Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 3 (15.3.1927)
- Date
- 1927-03-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nummer 3 Monatsschrift für Pädagogik und Schulpolitik Heransgegebett vom „Verbände der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche" Die „Jüdische Echulzeiluiig" erscheint am 15. eines jedenMonats nnd wir d allen Mitgliedern der dem „Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche" angeschlossenen Vereine kostenlos zugestellt. — Post-Bezugspreis für R i ch 1 Mitglieder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg, IS. März 1027 Druck, Verlag und Geschäftsstelle: M. Letzmann, Hamburg, ABC-Stratze 57. 'Fernsprecher: Elbe 7910, 7911, Vulkan 8099. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. S t e i n h a r d t * Magdeburg, für den Inseratenteil: E. L o o s, Hamburg. Anzeigenpreis 40 für die Ogespaltene Nonpareille-Zeile. Inhalt dieser Nummer: Das Achtzehn-Eebet von I. V. Levy. Protokoll der Vorstands¬ und Ausschutzsitzung des Lehrervcrbandes. Bei der Schriftleitung eiugegangene Bücher. Aus dem Allgemeinen deutschen Kantoren-Berbande: Emanuel Kirschner. Studie von Oberkantor Leon Kornitzer, Hamburg (Schluß). Das Achkzehn-Gebek. Exegetische Studie von I. B. Levy. II. Folge. 2. In Rausch haschonoh IV, 5 wird die zweite B'rochoh nnina genannt. In ihr werden die großen Machtbewährungcn Gottes aufgeführt. — In B’rochaus V, 2 heißt diese Benediktion jedoch T’chijjas hammeßim, denn dies Moment ist doch wohl das hauptsächlichste, kommt es doch zusammenfassend auch im Abschluß der B'rocimh zum Ausdruck. Nach Elbogen ist „die wiederholte Betonung des Dogmas der Auferstehung hier zu auffallend, um zufällig und unbeabsichtigt zu sein. Die B'rochoh ist eine pharisäische Einrichtung zur Abwehr der sadduzäischen Leugnung der Lehre von der Wiederbelebung und jedenfalls während oder nach der Negierung Johann Hyrkans, als der Kampf der Parteien am heftigsten tobte, in die Tefilla eingeführt worden." Es dürfte hier am Platze fein, über dieses Hauptthema der vorliegenden Eulogie, über den Unsterblichkeitsglauben im Judentum, einiges Grundsätzliche hervorzuheben. Ist — nach Maimonides — dieser Grundgedanke des Judentums auch in biblischen Schriften nicht deutlich ausgesprochen, so liegt er doch zweifellos der ganzen biblischen Anschauung zugrunde. Kommen Andeutungen schon auf den ersten Seiten der Bibel vor, so 1,5, 24: Chanauch wandelte mit Gott, und er war nicht mehr, denn Gott hatte ihn genommen, oder 1.15, 15, wo Gott dem Abraham verheißt: „Du aber wirst in Frieden zu deinen Vätern kommen" — wobei, da Abraham fern von seiner Familie weilt, hier nur an eine Versammlung der Geister gedacht sein kann, so wurde diese Ideologie gewiß während des Aufenthalts der Nachkommen in Aegypten nur noch befestigt. Waren doch nach Herodot die Aegypter die ersten, die die Unsterblichkeit der Seele des Menschen behaupteten. Sie glaubten — was wir ja in den jüngsten. Aufsehen erregenden Ausgrabungen bestätigt finden — nicht nur an eine Fortdauer des Lebens nach dem Tode, sondern auch an Lohn und Strafe im Jenseits. Wenn IV. 20. 24 von Ahron erzählt wird, daß er „zu feinem Volke eingcsammelt" werden solle, so kann daher auch hier, da der Berg Hör abseits vom Lande der Väter liegt, gewiß nur eine Zugesell ung des Geistes Aharons zu denen der Ahnen gemeint sein. Rührend klingen die Worte Davids nach dem Tode seines Kindes: Kann ich es wieder zurüübringen? Ich gehe zu ihm, aber es wird nicht zu mir zurückkehren (2. Sam. 12, 23). Hier kommt der Glaube an eine Wiedervereinigung mit unfern Lieben nach dem Tode klar zum Ausdruck. Preist doch auch Hanna den gütigen Gott als den, der „tötet und belebt, in die Gruft hinabfcnkt, aber auch wieder emporhebt!" (1. Sam. 2,0). Und wie oft trösten die Propheten das schwer getroffene Volk mit dem Hinweis auf diesen Gedanken. So Hosea 13,11: Aus der Gewalt der Gruft befreie ich sie, vom Tode will ich sie erlösen — wo sind deine Seuchen, o Tod? Wo deine Qualen, o Gruft! So Jesaja 26,19: Möchten deine Toten wieder lebendig werden, möchten meine Leichen auferstchn! Erwachet und jauchzet, die ihr im Staube ruhet, denn Heller Tau ist dein Tau — ja, die Erde wird die Schatten wieder hergebcn. — Wir btauäjen in diesem Zusammenhänge nur auf unsere Haftoroh am Sabbath der Halbfeiertagc des Pctzach hinzuweisen, wo (Iech. 36) der Prophet eine gewaltige Vision der Auferstehung zeichnet und seinem Volke zuruft: Ich öffne eure Gräber, lasse euch aus ihnen-hervorsteigen, mein Volk! Der Psalmist findet . in diesem Gedanken Trost für den durch Unglück gebeugte» Menschen und ruft in vollem Vertrauen aus: „Nicht glüht Vcrnichtungsschauer deine Frommen an!" (Pf. 16). Und Hiob, der große Dulder, ruft jubelnd aus: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt; auch der letzte wird vom Staube auferstehen. Ledig meines Fleisches, werde ich Gott erschauen." (19,25). Deutlich und plastisch spricht das nachexilische Buch Daniel den Auserstehungsgedanken aus: „Viele von denen, die im Staube schlummern, werden erwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zur Schande und zu ewigem Abscheu. Aber die Weisen werden glänzen wie der Glanz des Himmels, und die viele zur Tugend führten, wie die Sterne immerdar (12.2 und 3). Und ihm selbst wird tröstend zugerufen: Auch du. Daniel, gehst dcm Ende zu und wirst ruhen, aber du wirst auferstehen zu deinem Lohn am Ende der Tage (12,13). In der talmudischen Zeit, die ja für die Entstehung des Wortlauts unseres Gebets vorzüglich in Betracht kommt, befestigt sich dieser Glaube an die Unsterblichkeit immer mehr, wie dies an den geläufigen Begriffen Aulom haseh und Aulom habbo, J’maus hammoschiach und T’chijjas hammößlm zu erkennen ist. Kennzeichnend ist der Ausspruch des R. Jakob (Owaus 4,21): Diese Welt gleicht einer Vorhalle der künftigen Welt; rüste dich in der Vorhalle, auf daß du in den Palast eingelassen werdest? — Auch Philos Anschauung stimmt mit der des Talmud überein. So sagt er, man solle den Tod nicht als ein Verlöschen der Seele ansehen, sondern als eine Trennung vom Körper, worauf sie dahin zurückkehre, woher sie gekommen. (Philo, de Abrah. 8 44). — Nach alledem nimmt es nicht wunder, daß Maimonides seine Glaubenssätze mit den Worten schließt: „Ich glaube aus vollkommener Ueberzeugung, daß eine Wiederbelebung der Toten eintreten wird" — ein Gedanke, der in unseren Gebeten (Ela»hai, n’schomoh; En k’erkecho; Jijjdal) oft, so auch hier, wiederkehrt. Welcher Gedanke — so sagt Hirsch — wäre auch wohl geeigneter, ein geruhiges, pflichtgetreues Leben zu erzeugen, als „die Zuversicht, daß Gott selbst die Toten nicht gestorben sind und selbst für den Leib der Tod nur Uebergang zu neuem Leben ist." —