Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 5 (15.5.1927)
- Date
- 1927-05-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 5 Jüdische Schulzeitung. ___ Philosophen zu diesem Gegenstand auch nur auszugsweise bringen. Wir wollen nur auf sie und die vielen Bibelworte, aus denen sie ihre Gedanken geschöpft, Hinweisen, so: V, 10, 12 und 20, Jes. 55. 6—7, Jcchcskel — der Prediger der wahren Umkehr und Gottes Wohlgefallens (Iiorauzeli dißschuvoli) an ihr — Kap. 18, Hosea 14, 2, Joel 2, 13 usw. Ein besonders prägnantes Wort Philos fei noch herangezogen: „Wenn sie jedoch die angedrohten Strafen nicht so aufsasicn werden, daß sie ihnen zum Verderben gereichen, sondern dag sie ihnen zur Warnung dienen sollen, und wxnn sie aus Scheu vor ihnen mit ganzer Seele sich bekehren (bißschunoh sdr'lßmdi!), wenn sie sich Vorwürfe machen wegen ihres Irrweges und ihre Sünden laut bekennen werden, dann werden sie Vergebung erlangen bei dem hilfreichen und gnädigen Gotte, der dem Menschengeschlecht ein ganz besonderes und bedeutsames Gnadengeschenk gewährt hat, die Verwandtschaft mit der göttlichen Vernunft (sie!), nach deren Ebenbild der menschliche Geist geschaffen ist." Aus dem talmudischen Schrifttum, aus dessen Anschaungstreis der Text der srtp entstanden, wollen wir noch Folgendes anführen: R. Elieser pflegte zu sagen: Kehre um einen Tag vor Deinem Tode! (Owaus II, 10.) Da fragten ihn seine Jünger: Welcher Mensch weih denn, an welchem Tage er sterben wird? Er antwortete ihnen: Darum muh er tagtäglich Einkehr erhalten. so wird er sein ganzes Leben in T’schuwoh zubringen (Sdmbbos 1533). R. Abbahu lehrte: Mokauin schcbbaalß t’schuwoli aum’ diu, zaddikim sfmurini önoni aum’din. Die gesündigt haben und umkchren, stehen höher als jene, die nie gesündigt haben, denn so heißt cs (Jes. 57. 19): Friede, Friede dem Fernen und dem Nahen! (IZ'rodiaus 343 u. a.) Endlich noch einige Ausspüche des Maimonides in Mischneli Tauro, Hilcluuis T’schuwoh: Glaube ja nicht, daß die Tschuwoh nur für Sünden erforderlich fei. die eine schlechte Handlung betreffen, nein auch sündige Regungen und Gedanken heischen Umkehr. — Auch glaube der sündige Mensch nicht, daß er, wenn er reumütig auf den rechten Weg zurüäkehrt, wegen der früher begangenen Sünden weit hinter dem Gerechten stehe. So ist es nicht: er ist dem Schöpser lieb und teuer, als ob er niemals gesündigt hätte, und nicht nur dies: Gottes Lohn wird für ihn groß sein; denn er hat die bösen Triebe überwunden und sich von den Sünden befreit, deren Genuß er kannte. Aus dieser Eedankensphäre heraus folgt nach der Bitte um rechte Eottescrkenntnis, um Erkenntnis des menschenwürdigen, Gott ebenbildlichen, vernunftgemäßen Tuns die Bitte um religiöse Erneuerung. Das Einlcitungswort „Haschiwenu“ ist den Schlußoerfen der Klagelieder des Jercmia entnommen: Mache uns umkehren, o Ewiger zu Dir. dann wollen wir umkehren! Zu diesem Wort bemerkt der Midrasch rabboh: Die Gemeinde Israels spricht zu dem Heil. g. s. E.: O Herr der Welt, in Deiner Hand liegt es: Laß uns umkchren! Darauf aber antwortet Gott: Nein, es liegt an Euch, denn so sagt der Prophet Maleachi (3): Kehret zu mir zurück, dann kehre ich zu Euch zurück, so spricht der Ewige. Da aber erwidert Israels Gemeinde: Es liegt doch in Deiner Kraft, o Gott! Denn der Psalmist betet: Kehre um zu uns. Gott unseres Heils und brich Deinen Zorn gegen uns — willst Du uns ewig zürnen? (Ps. 85. 5). Danach also müsien wir die Formen in unserer Vcnediktion Haschiwßnu und Hacliasirßnu mit dem Talmudwort: (Jaumo 392) Habbo littahßr m’ßajin außau, Wer den Willen hat, sich von der Sünde zu befreien, bedarf der liebevollen Hilfe (Gottes), fo auffasien, als beteten wir um Gottes Beistand bei unferm seelischen Reinigungswerk: Mache uns umkehren, hilf uns bei der Rückkehr zu Dir! Wie sehr dieser Gedanke den Hauptinhalt unseres Lobspruches bildet, zeigt ferne Fassung rm Palästinischen Ritus (R. Saadja), die außer der Eulogie horauzeh bißschuwoh nichts anderes als den Jeremiavers enthält. — Zu den beiden ersten Wendungen der Venediktion bemerkt der Verfasser des Hz Jaußöf: Zu dem Thorawort 1'aurolr ziwwoli lonu mauscheli, mauroscholi k’hilias jaakauw (V, 33, 4) heißt es im Midrascu: Wie ein König immer wieder zu seinem Erbe, wie ein Sohn immer wieder in sein Vaterhaus, so kann der vom rechten Wege Verirrte auch immer wieder zu seinem Vater zurückkehren, darum rufen wir hier den Allvater mit 13V1K an. Wir fahren aber fort W’kor’wenu malkönu laawaudoßeclio, weil unsere Weisen (Owaus III, 6) sagen: Wer das (Geistes-) Joch der Thora von sich wirft, dem wird das (irdische) Joch strenger Herrschaft auferlegt; darum beten wir: Nähere uns Deinem Dienste, Du unser himmlischer König, auf daß uns nicht ein schweres irdisches Joch auferlegt werde. Wird doch auch das Gebot Gottes.1712V genannt, so oft in der Heiligen Schrift: weil Du nicht gedient hast dem Ewigen, Deinem Gotte; der rechte Dienst Gottes ist eben das Gebet, er ist mit den Worten gemeint: ihm zu. dienen mit eurem ganzen Herzen — Awaudoh schebb’löw su t’filloh! Diesem Dienste aber müssen wir erzogen, genähert (w'kor’wßnu) werden, wie der Psalmvers sagt (05, 5): Heil dem, den Du erwählst und h e r a n t r e t e n lassest. (uß’korßw), daß er bewohne Deine Höfe. — Das Wort 121'INN ist nicht biblischen, sondern späthebräischen Ursprungs. — Die Wendung „T’schuwoli sch’lßmoh“ ist auch im N’iloh-Gcbet enthalten und hier durch den Vergleich mit den Ischsdiim und Nichauchim, den vollkommen in Rauch und Flammen aufgehenden Opfergaben vorzüglich symbolisiert, durch die wir (nach Hirsch) unser ganzes Wesen dem Feuer des göttlichen Gesetzes zur Läuterung, Erleuchtung und Belebung yingcben, um fortan ganz der Erfüllung des göttlichen Willens zu leben. Das ist die 'lUmwdi, die zu Maaßim tauwim, zu gottgefälligem Leben führt, die Umkehr, von der in den Epr. d. V. (IV, 22) Rabbi Jaakauw sagt: Besser eine Stunde in Rückkehr zu Gott und in guten Werken in dieser Welt, als alles Leben in der zukünftigen Welt. — Das Wort -pr)^ erinnert den Verfasser an die Auslegung des Weisenwortes in Owaus II, 18: W’a! t’lii roscho b i f n ß azmecho, sei kein Frevler vor Dir selbst, durch Rambam: So jemand, so sagt dieser Erklärer (nach Lehmann), sich selbst für einen Vösewicht hält, so wird er vor keiner Sünde zurückschrecken. Daher warnt der Weise und spricht: Halte Dich nicht selbst für einen" Bösewicht, für ganz und gar verloren. Verzweifle niemals an Dir selbst und an der Gnade des allbarmherzigen Gottes. — In anderer Weise erklärt Rabbi Samuel de Oseda den gleichen Ausspruch: Glaube nicht, daß Du für Dich allein ein Bösewicht sein kannst, daß Du sprechen könntest: Was geht es andere an, was ich tue? Zwischen Dir und Deinen Mitmenschen besteht der engste Zusammenhang: Kd Jisroel arewim seh boseh. (Darum ist der Plural gerade in diesem Gebete besonders angebracht.) — Ich möchte diese Worte aber als eine ausdrückliche Demonstration gegen die christliche Lehre von der Erbsünde auffassen und sie so in Zusammenhang mit unserm Eebettext bringen: Hast Du auch biknß azm’cho, in Deinen Augen und vor Deinem eigenen Gewissen, schwer gefrevelt, Du hast immer, bis zu Deinem Tode noch, die Fähigkeit, lifnö liammokaum boruch liu, vor Deinen höchsten Richter hinzutreten, ohne Helfer, ohne Vermittler, nur durch Bekenntnis, Reue, Umkehr. Sein Erbarmen' zu erflehen, Dich selbst zu reinigen vor ihm. dem Liiannun w'rachum, erecb appajim w'raw cheßed. Du, Israelit, hast die Kraft, Dich selbst aus den Klammern der Sünde zu befreien. „Aschrßchem Jisroßl, lifnö ml attem attem mittaharim, lifnß melech malchö hamm’lochim, hakkodausch, boruch hu!“ So ruft R. Akiba seinem Volke zu: Heil Luch. Israel vor wem könnt Ihr -Euch selbst reinigen?