betreffende Stelle des großen Midrasch Schaucher tauw zu Psalm 29, worin er die Ikmalige Erwähnung des Gottesnamens in diesem Psalm zum Anlaß nimmt, seinen Inhalt dem der mmu N"' gegenüber zu stellen. Es heißt daselbst: Kaut ad. schauwdr arosim: k’neml birclias hasclischonim, sclieirmi’- sehabber tnafkib sch’orim. umaktine efaus waaschirC schalwoh schehön kaarosim, um’worech aulomau timßwi saul loaulom, w’schauwör matteh roseho — k’neßod m’worüch hasclischonim. „Die Stimme des Ewigen zerbricht Zedern" — das entspricht Jüdische Schulzeitung