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Jüdische Schulzeitung · 1927-01-15 · 1 (15.1.1927) · page 5

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
3 (1927)
Issue
1 (15.1.1927)
Date
1927-01-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nummer i Jüdische Schutzeitung. _ _ Seite 5 Leisticngen abhängig, so daß sie allein nach Persönlich keitswerten ordnen. Also sichern sie dem Jugend/ lichcn seine freie Beweglichkeit durchaus nach dem Grund'- satz der Einhcitbildung. Dieser demokratische Ausgleich zwischen den verschiedenen Schülerpersönlichkeiten wurde im Unterricht durch die Einrichtung der Schulgemeinde angestrebt. Sie tritt für die selbständige Beratung und Bebandlung der allgemeinen Angelegenheiten der Schüler mit der Absicht ein, diesen die Gelegenheit zu freier. Selbstbetätigung zu bieten, sie zur Teilnahme an den öffentlichen Angelegenheiten des Lebens vorzubereiten und ihre Gewöhnung an Selbstverantwortlichkeit anzubahnen; doch hat sie diese Ausgabe nur recht mangelhaft zu lösen verstanden. In Amerika, von wo diese Einrichtung herstammt, ist sie aus den zusammenwirkenden Interessen von Ellern und Schülern natürlich frei erwachsen. Daher konnte sie hier auch noch durch den gemeinsamen Unterricht von Knaben und Mädchen, den Besuch der Schulstunden durch die Eltern und die völlig zwangslos allein nach den Umständen der Tagesbcdürfnisse frei vereinbarte Zusammenkunft der Schüler und Schülerinnen unter der Leitung eines Lehrers.außerhalb des Unterrichts zu gemeinsamer Unterhaltung noch ertveitert werden. Der ernsten Schularbeit geschieht dadurch kein Eintrag, vielmehr wird sie zum Band, das Eltern, Lehrer und Kinder zwanglos zusammenhält und die Aufgaben der Schule mit natürlichen Mitteln fördert. Bon der dort durchgängig herrschenden Achtung vor der persönlichen Freiheit und der Wahrung ihres äußeren Ansehens getragen, bilden sie einen gleichartigen Teil des gesellschaftlichen Lebens. Auch die freie sportliche Betätigung der Jugend vermag sich drüben weit erfolgreicher auszuwirken, als dies bei uns der Fall ist, und vermehrt daher die unbegrenzten Möglichkeiten, die durch die reichen Segnungen der Natur dort schon von vornherein gegeben sind. Bei uns hat sich die freiheitliche Erziehung der Jugend in die Landerziehungsheime und Heimschulen geflüchtet, die von der philanthropischen Richtung Basedows ursprünglich allein den Begüterten Vorbehalten waren. Auch hier werden Gegensätze in der Schülergemeinschast nicht von leitender Stelle her ausgeglichen, sondern in der Schulgemeinde selber zum Austrag gebracht, wie dies z. B. in Wickersdorf der Fall war, wo freilich einseitige Uebertreibung und Entstellung nicht ausgeblicben ist. Bei rechter Einstellung ist besonders die jetzt allgemeiner angestrebte Heimschule so recht geeignet, dem einseitigen, alleinseligmachenden Dünkel des „Bildungsluxus", den schon Bismarck tadelte, entgegenzutreten und echte Lebensfreude im Kindergemüt zu wecken. Sie vermag auch am besten die Einheitbildung anzubahnen, als deren Schirmherr Pestalozzi angesprochen werden sollte, da seine genial einfache Methode allem elementaren Volksschulunterricht zugrunde liegt und ihre philosophisch tiefe Begründung im theoretischen Studium der Hochschule erforscht wird. Die so auf naturgemäßem Wege zu praktischer Betätigung geleiteten Anlagen erwecken die Sehnsucht nach Verwirklichung des seinem Werte nach Erkannten oder doch Geahnten zur Ergänzung der eigenen Persönlichkeit. Sie, die auch als Eros bezeichnet wird, bildet die selbständige Wertbeurteilung des Jugendlichen so, daß sie sich nicht länger durch den lockenden Schein gefangen nehmen läßt, sondern sich weiterhin nur für die Erlangung solcher Dinge einsetzt, die einen sittlichen Wert verbürgen und dauernde Geltung haben. Die hierdurch gelauterte. Denk- und Urteilskraft vermag verschiedenwertige Entschlüsse leichter zu sieben und der rechten Witlensentschließung zuzuweisen, daß an die Stelle einer unsicher schwankenden Gesühlsscligkeit das sichere Werturteil und kraftvolle Wertstreben tritt Das ganze Leben gewinnt damit seine bestimmende Richtung und seine Maßnahmen die wuchtige Zielkrast, welche auss sicherste die sittliche Persönlichkeit begründet. Sie .erfordert keine weitere äußere Organisation, sondern den inneren An- und Ausbau der persönlichen Struktur aus naturgegebener Grundlage. Nicht allzu weit von halbasiatischer Unkultur entfernt entstand die P s y ch o - A n a l y s e, die durch zersetzendes Eindringen in die halb- oder unterbewußten Regungen seelischer Zersallssormen diese aus ihrer Verdunkelung in den Blickpunkt des Bewußtseins herauszuheben sucht, um die dadurch frei gewordenen Kräfte dem bewußten Zusammenwirken mit den übrigen Seetenkräftcn zuzuführen. Indessen bedarf die allezeit munter geschäftige Aktivität, die neuerungssüchtig auch sie in den Dienst unserer Jugenderziehung stellen möchte, heute mehr denn je der berichtigenden Kritik, wenn sie Gesundheit und Dasein unserer Jugend nicht schlimmer gefährden soll als vordem die durch die Forderungen des Reiseziels gespornte und überlastete Schularbeit. Man ist ja auch in der Methodik des deutschen Sprachunterrichts von der hier einmal herrschenden Uebung zurückgekommen, dem Schüler seine Schreibfehler anfzuweisen, um daran Belehrungen anzuknüpsen, weil dadurch nur das Fehlerhafte, aber nicht das Richtige eingeprägt wurde. Und doch ist die sogenannte Rechtschreibung nur zum geringsten Teile sprachgesetzlich zu erklären, zum weitaus größeren Teile aber willkürlich vorgeschrieben, um nur zu einer festen Norm zu gelangen. Die Kindesseele aber ist doch aus einem unendlich zarteren Stoffe gebildet, dessen Gewebefäden nur wenig klar zu erkennen sind, sobald erst einmal das Gefühl sich leise zu regen beginnt. In dem triebhaften Verlangen des Kindes, sich - seine Natur unversehrt zu bewahren, wird es sein Inneres dem täppischer- Zugreisen eines Unberufenen nicht ohne schwere und nachhaltig fortwirkende Gefahr preisgeben.— Die altsranzr fischen Pastorelen sprechen von einem seu cl'nmour, wie es sich ähnlich auch im Höhenliede (Kapitel ü) findet, und der größte altfranzösische- Romancier, Kristian von Trohes, schildert in seinem Jvain einmal ein jeu cie verile (W. Fderster 6634), das ähnlich auch im ostjüdischen Witz wiederkehrt, der uns heute in klassischem Hebräisch vermittelt ist. Jenes aber müßte zu einem noch gefährlicheren jeu d’äme führen, einem Spiel mit der Seele des Kindes/ Vergessen wir doch nicht, daß die Israeliten b'ne bajschonoh, Kinder der Schamhaftigkeit genannt wurden. Diese jüdische Tugend sollten wir als alten Erbschatz wahren und nicht einer flüchtigen Tageserscheinung zuliebe preisgeben, wie es auch sonst noch geschieht. Dem deutschen Schulbetriebe wurde früher von den Amerikanern ganz allgemein vorgeworfen, daß er die Nervenkrast unserer Kinder schädige, eine Psychoanalyse durch den Lehrer würde sie vollends zermürben und zernichten. Nicht einmal jeder Schularzt erscheint dazu berufen, sondern nur der bewährte ärztliche Fachmann. Die hier angedeutete Psycho-Synthese aber wendet sich an die'"Urform der von der Natur selber angelegten Energien der Kindesseele, um das Kind durch verschiedenartige Betätigungen, deren Wechsel die äußeren und inneren Sinne unterhält und bis jSirfj unb fytbi, zu der Leichtigkeit und Sicherheit des Schaffens zu führen, die allen Ansprüchen und Verwicklungen gerecht wird. Auf die Tauer kann ihr auch die allgemeine

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