Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 1 (15.1.1927)
- Date
- 1927-01-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 1 frnenbcu Allgmneinbildrtttg und der AntithesiS der Berufsbildung. — Diese kurze Besinnung auf das Wesen der Bildung wird uns nützen in unseren weiteren Ueberlegungen. Warilnr ist unsere Fortbildung notwendig? Die Notwendigkeit ergibt sich aus dem Wesen- Haften des Erzieherberufs. Bilden kann nur der, der den Bildungsprozeß ständig erlebt, der das Ideal vorlebt, nicht vordoziert. Erziehung ist zuerst selbsterzieherische Tat des Erziehers. Fremdenerzichung bedingt Selbsterziehung und Selbstbildung. Wir können nur Erzieher sein, wenn wir nach innerer Haltung streben, nach Formkultur. Dazu gehört auch die Kultivierung der äußeren Lebensform. — Zum Wesen des Lehrers gehört nach Diesterweg, daß er Führer in allen Erziehungs- und Bildnngsangelegenheiten ist, die die Oefsentlichkeit bewegen. Ist es heute so, daß hier der Lehrer immer führend ist? Allmählich, leise und fast unmerklich geht diese Führung auch in unsere Hände über. Will man doch den Volksschullehrer neuerdings aus der Volkshochschul-, arbeit verdrängen. Zum Teil ist's ein erfreuliches Zeichen, daß das Jnteressse für Bildungsfragen auch in andern Kreisen wachst. Aber sind Personen aus anderen Berufen immer die wirklich Berufenen in Bildungsfragen? Soll die Entwicklung nach dieser Gesahrenseite weitcrgchen? Wir habenGrund, diesen Punkt ernstlich ins Auge zu fassen. — Durch Bildungsstreben ist unser Stand groß geworden. Leider haben die schlimmen Verhältnisse, hat die Not der Zeit uns zum Teil abgedrängt von eigentlichen Werten. In der Lehrerschaft erwacht aber wieder dies Bildungsstreben, das zu ihrem .inneren Wesen gehört, und man fordert auch von der Organisation, daß sie hilft und fördert. Dieser unserer vornehmsten Aufgabe, als Organisation den Bildungsstand unserer Mitglieder zu heben, können und wollen wir uns nicht entziehen. Die Zeit ist reif. D i e n e u e K u l t u r l a g e fordert Vertiefung der Bildung. Wir sind in eine Wirtschastskultur hineingeraten und leiden unter den Auswirkungen des Materialismus imb Nationalismus. Statt Kultur Zivilisation. Pestalozzi zitterte vor dem Hereinbrechen dieser Zeit wie vor einer Katastrophe. Wieviele gibt es heute, die in unserer Kultur zur inneren Ruhe und Harmonie gebildet sind? Tie geistigen Grundlagen unserer Zeit sind verwirrt. Tie moderne Kultur trägt das Kennzeichen einer Krise, in Wirtschaft und Gesellschaft, in Religion und Philosophie, im Verhalten zu anderen Menschen und zum Leben. Tie Bildungsfragen schwimmen oft im Fahrwasser der Politik und Weltanschauungen. In ernster Arbeit ist uns Besinnung auf wirkliche Kultur, auf autonome Pädagogik nötig; Tiefenschau und klarer Durchblick der Zusammenhänge; Erkenntnis des Wertes und Unwertes der Zeit; Verständnis für das wertvolle Neuwerdende. Ernste Mahnrufe werden an uns gerichtet, weil viele glauben, daß rechte Erneuerung vor allem kommt vom Volke und von der Volksschule. (Schluß folgt) Vereinigung israelitischer Lehrer und Lehrerinnen in Frankfurt a. M. 17 2. S i tz u n g. Studienassessor M. Simon hält' einen Vortrag über „Streifzüge durch die Geschichte der spanischem Juden" und „Das Judentum in der spanischen Literatur". i Im ersten Teile behandelt Referent die Geschichte der Juden auf den Balearen. Cr schließt sich an die Forschungen von Kayserling an und ergänzt sie durch zwei Quellenbücher,. die noch ihrer Auswertung harren.. Referent spricht dann von dem Seite 7 Wesen und de» Methoden der Inquisition und weist auf folgende Neuerscheinungen hin: De Lüca: „Torquemada und die Inquisition", Wien 1926, und Montanus: „Die Praktiken der spanischen Inquisition", Heidelberg 1926. Zu den Leiden der balearischen Märtyrer übergehend, wird das Schicksal des 91jährigen Rabbiners Vallo eingehend behandelt und als Quelle der Roman von Jbaüez: „Die Toten erwachen" genannt. Im zweiten Teile des Vortrags wird die ältere Zeit nur kurz gestreift und dabei bemerkt, daß schon in den Cidfassungcn die Rede von den judios ist. Cervantes' Auffassung vom Judentum sei umstritten. Wir seien lediglich auf indirekte Schlüsse angewiesen. Auffallend bleibe die große Verehrung der Juden für Cervantes und sein Werk. Nach kürzerem Derweilen bei Lope de Vega behandelt Referent ausführlicher: Gallos: „Gloria", Jbaüez: „Die Toten gebieten" und Luna Venamor.Asiens: „Die Chanulkalichter". Zum Schluß gibt Referent eine Uebersicht über die jüdischen Gemeinden in Spanien und einen allgemeinen Ausblick auf die Zukunftsmöglichkeiten der Juden in diesem Lande. " 17 3. Sitzung. - (Bericht bereits in. den „Bl. f. Erz. und Unterr." wiedergegcben.) 17 4. Sitzung. Der Vorsitzende, Dr. Höxter, widmet dem dahingeschiedenen Kollegen Heinr. S t a m m einen warmen Nachruf. . . Alsdann berichtet Rabbiner Dr. F r i e d m a n n über die Beschlüße der Lehrplankommission. Er sagt: „Nach mehreren Richtungen stellen die Kommissionsbeschlüsse eine Verbesserung des bisherigen Lehrplans dar. Zuvörderst soll das Zusammenfallen der Pensen von Untersekunda und eines Teiles von Obertertia in der jüdischen Geschichte dadurch vermieden werden, daß nunmehr die Stoffverteilung in folgender Weise abgeändert wird: Kl. IV: Von der babylonischen Gefangenschaft bis zum Abschluß des Talmuds (586 v. bis 500 n.). Kl. u HI; Vom Abschluß des Talmuds bis zur Vertreibung der Juden aus Spanien (500 bis 1492). Kl. 0III: Die Juden in.Deutschland und im übrigen Europa bis Moses Mendelssohn (1492 bis 1789). Kl. Von 1789 bis zur Gegenwart. Bezüglich der Lokalgeschichte (Geschichte der JuLen in Frankfurt a. M.) herrschte in der Kommission die einmütige Auffassung, daß sie nicht als besonderes Gebiet für sich zu behandeln, sondern im Interesse größerer Anschaulichkeit und Lebendigkeit der jeweiligen allgemeinen Geschichte der Juden sogleich anzufügen sei. Dies soll in folgender Anmerkung zum Ausdruck kommen: „Von I) 111 bis 011 steht die Geschichte der Juden in Deutschland im Vordergrund der Betrachtung, unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Geschichte der Juden in Frankfurt a. M." Die Quellendarbietung greift mehr als bisher auf den bewährten alten Plan von 1909 zurück und fordert für Kl. IV: die fynagogalen Bücher und B i b e l l e s e maus dem II. B. M.; Kl. 0111: Bibellefen aus dem III. M.. sowie in jedem Quartal einige Psalmen; Kl. O III: Bibellesen aus dem IV. und^V. V. M.. sowie in jedem Quartal einige Psalmen; Kl. 011: Bibellefen aus den Psalmen, Spr. Salomos und den Propheten, sowie eine systematische Zusammenfassung der jüdischen Pslichtenlehre. Die Rubrik „Religiöses Leben" bleibt unverändert. Mit diesen kurzen Aenderungen ist der Lehrplan für höhere Schulen (1924) dem jüdischen Religionsunterricht zugrunde zu legen und, soweit dies geschehen ist, hat er bereits die I „Genehmigung des Provinzial-Schulkollegiums in Kassel erhalten" (und zwar, wie Studiendirektor Dr. Driesen hinzufügt. obwohl er in wesentlichen Teilen von den Richtlinien abweicht), i Hierauf macht der Vorsitzende auf die vorzüglichen, durchdachten und beherzigenswerten Gedanken aufmerksam; die Rechtsanwalt Dr. Pfälzer in Weinheim (in der Anlage zum Verordnungsblatt der Badischen Israeliten) unter dem Titel „Zum Entwurf eines Lehrplans für den israelitischen Religionsunterricht in Baden"'veröffentlicht hat. Dr. Pfälzer habe ihm (dem Vorsitzenden) mitgeteilt, daß dem Lehrplan für den israelitischen Religionsunterricht in Baden auch unser Frankfurter Lehrplan als Gnindlage diente. , Dr. Hartina n n. Jüdische Schulzeitung^