Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 3 (15.3.1927)
- Date
- 1927-03-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Die mehrfache Bezugnahme auf T’chijjas hammßßim ist also, wie oben ausgcführt, mit voller Absicht erfolgt. Die ursprüngliche Fassung ist auch im palästinischen Ritus noch zu finden und lautet:, Attoh gibbaur w’ßn komauchoh, cliosok w’ßn suloüecho, maschschiw horuach umaurid haggcschem, m’chalkßl chajjim, m’chajjCli hanunOßim w'raw l’liauschia. — So scheint das deutliche Bekenntnis zum Unsterblichkeitsglauben auch Veranlassung zur weiteren Ausgestaltung des Lobspruches gegeben zu haben. Die meisten Formeln darin sind biblischen Ursprungs: Raw l’hauschia Jes. 63,1, Saumßch nauf’lini Ps. 145,4, Mattir aßurim Ps. 146,7, d'sclißnß olor Dan. 12.2, Mßmis um’chajjeh 1. Sam. 2,6, Mazmiach j’scluioh häufig in Iesajah. Das Motiv der IZ'roclioh ergibt sich aus Taänis i: R. Iochanan sagte: Drei Schlüssel befinden sich in der Hand des Heiligen, gelobt fei er; sie sind aber nicht der Hand eines Vermittlers anvertraut worden. Folgende sind es: der Schlüssel zum Regen, derjenige zum Leben und der zur Wiederbelebung der Toten. Der Schlüssel zum Regen — denn es steht geschrieben (V, 38. 12): Der Ewige (Raschi: und kein Abgesandter!) wird dir seinen herrlichen Schah, den Himmel, össnen, den Regen deines Landes zu seiner Zeit zu geben. Der Schlüssel des Lebens — denn es steht geschrieben (1,30, 22): Eott gedachte der Rahel, und Gott erhörte sie und öffnete ihren Mutterschoß. Der Schlüssel zur Belebung der Toten — denn es steht geschrieben (Iech. 37,13): Ihr werdet erkennen, daß ich, der Ewige, es bin. wenn ich eure Gräber öffne. In den westlichen (Schulen) lehrte man: Auch der Schlüssel der Ernährung — denn es steht geschrieben (Ps. 145): Du öffnest deine Hand und sättigst alles Lebende mit Wohlgefallen. Warum aber zählte R. Iochanan nicht auch den letzteren auf? Er sagt dir: Regen — das ist ja Ernährung! Zu dem Wvrlaut Attoh gibbaur 1’aulom, adaunoj bemerkt der Verfasser des Ez jaußßf: Gottes Kraft währet, im Gegensatz zur menschlichen, ewig, sie ist keiner Schwächung unterworfen. — Bei dem Worte M'chajjßh ist darauf zu achten, es, weil im 8tat. co,i8tr. stehend, mit Zßrß, nicht mit Segatil zu punktieren. — Das Wort attoh gehört zu M’chajjßh meßim, ist von Raw riiauscliia zu trennen und Mil’ßl zu lesen. Das geht auch daraus hervor, daß, wie beispielsweise oben angeführt und in andern Texten, übrigens auch in sephardischem Ritus, es heißt xv'raw l'liauschia. Rach Taanis l schaltet man hier in den Wintermonaten (die Vorschriften darüber gehören nicht hierher) die Worte Maschschiw horuach umaurid haggoschem ein und dankt in ihnen dem Spender des (zeitgemäßen (b’ittau), darum mit bestimmtem Artikel) Windes und Regens, der Quellen der Fruchtbarkeit und damit — wie R. Iochanan sagt — der Ernährung alles Lebenden. Trotzdem der Talmud fcststellt (Taanis 3a) tt'tal uw'ruchaus lau chij’wu chachomim l'haskir, hat sich doch (nach Elbogen) in Palästina, Italien und Spanien der Brauch eingeführt. an dieser Stelle im Sommer die Worte Maurid hattal einzufügen. — Der Frankfurter Brauch faßt die Worte Umaurid liaggo^chem nicht als Schluß des Satzes auf und betet haggeschem. Zu dem nun folgenden Texte unseres Gebetes bemerkt Josef Albo (Ikkorim 4.35): Gottes Allmacht ist mit der menschlichen Kraft nicht zu vergleichen. Der Mensch wendet seine Stärke an. um Lebende zu töten — Eott aber belebt Tote. Wir fügen Hier die Wohltaten Gottes hinzu, die uns Eott im Leben erweist, die wir an anderer Stelle auf Gottes Chßn, cheßed w’rachamhn zurückfllhren; den Toten aber zeigt Eott Rachamim rahhim. Auch mit den Worten Zaurnßch nauf’lim w’raufß chaulim umattir aßurim wollen wir Gottes Größe gegenüber unserer vermeintlichen Kraft Hervorheben, die wir oft anwenden, um Menschen zu erniedrigen und zu demütigen, zu schlagen und zu verwunden, zu bestrafen und der Freiheit zu berauben. Eott aber stützt Fallende, heilt Kranke, befreit Gefangene. Ja, selbst Nummer 3 unsdr Wort halten wir nicht immer heilig; Gott aber hält sein; Treue nicht nur den Lebenden, nein sogar den im Staube Schlummernden. — Auch R. Melr von Rotenburg hat sich mir diesem Text beschäftigt und antwortet auf die Frage, warum hier nicht auch, wie im Morgengebet, Gottes weitere Wohltaten, wie Malbisch arumim und Paukßacli iwrim hervorgehoben werden: Weil hier nur die Wohltaten Gottes genannt fein sollen, die mit T'chijjas hammßßim auf eine Stufe gestellt werden können. — In den Schlußworten Melech mßmiß mnchajeh (mir Segaul, weil hier nilrod) umazmlach j’schuoh vergleichen wir unsere Hoffnung auf ein besseres Jenseits und auf die einstige Auferstehung mit dem Wiederaufkeimen des in den Boden gestreuten Saatkorns und bringen so die beiden Grundideen unserer B’rochoh, die in M’chalkßl chajjim und M'chajjeh mößim liegen, in innige Verbindung. Ein Gedanke, den Schiller so ergreifend schön in den Worten zum Ausdruck bringt: Dem dunkeln Schoß der heil'gen Erde ... Vertraut der Sämann seine Saat Und hofft, daß sie entkeimen werde Zum Segen nach des Himmels Rat. Roch köstlicheren Samen bergen Wir trauernd in der Erde Schoß Und hoffen, daß er aus den Särgen Erblühen soll zu schönerm Los. Endlich bekennen wir in unferm unbegrenzten Eottvertrauen: Wne'örnon atioh l’hachäjaus mßßim. Zu diesen Worten fand ich ein Zitat nus dem Werke J'ßaud w’schauresch hoäwaudoh: Man möge dcbei den Gedanken hegen: Ich bekenne aus voller Ueberzeugung (Eimmoh), daß du dereinst die. Toten wieder erwecken wirst. Und zu dem Psalmwort (31,24) Emunim nauzßr adaunoj sagt der Midrasch: Spricht der Vorbeter M’chajjch hammßßim, u rd man antwortet Onißn. trotzdem man die Auferstehung nicht erlebt hat. antwortet man Omßn auf (hußl jißroßl, auf t-aunßh j'ruscholojim, so kann man nach diesem Psalmwort avf Gottes'Schutz hoffen. — Der Verfasser des ljjun Itatt’filloh macht hier auf die verschiedenen grammatischen Formen l’hachäjaus (Mif’il) und M’chajjch (Pißl) aufmerksam und sagt: Bei der dereinstigen Auferstehung wird Eott selbst der Gaurßm (Veranlassende) und der Gautnßr (Vollendende) sein, wie er durch den Propheten (Iech. 37.12) verheißen: Siehe, ich öffne (paußßach) eure Gräber (Kal ~ Tätigkeitsform) und lasse euch emporsteigen (he'elßßi) aus euren Gräbern. — An gleicher Stelle weist der Gelehrte darauf hin, daß T’cnijjaß hammßßim fünfmal in dieser B’rochoh enthalten sei. um auf die fünf Benennungen der menschlichen Seele hinzuweisen: Nefcsch, ruach. n’schomoh, j’chidoh und chajjoh. — Rach den angeführten und vielen andern tiefsinnigen Kommentaren ist das Wort w'neömo» hier treffend mit „zuverlässig" zu übertragen. Unsere großen Meister in der Punktationslehre, Heidenheim und Bär, machen noch darauf aufmerksam, daß die Worte Daumeh und loch mil Dagosch versehen sind und elfteres Mil’ßl zu lesen ist. (Genaueres darüber siehe Bär. Awaudas jißroßl z. St.) Die Einschaltung Mi chomauchoh für die 10 Bußtage lautet nach sephardischem Ritus Mi chomauchoh aw horachämon. Bär macht darauf aufmerksam, daß dann die grammatische Regel hier auch für das Substantiv aw den Artikel fordern würde. Betreffs des Lachajjim gilt auch hier, was oben zu der Einschaltung Sochrßnu gesagt ist. — Der stilistische Zusammenhang dieser späteren Einschaltung (s. o.) ist durch die Wiederholung der Worte Mi chomauchoh hergestellt. — Die innere Beziehung dieser Worte zum Hauptgebet liegt klar zu tage. Raschi (in einer alten Handschrift) unterstreicht diesen Zusammenhang noch mit den Worten: Sollten wir durch unser Tun nicht würdig sein, zum Leben verzeichnet zu werden, so mögest Du. o barmherziger Gott, diese deine Barmherzigkeit Deinen Geschöpfen walten lassen. — Abudraham sieht in diesen Worten Jüdische Schulzeitung.