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Jüdische Schulzeitung · 1927-02-15 · 2 (15.2.1927) · page 7

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
3 (1927)
Issue
2 (15.2.1927)
Date
1927-02-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nummer 2 Jüdische Schulzeitung. ___Seite? «itb Her, an Ueberfülle des Stoffs, an ruhiger B sinuung und Vertiefung. Man wird nur orientiert, höchstens angeregt, aber nicht gebildet. Zeit, Kraft und Geld werden, oft an falscher Stelle eingesetzt und verschwendet. Ost ist die Fortbildung auch, insofern auf falschem Wege, ' weil sie im Praktischen, Methodischen stehen bleibt. Wissenschaftliche Erfassung wird für unnötig gehalten, obgleich sie die beste Grundlage der Praxis ist. Hier kränken wir an unserer Vorbildung, aus der geschichtlichen Gebundenheit sind wir noch nicht heraus. Was muß nun für die Lehrersortbildung gefordert werden? Oberster Grundsatz ist und bleibt, daß jeder für sich sebst verantwortlich ist, Fortbildung ist in erster Linie Aufgabe des einzelnen. Die stille Selbstarbeit im Studierstübchen- und in der Schule, Liebe zum Beruf sind Grundlage und Folge jeder andern Arbeit. Alle bisherigen Fortbildungseinrichtungen müssen vereinfacht, zusammengefaßt werden; so angelegt werden, daß sie nicht nur vorüberrauschen; mehr Ruhe, mehr Besinnung, kein Hin und Her, keine Stoffüberladung. Die Fortbildungseinrichtungen, wie Vortragsreihen, Kurse, müssen rationeller gestaltet werden. Vorausgesetzt, daß Organisierung hier Helsen kann, muß bei dem Einrichten von. Arbeitsgemeinschaften mitUeberlegung begonnen werden. Arbeitsgemeinschaften können eigentlich nicht „eingerichtet" werden, sie müssen selbst wachsen. Kleine Zirkel können sich bilden ohne bestimmte Dozenten. Will man aber Dozenten, so sollte man erst vollwertige wissenschaftliche Köpfe mit praktischer Begabung zur Stelle schassen, ehe man eine Arbeitsgemeinschaft bildet; sonst entstehen schädliche Rückschläge. Vor allem muß der Anschluß an alle Hochschulen noch vollkommener erreicht werden. Der Anschluß besteht bereits an einer Reihe von Universitätsortcn und bei den Pädagogischen Akademien. Die Lehrer gehen in die Hochschule und die Professoren ins Land zur Lehrerschaft. Auch später, nach Ablauf' der Kurse, muß die Verbindung mit den Hochschullehrern ausrecht erhalten werden. Unsere Fortbildung muß wissenschaftlichen Cha-° rakter gewinnen. Die Praxis erhält durch Wissenschaft Grundlage und Anregung. Methodik ergibt sich von selbst aus wissenschaftlicher Grundlage. Der Weg kann von der Wisserischast zur Praxis gehen, aber auch umgekehrt. Der von der Praxis zur Wissenschaft wird für die meisten der gangbarere sein. Aber nicht nur rein intellektualistische Einstellung, Gefühl und Willen nicht verkümmern lassen. Den Sinn bilden für außerwissenschastliche Bildungswcrte, die Lebensganzheit erfassen. Nicht nur Erziehung' zu wahrer Kritik, sondern auch zur Ehrfurcht vor dem Alten und Neuen. Nicht stehenbleiben bei der praktischen Bildung, weiterschreilen zur wissenschaftlichen Bildung, vor allem aber höher zur Persönlichkeitsbildung, zur Durchultivierung des ganzen Menscher: und der Lebensform, zur Veredelung der Lebensführung, zum. Empfinden der Weihe des Erzichertums. Besorrders beim Lehrer stehen praktische, wissenschaftliche und persönliche Bildung in innigen Wechselbeziehungen. Das Gepräge der Pädagogik, besteht in der Einheit von Theorie und Praxis. PÄragogisches Denken und Tun befruchten und korrigieren sich. Grenzen zwischen Theorie und Praxis sind fließend. Alle wissenschaftliche Arbeit muß zu der eigentlichen Berufsarbeit in enger Beziehung stehen. Immer Berussbezogenheit, immer Bezug auf Erziehung und Unterricht. Keine reine Fachdisziplin, keine blutleeren Spekulationen. Welche Wissenschaften sind besonders nötig? An. erster Stelle unsere Berufswissenschasten, Kernwissenschaften, die auch in der Pädagogischen Akademie im Zentrum stehen: Pädagogik, Philosophie, Psychologie. Erst dann wären Gesellschastslehre, Wirtschaftslehre zu nennen. Die Arbeit,itt den Sonderfächeru soll nicht leiden. Besonders in Volks- und Heimatkunde kann der Lehrer eigene Leistungen vollbringen und die Wissenschaft fördern. Aber unsere eigentlichen Berusswissenschaften, die allen nötig sind, müssen im Vordergrund stehen. — Die Pädagogik gibt dem Lehrer Berufsgcsinnung, -begeisterung, Berufsethos. Sie ist als selbständige Wissenschaft, nicht etwa als Anhängsel der Psychologie anzusehen; aber nicht nur als Wissenschaft, auch als Kunst und Technik. Pädagogisches Leben ist nicht nur Verstandessache. Wie vag sind die pädagogischen Grundbegriffe: Bildung. Erziehung, Gemeinschaft, Erlebnis, Persönlichkeit, Verstehen, Struktur. Wie wenig werden die Entwicklunc^linien in der Pädagogik gesehen, wie wenig die Eigengesetzlichkeit und Selbständigkeit der Pädagogik. — Natorp will das Leben mit Philosophie durchtränken und Philosophie in Leben verwandeln. Philosophie gibt uns Verständnis für den Sinn der Zeit und das neuzeitliche Bildungsideal, schärst den Blick für geistige Strukturzusaminenhänge, gibt Grundlage für die Pädagogik (Bildung und Erziehung sind auch philosophische Begriffe). Philosophie gibt Weltanschauung, macht unabhängig von Zeitgeist und Tagesströmungen, macht bescheiden und tolerant, aber sicher und bestimmt. Philosophie überwindet die Zerrissenheit der Zeit. Sie ist die Mutter aller Wisssenschaften, und alle Wissenschaften müssen sich zur Philosohie erheben. Wir haben in unserer Zeit in der Philosophie kein überragendes System, die Fülle der Richtungen ist groß. So haben wir auch keine einheitliche Psychologie. Die Kenntnis der naturwissenschaftlich gerichteten Psychologie genügt seit langem nicht mehr. Der Sieg scheint sich für die nächste Zeit der geisteswissenschaftlichen Psychologie zuzuneigen. Zwischen diesen Richtungen fast alle die andern' Richtungen: Gestaltspsychologie, Denf-psychologie, Lcbenspsychologie, Psychoanalyse, Jndividualpsychologie. Zwischen allen Richtungen Beziehungen, Uebergäuge. Oesters wird schon eine vermittelnde Zwischcnstcllung zwischen der naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Richtung bezogen. Beide Richtungen können sich ergänzen. Ein tieferer Einblick in die neuere Psychologie gibt dem Lehrer wertvolles Rüstzeug für die Praxis. Wenn wir auch unsere Berufswissenschaften in den Vordergrund stellen, besteht doch innerhalb dieser großen Gebiete die Möglichkeit der größten Freiheit in Stosfauswahl und -anordnung. Es kommt nicht auf die Stofffülle an. Wir wollen keine Oberflächenbildung; keinen Enzyklopädismus und keinen Dilettantismus. Wir wollen Tiefgründigkeit, formale Schulung, wissenschaftliche Bildung. Die Technik der geistigen Arbeit gilt es zu beherrschen. Wissen ist nur Mittel zum Zweck. Erkenntnis soll uns beleben. Bei allen Fächern müssen die Besonderheiten, der Wissenschaftscharakter, die Problemstellungen erkannt werden. Ueberall Durchblick nach erzichungswisscnschaftlichen Gesichtspunkten- - ■ \ Die Vereinspresse hat sich in weitestgehendem Maße in den Dienst der Fortbildungsarbeit zu stellen, u. a. erstattet sie Bericht über Entwicklung, Fortgang und Ergebnis der Arbeiten, teilt Erfahrungen mit, ^veröffentlicht Arbeiten. Die Vereinspressc mstß die? Probleme

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