Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 1 (15.1.1927)
- Date
- 1927-01-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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»eite 4 Jüdische Schulzeitung. Kummer \ * dem Grrbnifiitut in die Seele senkt. Daher hat auch der Erzieher sie ju achten und zu schonen. Dem Eiferer, den schon die Sprüche der Väter mit der Mahnung zurückweisen, er könne kein (erziehender) Lehrer sein, gilt ruch die Aufschrift auf einem Bild vom S. Franciscus ). Assisi des Murillo: Qui non renunciat omnibus quae Dossidet. non polest, esse meus discipulus, wer nicht auf rlles, was er besitzt, zu verzichten weiß, kann nicht mein hier desmagistei magistrorum oder größten Lehrmeisters) Schüler sein. Dieser darf nicht nach starren allgeneinen Vorschriften verfahren, sondern muß die örtlichen Äegebenheiten der Heimat, die zeitlichen der Gegenwart md die persönlichen des Schicksals, der Umwelt und der nnern Naturanlage berücksichtigen. Alle diese Vorausetznngen treffen aber nirgends so vollständig zusammen, vie in der Familie, die also der hauptsächlichste und mtscheidende Faktor der Erziehungsarbeit bleibt. . Ihre bedcutung läßt sich nach einer ein Werturteil einschließenc- >en Maxime Goethes bestimmen. Die durch die Ehe geschaffene Familie bildet nach ihm den Anfang und Äipfel aller gesellschaftlichen Kultur. Alle Dinge perönlicher Art haben sich daher vor ihr zu rechtfertigen, md das Ueberwicgen der wirtschaftlich-sozialen Momente >arf die persönlichen nicht beeinträchtigen, unter denen das >er Erziehung obenan steht. Jenes, das sozial-konventioiclle Moment verlegt sein Uebergewicht in die Außen,- velt, wo es den wirtschaftlichen Erfolg sucht, das innernh persönliche findet es im Hanse, und sein Schwergewicht icgt in der persönlichen Verantwortlichkeit. Wenn in )er Erziehung jenes zurücktritt, hat dieses im gleichen Naße hervorzutreten. Von dem taktvollen Ausgleich dieser iußercn und inneren Lebensmomente hängen Sicherheit rnd Grad der praktischen Entwicklung der jugendlichen Persönlichkeit ab. Je unabhängiger aber die Erziehung rach außen bleibt, desto stärker sind ihre Bindungen m Innern. Die schon in der Bibel an mehreren Stellen oiederholt geforderte Unterweisung des Sohnes durch Vater und Mutter wird in dem Grade wirksam sein, ils das Vorleben der Eltern dem Kinde nachahmens'-- vert erscheint. Dieses ist und bleibt weitaus das wirksamste iltcr Erziehungsmittel. Die heimatlichen Eigentümlicheiten können hierbei zu Vorzügen werden, wenn sie wrwiegend in den Dienst des Familienlebens eingestellt oerden und hier zur Erziehung kernhafter Persönlicheiten, zur Meidung unechten Scheins wie für die mögichst dauerhafte Begründung der im Religiösen wurelnden Moral beitragen. Die in diesem Sinne selbtändig geleitete Erziehung muß mehr und mehr zur Zelbsterziehung werden. Wer nicht die Kraft der Selbstüberwindung hat, seine eigene Person zurückzntellen, um ohne moralische Verklausulierungen zur Begründung seiner eigenen Machtansprüche dem Knospen md Reifen der jugendlichen Kräfte die Bahn frei zu geben, der kann wohl ein tüchtiger Schulmann sein, uch ein erfolgreicher Schulorganisator. Dem Erziehungsgeschäft aber bleibe er ferne. Wenn seine ihm selbst 'ielleicht unbewußte Sucht zu mechanischer Technisieung des kraftvoll pulsierenden fremden Lebens nicht zu iner Gefahr für die Erziehungsarbeit werden soll, so rhalte er seinen Platz am Außcnrand des Erziehungsereichs, wo er dem Jugendrichter und Sittenpolizisten ie Hand reichen mag. Der echte Erzieher aber muß chließlich zur freien Zusammenarbeit mit seinem Zöging, seinem Kinde gelangen, in der alles Mißtrauen regen lästiger Bevormundung der Ueberzeugung von der nteresselosen Reinheit und Lauterkeit der erzieherischen lbfichten gewichen ist und diese voll beachtet, ja begehrt werden. Aber die Liebe, die sie beim Erzieher voraussetzt, zeigt sich nicht in schwächlichem Gewährenlassen, sondern beansprucht die energische Zusammenfassung seiner eigenen Kraft. Sie beseitigt innere Wider stände, hebt über unausgeglichene Hemmungen hinweg, die dem Strebenden den Weg versperren, sie verminet! durch einfühlendes Verständnis das erforderliche Einvernehmen besser, als alle Vernunftgründe es vermöchten, sie verbindet das Gleichgerichtete über alle Grenzen der Zeit und des Ortes hinaus. Sie ist die still werbende und machtvoll fortreißende Himmclskraft der Menschen^ natur, urwüchsig in ihrem tiefsten Boden wurzelnd, gleich dem Volksgeist, dem sie verwandt ist, und vermag darum mit göttlicher Schöpferkraft aus Wüstensand neues Leben und keimende Saaten aus niedergetretenem Boden hervorzulocken. Der nach Möglichkeit reibungslose Zn stand des seelischen Zusammenwirkens in ungezwungener Natürlichkeit nimmt für den leitenden Mentor immer mehr die Formen einer Freundschaft an, die im Gefühl der spendenden und versöhnlichen Liebe begründet ist. Statt natürlicher Strafen, wie sie selbst Rousseau for dert, bietet sie allein Aufklärungen, Hinweise, Ermunterungen und Beratungen, die dazu führen, die Wiederho lung des Fehlers von selbst zu vermeiden. Sie bildet schließlich die Erziehungszu Fragen allgemein persönlichen und gesellschaftlichen Taktes fort. Diese ersetzen das disziplinar-patriarchalische durch ein psycholo gisch-ethisches Verhältnis und verzichten durchaus auf das konventionell Autoritative, um freie Bahn für die zielsichere Aufwärtsentwicklung der jugendlichen Persönlichkeit zu schaffen. Freilich fordert diese persönliche Einstellung des Erziehers von ihm das Zurücktreten seiner eigenen Persönlichkeit hinter psychisch objektiven Erwägungen in einem Maße, das selbst über gleichwertige For derungen Rousseaus weit hinausgeht, denn dieser denkt vom Standpunkte seiner eigenen Zeit- und Lebensverhältnisse aus doch mehr an angestellte Bediente. Auch richtet sich sein häufig ausbrechender Zorn gegen die „canaille" der Lakaien. — Die hier angedeuteten psychologischen Verhältnisse sind auch der innere Grund dafür, daß geniale Persönlichkeiten in der Regel in ihren Kindern keine gleichwertige Nachfolge finden. Der Erzieher selber kann in seinem eigenen Verhalten, wie es Ellen Key als des Kindes Dank für, die göttlich reine Liebe der Eltern auffaßt, zu einem zweckentrückten, humanistisch musischen Lebensstil gelungen. Von der Bedeutung der körperlichen Erzie? hung, einschließlich des Sports und der Jugendwanderun." gen mit ihren Jugendheimen und -Herbergen braucht hier nicht mehr gesprochen zu werden; sie hat ihre Anerkennung mehr denn jemals durchgesetzt und erfordert nur immer weitere Ausdehnung und Anwendung. Für die allgemeine Erziehung kommt hier in Betracht, daßSport und Turnen die höchsten Ansprüche an Willensantrieb, -ausdauer und -einschränkung stellen und das hemmungslose Trieb- und Gefühlsleben dadurch zu bewußter Wil lenseinstellung im Sinne der Kräftigung der innern und äußern Persönlichkeit zu erhöhen vermögen. Auch wecken und beleben sie die unbefangene Freude an der schönen Form und heben dadurch aus dem Getriebe des dumpfen Hinlebens zur Höhe des Idealen empor. Eine so allgemeine Willenshaltung vermag daher energisch zu individualisieren, ohne sozial zu scheiden oder abzustoßen. Wenn aber trotzdem aus Gründen gesellschaftlicher Art Vereins- und Gruppenbildungen geschaffen wurden, so bleiben doch Ausgang und Erfolg aller gymnastischen Betätigung mehr als jede geistige nur vom Grade der