Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 4 (15.4.1927)
- Date
- 1927-04-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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stummer ** | wichtig ist es' aber auch, daß der Lehrer vor .allem f mit den älteren Schülern ein persönliches Berlrauens- Verhältnis anknüpst. Liebt das Kind in der Schule den Lehrer als väterlichen Freund, statt ihn als Zuchtmeister zu fürchten oder gar ihn zu hassen, so wird eZ dem Lehrer leicht sein, auch später in persönlicher Verbindung mit ihm zu bleiben. Wie mancher hat nicht sein ganzes Leben hindurch seinem Lehrer, der auch nach der Schulentlassung als älterer Freund mit ihm in Fühlung blieb, ein treues Gedenken bewahrt, seinen Rat in allen wichtigen Lebenslagen, besonders auch in reli- - giösen, erbeten und gern und dankbar angenommen. Unsere Hauptfürsorge für die Schulentlassenen muß nun sein, sic in Jugendheimen zu sammeln; denn hier ist die beste Gelegenheit, bildend und erziehend auf sie einzuwirken. Ihnen, den Jngcndvcrcinen, bleibt die Lösung der weitaus meisten Ausgaben überlassen, welche die kulturellen, sozialen, ganz besonders aber die sittlich religiösen Bedürfnisse der Jugend stellen. Und hiermit wäre auch Zweck und Aufgabe der Jugendvcreine gekennzeichnet: Erzielung einer gefestigten jüdischen Weltanschauung, allgemeine geistige Fortbildung, soziale Schulung, gesellige Unterhaltung, Stählung des Körpers durch Sport und Spiel. Die Jugend macht es da einem leicht, denn sic will beieinander sein, sie fühlt sich da am wohlsten, wo eine große Schar zusammen ist. Wie erzielen wir eine gefestigte jüdische Weltanschauung? Dazu dienen in erster Linie Vorträge — wohl am besten in fortlaufender Reibensolge — aus jüdischer Geschichte und Literatur. Lassen wir die mit Tränen und Blut getränkten Blätter der Vergangenheit unseres Volkes zu ihnen reden, lassen wir vor ihrem geistigen Auge aussteigen die großen Helden des Geistes, die Gedankcngebäude ausstellen, die unerreicht und einzig sind, die Heroen der Glaubenstrene, Männer und Frauen, denen das Bekenntnis des Einzig-Eirien blutige Verfolgung, Scheiterhaufen, Kerker, Schmach und Zurücksetzung brachte. Ta werden ihre Augen leuchten, wenn wir ihnen den erhabenen Beruf Israels schildern, wenn wir künden, daß unsere Gemeinschaft von Anbeginn an zum Boten des Heils an die Völker der Erde berufen war; mit bebenden: Herzen werden sie den schicksalsvollen Gang Israels durch alle Zeiten und Länder verfolgen. Und mit findiger Begeisterung werden sie vernehmen, daß Israel noch Großes zu leisten hat, daß es sein bisheriges Werk noch krönen und in Gemeinschaft mit den Besten aller Völker das Gottesrcich der Liebe und Eintracht begründen muß. Die Jugend sieht das Ideal am liebsten in der persönlichen Verkörperung, in Heroen, zu denen sie aufsehen, die sie bewundern, als Führer und Beispiel wählen kann. Sie ist freilich auch imstande, den heldenmäßigen Verbrecher und Zerstörer zu bewundern. Eben deswegen kommt es soviel daraus an, daß man ihr die rechten Helden vorführt, und unserem Judentum hat es wahrlich nie an solchen gefehlt! Wenn Religion nach Carlylcs Wort die heldenmäßige Art zu leben ist, so haben wir solche Heldengestalten in Fülle. Rur darf man nicht den großen Fehler begehen, daß man das Erhebende Große durch zu viel erbauliche Reden langweilig und fad macht, daß man durch rhetorische Superlative und Pastorales Pathos Mißtrauen weckt. Man muß freier, offener, intimer sprechen als in der Schulstube. Auch Apologetik muß in unseren Jugendvereinen getrieben werden. Die Mitglieder derselben sind in dem Alter, wo sie über die in der Schule gelernten Glaubenswahrheiten anfangen nachzudenken. Man muß sie bekanntmachen mit den landläufigen Zweifeln, denen die religiösen Grundwahrheiten so vielfach begegnen, uni durch deren Widerlegung den Glauben desto mehr zu festigen. Die Jugend dürste auch im Berufsleben und!in der Gesellschaft ans keinen grundsätzlichen Einwand mehr stoßen, der nicht schon in Vorträgen behandelt und widerlegt worden ist. Belehrungen und Vorträge über die Abwehr antisenütischer Angriffe dürfen selbstverständlich nicht fehlen. Tie moderne jüdische Literatur bietet gar reiches Material hierzu. Meines Erachtens müssen a n ch religiöse Fragen in den Vorträgen behandelt und zur Diskussion gestellt werden. Ich stehe damit im Gegensatz zu den Prinzipien mancher Jngendvereine, die laut Satzungen die Besprechung religiöser Fragen im Verein nicht zulasscn. Rur nicht so ängstlich an der so beliebten Vertuschungsmethode sesthaltcn, die behutsam die jungen Leute von der Besprechung der brennenden religiösen Fragen zu bewahren sucht. Tic Jugend soll aus dem Kampf der Meinungen lernen. Natürlich muß trotz voller Redefreiheit aller Parteisanatismus verbannt bleiben, indem jeder Standpunkt in maßvoller, vornehmer Weise vertreten wird. Mögen sie Liberale, Orthodoxe, Zionisten heißen, sie alle müssen Verständnis für den Gedanken haben, daß cs für alle Juden ein großes, gemeinsames Arbeitsfeld gibt, aus dem jeder Zwist zu ruhen hat. Wo die Verhältnisse günstiger liegen, müßten wir versuchen, die Jugend in jüdischem Wissen fortzubilden. Am geeignetsten sind hierfür kleinere Arbeitsgemeinschaften. Etwaige Stoffe wären Bibelkunde, Kizzur Schulchan Aruch und hebräischer Sprachunterricht usw. Alle genannten Bestrebungen dienen dazu, eine gefestigte jüdische Weltanschauung erzielen zu Helsen. Allgemeine geistige Fortbildung wird erreicht durch Vorträge ans allen Wissensgebieten, mit denen Diskussion verbunden werden kann. Mit Nachdruck muß unsere Jugend -auch auf ihre Staatsbürgcrpslicht hingewiesen werden. Wir müssen mit Schärfe den Pessimismus bekämpfen, der so manchen angesichts der vielen Entrechtungen der jüdischen Gemeinschaft ergriffen hat, und müssen es als heiligste Pflicht hinstellen, durch unverzagte Mitarbeit an den Aufgaben des Vaterlandes unsere Position zu bessern. — Neben dein gesprochenen Wort müssen wir uns die Pflege der jüdischen und Allgemeinbildung angelegen sein lassen durch Darbietung guten Lesestoffs in einer Bibliothek. Jede jüdische Buchhandlung bietet reiches Material. — Außerordentlich empfehlenswert sind die Freitagabendl- Zusammcnkünfte. Diese sollen den jungen Leuten das fehlende Elternhaus, das besonders Freitag abend so schmerzlich vermißt wird, ersetzen. Unter Ansprachen und Rezitationen ernsten und heiteren Inhaltes verlaufen diese Abende aufs anregendste. Ganz besonders behaglich werden sie noch gestaltet, wenn man durch Gönner des Vereins in die Lage versetzt wird, die Mitglieder mit Tee und Gebäck usw. zu bewirten. Ob Unterrichtskurse, vielleicht in Sprachen, Kurzschrift usw., mit ins Vereins- Programm genommen werden können, hängt" von den Verhältnissen ab. — Der Geselligkeit dienen gemütliche Abende, Vereinsfestlichkeiten, wie Stiftungsfest, Purinr¬ und Chanukka feiern. Von überragender Bedeutung für die jüdische Jugendbewegung sind Wander- und Treff-Fahrten. Sie bewirken die Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls, ein gegcnseitic.es Sichnäherkommen, eine Ueberbrückung der sozialen Gegensätze, ein Sichkcnnenlernen von Gleichgesinnten in Stadt und Land. Die Pflege von Sport und Spiel darf in keinem Jugendverein versäumt werden. Sie ersehen aus den jüdischen Zeitungen, wie überraschend viel sportliche (Größen unter den Juden zu finden sind und