Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 2 (15.2.1927)
- Date
- 1927-02-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Jüdische Schulzeitung. anderen, als Gott dem Mose das Geheimnis seines heiligen Namens anvertraute. 5. Horauzel, bißschuwoli, als RLuben nach seinem Vergehen an dem Kebsweib seines Vaters Buße tat; nach andern, als der König Menascheh, der Sohn des Chiskijahu (B. d. Ehr. II. 33), ferne schlimmen Taten bereute. 6. Ohainm haminarbeh lißlauach, als Juda nach seinem Unrecht an Tamar (1. V. M., 38) reuig sprach: „Sie ist gerechter als ich", und Gott ihm verzieh. 7. OauGI jißrokl, als Gott unsere Väter aus der Knechtschaft in Aegypten befreite. 8. Rauib ehaulim, als der Engel Raphael unserm Vater Abraham nach seiner Beschneidung Heilung brachte. 9. ^VnorGch haschschonim, als unser Vater Isaak hundertfache Ernte heimbrachte. (1. B. M. 26.12.) 10. M’kabbGz nidcliG arnmau jißroel, als unser Vater Jakob in Aegypten seine zwölf Söhne um sich versammelte. 11. Melech, auhew z’dokoh umischpot, als Israel die Thora erhielt und Gott ihm zurief: „Dies sind die Rechtsvorschriften!" (2. B. M., 21.) 12. SchaiiwOr auj’wim umachnia sßdim, als die Aegypter im Meere versanken. 13. Misch’on. uiniwtoch lazzadikim, als Gott dem Vater Jakob die Versicherung gab, Joseph werde ihm dereinst die Augen zudrücken, und Jakob auf Gottes Wort vertraute. 14. Bauttöh j’ruscholojim, als Salomo den Tempel baute. 13. Mnzmiach keren j’schuoh, als Gott Israel am Schilfmeere half und das Volk das Lied anstimmte., 16. SchaumGa t’filloh, als Gott das Wehklagen Israels in Aegypten erhörte. 17. Hammachasir sch’chinoßau l’zijaun, als Israel das Wüstenheiligtum errichtet hatte und die göttliche Majestät auf den Cherubim thronte. 18. Hattauw schimcho, als Salomo die heilige Lade ins Heiligtum brachte und Gott Lob und Preis sang. 19. AußE-h haschscliolaum, als Israel ins heilige Land kam und an ihm der Schriftvers in Erfüllung ging: „Ich bringe dem Lande Frieden." (3. B. M. 26,6.) Dennoch, trotz all dieser gewiß tiefsinnigen Darlegungen, pflichten wir Elbogen bei, wenn er die Zahl achtzehn zufällig nennt und alle Analogien, die man später für die Zahl suchte, als willkürlich bezeichnet, auch als mnemotechnische Hilfsmittel zur Einprägung des damals gewiß nur in wenigen Händen schriftlich befindlichen Gebets. Endlich müssen wir noch auf die häufige Textähnlichkeit des 18-Eebets mit dem Gebete im Buche Sirach Kap. 36, 17 ff. Hinweisen, gewiß auch ein Beweis dafür, daß solche Redewendungen und Gebetworte um die Entstehungszeit dieses apok'ryphischen Buches (2. bis 3. vorchristl. Jahrhdt.) geläufig waren. Eine strenge Logik ist in der Reihenfolge der Lobsprüche nicht vorhanden. Es sind Bitten um persönliche, zum Teil um materielle Güter. Gesundheit (R’foenu) und Segen in der Arbeit (Borßch olfniu) bilden die Grundlagen des Menschendafeins. Der Bitte um dieses Glück gehen voraus diejenige um Einsicht (Attoh chaunftn), die Voraussetzung für religiösen Wandel (Hasel,iwGtui) und für Sündenvergebung (S’lach lonu). Eingefügt und angeschlossen sind sodann die nationalen Bitten. — Wir werden auf den möglichen Zusammenhang der Lobsprüche untereinander noch zurückkommen. Hirsch, sich auf den Talmud stützend, (B'rocliaus 26": Tffllaus k’neged t’niidim tikk’num, t’fillaß schachariß k’neged korban tomid schel schachar, t’fillaß minchoch k’neged korban tomid schel bl'n hoarbojim, aß’fillaß erew k’neged öworim uf’doritn, schehoju mißakk’iim bamisbeach kol hallojloh), versucht den Nachweis, wie das Achtzchn-Eebet sich als Uebertragung der Opferhandlung darstellt. Die Gesamthandlung des täglichen Opfers besteht wesentlich aus drei Teilen: 1. der Blut- Nummer 2 sprengung, der Schwingung des die Seele bedeutenden Blute-; (3. B. M. 17,11) zur Altarhöhe; 2. der Uebergabe aller inneren und äußeren Organe der geistigen, sittlichen und sinnlichen Tätigkeit an das Feuer des göttlichen Gesetzes und 3. der Dar» bringung von Mehl. Oel und Wein, dem huldigenden Dankesausdruck für die von Gott gewährten Güter. Der geistreiche Erklärer bringt diese drei Opferhandlungen in Parallele zu den drei Hauptteilen des Achtzehn-Eebets. 3. Der Gebettext. Die Einleitung zu dem Gebet besteht in dem Psalmvers (51.17): O Herr, öffne meine Lippen, auf daß mein Mund deinen Ruhm verkünde! Er wurde von dem Amoräer R. Jochanan (3. Jhdt.) (B'rocbauß 4a) angeordnet und zwar trotz der angenommenen Vorschrift, daß zwischen 5H1XZ d. h und nVsn keine Unterbrechung stattsinden dürfe, unter der Begründung, daß dieser Spruch zum Gebet gehöre: Kijfulloh ariclito damjo. Eine Hinzufügung weiterer Schriftverse ähnlichen Inhalts ist daher nur im Mincholi- und Mußaf-(5cbct statthaft, da hier der angeführte Grundsatz fortfällt. — Zum Unterschied von der Sprache des ganzen übrigen Gebets, wie überhaupt fast aller Gebete, ist diese: Spruch (wie der Schluß Ekmhai, n’zaur) das Gebet einer Einzelperson, während wir uns sonst als Glieder der jüdischen Gr meinschaft betrachten und nicht für uns selbst, sondern für die Gesamtheit Israels beten. Dennoch wird so durch Einleitung und Schluß dies unser Hauptgebet auch als unserm persönlichen Empfinden entstammend gekennzeichnet und unsere Andacht dadurch erhöht. Diesem Gedanken entspricht durchaus die Aahl des Psalmverses, der nicht mit dem allumfasienden Eo:tcsnamen beginnt, sondern mit der Anrufung des eigenen Herrn und Meisters (Adaunoj) des Betenden. Es ist auch zu betrachten, welchem Psalm dieser Spruch entnommen ist. Es ist das Gebet des Königs David nach dem schweren Vorwurf des Propheten Nathan wegen seiner Versündigung an Uria. In tiefer Zerknirschung wirft sich der König vor Gott nieder, seine Sünde bekennend und bereuend, seinen Schöpfer um ein reines Herz, um einen neuen Geist bittend. Da ruft er aus: O Herr, öffne meine Lippen! Denn — so fährt er fort — wenn ich ein Opfer brächte. Du würdest es nicht wollen; ein Eanzopfer, du würdest es nicht annehmen. Opfer sind für Menschen in meiner Lage nicht am Platze — ich bin zu tief gesunken! Nur ein durch Schuldbewußtsein gebrochenes Gemüt, ecn gebrochenes und zerknirschtes Herz wirst Du nicht verschmähen. In ähnlicher Verfassung tritt jeder Betende vor Gott — Opfer können wir heute nicht mehr darbringen, so ersetzt sie unser Gebet, das mit gleichem Geist zu erfüllen ist. denn auch wir sind nicht frei von Sünde und Schuld. Drückt uns dies Bewußtsein so sehr nieder, daß „kein Wort in unserm Munde, auf unserer Zunge keine Silbe", so beten wir zu dem Allerbarmer, er möge unsere Lippen befähigen, unfern Mund öffnen, auf daß wir das rechte Wort finden zu unserm Gebete. . 1. Der erste Lobspruch wird in der Mischnah (Rausch hascho* noh 4,5) rmK genannt, weil die Stammväter und ihr Gedenken den Hauptinhalt bilden. Der Psalm 29 und seine Anfangsverse: „Bringet dem Ewigen, ihr Kinder der Mächtigen, bringet dem Ewigen Ehre und Macht! Bringet dem Ewigen die Verehrung seines Namens, bückt euch vor ihm in der Pracht des Heiligtums!" haben nach dem Talmud (M’jcilloh 17 ‘) Veranlassung zu d:n ersten drei Lobsprüchen gegeben. — Der Wortlaut ist in Talmud und Midrasch vielfach erwähnt. In Mechiltha zu 2. B. M. 13,3 heißt es: Woher (entnehme ich), daß man (am Anfang des Achtzehn-Eebets) spricht: „Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott und Gott unserer Väter, Gott Abrahams, Goti Isaaks und Gott Jakobs?" Weil es heißt (2. V. M. 3,15.): Der Ewige, der Gott eurer Väter, der G. Abr.'s, d. G. Js.'s und d. E. Jak.'s ufw. — Es ist damit wohl begründet, warum hier Gott nicht wie sonst als Welten-