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Jüdische Schulzeitung · 1927-02-15 · 2 (15.2.1927) · page 5

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
3 (1927)
Issue
2 (15.2.1927)
Date
1927-02-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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2 I Nummer 2 Jüdische Schulzeitung. Seite 5 »; Herrscher, als Melech hoaulom angerufen wird. Es liegt nach i i den Erklärern hier keine Veranlassung vor, Gott in seiner Allt : macht zu huldigen. Nein, wir stellen uns hier zuerst auf den -; Boden der geschichtlichen Erkenntnis von Gottes Schöpferkraft ' und Güte und nennen Gott erst später auch Die Väter , t i waren es. die ihn zuerst erkannt und zwar jeder einzelne von ihnen i selbständig und nicht etwa traditionell, darum nach *):pjtdk 'hVk noch dreimal vjVx* Dabei macht der Verfasser des vauwör ' . scholaum darauf aufmerksam, daß nur der Name Jakobs durch ein Bindewort mit denen seiner Väter verbunden ist, denn -, dieser habe sich neben seiner eigenen Erkenntnis auch auf die vorausgegangcne Gottcsanbetung seiner Vorfahren berufen ' [ (1. B. M. 31,42). Auffallend scheint den Kommentatoren ' < ferner, daß wir Gott zuerst als unfern und dann als den Gott ‘ unserer Väter anrufen, wie dies an vielen Eebetstellen geschieht, , so im Schlußgebet des wo es heißt: tVlalkönu, melech awaussöuu und Oaualcuu gauöl awaussönu. Den Verfassern i des Gebets soll hierbei unser Lehrer Mose als Muster gedient ' haben. Er läßt Israel sprechen: Böses taten uns die Aegypter, * uns und unfern Vätern! (4. B. M. 20.15). Auch im Morgengcbet rufen wir huldigend aus: Gott ist König, Gott hat regiert, i Gott wird regieren. Also auch hier die Gegenwart vor der j Vergangenheit. — Es dünkt uns, daß die Weisen, als sie den , Gepriesenen erst als unsern und dann als den Gott unserer i Ahnen anriefen, dies gerade deswegen taten, um darzutun, daß auch wir diesen unsern Gott tief aus unferm Innern erkannt j und uns nicht etwa nur deshalb feine Kinder nennen, weil ihn ' unsere Väter uns gelehrt. — i Die Worte Hoßl haggodaul haggibbaur w'hannauro sind ein ’ ■ wörtliches Zitat aus dem 5. B. M. 10,17, die einer der Führer der „Großen Versammlung" Nehemia, selbst in seinem großen Gebete (Nehemia 9.32) anführt. Ein geistreicher Erklärer bringt das Attribut haggodaul in Zusammenhang mit Abraham. dem Gott verhieß: Waagadd’loh sch’meclio (1. B. M. 12,2 ). haggibaur mit Isaak, dessen hohe Ehrfurcht vor Gottes Allgewalt gekennzeichnet wird in den Worten Pachad jizchok \ (1.58. M. 31,42.) und endlich hannauro mit Jakob, der ausrief: ' Mali nauro haminokaum hasch (1. B. M. 28,17), (wobei Mo- >' kaum nach spättalmudischer Art als Gottesname eingesetzt wird). — Die Worte El cljaun kauneh schomajim v/oorcz (die letzteren zwei Worte hier im Gegensatz zum Wiederholungsgebet im Gebet am Sabbatanfang zufammengefaßt in hakkaul und getrennt von den ersten Worten durch gaume! chassodiin tauwim) hören wir zuerst aus dem Munde Abrahams (1. V. M. „ 14,22). Es liegt klar zutage, daß die Verfasier des Gebets ab- " sichtlich die Textworte gerade aus der Geschichte der Patriarchen gewählt haben. (Es ist ratsam, hier in der Schule nicht i «leljaun mit „höchster Gott" zu übersetzen, sondern öl als „Macht" zu bezeichnen.) — Rein grammatisch ist darauf aufmerksam zu machen, daß kaunöh als Substantiv im stat. contr. aufzufasien und darum mit Zereh zu punktieren ist. — Die Worte gaumöl chassodim tauwim Haben ihren Ursprung nicht?; in der Schrift, sind in diesem Zusammenhang auch durchaus spät-hebräisch. Es ist auffallend, daß hier das Wort Chcsscd nacheinander auf Gott und auf die Väter bezogen wird. Ist Gott bei der ersten Anwendung Subjekt, der Erweifer gütiger . Liebe, so haben wir unter Chassde owauss die Liebeshingebun- ■ : gen z u Gott, die Frömmigkeit der Vorfahren zu verstehen. , Dabei ist zwischen Chcsscd, der Liebe Gottes zu den Menschen und der der Väter zu Gott wohl durch das schmückende ‘ Beiwort tauwim unterschieden, denn — so sagt ein Erklärer -« ’ mit vieler Innigkeit — Gottes Liebesbeweife tauwim jaußer, < sind unvergleichlich größer als die der Menschen. 3, Daß Gott der huldigenden Liebe der Väter, seines Bundes i $ mit ihnen und mit Israel gedenken wolle, hat er oft verheißen: „Ich gedenke meines Bundes mit Jakob; auch meines Bundes mit Isaak, und auch meines Bundes mit Abraham will ich gedenken" (3. V. M. 26,42), so ruft Gott Israel zu. Und der Prophet versichert seinem Volke im Namen des eröarmungsvollen Gottes: „Ich gedenke dir die Hingebung deiner Jugendzeit, deine bräutliche Liebe, daß du mir in die Wüste folgtest, ins saatenlose Land (Ieremia 2,2). — Die Worte Urnßwi nauB ■ liwnß w’nßhem führt Baer inhaltlich auf Iesajah 40.20 zurück, die Anfangswoite des bekannten Gebets und die so oft angewandten Worte Uwo fzijaun gauöl. Vesser kommt der Grundgedanke dieser mit den vorangehenden logisch zusammenhängenden Worten im 5. B. M. 9,5 zum Ausdruck: Nicht wegen deiner Frömmigkeit und wegen der Geradheit deines Herzens kommst du in den Besitz ihres Landes, sondern ..... weil Gott das Wort hält, das er deinen Vätern .... zugeschworen. — Die Erklärer bringen ferner auch die Worte l'maan sch’mau noch in tieferen Zusammenhang mit dieser Wendung, indem sie sagen: Auch wenn Schuß owauß, der Väter Verdienst schwinden würde. Gottes Wort und Versprechen, uns Erlösung zu senden, würde ewigen Bestand haben, denn er hat es uns bei seinem großen Namen zugesichert. Ja, wie sein Name ewig, so auch unsere Hoffnung auf Erlösung! Und nicht um unsertwillen, nein urn Seines Namens willen — heißt Er doch „der Gnädige, Barmherzige, der reich an Huld und Gnade", der uns durch seinen Propheten zuruft: „Um meinet-, um meinetwillen werde ich es tun?" (Ief. 48,11) — sendet er uns, den Nachkommen großer Ahnen, den Erlöser, in Liebe — b’ahawoh, denn durch Jeremiahs Mund versichert er uns: Mit ewiger Liebe, umfange ich dich, darum zog ich dich an mich in Huld. (Jer. 31,3.) — (Es wäre vielleicht besser, hier bei der Uebersetzung die Worte ein wenig umzustellen: Er bringt in Liebe um seines Namens willen ihren Kindeskindern einen Erlöser). Nun apostrophiert der Betende den Gott der Väter zum Schluß als: König, Beistand, Helfer und Schild. Die gleiche Redewendung und ähnliche Wortfolge finden wir in dem Schlußgebet des Sch’ma: Esrass awaussßnu attoh hu mßaulom, mogßn umauschia liwnehem acharßhem b’chol daur wodaur unb in W’jaasaur w’jogßn w'jauschia ufm. Wir brauchen diese vier Anrufungen nicht als orientalischen Ueberschwang hinzunehmen — nein, jedes dieser vier Epitheta hat seine tiefe Bedeutung: Mclcch, der allwaltende, allmächtige Vollbringer, der Erfüller seiner Verheißungen; Ausßr, der Beistand des Einzelmenschen in seinen eigenen, durch seine Leidenschaften und Triebe bedingten Nöten; Mauschia, der Helfer im Kampfe um's Dasein, der uns wie den Vätern aufrichtend zuruft: „Stehet nur fest, dann werdet ihr die Hilfe Gottes erfahren. Gott wird für euch kämpfen (haben doch Jillochem und Lechem die gleiche Wurzel!), ihr aber, schweiget nur!" (2. B. M. 14, :2 und 14.) Und endlich Mogßn, Schild und Schutz gegen äußere Feinde und Widersacher — hat doch Gott dern Abraham das trostvolle Wort: Al tiro awrom, onauchi mogßn loch! Fürchte dich nicht, Abram, ich bin dir Schild! in dem Augenblick zigerufen, als er, vom Kriege mit mächtigen Königen, vom Kampfe für Hilflose, heimkehrend, fürchten mußte, daß drr Feind sich an ihm rächen werde. — Appellieren wir hier an den Helfer in allen Lagen unseres Menfchendaseins, an all diese Hilfsbereitschaft unseres gütigen Gottes als Mogßn awrohom, als „Schild Abrahams", so können wir nicht umhin, der vieldeutigen Worte unserer Talmud- und Midraschweisen zu gedenken, die zu dieser Wortprägung geführt haben. N. Simon b,:n Lakisch sprach: Die Worte „ich mache dich zu einem großen Volke" führten zu unsern Eebetworten „Gott Abrahams"; „ich will dich segnen" zu „Gott Isaaks", und „ich will deinen Namen groß machen" zu „Gott Jakobs"; man hätte meinen können, daß man dann den Lobspruch mit dem Namen der drei Stammväter hätte schließen sollen — darum aber rief Gott dem Abraham noch besonders zu: „Werde ein Segen!"

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