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Jüdische Schulzeitung · 1927-02-15 · 2 (15.2.1927) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
3 (1927)
Issue
2 (15.2.1927)
Date
1927-02-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Nummer 2 ».JahrZsnW/ Mische JUDA1CA Monaksfchrifi für Pädagogik und Schulpolitik Hera,lsgegeben von, „Verbände der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche" Die „Iüdilcvc Ccimlz«'i>ung" erscheint am 15,. eines,edenMonalslmdwi,dollen UMtflliebern der dem „Verband der jüdischen Lehre' vereine im Deutschen Reiche" an;,eichlossenen Vei eine kostenlos zugeilelll. - Post-Bezugspreis für Nicht Mitglieder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg, 15. Februar 10547 Druck, Verlag und Geschäftsstelle: M. Leßmann, Hamburg, ABC-Straste 5,7. Fernsprecher: Elbe 7910, 7911, Vulkan 8(583. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. Steinhardt- Magdeburg, für den Inseratenteil: E. L o o s, Hamburg. Anzeigenpreis 40 J, für die iigespaltene Nonpareille-Zeile. Inhalt dieser Nummer: Pestalozzi, von Dr. M. Spanier, Berlin. Das Achtzehn-Gcbet von I. B. Levy. Die Fortbildungsfrage auf dem Preußischen Lehrertage (Lchlnsj). Literarisches. Pestalozzi. Von Dr. M. Spanier, Berlin. In unsere frühe Jugend hinein leuchtete der Name Pestalozzi mit Hellem, warmem Glanze. Im Lesebnche stand ein Stück aus „Lienhard und Gertrud", das uns immer wieder anzog. Gewiß, da war eine Gefühls- Weichheit, die fast bis an die Grenze des noch Natürlichen reichte, aber doch die Linie der Wahrhaftigkeit nicht überschritt. Das war's eben. Es lebte darin ein so echter, tiefer, ganz hingegebener Geist schlichter Menschlichkeit und sich aufopfernder Liebe, dem man gar nicht sich entziehen konnte, ja, der wohlig und warm das Gemüt umfing. Eigentlich hatte man schon damit gefühlsmäßig den tiefsten Kern pestalozzifchen Wesens erfaßt. “ Als dann im Seminar uns das Bild der Tätigkeit Pestalozzis entworfen und seine Stellung in der Geschichte der Pädagogik aufgezeigt wurde, schimmerte durch alle Nüchternheit einer oft pedantischen und engherzigen Darbietung doch dieser in seinem Leuchten gar nicht abzudämpfende Stern himmlischer Weisheit und Güte begeisternd und wegweisend hindurch. Hatte man später die grundlegenden Arbeiten Israels, Morss und Scyssarths kennen gelernt, die vortrcssliche Biographie Hcubaums und Paul Natorps Darstellungen gelesen, die ganz besonders die philosophische Tiefe und sozialpädagogische Bedeutung der pestalozzischcn. Gedankenwelt zur fruchtbaren Erkenntnis brachten, so war man beglückt durch eine dichterisch nachfühlende Gestaltung des Lebensbildes Pestalozzis, wie sie uns Wilhelm Schäfer in seinem „Lebenstag eines Menschenfreundes" geschenkt hat, — ein Buch, das in seinem hohen künstlerischen Rang seinen bleibenden Wert behält, auch wenn in kleinen Nebensächlichkeiten eine tiefere Forschung Einzelheiten zu berichtigen hätte. Bor 100 Jahren — am 17. Februar 1827 — ist Pestalozzi gestorben. So unsinnig die dezimale Begründung des Gedenkens großer Männer erscheint, so sinn- und wertvoll kann diese Methode werden, wenn sie Veranlassung gibt, bleibende Werte wirklich zu schätzen und innerlich sich anzueignen. Zu diesen dauernden Gütern unserer Kultur gehört Pestalozzi. Pestalozzi! Das Geniale, das aus zwingenden, dunkeln, schöpferischen Kräften seiner Persönlichkeit gestaltend und umgestaltend wirkt, verbindet sich, mit dem Prophetischen, mit dem Erfülltsein von einer Idee, der man sich dienend ergibt, ohne jegliche Rücksichtnahme auf das eigene persönliche Geschick, mir um der dringend herbcigesehntcn besseren Zukunft der Menschheit willen. Ta fehlt nicht der Glaube an die Berufung, der sich zu Visionen steigert, auch nicht jene Form der Hingabe und des Erfütltseins, die selbst in ekstatischen Zuständen und „krankhafter" Raserei sich äußert. Tie gewaltig gesteigerte Krast der Mütterlichkeit wendet sich mit einer immer wieder Bewunderung heischenden Leidenschaftlich- - feit gerade den elendsten und verwahrlosten Kindern zu, denen durch die naturgemäße Ausbildung ihrer nur verdeckten und verschütteten Kräfte geholfen werden muß. Mit der beförderen Fähigkeit des Genies, das Wissen in seinen Elementen neu aus den Quellen der Natur zu begründen, werden die Gesetze der geistigen und sittlichen Bildung erforscht und in den Dienst der Ausgabe gestellt, alle Klassen der Menschheit zur Harmonie mit den Brüdern und den einzelnen zur inneren Ruhe durch Erziehung gelangen zu lassen. Dieser mit religiöser Leidenschaft gesuhlten Aufgabe wird alles unterstellt, alles körperliche Mühen, alles Forschen und Denken, ja auch die ganz starke künstlerische Begabung, die Pestalozzi selbst in sich nur als Mittel zur Propaganda seiner pädagogischen und sozialen Ideen achtet. Eine Fülle von Veröffentlichungen wird das Pestalozzi-Jahr bringen. Uns liegt ein Werk vor von Max Konzelm ann, Pestalozzi. Ein Versuch. RotapseH-Verlag, Zürich und Leipzig. 240 Seiten. Hier wird eine Charakteristik des Mannes versucht, indem zunächst der Mensch, der Schriftsteller und der Politiker gekennzeichnet und alsdann seine Stellung zu Schule und Erziehung, Religion und Sittlichkeit beleuchtet wird. Der Verfasser fügt in außerordentlich klarer, knapper Schreibart Einzelzug an Einzelzng. Er malt etwa in der Art Segantinis, und auch bei ihm läßt die sachlich! Helle Stricheltechnik uns die Höhenluft einer gesteigerten reinen Menschlichkeit ohne sentimentalen Ueberschwang und ohne das Pathos der Ucbertreibung genießen. In seinen letzten Abschnitten leidet das sonst vortreffliche Buch ein wenig unter der Fülle von Zitaten aus den Werken des Meisters. Hier hätte eine zusammenfassende Charakteristik der methodischen Absichten Pestalozzis und der Entwicklung seiner religiösen Anschauungen vielleicht ein fesselnderes Bild gegeben, wenn auch die wissenschaftlich objektivierende Absicht des Autors nicht verkannt werden soll. Tiefer gräbt ein Werk von Friedrich Delekat, Johann Friedrich Pestalozzi, der Mensch, der Philosoph und der Erzieher. 1020. Quelle und Meyer, Leipzig. 314 Seiten. Es ist das große Verdienst dieses Buches, daß es die geistige Welt, aus der Pestalozzi erwachsen, in der Besonderheit ihrer verschiedenartigen Richtungen eindringend charakterisiert und damit zugleich die naive Art unterbindet, mit der pestalozzische fylrU

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