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Jüdische Schulzeitung · 1926-12-15 · 12 (15.12.1926) · page 5

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
12 (15.12.1926)
Date
1926-12-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nummer. 12 _JMUe SKulzeitung-_ _ •.\ Seite 5 b) sein politischer Weitblick, der ihm eine ihm freundlich. gesinnte jüdische Bevölkerung auf Palästinas Boden bei kriegerischen Verwicklungen mit Aegypten als höchst wünschenswert erscheinen lassen mußte; c) Der gemeinsame Gegensatz, in dem sich. Judentum und persische Religion gegenüber dem heidnischen Vielgötterglauben befanden; d) die freundliche Haltung der prophetischen Wortführer gegen ihn. ■2. Die große Zahl von 50 000 jüdischen Rückwanderern, gemessen an dem schwierigen Massentransport in damaligen Zeiten, und an den knappen Ernährungsmöglichkeiten eines verwahrlosten Landes, beweist die große Heimatliebe und Palästina-Sehnsucht der damaligen Juden. c) Die Spannung und Reibung, die sich aus der doppelten Führerschaft (Davidide Serübabel und Hoherpriester Josua) ergaben. 4. Die Messiaserwartung der Heimkehrenden, die sich an - Serübabel rankten. 5. Die nötig gewesene Abweisung der verheidnischten, aber stammverwandten Samariter; daraus entstand der Haß. und die Feindseligkeit der Samariter gegen die Juden, deren Plan, den Tempel aufzubauen, dadurch vereitelt wurde. 6. Die Werbearbeit der Propheten Haggai und Sacharia für den Tempelaufbau. Es handelt sich nun darum, aus der Lesung der Heimkehrslieder (schire hamaaloth) Ps. 120 u. ff. lebenveckende Einblicke in die Schicksale der Heimgekehrten zu gewinnen. Wir suchen Hinweise auf lügnerische Anschulügungen und Feindseligkeiten der Samariter, deren trüjerische Zunge und lügnerische Lippe (120) erwähnt wird, )ie wir als Zionshasser (129) und Friedenshasser (129) [cuucu lernen und an deren tückische Ueberfälte manche Wendung im Psalm 120, 121 und 126 erinnern. Wir gehen, wie der Hohn und Spott der stolzen persischen beamten und ihrer jüdischen Helfer (Steuerpächter!) chmerzliche Empfindungen im Ps. 123 und 125 weckt. 3. Psalm 135 spiegelt uns die Sehnsucht der Frommen rach friedlichem Zusammenwirken der beiden Volksführer vieder, und im Psalm 132 leuchtet die Messiassehnsucht mf, die sich au Serübabel knüpft, die aber wohl in chwerer Enttäuschung und entsagungsreichem Verzicht inbctc (Ps. 131). 4. In die Wirtschaftsnot der Zeit läßt uns Ps. 126, ll das Familienglück der Frommen . Ps. 127 schauen. 8om Gottvertrauen legt besonders auch Psalm 127 Zeugüs ab; Psalm 121 und 123 vermitteln Stimmungen >on Tempelpilgern, Ps. 134 macht uns zu Zeugen einer lärhtlichen Feier und Ps. 130 zeigt uns, wie tief das Gefühl von Sünde und Schuld die Seelen ergriffen hat. 20 wird in angeregter Beschäftigung von Lehrer und -chüler gemeinsam das Lehrstück erarbeitet. Berich;*' über die Tagung des Vereins jüdischer Neligionslehrer Ostpreußens am 3. bis 5. Oktober 1926. Die 32. Jahresversammlung des Vereins fand in der Kantoge zu Königsberg statt, war mit einem Fortbildungskursus n der Schechita verbunden und dauerte drei Tage. L eh rer i n F r ä u l e i n R. Wolff - Königsberg referierte lber: „Der neue amtliche Lehrplan für den jüdischen ReligionslUerricht in höheren Schulen und seine Anwendung auch auf 0 Don-der Schriftleitung wesentlich gekürzt. einfache Religionsschulverhältnisse." Die Rednerim gab eine kurze Skizzierung des spezifizierten Lehrplans und würdigte besonders den pädagogisch und psychologisch gut aus^eführten Aufbau der Jahrespensen. Jeder Lehrer müßte ein Exemplar dieses Lehrplans zum Nachdenken, zur stofflichen und pädagogischen Stütze besitzen. Die Referentin vermißte im Lehrplan für Hebräisch die ScliLmone csre für den Alltag und warf bei aller Zurückhaltung des Urteils die Frage auf. ob der in der Religionslehre für die Primen zusammengestellte Stoff teilweise nicht, lebensvoller im Anschluß an die Bibellektüre erarbeitet werden könnte. Erst die Erfahrung mehrerer Jahre kann die praktische . Verwendbarkeit des Lehrplans im Unterricht erweisen. Bei einer Wochenstunde im Hebräischen wird' kaum etwas Befriedigendes erreicht werden können. Ans der Veröffentlichung des Lehrplans im Zentralblatt für Erziehung und Unterricht ist zu schließen, daß von seiten der Regierung jetzt mehr Gewicht auf den jüdischen Religionsunterricht gelegt wird. Die Problematik der jüdischen Existenz wirkt sich ganz besonders im Religionsunterricht aus. Der Unterschied zwischen Lehre und Leben wird immer störend empfunden werden. Deshalb sollen wir den Wert des einheitlichen Lehrplans nicht überschätzen, wenn er auch zu . begrüßen ist. Wir sollen vielmehr die Voraussetzungen für den „Bau" zu schaffen suchen, dem der Lehrplan erst als „letzter" Stein sich einfügen kann. Professor Dr. Kuzinski -Königsberg sprach sodann. über „Das psychopathische Kind in der Schule." Er erklärte das psychopathische Kind als in der Durchschnittsform vom normalen abweichend, wobei die Grenzlinien aber oft verfließen, gab ein kurzes Tatsachenbild der beobachteten Typen, je nach Stärke. Dauer und Richtung, unterschied die Milieu-, Situations- und Erfchütterungs- und nach anderen Gesichtspunkten die Primitivnd Kurzschluß-Reaktion. Er schilderte in feinfühligem Eingehen das nervöse Kind, dessen Unzulänglichkeit oft die Mangel-. Hastigkeit irgendeines Organs verschuldet, das ängstlich gehemmte Kind, das besonders bei Eintritt der Pubertät oft an Stottern leidet, das gemütsarme Kind, das mitleidlos, grausam und träge oft kriminell endet, und das disharmonische und sensitive Kind. Dann wandte sich der Redner der Hysterie zu, die sehr schwer zu erkennen ist und die größten Erziehungsschwierigkeiten bereitet; doch kann der Lehrer durch richtige individuelle Behandlung, die allerdings stets in gemeinsamer Arbeit mit dem Elternhause stehen muß, viel dazu tun, um aus so gefährlichen Kindern nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft zu machen. Der Vorsitzende dankte dem gelehrten Redner für seine hervorragende Darbietung und betont, daß hier eine neue Arbeit für den Lehrer erstehe, der mit dem praktischen Eingehen auf die Materie eine soziale Pflicht und eine Pflicht der Gerechtigkeit gegenüber dem abnormalen Kinde erfüllen müsse. In seinem Schlußwort betont der Referentdie Notwendigkeit einer recht- und frühzeitigen Zusammenarbeit zwischen Lehrer und Arzt und Haus. Am ersten Verhandlungstage, abends 8 Uhr. hielt Rabbiner Ni sch kowski-Königsberg einen Vortrag an der Hand des lore deah aus dem Gebiete des Sch achtfach es „Tarte lereusso". Der zweite Tag begann mit der Generalversammlung der Ostpr. Pensionskasse. Sämtliche Gemeinden, die ihren Beamten nicht eine Volloersorgung nach staatlichen Grundsätzen bieten, sind der Kasse angeschlossen. Die Einnahmen des letzten Jahres betrugen JL 7523.—, die Ausgaben JL 4416.—. Das Vermögen der Pensionskasse betrug am Ende des Etatsjahres rund G.-o/ll 35 000.—. Die Versammlung beschloß die Pensionen auf JL 300.— zu erhöhen. Koll. Badler-Lötzen spricht sodann über „Die jüdischen Accente". Er skizzierte dieselben nach den 5 verschiedenen Vertonungen, teilte sie in Taamlm eljcmim und Taamim taciitonim und brachte sie in Verbindung mit der hebräischen Grammatik. Er machte auf Fehler aufmerksam, die vielfach gemacht werden. An vielen Beispielen aus Thora und Propheten zeigte er. wie Sinn und Inhalt des Textes häufig durch die Accente bestimmt und wiedergespielt werden. Dieser hochinteressante Vortrag löste eine sehr lebhafte Ausspräche aus. Halpern-Guttstadt wies auf den Dualismus zwischen Text und Melodie hin.. Vadrian-Königsberg verbreitete sich iiber die historische Entwicklung der Accente und ging an der Hand von praktischen Beispielen an die Beweisführung, wie sich gewisie Melodien in fast allen jüdischen Tonarten wiederfinden. Rabbiner D r. I a k o b o v i t s sprach über den blixcun des Talmudlernens, der schon im Talmud selbst erwähnt wird (Ansclie Tewarjoli). Badrian bemerkt hierzu.

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