Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 1 (15.1.1927)
- Date
- 1927-01-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 8 Jüdische Schulzeitung. .._Nuim:icr t Literarisches. '»w'bsy pbn D'HVD1? Lehr- und ttebungsbuch der Spräche des Talmuds' des Targums und der Midraschim, ihrer Lehrweise und ihres Stiles (Selbstverlag des Verfassers Rabbiner Dr. Daniel Fink, Berlin- Wilmersdors,. Güntzelstr. 44). Preis 7,50 Mk. Dr. Daniel Fink ist ein neuer, großer Wurf gelungen. Er hat ein Lehrbuch der aramäischen Sprache herausgegeben, welches die Sprache ist, deren sich der Targum, wesentlich auch die Gemarah und die Midraschim bedienen. Damit hat er seinem groß angelegten Sprach-, werke, dessen ersten beiden Teile dem Hebräischen gelten, aus eine wahrhaft meisterhafte Weise die Krone aufgesetzt. Hat er doch der jüdischen Jugend nunmehr die Wege zu den gesamten Erkenntnisquellen des Judentums, und zwar aus dem Originale, gebahnt. Dieser dritte Teil ist durchgehends in einem wahrhaft klassischen Hebräisch gehalten. Ihm geht eine in Form und Inhalt ans gleicher Höhe stehende umfangreiche /Vorrede voran. Deren Lektüre möchte ich meinen Kollegen, den jüdischen Lehrern, ganz besonders dringend empfehlen. Ihr Gewissen wird durch die Ausführungen auf Seite XXlII mit geradezu überwältigender Wucht aufgerüttelt. Dort gibt Verfasser eine ganz neue, tiefsinnige Erklärung der Stelle Gen. XV 2—3. Das muß jeder jüdische Lehrer im Originale' gelesen haben. Jeder Versuch einer auszugsweisen Wiedergabe könnte hier nur zu einer Verwässerung führen. Im Verlause dieser Vorrede wird eine ganze Fülle von Problemen in ein neues Licht gerückt. Hier läßt Verfasser seinen Geist auf fast allen Registern menschlichen Wissens spielen. Nicht selten führt er seinen Gegnern gegenüber eine glänzende Klinge scharfsinniger Polemik. Das vorliegende Buch ist mit einem reichhaltigen Vokabularium in den drei modernen Weltsprachen ausgestattet, das den Bedürfnissen derer entgegenkommt, deren Sprachschatz im Hebräischen nicht völlig ausreichen sollte. Wer aber in Finks Lehrbüchern hierzu den Grund gelegt hat, der wird hier keineswegs in Verlegenheit geraten. Ist man sich erst darüber klar, daß die Hebung des Judentums nur und ausschließlich durch die Wiedererweckung der erstorbenen sittlichen Kraft in seiner Mitte vor sich gehen kann und daß in der Sprache gleichsam das gesamte geistige Ringen und sittliche Schassen eines Polkes sich zusammendrängt, — so wird man leicht ermessen, welche Bedeutung den Leistungen Dr. Finks für die Erneuerung des Judentums zukommt. Auf Grund der von ihm ermittelten Urgesetze der hebr. Sprache, die er wesentlich auf musikalische Elemente basiert, kann deren Erlernung mit einem Bruchteile der bisher darauf verwendeten Mühe zuwege gebracht werden. Auch nach der Richtung hin bietet die Vorrede eine hochinteressante Auseinandersetzung. In dem vorliegenden Werke werden diese Errungenschaften noch eine Strecke weiter geführt. Durch Fortspinnung des in die Hand unserer Jugend gegebenen Fadens wird ihr auch das weite Gebiet des Talmuds erschlossen, bisher eine terra incognita. Auf Seite tt ff. werden die Gesetze des Lautwandels zwischen dem Aramäischen und Hebräischen an zahlreichen Beispielen vorgeführt. Bei dieser Gelegenheit war auch der Betoeis erbracht, wie eben dieselben vV'cir das Hebräische selbst beherrschen. In. zwei Nacbn„'7 tauchen später auch noch weitere Ergänzungen dieses belangreichen Themas auf. Hier offenbart der Verfasser eine bis ins Einzelnste und Kleinste hinabreichende staunenerregende Kenntnis des Materials. Außerordentlich zu begrüßen ist der Albdruck der neunzig in der Bibel ganz vereinzelt dastehenden Wörter, an bereif Erklärung auf dem Wege ethymologischer Erwägungen Gaon Saadra sich bereits versucht hat. Durch dieses lehrreiche Kapitel wird der Schüler gleichsam in der Werkstätte heimisch, in welcher die sprachlichen Formen ihre erste Prägung gewinnen. Tie Anregungen, die Lehrer und Schüler hier zu schöpfen vermögen, sind gar nicht zu ermessen. Ter Wortschatz erfährt hierbei die größte Bereicherung Der hebräische Gedanke kann solcher Art bis in seine ersten und zartesten Regungen beobachtet werden. Das mechanische Einpauken der Vokabeln wird hierdurch zu einem großen Teile überflüssig und von feinsinnigen und ebenso bildenden seelischen Funktionen abgelöft. Der Ausbau des grammatischen Teiles erfolgt dann, wie bereits erwähnt, im Einklänge mit den sprachwissenschaftlichen Errungenschaften, welche das Lehr- und Uebungsbuch der hebräischen Sprache darbietet. Fast jedes Lehrpensum hier enthält zudem einen entsprechenden ausdrücklichen Hinweis auf die Darlegungen dort. Der Schüler, dem die hebräischen Formen bekannt sind — nur an solche ward bei Abfassung dieses Buches gedacht - gewinnt somit die Kenntnis des Aramäischen auf dem denkbar leichtesten und einfachsten Wege. Einem jeden grammatischen Pensum ist ein Abschnitt von sachgemäßen Uebungs aufgaben angeschtossen. Sie sind in unvokalisierter Schrift dargeboten worden. Dies auch mit Fug und Recht. Dem Schüler soll eben Gelegenheit geboten werden, die von ihm gewonnen-m grammatischen Kenntnisse auszumünzen und in mündlichen wie auch schriftlichen Uebungen die erforderlichen Vokale selbst hinzuzufinden. Daran schließt sich eine in alphabetischer Ordnung aufgereihte, überaus reichhaltige Sammlung von Sprichwörtern aus dem gesamten Gebiete der talmudischen Literatur. Es folgt eine Sammlung von Uebungsstücken historischen, erzählenden und parabolischen Inhaltes, in denen es nirgends an dem nötigen Körnchen scharfen talmudischen Salzes fehlt. Eine chronologische Zusammenstellung der Autoren, die im Talmud za Worte kommen, ist hier ebenfalls anzutreffen. Auch an einem Verzeichnisse jener Grundregeln, nach denen aus den verwickelten Disputationen die Normen abzuleiten sind, fehlt es nicht. Der ganze Reichtum dieses Buches ist damit noch längst nicht erschöpft. Nun bekommt erst M. CH. Luzatto das Wort. Dieser große Klassiker, dieses unerreichte Genie, wird durch Finks Vermittlung zu unserem geistigen Führer. Welch ein Aufschwung müßte das Judentum in all seinen Schichten nehmen, wollte es sich erst dazu entschließen, von den gewaltigen, bisher unerreicht dastehenden Errungenschasten, die Dr. Fink ihm darbietet, Gebrauch zn machen! H. U n i k o w e r. Nollegen, werbt für die Verbreitung der „Jüdischen Schulzeitung"! probenummern in beschränkter Zahl stehen bei der Schristleltung zur Verfügung.