Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 4 (15.4.1927)
- Date
- 1927-04-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nummer 4 ' ^u^ch e"<Lt?)ü^e^ung^ tonte b;| 3. Erziehung zu flfaubntälvcucn Juden und djaraftcr* vollen Persöulichkeiten. In einer wertvollen Arbeit „Zum Entwurf eines Lehrplanes für den israelitischen Religionsunterricht in Baden" stellt Dr. Pfälzer das Ziel: „Ausgabe des jüdischen Religionsunterrichtes muß letzten Endes immer die Erhaltung der jüdischen Religion und des Judentums sein. Dies Ziel kann nur erreicht werden, wenn cs gelingt, unsere Jugend bei der Religion zu erhalten. Deshalb soll dem Kinde positives Wissen von unserer Geschichte und unserer Lehre bcigcbracht, und cs durch Unterricht im Hebräischen befähigt werden, an dem Gottesdienst teilzunehmen." Wir sehen in den Lehrzielen, wie selbstverständlich eine Uebcreinstimmung, die nicht so einig im Weg zum Ziel, in den Methoden und in dein Ausmaß des darzubictenden Stofsgebictes zum Ausdruck kommt. Die neue Lchrordnung, verfaßt von Ministerialrat Lex, entstanden aus der praktischen Arbeit in der Volksschule, berücksichtigt die wissenschaftlichen Untersuchungen an der Kinderseclc und kommt in den allgemeinen Richtlinien zu Ergebnissen, an denen wir auch im Religionsunterricht nichtvorübergchen dürfen. Ich hebe das Bedeutungsvollste hervor, auch wenn es nicht allenthalben Neuland ist. Der leitende Gedanke des ganzen Werkes ist der G c d a n k e d e r E rz i eh un g s/- schule „Die Volksschule ist Erzichungsschule für die gesamte Jugend unseres Volkes." 1. „Die Schule ist freilich nur eine Erziehungsmacht — auch andere Erziehungsmächte beeinflussen die geistige Entwicklung des Kindes". Es ist nicht nötig, zu bemerken, daß gerade bei uns Juden dein religiösen Gedanken und Erleben von Erzichungsmächten, die außerhalb der Schiile liegen, Hindernisse entgcgenstehen, gegen die der Religionsunterricht nur schwer auskommt, oft erfolglos kämpft. 2. Jede Erziehung muß ihren Ausgangspunkt vom Kinde nehmen, wie cs ist; denn es ist das Objekt, das gestaltet, geformt werden soll. Dies gilt auch von der religiösen Erziehung. Jeder jüdische Lehrer weiß, wie selten in zahlreichen jüdischen Familien der religiöse Keim, der in jedem Kinde lebt, gepflanzt wird, ja wie er -meist verkümmert. Tie Lehrordnung erstrebt ein Zusammenwirken mit den in und „außerhalb des Unterrichts anzuwcndenden besonderen Erziehungsmaßnahmen." Wir sehen solche im Jugcndgottesdicnst, in religiösen Schulfeiern, in Führungen der Schüler in die Synagoge, aus den Friedhof, in Elternabenden und in der Beratung der Eltern in der leider so wenig ausgesuchten Sprechstunde der Religionslehrer. (Schluß folgt.) anzneignen, ebensowenig wie die Tausende und Abertausende, .die heute hebräisch sprechen, ganz abgesehen von den sphardischen Inden. Also raffen wir lins auf und gewöhnen uns die bessere Aussprache an. Tenn daß die unsrige verdorben ist, liegt auf der Hand. Tie Juden, die mit den Römern nach Deutschland kamen, wohnten am Rhein und an der Mosel. Später verbreiteten sie sich in den Tälern des Neckar und des Main. Dort wohnten aber vom 5. Jahrhundert an die Franken, und von diesen wurde die Ablautung von o nach au, von a nach o übernommen. Gar manches in den jüdisch deutschen Dialekten erinnert an das Altfränkische. Die Juden in Südwestdcutschland sprechen heute noch fast ein reines Fränkisch; nur wenig ist aus dem Allemanischen in diesen Dialekt eingcdrungen, wie z. B. das ü in dü (für du). Wenn die Juden im Osten mehr allemanische Anklänge in ihrer Sprache bewahrt haben (z. B. das ch in ich, mich), so rührt das daher, daß sie . schon sehr früh ausgewandcrt sind, also vor dem 5. Jahrhundert, als die Allemanen, die früher am Mittelrhein wohnten, von den Franken nach Süden abgedrängt wurden. Wenn wir aber eingesehen haben, daß unsere Aussprache des Hebräischen eine verdorbene ist, dann haben wir die Pflicht, den Schaden zu reparieren. .Es ist dringend notwendig, daß eine rege Aussprache über diese Frage einsetzt mit dem Zweck: 1. daß schleunigst Kurse für Lehrer eingerichtet werden, um diesen Gelegenheit zu geben, die sphardische Aussprache des Hebräischen zu erlernen, 2. daß möglichst bald in sämtlichen Religionsschulen die sphardisrhe Aussprache eingesührt wird, 3. die Einführung der sphardischen Aussprache der Gebete im Gottesdienst ist für absehbare Zeit erstrebenswert. O t t o G e i s m a r. Prokokoll der Vorstands- und Ausschußsitzung des Verbandes der jüdischen Lehrervcreine im Deutschen Reiche (Schluß.) Aus Einladung des Bayrischen Vereins und der Gemeinde München wird beschlossen, den nächsten Verbandstag in München abzuhalten. Dingfelder verliest ein Einladungsschreiben der Gemeinde München und macht für die Ausgestaltung des nächsten Verbandstages sowie für seine Finanzierung eine Reihe von Vorschlägen^ denen zugestimmt wird. Nach weiterer Aussprache wird beschlossen: dieNeichsverbandstagung findet Dienstag, den 2 7. und Mittwoch, den 2 3. Dezember in München statt. 1. Hauptthema ist: Die jüdische Schule in ihrer Bedeutung für das gesamte jüdische Leben i n D e u t s ch l a n d. Der Zwiespalt in -er Aussprache -es Kebräischen. Es ist für uns heutige Juden mit dern gewaltigen; Verkehr doch unerträglich, daß neben anderen Spaltungen ' religiöser und politischer Art auch die Spaltung in Asch- - kcnasim und Sphardim weiterbestehen soll, heute, wo t wir doch genau wissen, daß diesphardischc Aussprache? die richtigere ist. Die Wissenschaft hat die Konsequenzen . schon lange daraus gezogen; aber hier zeigt sich wieder : der konservative Zug — man kann auch sagen: das - Beharrungsvermögen —, alles beim alten zu lassen. ' Es ist gar nicht daran zu denken, daß sich die Sprachgclehrten dazu hergeben werden, unsere Anssprache sich 2. Hauptthema ist: Die jüdische Jugendbewegung und die jüdische Lehrerschaft. Zum ersten Thema werden als Referenten in Aussicht genommen Obeistudiendirektor Dr. Driesen. Frankfurt, und Dr. Bamberger- Nürnberg: für das zweite Thema N e u h a u s - Frihlar und W c i n b e r g - Wunstorf. Auf Anregung Steinhardts und Pcrih' soll versucht werden, gleichzeitig eine konstituierende Tagung des preußischen Lehrerverbandes in München abzuhalten. lieber eine Zentral Hilfskasse referiert P e r i tz in längeren Ausführungen: in Düsseldorf wurde über die Schaffung einer Zentralhilfskasse des Rcichslehrerverbandes gründlich beraten. Die JlaUc soll durch Uebernahme der bestehenden Hilfslassen fundiert werden und von der Achawa, die nicht mehr erhalten werden kann. . auch den Namen übernehmen. Hierzu legt Peritz einen ausführlichen Plan vor. aus dem die geplante Organisation zu ersehen ist (siehe Nachtrag zum Protokoll).