Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 2 (15.2.1927)
- Date
- 1927-02-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 nuuQcn und Forderungen rein äußerlich in ganz anders gearteten Kulturverhältnissen ohne weiteres zur Geltung gebracht werden sollen. Dabei kommt aber im vorliegenden Buche die Beleuchtung des Ewigkeitsgchalts pestalozzischer Ideen ebensowenig zu kurz wie das Eindringen in die Besonderheiten der genialen Persönlichkeit mit den Mitteln moderner psychologischer Forschung. Eine eigentliche Biographie im Sinne der Darstellung des äußeren Lebensganges geben die beiden genannten Bücher uicht. Ein solches Werk wird uns angekündigt im Zusammenhang mit einer Verösfentlichung, die das literarisch bedeutungsvollste Ereignis des Pestalozzi- Jahres wird. Der Berliner Verlag Walter de Gruyter u. Co. hat bereits seit vier Jahren eine kritische Ges a m t a u s g a b e der Werke Pestalozzis vorbereitet, an deren Leitung Eduard Spranger, Artur Buchenau und der Direktor des Pestalozzianums in Zürich, Professor Dr. Hans Stettbacher, beteiligt sind. Der zuletzt geuauute Gelehrte wird auch nach Abschluß der Ausgabe, als Ergänzungsband eine ausführliche Biographie Pestalozzis veröffentlichen. Die Ausgabe, die natürlich den - gesamten handschriftlichen Nachlaß heranzieht, wie überhaupt alle erreichbaren Niederschriften und Drucke berücksichtigt, ist auf '20 bis 24 Bände angelegt. Jährlich sollen 3—4 Bände erscheinen. Eine große Anzahl von deutschen und Schmelzer Gelehrten finb mit der Vorbereitung nnd Fertigstellung der einzelnen Bände dieser Ausgabe beschäftigt, die nun endlich einmal das Wort Pestalozzis in aller wünschenswerten Echtheit und Ursprünglichkeit darbieten wird. Den ersten Band, der die Schriften bis 1781, also von der Abfassung des 1. Teils von „Lienhard und Gertrud", enthält, — er ist bearbeitet von Dr. Walter Feilchcnfeld — konnte Delekat in seinem genannten Buche im Manuskript bereits benutzen. Er erscheint in allernächster Zeit. Kein schöneres Denkmal konnte man dem Andenken des großen Mannes weihen, als die hier geplante kritische Gesamtausgabe. Möchte sie viele Leser finden! Eine Feier Pestalozzis kann nur segensreich wirken, wenn sie anregt zur Vertiefung in sein unsterbliches Werk, das, nun endlich geläutert von allen Schlacken mangelhafter Ueberlieferung, um so fruchtbarer sortwirken kann. Das Achlzehn-Gebek. Exegetische Studie von I. B. Lev y. (Quellen: Zunz, Gottesdienstliche Vorträge; Landshuth. M’kaur b’rochoh: S. Bär, Awaudas jisroßl; Elbogen, Geschichte des Achtzehn-Eebets; ders., Der jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung: Hamburger, Real- Encyklopädie; ckewisti Ericyclopedia; Siddur Auzar liatt’fillaus, Wilna; Heiler, Das Gebet; Hirsch T’fillaus jisroßl.) 1. Geschichtliches. Das gottesdienstliche Gemeindegebet ist eine der zahlreichen religiösen Früchte, die das Judentum des Exils in Babylon gezeitigt hat. Der vorexilische Kult Israels war zweifellos in der Hauptsache der Opserkult,. der, wie wir aus Amos 4, 4; 5. 21, Hosea. 0, ß, Akichah ß. ß, Jesajah 1, 11, Jirmijah 7, 21 und vielen anderen Prophetenworten ersehen können, zu verflachen drohte. In Babylon wurde, da das Heiligtum fehlte, der Drang lebendig, den Elauhö axvrotiom, jizchok w’jaakauw anzubeten, nach dem Worte Hofeas (14,3): Nehmet Worte mit euch und kehrt damit zu Gott zurück! Sprechet zu ihm: Verzeihe doch ganz die Schuld und greife zur Güte, so wollen wir dir mit unseren Lippen (Gebet) die (gelobten) Farcen entrichten. Die Sehnsucht nach der Heimat und nach Nummer 2 dem ihnen von den Propheten so eindringlich gepredigten Gott drängte die Verbannten mit erhöhter Gewalt zu gemeinsamer Betrachtung und Anbetung. So entstand, fern vom Heiligtum auf dem Zion, an den Gestaden des Euphrat ein opferloser, rein, geistiger Gemeindegottesdienst, und wurde auch nach der Rückkehr in die Heimat der Tempeldienst in alter Form wieder hergestellt, der vergeistigte Eemeindegottesdienst konnte nicht mehr zurückgedrängt werden. Allenthalben erhoben sich hot?; ffillaus, botß hakk’neßes, Gebet- und Versammlungshäuser. Synagogen, in denen die Frommen sich zur Schriftoerlesung und zum gemeinsamen Gebet versammelten (siehe K’ssuwaus 105:»). Ihre volle Bedeutung erlangten Synagoge und Eebetgottesdienst freilich erst nach der Zerstörung des Tempels, an dessen Stelle beide nun als Ersatz traten. Nur durch diesen Gottesdienst. neben dein Thorastudium, hat das Judentum den Fall von Tempel und Altar überwunden. — Mibirchaussow schei odom nikkor, im baur hu, w'im talmid chochom hu. „An dem Gebet eines Menschen kann man erkennen, ob er ein Unwissender oder ein Gelehrter", dieses Wort unserer Weisen gilt von jener Zeit, da die Gebete noch nicht festlagen, da jeder seines Herzens Fühlen noch in eigene Worte kleidete und kleiden konnte. Aus jener Zeit aber, da sich das Bedürfnis herausstellte, feste Gebetsformcln zu besitzen, um die religiösen Gedanken, die Bedürfnisse und Wünsche der Gesamtheit zum Ausdruck zu bringen, haben wir die Entstehung des Achtzehn-Gebets zu datieren. Den zufamnlenfassenden Darstellungen Elbogens. Bars u. a. folgend, ist es schwer, ja unmöglich, das Alter dieses Gebets genau anzugebun. Die ganz auseinandergehenden talmudischen Angaben darüker: 1. Anschö Ic’neßcs hax’daulnh tikk’nu Indem fjisro('*l (B’rochaus 33). Die Männer der großen Versammlung haben die 7'fiIIaus für Israel angeordnet. 2. Meoh w’cssrim s’kftnim, uwohem kamno n’wiim tikk’nu sch’mame essrä b’rochaus als hassüder (M’gilloh 17). Einhundertzwanzig Aclteste, darunter einige Propheten haben die achtzehn Benedektionen geordnet. 3. Schim’a in hap’kuli hißdir ly* Brochaus lilnö Rabbou GamliOl al haiikler b'jawneh (daselbst). Simon, der Flachs-- arbeiter, hat die achtzehn Lobsprüche vor Nabban Gamlii'l (d. h. wohl: in dessen Auftrag) in Jabneh geordnet. — Diese drei wichtigsten Hinweise des Talmud auf die Entstehung unserer 'l"fMnI, divergieren in ihren Zeitangaben um mehrere Jahrhunderte. Ziehen wir daraus den Schluß, daß diese Angaben die Marksteine in der Entwicklung des Achtzehngebets bilden, daß die Männer der großen Versammlung es zu sammeln begonnen, N. Gainliäl es abgeschlossen, d. h. ihm etwa seine jetzige Forin gegeben und es zum Pflichtgebet erhoben, so werden wir etwa das Richtige treffen, wie der Talmud schließlich selbst ausgleichend sagt: scb’chochum w’chosar w’ßid’rom. Man vergaß sie und hat sie wieder geordnet. Recht anschaulich drückt dies Bür (Awaudaß jisroCI S. 88) in folgendem aus: Wenn wir also all diese verschiedenen Angaben auf das rechte Maß bringen wollen, so müssen wir zu folgender Einsicht kommen: Seitdem Israel zu einem Volke geworden, war es fein Brauch, dreimal am Tage zu Gott zu beten. So heißt es in ß’rodiaus 20" u. a. Stellen: Man betet nicht öfter, als es schon unsere Stamrnoäter getan: Abraham ordnete das Morgengebet an, Jsac k das Minchah-Gebet, Jakob das Abendgebet. — Auch bei Dan el heißt es (6.11): Dreimal am Tage fiel er auf die Knie und betete zu Gott. — Und diese drei Zeiten bestimiin David in seinen Worten (Ps. üb,18): Abends, morgens und mittags will ich beten und klagen, und er hört meine Stimme — Midrasch Tanchuma, Cha]6 Sarah u. a.: Wie viele Tiillatis soll man tägl ch beten? R. Samuel b. Nachman sagte: Weck cs drei Tageszeiten gibt, soll man dreimal am Tage beten; abends bete man: Möge es dein Wille fein, Ewiger, mein Jüdische Schulzeitung.