Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 12 (15.12.1926)
- Date
- 1926-12-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 6 Jüdische Schulzeitung. Nummer 12 dcr Nigiin haxvli sei aufgehoben worden, während der Nigun Tewarjoli eingesührt wurde. R os c n b e rg - M a r i e n w e rde r sprach über die orientalischen Handbcwegungen beim Talmudstudium. Darauf gab der Kassenführer Kroner-Bartenstein den Kassenbericht. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen sprach man sich sehr eingehend über Standesfragen verschiedener Art aus, wobei Anfragen und Fälle in und aus der Praxis zur Sprache kamen. Man war sich einig in der Freude über den zustandegekommenen Fortbildungskursus in der Schechita, wozu in Königsberg nach jeder Richtung gute Gelegenheit sei, und es wurde der Beschluß gefaßt, daß die Leitung der Fortbildungskurse in der Hand des Vereinsvorstandes bleiben müsse, daß aber im Einzelfalle die Handhabung dem Vorstand zu überlassen ist.. Rabbiner D r. Inkobovits hielt dann seinen Fortbildungsvortrag „Grundlegendes zur Schechita und B e'b i k a". Der Vortragende berührte grundsätzlich nur solche Wissensgebiete, die nicht im Schächtlehrbuch „Obel Izcliok" stehen. Eigentlich sollen stets 2 Schächter Zusammenarbeiten. Rach Rambam gibt es 70 Arten von Trein8. Der Tierarzt fragt, wie die Menschen gesundes Fleisch zum Genüsse bekommen; der Schächter hat nur zu fragen, wie der Befund des Tieres ist. Rituell Lebende haben in ihrer Natur eine andere Einstellung zur Anfälligkeit durch Krankheiten. Ihnen kann leicht etwas schaden, was andere glatt vertragen können. Redner führt weiter aus, welche Vogelarten geschachtet werden dürfen und welche nicht. Beim Triebern des Hinterviertels gehen 00 Prozent des Fleisches verloren. Der Vortragende gab die Quellen an. wo in Zweifelsfällen Rat zu holen ist, auch gab er Vcrhaltungsregeln bei Flügelbrüchen, beim Niederlegen der Tiere u. n. a. Der Vortrag des Kollegen Rosenberg-Marienw e r d e r „T i e r s ch u tz u n d S ch ä ch t s ch u tz" berührte eine Frage, die neuerdings durch den Versuch, in Bayern das Schächten zu verbieten, wieder akut geworden ist. Der Redner führte aus: Unsere Religion gebietet den weitgehendsten Tierschutz. Die weisen Vorschriften über die sorgfältige Ausbildung des Schächters, über seine religiöse und moralische Qualität, über seine Geschicklichkeit im „Messerstellen" und in der Kunst der Untersuchung des Tierinnern. über das Niederwerfen des Tieres »«. v. a. schließt Tierquälerei voll und ganz aus. Redner wiederlegte alle Einwendungen der Schächtgegner, als die Schmerzhaftigkeit des Cchächlschnittes, Bewußtsein nach dem Schneiden, völlige Blutentleerung. Angst des Tieres vor dem Schächten ufw. und gab eine große Literatur an. worin von christlicher Seite dem Schächten der Vorzug vor dem Kolbenschlag oder dem Kopfschuß gegeben wird. Der Vortragende wies zum Schluß noch auf die Erklärung sämtlicher Rabbiner Deutschlands vom Jahre 1801 hin, wo alle Angriffe auf das Schächten aus tierschützlerifchen Gründen zurückgewiesen und die Schächtmethode aus Gründen der Religionslehre und der Gewissensfreiheit verteidigt wird. Die Aussprache über dieses Thema war besonders ergiebig, weil hier Fachmänner ans der Praxis sprachen. — Wol - kowski verlangt die allgemeine Einführung der Kopf- und Schächrhalter. Wir müssen auch den Schein einer Tierquälerei zu vermeiden suchen. — Rabbiner D r. Inkobovits führte das Verfahren des Professors Lieben in Prag an, nach dessen „Experimenten mit dem Blutdruck" vor und nach dem Schächten 'nachgewiesen ist. daß Schmerzgefühl nach dem Schnitt ausgeschlossen ist. — Dobrowolski-Marienburg sprach über die Haltbarkeit des Fleisches geschachteter Tiere. — R abbinerD r. I a k o b o v i t s und W o l l h e i m empfehlen sehr warm den Beitritt in die örtlichen Tierschutzvereine, um besser aufklärend wirken zu können. Der dritte Arbeitstag war der praktischen Arbeit im S ch ä ch t f a ch gewidmet. Die Tagung bot des Lehrreichen ungemein viel und befriedigte die Teilnehmer in hohem Maße. Die Versammlung klang in einem Dank für den Vereinsvorsitzenden Peritz aus, dessen unermüdlichen Arbeit für die Belange der Lehrer und Kultusbeamten Ostpreußens die Fortschritte zu verdanken sind, die für dieselben zu verzeichnen sind. Osterode (Ostpr.), Oktober 1926. Mannheim, Schriftführer. Die Israelitische Taubstummenanstalt, Berlin-Weißensee, teilt die A n m e l d u n g s t e r m i n e für das Schuljahr 1027/28 Mit. (S. Inserat.) Literarisches. Otto Geismar, Tier-Schnell-Zeichnen. Ver» einsachte, schematisierte und stilisierte Faustskizzen aus dem Leben de:: Tiere und für den Arbeitsunterricht. Aus« gäbe A für den Lehrer, brosch. 2,10 RM., geb. 3,(50 RM. Union Deutsche Berlagsgesellschaft, Zweigniederlassung Berlin SW. 19. Der fast zum Schlagwort gewordene Begriff „Arbeitsschule" hat neben der theoretischen Literatur eine Menge Beiträge zum Kapitel „Manuelles Schassen" auf den Büchermarkt geworfen, teils wertvoller, teils nicht den Zweck erfüllender Art. Einmal fehlt dem wohl um das Ziel wissenden Lehrer das Formungstalent, das andere Mal niangelt es dem Künstler an pädagogischen Vorbedingungen. Den Ausgleich zwischen beidem, die Harmonie findet man wohl in einem durchaus zu empfehlenden Werk Otto Geismars, eines feinsinnigen, künstlerisch gestaltenden Lehrers, dessen Buch man das offene Auge seines Schöpfers für die Natur,. vor altem für die Tierwelt anmerkt. Gerade das Zeichnen der Tier^ sigur verlangt starke Beobachtungsgabe und eine gewisse Befähigung, die auch dem tüchtigsten Lehrer nicht immer eigen ist. Der Arbeitsunterricht macht aber die schnelle charakteristische Zeichnung zur Notwendigkeit. Otto Geismars Faustskizzen, die in ihrer Einfachheit die wesentlichen Merkmale hervorhebend, die unwesentlichen gänzlich unterdrückend, geradezu zur Nachahmung reizen, dürsten wohl auch dem manuell ungeschicktesten Lehrer ein wertvolles Präparationswerk werden im Anschatt nngssowohl wie im naturgeschichtlichen Unterricht. Die Großzügigkeit, ein gewisser feiner Humor, im Kapitel „Fabel- und Vorwelttiere" fast an Karikatur grenzend — wer denkt beim Ansehen des Megatherinms nicht an Scheffels Faukheitshymne vom Megalherinm? -- wollen das Buch in einer Ausgabe B aber auch zum Mit--. Helfer der Eltern und Erzieher, zum Freund der Kinder machen. Cili Marx. Das Leben Gabriel Metzers. Ein Beitrag zur inneren Geschichte Deutschlands im 19. Jahrhundert, von Fritz Friedländer. Philo-Verlag, Berlin 1920. Tie Harmonie zwischen Deutschtum und Judentum, zwischen national-deutschem und zugleich religiös-jüdischem Empfinden ist kaum besser zu kennzeichnen, als durch die Charakterisierung der Persönlichkeit Gabriel Rießers,' des großen Parlamentariers, des Begründers politischer Gleichstellung der deutschen Inden. Dr. Fritz Fried länder bringt in seinem Werk nicht nur ein prächtiges Lebensbild des bedeutenden Mannes, sondern es ist ihm auch geglückt, eine bei aller Kürze und Zusammendrän gung doch prägnante und lückenlose Darstellung der allgemeinen Entwicklung des deutschen Verfassungswerkes einerseits als auch der Judenemanzipation andererseits darzustellen. Die grundsteinlegende Mitwirkung Rießers an beiden Bewegungen, seine sympathische Erscheinung, sein Streben nach dem Kulturideal, seine Beziehungen zu allen geistigen Strömungen seiner Zeit sind klar und sachlich geschildert, aber auch in eine Form gegossen, die das Buch dem Forscher und dem interessierten Laim gleich lieb erscheinen läßt. C. M. Vom Philo-Verlag liegen ferner zwei Schriften vor. Die erste, betitelt „Auge um Auge — Zahn um Zahn" von Dr. Jos. Norden. Gerade einem solchen Titel steht man von vornherein skeptisch gegenüber. Man ha! zu oft um diese Angelegenheit gestritten, man erinnere sich der Arbeit von I. Horovitz in der FcstscliriH. rn: