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Jüdische Schulzeitung · 1927-05-15 · 5 (15.5.1927) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
3 (1927)
Issue
5 (15.5.1927)
Date
1927-05-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nummer 5 schwere Folgci! zeitigen: Tod und Verderben selbst-unter den Frommen und Thorajchülern; im vierten Jahre wird teilweise Sättigung» im fünften grosser Ucberflutz eintretcn. Speise und Trank und auch Wiederkehr der Thoragelehrsamkeit; im sechsten Jahre werden die ersten Schofartöne erschallen, die Herolde des Messias, im siebenten Kämpfe zwischen Israel und den andern Völkern bevorstehen, bis endlich b'mauzoö sdfwiis ben dowid bo, am Ausgang des siebenten Jahres der Davidssohn erscheinen wird. — Wir müssen mit Raschi — trotz der Anklänge an die messianische Hoffnung —diese Bitte auf unsere persönlichen Nöte beziehen. Nur so patzt sie in die Mitte zwischen S’ladi loiiu und R’ioenu. Schon Zunz findet sie sonst überflüssig oder mindestens am Unrechten Ort. Es nimmt daher nicht wunder, datz Elbogen das Problem der Aufnahme dieses Lobspruchs an dieser Stelle anders zu lösen versucht: „Seiner Umgebung nach müßte es eine Bitte um Befreiung aus persönlicher Not, etwa aus Gefangenschaft oder ähnlicher Bedrängnis, sein, dem widerspricht aber der Wortlaut. Befreiung von nationalem Elend wiederum ist in den folgenden Stücken erbeten und patzt nicht inmitten der persönlichen Bitten; es ist aus der allgemein gehaltenen Ausdrucksweise auch schwer zu erkennen, welcher nationale Druck gemeint ist. Aus allen Schwierigkeiten finden wir einen Ausweg, wenn wir auf die ältesten Quellen zurückgreifen. Da wird von einer eigenen Liturgie für die Fasttage berichtet, an denen die Bitten der täglichen Tefilla vorgctragen und noch sieben andere eingeschaltet wurden. Die erste der für den Fasttag bestimmten begann mit R’öh w’onjßnu und schloß mit Gauöl jisroöl, ganz so wie heute die 7. Benediktion der Tefilla.- Die Identität fiel frühzeitig auf, schon der Talmud wußte sie nur durch die Annahme zu erklären, datz nicht sieben, sondern nur sechs neue Bitten eingeschaltet wurden, datz die erste der sieben nur Erweiterung der täglichen Bitte R’eh w’onjönu war. Inzwischen war nämlich die Not des täglichen Lebens zu groß und R’öh Bestandteil des täglicherr Gebets geworden. Stammt R’öh aus der Fastenliturgie, dann ist auch seine Stellung in der Tefilla erklärt; die Fastengebete knüpfen 'an die Bitte um Sündenvergebung an, darurn steht R’öh unmittelbar hinter S’lachlonu, der Bitte um Vergebung der Sünden." — „Wenn es eine Stufenleiter von Leiden gibt, so hat Israel die höchste Staffel erstiegen; wenn die Dauer der Schmerzen und die Geduld, mit welcher sie ertragen werden, adeln, so nehmen es die Juden mit den Hochgeborenen aller Länder auf; wenn eine Literatur reich genannt werden darf, die wenige klassische Trauerspiele besitzt, welcher Platz gebührt dann einer Tragödie, die anderthalb Jahrtausende währt, gedichtet und dargestellt von den Helden selber?" — nichts könnte die Einleitungsworte unserer B’rochoh R’eh w’onjenu, sieh unser Elend an? ergreifender rechtfertigen, als diese Worte des großen Leopold Zunz zur Einleitung der Leidensgeschichte Israels in seinen Butz- und Klagegebetcn, „Schaue vom Himmel und sieh, datz wir zum Spotte und Hohn unter den Völkern geworden, wie das Opfertier, das zur Schlachtbank geführt, zum Tod, zur Vernichtung, zur Mißhandlung, zur Schmach", so seufzen und klagen wir deshalb. Wenn uns auch aus Prophetenmund immer wieder vor Augen gehalten wird: Hün, baawaunaußöchem nimkartem, datz wir um unserer eigenen Sünden willen in die Verbannung wandern mußten, so ist doch das Leid durch die Gottesgeitzel der Völker gar zu schwer für uns geworden: „Wo wächst die Schmach denn, die dir nicht geschah? Dein Sinn, dein Leib, wird allen Abscheu. Ekel — . . . Man speit ins Antlitz dir. Man tut es! Jedes Volk, dran du dich schmiegtest, Es brennt dich aus, wie eitriges Geschwür. Du Liebling Gottes, wirst der Welt verhaßter, Als Pest — als giftiges Kraut — als tolles Tier!" Seite 5 Mit diesen Worten malt ein moderner Dichter grauenvoll dies unser Schicksal ans, das uns in den Tagen der ukrainischen und rumänischen Pogrome säst mit ihm zu der Erkenntnis kommen läßt, wir seien „der von Gott erkorene Prügelknabe", an dessen Dulderleib Er sein Eotttum andern Völkern ein peitsch!. Doch lebt in uns „seliges Vertrauen" und noch in Maliern fühlen wir, datz Gott uns nicht ganz verwirft — so beten wir zu ihm, überzeugungstreu mit unserer Stammmutter Lea «usrufend: Ri rooh adaunoj b’onji (I, 29,32) und erinnern uns mit dem bezeichnenden Worte daß wenn auch unser Eolus das von Gott gewollte, uns auferlcgte Schicksal ist, dies (.in der Pctzach-Hcggodoh mit den Worten su p’risdius derech erez erklärt), diele Qualen über Gebühr nicht des Allgütigen Wille sein können. Da wir aber in unserm Kampfe gegen Unrecht und Frevel allein zu schwach sind und leicht erlahmen, beten wir mit dem Psalmisten (119,154): Riwoh riwi ug’olöni, streite Du. o Allmächtiger, unsern Streit — denn es ist Dein Streit, weil es Dein Name ist, der in der Beschimpfung Deines Volkes mit beschimpft wird — „warum sollen die Völker sprechen: wo ist denn nur ihr Gott? Um deinetwillen übe mit uns Liebe, o zögere nicht!" Hast Du uns doch durch Deinen Propheten (Jes. 48,9 ff.) zugerufen: L'maan 8cli'mi, um meines Namens willen halte ich meinen Zorn hin, um meines Ruhmes halber bändige ich ihn Dir zu lieb, datz ich dich nicht ausrotte. Fürwahr, ich habe dich geläutert, aber nicht als Silber, ich habe dich geprüft im Schmelzofen des Elends (auni). Um meinet-, um meinetwillen tu ich's, denn wie würde mein Name entweiht werden, und meine Ehre will ich keinem andern abtreten. — Und auch an das Jeremiawort denken wir und nennen Dich den Gauöl cliosok * (50,3IJ): So spricht der Ewige der Heerscharen: Vergewaltigt sind die Kinder Israels und die Kinder Judas allesamt, alle ihre Zwingherren halten sie fest, weigern sich, sie frcizulassen. Doch (^aualom cbosok) ihr Erlöser ist stark, Ewiger der Heerscharen ist sein Name, (riw joriw riwom) Er wird ihren Streit führen! So schließt denn die Venediktion gleichlautend im Wortlaut mit Jes. 49,7, mit der Anrufung Gottes als Gauö! jisroöl, als Erlöser Israels. In Uebereinstimmung mit fast allen Kommentaren, sowie besonders des Talmuds (P'ßodiitn 117,2) in den Worten Z’laußo gauöl jisroöl mai taamo? d’racliamö nin’hu! macht der Verfasser des Jaaraus d'v/asch auf die Präsens-Form besonders aufmerksam: misdisdium sohcbb'diol jaum Kauöl paudeh umazzil — Gott befreit uns täglich aus allen Nöten. Auch in der Midraschsammlung Ln jaakauw heißt es, datz diese B’rodioh sich auf die Befreiung aus den Leiden während des Exils, nicht aber auf die aus dem Exil selbst beziehe. — Doch wollen wir nicht verfehlen zu erwähnen, datz Midrasch und Talmud an verschiedenen Stellen das GauÖl jisroöl auch auf die Zukunft hinzielen lassen. An Fasttagen schaltet der Vorbeter hier das ujy mit der besonderen Eulogie hoauneh b’ös zoroh ein. Es bleibe uns Vorbehalten, diese und andere Einschaltungen bei anderer Gelegenheit zu besprechen. Anregungen und Anträge für den israelitischen Religionsunterricht an den Schulen in München im Anschluß an die Lehrordnung für die bayerischen Volksschulen. Auszug aus einem Referat"), erstattet in der Sitzung des Schulausschusses der israelitischen Kultusgemeinde am 16. Februar 1927 von S. Dingfelder, Oberlehrer. (Schluß.) 3. Der unkindlichen und unpsychologischen VersrÜhung in den gebotenen Unterrichtsstoffen gegenüber muß die *) Die unter „." angeführten Sähe sind der Lehrordnung und der Einführung in die Lebrordnung entnommen, welche Herr Ministerialrat Lex dem Landesschulbeirat vorlegte. Jüdische Schulzeitung.

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