Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 11 (15.11.1926)
- Date
- 1926-11-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Seite 8^ Jüdische Schulzeitung. Nummer i 'ä aller Bestrebungen war, die aus die Verwirklichung allgemeinster Grundsätze ausgingen. Der Dichter wurde von der sinnfälligen Einzelerscheinung berührt. Das Begriffliche lag ihm fern. Einmal hatte er aus Anlaß eines judenfreundlichen Gesetzes beinahe einen Wutansall. Es war in der Zeit seiner größten Erregtheit, in der er auch körperlich herunter war. (Schiller schrieb, als er schwer krank war, mit zitternder Hand aus einen Zettel: „Sorget für Eure Gesundheit, ohne diese kann man nie gut sein".) In Wirklichkeit aber war er auch zu Juden sehr freundlich und nahm nicht wenige mit größter Herzlichkeit in sein Haus ans. Mit vielen unterhielt er die angenehmsten Beziehungen. Dem Maler Moritz Oppenheimer verschaffte er den Prvfessorentitel. Die Dichtung „Paria" von Michael Beer, die für die Menschenrechte der Juden eintrat, rühmte er sehr und empfahl sie. Felix Mendelssohn-Bartoldy liebte er. Dieses Kind jüdischer Abstammung war ihm ein Herzenslabsal. In der Gestalt des Haman in seiner Burleske „Der Jahrmarkt vou Plundersweilen" machte er sich über die Judenfeinde lustig. Er erklärte: „Es ist schändlich, eine Nation, die so ausgezeichnete Talentein Kunst und Wissenschaft hervorgebracht hat, gleichsam an den Pranger zu stellen." Wie er sich als junger Mensch an der Löschung eines Brandes in der Judcngasse zu Frankfurt a. M. mit vorbildlichem Eifer beteiligte und großes Mitleid mit den Abgebrannten zeigte, so lehrte er auch tätige Menschenliebe. „Prediget", so schrieb er an einen Pastor, „Liebe, so werdet Ihr Liebe haben". „Nathan der Weise" flößte ihm hohe Bewunderung ein. Daß einmal die Zeit kommen würde, in der dies Hohelied der Duldsamkeit und Menschenliebe gerade von den Gebildeten wenig gelesen werden würde, da es einen Juden verherrliche, konnte selbst der Sehergeist eines Goethe nicht ahnen. Der starke Lebenswille der Juden machte auf ihn tiefen Eindruck. „Deutsche gehen nicht zugrunde, so wenig wie die Juden, weil es Individuen sind". Wie glücklich könnten sich die deutschen Juden schätzen, wenn sich die Denkart Goethes, .den. freilich einige Deutschvölkische als „das Urbild eines Nachkommen Abrahams" abtun wollen, durchgesetzt hätte. Uebcr der Darstellung. „Goethe und die Juden" von Julius Bab leuchtet der Geist Goethes. Sic zeichnet sich durch Besonnenheit, Gründlichkeit und eine anmutige Schreibweise aus. Aus der Not der Zeit hervorgegangen, wird sie diese überdauern. Sie klärt auf und erfreut. Wahrlich eine wertvolle Bereicherung der Literatur über Goethe. Literarisches. Robert Hirschfeld, Hilfsbuch für den Unterricht i n der nach biblischen jüdischen Geschichte. Berlin, M. Poppelauer. Folgende Besprechung des vorliegenden „Hilfsbuches" bezieht sich nicht auf dessen sachlichen Inhalt, sondern nur auf den Wert des Buches als Schulbuch, auf seine Verwendungsmöglichkeit für Zwecke des Unterrichtes. Mit dem sachlichen Inhalt mögen sich die Historiker auseinandersetzen. Das Buch ist — wie der Verfasser im Vorwort sagt — aus der praktischen Arbeit eiues Lehrers hervorgegangen. Kollege Hirschfeld hat für den Gebrauch feiner Schüler ein Heft zusammengestellt, nach dem diese sich den im Unterricht gebotenen Lehrstoff eingeprägt haben. Aus diesem Heftchen ist dann das vorliegende Hilfsbuch für die Hand der Schüler entstanden. Es sei ausdrücklich festgcstellt, daß das Hilfsbuch die vorhandenen Lehrmittel für den nachbiblischen Geschichtsunterricht nicht ersetzen soll. Der Verfasser will das Buch nicht a!S i Grundlage für den Unterricht, als Lehrbuch für den; Gebrauch des Lehrers, sondern nur als Hilfsbuch für | die häusliche Wiederholungsarbeit des Schülers benützt jj wissen. Dem Lehrer soll es nur Anleitung sein für ji" Stosfallswahl und Verarbeitung. Wenn das Buch auch keine Proben aus einzelnen Geschichtsgebieten und Werken :■ enthält, will )er Verfasser natürlich doch, daß der Lehrer bei seinem Unterricht Ouellenbücher benütze. Hier sei ohne \\ Beziehung auf das vorliegende Buch eingeschaltet: Eine r Belebung des nachbiblischen Geschichtsunterrichts durch * Heranziehung von Geschichtsquellen, uon zweckentsprechen- - den Zeitungsartikeln oder Abschnitten aus historischen Erzählungen und Romanen ist unbedingt nötig. Wie an-! schaulich und Lebensvoll wird z. B. die Behandlung der j* Stosfeinheit „Die Juden im Mittelalter in Deutschland" ] oder „Der schwarze Tod 1349" durch das Lesen der ent' j sprechenden Abschnitte aus den historischen Romanen „Kyrie eleison, ein Roman von Juden und von Christen aus! dem alten Speyer" von Max Joseph (- M. Pfeifer, der \ kürzlich verstorbene deutsche Gesandte in Wien) oder „Ter i Würfler, Roman aus dem alten Rothenburg o. T." j' von H. M. Böttcher. Für die Geschichte der Chasaren ji; und das Wirken Chisdais in Spanien wird das Inter- H esse der Schüler viel reger und der Unterricht lebendiger H und erfolgreicher, wenn Teile des historischen Romans \k von S. Schachnowitz „Im Jndenstaat der Chasaren" ge- Z lesen werden. Wie oben erwähnt, wünscht der Verfasser eine derartige Belebung für den Unterricht des Lehrers: f sein Buch -- Hilfsbuch für den Schüler — ist aber nicht D lebensvoll geworden; sollte es anscheinend nach der Ab- -U sicht des Verfassers auch gar nicht werden. f In gedrängter Kürze enthält es auf ca. 110 Seiten f in 13 Kapiteln zusammengefaßt die jüdische Geschichte von j der Rückkehr aus Babylon bis zur Gegenwart und in drei | weiteren Kapiteln etwas (aber nicht viel) über die Juden H in der Gegenwart, und so ist es zu dem geworden, was j man vor einem Jahrzehnt einen Leitfaden nannte. | Bei der Beurteilung des Hilfsbuches und seiner Der- H wendungsmög ichkeit in der Schule ist nun die Frage zu | stellen: Genügt für das häusliche Studium der Schüler | bezw. für bi: Einprägung und Wiederholung des im l Unterrichte behandelten Geschichtsstosfes ein solches „Hilf-- J. buch", das nach seiner ganzen Anlage nicht Lebensvoll sein kann und will,- oder ist auch für diesen Zweck ein um -! fangreicheres Buch, das ausführlicher und in mehr gc i gliederterer Firm die jüdische Geschichte enthält — selbst | wenn es durch manche Abschnitte „belastet" ist, die dir > Schule aus irgendwelchen Gründen nicht behandeln kann oder will — nötig bezw. dem „Hilfsbuch" vorzuziehen'? s Für die Schüler des Lehrers, der das Hilfsbuch Z als Ergebnis seines Unterrichts zusammengestellt hat.!| aus dessen lebensvollem Unterricht es organisch herausgewachsen ist, mag es genügen und man kann überzeug: sein, daß der Verfasser mit seinem selbst zusammengestcllren U jedenfalls noch kürzeren Hefte sein Unterrichtsziel erreiche. I Ob aber das Hilfsbuch ebenso allgemein für andere Schu- 1 len und Schüler genügt, ist zu bezweifeln. Dafür erl scheint es mir zu kurz zusammengefaßt, zu wenig lebenS H voll, zu leitfadenmäßig und ist m. E. ein ausführlicheres U Buch einem kurzen Hilfsbuch auch für'die häusliche Wieder- I holung des Schülers vorzuziehen. H Die Gefahr, daß in manchen Schulen das Hilfsbuch ,H nicht nur seinem Zwecke entsprechend als Hilfsbuch jür 1 die Hand der Schüler, sondern als Lehrbuch für den Ge- '§ brauch des Lehrers, als Grundlage für den Unterricht lra nützt werden könnte, sei nur angedeutet und wiederhol: