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Jüdische Schulzeitung · 1927-02-15 · 2 (15.2.1927) · page 6

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
3 (1927)
Issue
2 (15.2.1927)
Date
1927-02-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 in talmudischer Sprache: Werde zur B'rodmb. d. h. mit dir soll der Lobspruch geschlossen werden, aber nicht mit allen! So der Talmud (P’ssodiim 117 a) Und der Midrasch: Weh’jßh b’rochoh! Lies B’rCdioh, Teich! Wie das Wasser eines Teiches auch Unreine reinigt, so sollst du, Abraham, die Fernen in Reinheit ihrem Vater im Himmel nahebringen. R. Berechjah sagte: Da es vorher schon heißt: „Ich will dich segnen!" warum wiederholt da die göttliche Verheißung: „und werde ein Segen"? Sott sprach zu Abraham: „Bis jetzt war ich gezwungen, meine Welt selbst zu segnen,' von nun an sei dir diese Aufgabe zucrteilt. Wen du des Segens für würdig hältst, den segne! (Midrasdi Rabboh B'reschiß 39,11.) Welch tiefer Sinn liegt doch in diesem Wcisenwort! Und wie klar wird uns so die Wahl der Verfasser unseres Gebetes für den Anruf Gottes: Schild Abrahams. „Seien wir Abraham gleich, sprechen wir zu jeder von Gott uns gestellten Aufgabe und Prüfung das von Abraham erlernte tiinnßni! „ich bin bereit", „hier bin ich!" und Gott wird sich uns als Schild bewähren, wie er Abrahams Schild gewesen." — Daneben geht aus diesen herrlichen Aussprüchen auch das hohe Alter dieser Venediktion hervor; sie ist gewiß eine der ältesten, schon früh in ihrem Texte abgeschlossen, und wir finden daher in den andern Riten und alten Eebctsammlungen nur geringe Abweichungen. Zu der Einschaltung Soclirßnu ladiaj.iirn in den zehn Bußtagen bemerkt Elbogen: Der Talmud kennt dieses Stück nicht (ebensowenig wie die andern an den Bußtagen hinzugefügten Säße); cs paßt auch nicht hierher, da es eine Bitte enthält. Die älteste Erwähnung geht ins 9. Ihdt. zurück, jedoch noch Hai Eaon (gest. 1038) mar dagegen. — Es scheint daß die Einschaltung Soeben» an das Saudiür chaßde owaus änknüpft und die Ordner des Gebetes an den Tagen des Gerichts auch Leben im Andenken an S’dutß owaus erflehen wollten. Immerhin sind Stil und Inhalt dieser Einfügung dem Hauptthema der Benediktion wenig angemessen. — In den ältesten Eebettexten enthalten alle Einschaltungen der Bußtage, worauf Bär hinweist, einen Hinweis auf Rausch haschonoh als Jaum hasikoraun durch Anwendung des Verbs socbaur. Er findet den Zusammenhang unserer Einschaltung mit dem 1. Lobspruch in dem Worte L’maan. — Ob es richtiger wäre, B'diajjim zu sagen, ob Lachajjim. darüber sind die Ansichten geteilt. R. Möir von Rotenburg punktiertedas Wort mit einem Sdi'wa; so verlangt es auch der alte Frankfurter Brauch. Viele Gelehrte wollen aber ausdrücklich den bestimmten Artikel (wie in der ganzen Einschaltung), denn — so meinen sie — wir wünschen uns. wenn wir hier immer wieder um „Leben" bitten, das Leben in der zukünftigen Welt, die ewige Glückseligkeit. — Die Worte Elauhim dmüim sind nicht mit „Gott des Lebens" zu übertragen (es müßte sonst der stat. constr. Anwendung finden), sondern (wie im 5. B. M. 5.26 und in Ierem. 23,26) das Wort Llmjjim ist hier adjektivisches Attribut und steht in Uebereinstimmung mit dem Substantiv im Plural, bedeutet also „lebendiger Gott" (So auch in Iosua, 3,10: Elauhini k’dausdiim). — Die Wendung Meledi diofßz bacbajjiin ist auf die Prophetenworte Iecheskels im Kap. 18,22 und 23 zurückzuführen, die wir auch im 7,^2-Gebet am Versöhnungstage anführen, um zu zeigen, daß Gott Wohlgefallen an einem reuigen „Leben" hat und nicht den ewigen Tod des sündigen Menschen wünscht. (Weitere Artikel folaen.) * Die Fvrlbildungssrage auf dem Preußischen Lehrerlage. (Schluß.) Auf dem Boden der neuwerdenden Kultur sind die neueren pädagogischen Strömungen entstanden. Warum geht's mit ihnen nicht vorwärts? Warum ein gewisser Stillstand? Zwar ist es natürlich, daß nach einem Bcgeisterungsüberschwang, nach dem Wellenberg Nummer 2 das Wellental folgt. Vor allem scheint es daran zu liegen, daß ohne tiefere Erkenntnis der geistigen Strömungen, der Anlässe, der Zusammenhänge, der Verkettungen, ohne tiefere theoretische Besinnung oft nur gefühlsmäßig praktiziert lvird. Schlagwortpädagogik droht Tri« umphe zu feiern. Dilettantismus in der Pädagogik? Vielen fehlt genügende Objektivität und Tiefgründigkeit, genügende Sachlichkeit. Innere und äußere Notwendigkeit der Reform ist nicht ersaßt. Dilettantismus bei dem einen führt zur bewußten Beharrungstendenz bei dem andern. Von „Grenzsetzung" wird gesprochen. Grenzfetzung in der neuen pädagogischen Bewegung kann aber nicht äußerlich gemacht werden: wissenschaftliche Besinnung, klare Erfassung der pädagogischen Begriffe sind nötig, dann ergeben sich die Grenzen von selbst, ohne daß man sie von außen setzt. Dann wird nicht nur die Schute, sondern auch die Pädagogik als autonome Wissenschaft gefördert. Mit der Selbständigkeit der Pädagogik geht die Unabhängigkeit der Lehrerschaft Hand in Hand. Beide müssen von denselben schädlichen Umklammerungen befreit werden. Die Pädagogik muß in wissenschaftlicher Besinnung in ihrer Eigengesetzlichkcit erkannt werden. Dann wird auch die Lehrerschaft unabhängig. Vertiefte Bildung ist also nötig, um Schule, Pädagogik und Stand zu fördern. Die Notwendigkeit der Lehrerfortbildungwird begründet mit der neuen Lehrerbildung. Die Kluft zwischen der alten und neuen Lehrerbildung muß überbrückt werden. Wir hoffen, daß die neuen Lehrer wissenschaftlicher sein werden. Aus diesem Grunde ist eine Angleichung nötig. Neue Lehrerbildung zieht immer verstärkte Fortbildung nach sich, so ist es schon seit Mitte des 18. Jahrhunderts, als die ersten Seminare entstanden, besonders seit Pestalozzis Zeit. Besonders wichtig ist die Fortbildung der Junglehrer, die den neuen Lehrern zeitlich am nächsten stehen. Die Junglehrer stehen in schwerer innerer und äußerer Not; in'bezug auf Ausbildung sind ihnen an praktischer Ausbildung die älteren Lehrer, an wissenschaftlicher Ausbildung besonders die neuen Lehrer überlegen. Im Interesse der Schute und der Geschlossenheit des Standes müssen wir aus dem Wege unserer wissenschaftlichen Fortbildung den neuen Lehrern in unseren Reihen eine günstige Aufnahm'estel lung bereiten. Auch wird durch unsere vollwertige Fortbildung eine günstige Weiterentwicklung der neuen Lehrer' bildung bedingt. " Intensive Fortbildung war früher in erster Linie bei der Lehrerschaft zu finden; innere Hebung ließ die äußere folgen. Jetzt regt sich das F o r t b i l d u n g s ft r e b e n in andern Berufen. Wollen wir jetzt in ernster Lage unserem Bildungsstreben untreu werden, schlaff sein? Wie ist der jetzige Stand der Lehrerfortbildung? Viele ernste Arbeit wird im stillen Stübchen geleistei, vielfach von andern nicht gewußt oder nicht anerkannt. Es bestehen viele Fortbildungseinrichtungen, auch von der Organisation aus. Vorträge, Vortragsreihen, päda gogische Wochen, Kurse finden in großer Zahl statt und werden auch besucht. Ferner die Menge der Arbeitsgemeinschaften. Dazu die Fülle der Fachzeitschriften und die Uebersülle der Fachliteratur. Die Tätigkeit der Or ganisationen soll dankbar anerkannt werden. Steht es somit nicht gut um die Lehrerfortbildung? Trotzdem wird oft behauptet, der Fortbildungswille der Lehrerschaft sei abgeschwächt, die Masse wird nicht erfaßt. Bestimmt leiden wir aber an einem Durcheinander und Nebeneinander der Fortbildungseinrichtungen, an einem .Hin Jüdische Schulzeitung.

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