Mannheim
Compact Memory

Jüdische Schulzeitung · 1927-02-15 · 2 (15.2.1927) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
3 (1927)
Issue
2 (15.2.1927)
Date
1927-02-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2825247-2825287-2825289--0158-2825740
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 8 . Jüdische Schulzeitung. Nummer 2 zeigen und in deren Grundableitung Richtung geben. Die Vereinspresse und die gesamten Fachzeitschriften müssen die wissenschaftliche Seite mehr ausbauen. Das Ziel der vollwertigen Fortbildung ist hoch und schwer. Es kommt nur vor allem zuerst darauf .an, daß wir dies Problem sehen, daß wir die Notwendigkeit der Fortbildung. erkennen. Wo ein Wille ist, ergibt sich auch ein Weg. Wir müssen dem Ziel nachjagen, wenn wir Meister und Führer, nicht etwa Knechte und Sklaven, in Gegenwert und Leben sein wollen. Bildungsvcrsäumnis ist für uns Pslichtversäumnis. Wir wollen die Zeit bejahen durch ernste Arbeit. Wir wollen in innerer Unruhe die Spannung empfinden zwischen Sollen und Sein. Wir wollen uns heraufrufen zu unserem höheren Selbst. Wir wollen nicht kleiner sein als unsere Väterim Beruf. Bildungsstreben war von jeher ein Vorzug der Lehrerschaft, so soll es jetzt und künftig sein; dann steht es gut um uns und um Schule und Volk. Likerarisches. Dr. Felir Loblenz, Predigten. Berlin 1926. Philo-Verlag. Eine Sammlung von 25 Predigten aus dem Nachlaß des verewigten Felix Coblenz. FelixCoblenz, der leider so früh Verschiedene, war „Fleisch von inrprcm Fleische", war ein Lehrer, wollte kaum jemals etwas anderes sein, war ein eifriger Verfechter der jüdischen Schule, trat allzeit nachdrücklich für die Interessen unseres Standes ein, wahrte seinen Freunden im Lehrerberuse die Treue bis zu seinem letzten Atemzuge. Er war ein Ringender und Strebender alle Tage seines Lebens, der an seiner eigenen Durchbildung unablässig arbeitete und die Wahrheit zu erforschen strebte, der sich auch nicht scheute, das, was er als recht und gut erkannt, vor breiter Ocssentlichkcit zu vertreten. War zugleich ein Mann von seltener Begabung, ein glänzender Stilist und Redner. Der Erfolg begleitete denn auch sein Streben, und auf der Höhe seines Lebens berief ihn die Berliner Reform- Gemeinde, die es stets verstanden hat, bewährte Kanzelrcdner auszuwählen, zu ihrem Prediger. 25 seiner. Predigten bietet uns die vorliegende Sammlung, bei verschiedenen Veranlassungen gehalten. Wer Coblenz gekannt, findet ihn in seinen Predigten wieder. Ich bin Anhänger der Tendenzen der Berliner Reform- Gemeinde, aber Hut ab vor dieser Sammlung von 25 Predigten. Hier spricht ein Gottsucher zu uns, ein Mann der Wahrheit und des Friedens, der valte religiösen Fragen des Tages erörtert, keiner aus dem Wege geht, und sic mit seinem klaren Geiste zu erfassen sucht. Allen Kollegen, die an ihrer Fortbildung als Prediger arbeiten, sei dieses Werk bestens empfohlen, auch wenn sie nicht jeden darin vorkommcnden Gedanken billigen, auch wenn sie auf ausgesprochen entgegengesetzt religiösem Standpunkte stehen. Und wenn sie keinen Gewinn weiter davontragen sollten, als sich an dem schönen Aufbau, der glänzenden Rhetorik gelabt zu haben, so wäre auch dies schon ein Gewinn von nicht zu unterschätzender Bedeutung. M. St. Prof. Dr. Jacob Guttmann, weiland Rabbiner der Synagogengemeinde Breslau. Frankfurt a. M. 1926. I. Kausfmann. (Preis: geb. 8 Mk.). Bald ein halbes Jahrhundert ist darüber vergangen, da hörte ich als einer der jüngsten Zöglinge des Hannoverschen Lehrerseminars von dem Verewigten, der damals Landmbbiner von Hildesheim war, in einer Lehrerversammlung ein Referat über „Ter Lehrer als Prediger". Winke gab er u. a. den Lehrern, wie sie sich auf eine Predigt vorbereiten müßten, und erzählte ihnen, wie er selbst unablässig für die Kanzel arbeite, wie er in den Sommerferien schon, wenn ihm gerade ein Gedanke für die bevorstehenden hohen Feiertage komme, eiligst sich nach Hause begebe,, um ihn zu notieren. So hat Guttmann, wenn man diese Predigtsammlung liest, zweifellos sein ganzes Leben gearbeitet, und darum ist auch jede einzelne dieser Predigten ein Meisterwerk, klar durchdacht, haarscharf disponiert, von reichem Wissen Zeug' nis ablegend. Diese Predigtsammlung, sie ist natürlich auders geartet, als die zuvor besprochene, denn Rabbiner Guttmann war ein Mann von großem talmudischen Wissen und tiesstcr philosophischer Schulung, dabei der gemäßigten liberalen, oder, wie man vielleicht richtiger sagen müßte, der gemäßigt konservativen Richtung iin Judentum angehörend. Hier bietet sich für den strebsamen „Lehrer als Prediger" eine ganz außerordentliche Fundgrube jüdisch-religiöser Gedanken; Inhalt und Form drängen ihn zum Denken und zu nacheifernder Arbeit. Wenn er es versteht, Geist von diesem Geist in sich auszunehmen, wird er in dauerndem Ringen und Streben es zu wahrhaft guten Leistungen aus der Kanzel bringen. Wir empfehlen allen Kollegen, die das Predigtamt versehen müssen, dieses Meisterwerk auf das angelegentlichste. Auch vielen jungen Rabbinern sei dieses Werk nach drücklichst empfohlen, und besonders ein gewisser Radi katismus, der sich leider in der Gegenwart zuweilen auf der Kanzel breit macht und im absoluten Negieren feine höchste Befriedigung findet, kann aus Predigten, wie sie der Verewigte z. B. am Sabbat Tasria um'zora oder am Sabbat Chukkat gehalten hat, viel Anregung finden und sich vielleicht in seinen negierenden Tendenzen etwas bescheiden lernen! M. St. Berichtigung. In der Arbeit „Fragen der modernen Jugendbewegung rc." in der vorigen Nummer muß es statt Emenius natürlich ..Comenius" heißen. Kollegen, werbt für Me Verbreitung der „Mischen Zchulzeilung"! probenuinmern in beschränkter Zahl stehen bei der schristleitung zur versligung.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.