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Jüdische Schulzeitung · 1927-06-15 · 6 (15.6.1927) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
3 (1927)
Issue
6 (15.6.1927)
Date
1927-06-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Monatsschrift für Pädagogik und Schulpolitik Herausgegeben vom „Verbände der jüdischen Lehreroereine im Deutschen Reiche" ie „Jüdische Schulzeitung" erscheint am 15. ues jcdenMouatsundwird allen Mitgliedern videm „Verband der jüdischen Lehrervereine .u Deutschen Reiche" angeschlossenen Vereine l.sienlos zngestellt. — Post-Bezugspreis für h i ch t Mitglieder: AN. 1.20 pro Quartal. Hamburg, 15. Juni 1027 Druck, Verlag und Geschäftsstelle: M.Letzmann, Hamburg, AVC-Straßc 57. Fernsprecher: Elbe 7910, 7011, Vulkan 8683. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. Steinhardt- Magdeburg, für den Inseratenteil: E.Loos, Hamburg. Anzeigenpreis 40 für die Kgespaltenc Nonpareille-Zeile. Inhalt dieser Nummer: Das Achtzehn-Gebet von Z. B. L e v y (4. Folge). Psychiatrie und Pädagogik von Frau Erna Strauß. Heilpädagogisches 'tmbulatorium von Georg Sawady. Literarisches. Bei der Schriftleitung eingegangene Bücher. Notiz. Das Achkzehn-Gebel. Exegetische Studie von I. B. L e v y. IV. Folge. 8. Zudem Lobspruchsagt der Talmud in Mcgilloh 172: Moli ro» lau mar r’fuoh baschsch'minis? Omar R. Aclio: Millaiicb scliennitt'noli miloh baschscirmiiii, schez’riclioli r’ftioli, l’ficlioch k’woulio baschsclunims. Warum wurde der ^obsprnch.>7X131 als achter augeordnet? N. Achcr sagt: Weil das Gebot der Veschneidung am achten Tage vollzogen wird und diese der Heilung bedarf, darum setzten die Weisen diese Benedittion an die achte Stelle. — In Awaudoli soroli (8') heißt es jedoch: Im je^cii eliaulcli b’ßauch beöau, amnür (z’rocliow) b’wirkas ö’Vlfi* Hat man Veranlassung, für einen kranken zu beten, so rut man dies im Lobsprnch „eimuHm" (wir werden auf diese bedeutungsvolle Bezeichnung unserer B’rochoh — im Trakt. B'rocliaus des jerus. Talmud heißt sie sogar nach ihrem Schluß v'^IN K311 — noch zurückkommen). Der Kommentar Lecker bastaum stellt den geistigen/Zuscunmenhan.g mit der vorigen B’rochoh dadurch her, daß er darauf hinweist, nur der aus drückender Not Befreite strebe nach körperlicher Gesundheit und Kraft, um so in Dankbarkeit zu seinem Befreier diesem mit Leib und Seele dienen zu können. Trotzdem wir bisher, den von vielen so beliebten, auch von Bär gewissenhaft angeführten Zahlendeutungen keine Beachtung geschenkt haben, ist doch der Hinweis auf die Zahl 27 der Worte des nachfolgenden Schriftverfes (II, 15,26) so bedeutungsvoll, die gleiche Zahl der Worte unseres B'rochoh-Textes so eklatant und der tiefe Inhalt eben dieses Verses für das Verständnis des Gebetes so wertvoll, daß wir an dieser Stelle unsere Abneigung gegen diese in kabbalistische Spielerei ausartende Deutungsweise, wie sie insbesondere der unter dem Namen „Baal battuiim“ bekannte Gelehrte (1340) Jakob ben Ascher, der Verfasser der Arba Turim, ausgebildet hat, unterdrücken und vielmehr diesen Schriftvers zum Ausgangspunkt der Deutung unserer B’rochoh machen. Wir folgen dabei dem Kommentar Malbim des bekannten geistreichen Schrifterklärers Möir Leibus: l’l’iD IV'm -]MVk 71 Vlj?V NL2N S71BP DK IDK’1 nVrran Vd r>pn Vs mnwi 1'M82V nimm ntwm -1K31 'n ’ik n *pVs; d^k kV Dnxnn ivK Und (Gott) sprach: Wenn du gehorsam hören (nach Malbim: erfassen) wirst (aus) die Stimme des Ewigen, deines Gottes, und. was recht in seinen Augen ist, tust, und dein Ohr neigst seinen Geboten und wahrest all seine Satzungen, dann werde ich alles Leiden, das ich Aegypten auferlegte, dir nicht auferlegen, denn ich, der Ewige, bin dein Arzt. Zn diesem Cchriftverse schreibt Malbim in größter Ausführlichkeit/ kurz gefaßt etwa wie folgt: Die Krankheit Aegyptens war keine wesenhafte, sie lag vielmehr in der Verderbnis seiner Volksseele. Wegen ihrer Sittengreuel schlug Gott die Aegypter mit unnatürlichen, unheilbaren Leiden, während doch körperliche Leiden sonst meistens geheilt werden können. Gott ruft aber dem Volke Israel zu: Wenn ihr auf meine Stimme höret, so sind meine Gebote und Satzungen das Holz, das selbst bittere Wasser zu versüßen, d. h. die Verirrungen der Seele durch meine Hilfe aufzu.^eben geeignet ist — ich bin dein Arzt und heile dich durch übernatürliche, rein geistige Mittel. Die Krankheiten und Leiden Aegyptens waren freilich so tief, daß sie unheilbar genannt werden, a8cl,or lau üucliai l’hörofe (V, 28,27). Ich abergebe dir das Heilmittel vor der Erkrankung,' war der Zweck der ägyptischen Plagen die Strafe, so werde ich euch stets nur bestrafen, um euch zu heilen. Wie ein Arzt vor einem Aderlaß für blutstillende Mittel sorgt, so gebe ich auch euch vor eurer Erkrankung in meinen Satzungen das Heilmittel, und schicke ich euch ein Leid, so tue ich es als Arzt eurer Seele, und alle meine Vorschriften sind nicht die des Herrn, dem Knechte auferlegt, sondern die des helfenden Heilkundigen: beachtet ihr diese meine Anweisungen, so werdet ihr bald erkennen, daß meine Prüfungen und Strafen, die ich euch auferlege, keinen andern Zweck haben als die Gesundung eurer Seele, als die Ertüchtigung eures Volksgeistes, als die Stärkung des Eottesgedankens in euch zu eurem Wohle. So bin ich euer Arzt: nicht der strafende Gesetzgeber, nicht der Strafrichter, sondem der Helfer und Retter im Lei-de, durch das Leid. (Nur so ist unseres Erachtens das begründende vj des Schriftverfes zu verstehen: wozu brauchten wir einen Arzt, wenn wir vor Krankheiten verschont blieben?) Wenn wir nun ferner auf die Quelle unserer Textworte R'toönu usw. zurückgehcn, die wir in der Einzahl im 17. Kap. des Jirmijahu, V. 14 finden: Heile mich, o Ewiger, dann bin ich geheilt! Hilf mir, dann ist mir geholfen, denn nur dir erklingt mein Lob! — so finden wir auch hier, daß der Prophet Gottes Hilfe aus seelische m Leid erfleht, wie der moderne Erklärer S. L. Gordon cs so treffend zum Ausdruck bringt: Heile Du, o Gott, der Du „Herz und Nieren" des Menschen erkennst, erlöse Du mich aus den Seclenqualen, die mein prophetischer Beruf mir auf erlegt' hilf Du mir vor meinen Verfolgern — nur dann ist mir geholfen, auf andere Hilfe hoffe ich nicht, nur Deiner Hilfe kann ich mich immer rühmen (t’hilloßi von hisliaillel). ' Aus diesen Eedankengängen heraus verstehen wir die Ausführungen des Sohar zu dem angeführten Prophetenwort: Warum die Worte w’erofe und w’iwwoschcoh? Gottes Heilungen erfolgen manchmal durch einen Boten Gottes, durch den Arzt — so geheilte Krankheiten können sich wiederholen. Nicht die von Gott persönlich gewährte Hilfe — sie wirkt für immer scgensvoll. Hilfst Du selbst uns, o Gott, dann ist uns geholfen. Dann — so möchten wir. mit Eo-rdon, auch auf Raschi z. St.

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