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Jüdische Schulzeitung · 1926-11-15 · 11 (15.11.1926) · page 3

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
11 (15.11.1926)
Date
1926-11-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nummer li Jüdische Schulzeitung. zu einer Aussprache über Proselytenmachcrei bot. Ein Kind hatte einer Beerdigung beigewohnt und beobachtet, wie der Synagogendiener die Armenbüchse darbot. „Warum hat der Herr N. denn Geld für sich gesammelt?" war die ganz selbstverständliche Frage in der nächsten Religionsstunde. Welche gute Gelegenheit für den Lehrer, falsche Vorstellungen richtig zu stellen! Im Mittelpunkt des religiösen Lebens steht natürlich der Gottesdienst selbst. Das Sprachgewand unseres Gottesdienstes ist das Hebräische und das in der Ursprache geschriebene Bibelwort. Der hebr. Gottesdienst ist das Wahrzeichen unseres uralten Bestandes. Deshalb kenne ich für die Volksschule nur ein einziges Ziel des hebr. Unterrichts: die Fähigkeit zur Teilnahme am öffentlichen Gottesdienst und an den häuslichen religiösen Uebungen. Zu hebr. Sprachstudien, insbesondere allzuweitgchenden grammatischen Hebungen, habe 'ich mich deshalb' bis heute — nicht nur aus Mangel an Zeit — noch nicht entschließen können, so sehr es in begrüßenswerter Weise angestrebt wird. Um nun dem genannten Ziele so nahe wie möglich zu kommen, und um auch gute Ucbung im Gebrauche des Gebetbuches der Gemeinde zu erreichengehe ich seit etwa einem Jahre folgenden Weg: Ich ordne denUebersetzungsstosf nicht mehr in der bisher gepflogenen Weise, daß, wie es auch unser bisheriger Lehrplan angibt, für da» 5. bis 8. Schuljahr in zweijährigem Kurse aus den verschiedensten Gebeten die markantesten Stellen herausgesucht werden, sondern ich ordne den Stoff für den gesamten Unterricht im Hebräischen nach gottesdienstlichen Problemen oder Gesichtspunkten. Angeregt wurde ich dazu dadurch, daß wir in unserem Schulbezirke den allgemeinen Unterrichtsplan nach gewissen Gesichtspunkten, sog. Unterrichtsproblemen, ausgestellt haben. So habe ich als erstes solcher Probleme gewählt: „Die Thora ist ein Baum des Lebens". Von der Ossenbarungsgeschichte ausgehend, die, wenn es die Schulverhältnisse erlauben, jetzt im Urtext gelesen und übersetzt werden darf, betrachten wir das Volk Israel als Träger der Thora. Wir führen uns die schriftliche' und mündliche Lehre vor klugen, die Niederschrift der mündlichen in Mischna und Gemara leiten über zur Thoraverlesung und Erklärung nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil und stehen so mitten in unserem heutigen Gottesdienst, deren hervorragendster Teil das Vorlesen der Thora ist. Es folgen Lesen und Uebersetzen der verschiedenen Gesänge und Gebete, die mit dein Ausheben, dem Ausrufen, dem Thoravorlesen, und dem Einheben verbunden sind. Es kommen ferner zur Sprache: Das Vorlesen der Haftara, die Zahl und die Reihenfolge der Aufgcrufenen, kurz alles, was das Kind, soweit cs mit dem gottesdienstlichen Teile des Aus- und Einhebens zusammenhängt, schauen und beobachten darf. Selbstverständlich ist es auch, daß die dazugehörigen Synagogengesänge in den in der Gemeinde üblichen Sangesweisen geübt und wiederholt werden. Ein anderes von mir behandeltes Problem ist: „Der Freitagabend". Es wird in entsprechender Weise durchgeführt. Man kann allerdings kaum sämtliche Gebete oder gar alle Psalmen des L'chu n'ranano übersetzen lassen. Ist auch zur Erreichung des Zweckes gar nicht notwendig. Ich habe den ersten und letzten (dieser war schon Wiederholung) übersetzen lassen, von einigen anderen den Inhalt selber angegeben, den Rest nur lesen lassen. Geläufiges Lesen, Uebersetzen bezw. Inhaltsangabe und dann sinngemäßes Lesen sind die wichtigsten Grundsäulen des hebr. Unterrichtes, wenn unser aufgestelltes Ziel erreicht werden soll. Diese von mir seit etwa einem Jahre betriebene Unterrichtswcise ist vorläufig ein Versuch, der ruir aber schon recht gut gefällt und der schöne Früchte zu tragen scheint. Jedenfalls habe ich während und nach der Behandlung des Problems eine weit größere Anreiluähme der Kinder an dem betr. gottesdienstlichen Teil beobachtet. Es können in jedem Jahre zwei, höchstens drei solcher Aufgaben gelöst werden, das würden in den vier Jahren der Oberstufe immerhin etwa 10 sein. Sie vermitteln bestimmt, insbesondere dadurch, daß sich viele Gebetstellen in den einzelnen Problemen oft wiederholen, eine ziemlich gute und praktisch verwendbare Kenntnis des Gebetbuches. Andere Ausgaben könnten heißen: „Im Sabbat - Nachmittag - Jugendgottesdienst". „Wir geben Seder". „Wie unsere Vorfahren opferten" (Mcessas). „Was wir an Wochentagen beten". Vielleicht läßt sich der Stoff auch nach sittlichen Gesichtspunkten ordnen: „Tanket dem Ewigen, denn er ist gütig!" „Vergib uns, unser Pater, denn wir haben gesündigt!" „Erhöre uns. Ewiger, erhöre uns!" u. dgl. m. Es lassen sich auch zur weiteren. Vertiefung des Stoffes Niederschriften und Aufsätze in deutscher Sprache anfertigen. Zu religiös-sittlichen Persönlichkeiten werden die Heranwachsenden Geschlechter insbesondere durch das Vorbild und Beispiel sittlich hochstehender Personen aus der Bibel und der nachbiblischen Geschichte. Selbstverständlich ist dieses nicht der alleinige Zweck des Unterrichts in der Bibel und der nachbiblischen Geschichte. Im Rahmen des Vortrages will ich nur auf den Unterricht in der nachbiblischen Geschichte etwas eingehen, unr meine Erfahrungen vielleicht für den Lehrplan praktisch verwendbar zu machen. In der Volksschule darf der Unterricht in der jüdischen Gemeinde keine nüchterne, materialistische Geschichtsbetrachtung sein. Genau so wie in der bibl. Geschichte der Begriff Gottes als die treibcude Macht hinter den Ereignissen steht, muß dem Kinde durch die Persönlichkeiten und durch die Ereignisse der nachbiblischen Zeit die Erkenntnis wachsen, daß Gott bis quf den heutigen Tag der Erlöser seines Volkes, der Hüter Israels ist. Der Unterricht in der nachbiblischen Geschichte umfaßt in der Volksschule nur die beiden letzten Jahrgänge; es muß ihm dann wöchentlich eine Stunde eingeräumt werden. In der einklassigen Volksschule ist nichts dagegen einzuwenden, daß die Kinder des 5. und 6. Jahrganges dem Unterricht zühören, bezw. die gut begabten an demselben schon teilnehmcn. Meine persönlichen Erfahrungen haben mich im Lause der letzten Jahre dazu geführt, auch schon auf der Mittelstufe „heimatlichen" Unterricht in der jüdischen Geschichte zu geben. Der Unterricht auf der Oberstufe wird dadurch etwas vorbereitet. Ich tue es im planmäßigen heimatkundlichen Unterricht und beschränke mich auf die Geschichte der Gemeinde bezw. die der Juden in der engeren Heimat. Es fällt dieses altes zum Teil in das schon oben ausgesührre Gebiet der religiösen Anschauungsstoffe, die ja im Lehrplan der Grundschule auch vorgesehen sind. Wenn wir im heimatkundlichen Unterricht von den Konfessionen des Heimatsortcs sprechen, kommen wir ganz von selbst auch auf die Juden desselben. Da heißt alsdann die erste Aufgabe: Zählt einmal die jüdischen Familien, schreibt sie auf und stellt ihren Personalbestand fest! Wir stoßen auf Namen, die einer Erklärung bedürfen, besonders auf Beinamen, deren Ursprung ergründet werden muß. Es folgen die religiösen Einrichtungen, die Geschichte der Synagoge, auch die der jüdischen Schule. Hier und da gibt es auch einen Straßennamen, der mit den Juden

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