Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 9 (15.9.1926)
- Date
- 1926-09-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Kummer y ' Jüdische Schulzeitung._ ___^seite 5 du senden willst. Diesem inneren Erleben des stillen Mannes vor der Ricsenaufgabe setzt der Ewige seinen Befehl! entgegen: Du mußt, gehen. V. Zusammenfassung. 1. Welche Bedenken hegt Mose? 2. Wie werden diese Bedenken zurückgewiesen? 3. Was bedeutet hier die Bildersprache der Wunder? A n w e n d u n g. 1. Ziehe deine Schuhe aus, der Ort, da du stehst, ist heiliger Boden. Schule, Synagoge, Haus! 2. Berufung und Weihe zum Lebensberuf. Ernste Erfassung. Bedenken. Aber wenn man sich mit Gott im Bunde weis;, dann getrost sein: Ich bin mit dir. Auch bei uns spricht zuweilen in der Begabung für und in der Sehnsucht nach einer bestimmten Berufsbetätigung eine göttliche Stimme. 3. Bei allem, was du aus reinen Beweggründen jt'ust, darfst du auf Gottes Hilfe rechnen. Weil cs Mose nicht um sein eigen Ich, sondern um Gottes Anerkennung zu tun war, konnte er sich der göttlichen Förderung versichert halten. Wo wir im Leben aus reiner Liebe zu Gott zum Guten . handeln, brauchen wir nicht zu fürchten. Mit uns ist Gott. Hinweisung auf den Väterspruch: Kol maasschecho jihju! leschem schomajim: All Deine Werke seien zur Ehre des Himmels. Psalm 127 (Oberstufe). I. Vorbereitung. Mit Gott fangen wir an,sagten bereits Griechen und Römer. Perikles, der große Staatsmann, weihte sich im Gebete, ehe er in die Ratsversammlung ging. Run erst in Israel. Joseph fühlt sich von Gott erleuchtet Moses fühlt sich stark durch Gottes Beistand — „mein Sieg und Sang" —, Gideon erwartet von Gott den Sieg. „Der Ewige kämpft für uns im Heldenstreite." Samuel preist ihn beim Steine der Hülfe, so wird in unserem heutigen Liede cs ausgesprochen, daß vom Ewigen allein das Gelingen zu unserem Beginnen kommt. Weil der Ordner unserer Lieder die Stelle vom Hausbau auf den Jerusalemer Tempelbau deutete, schrieb er es dem Salomo zu. Am besten läßt es sich aber aus der Lage der von Babel nach Jerusalem heimgekehrten Juden begreifen. II. Ziel. Das Lied zeigt, wie wir ohne Gott nichts , vermögen. Hl. Eindrucksstufe. Pf. 127 wird gelesen. IV. A u s d r u ck s st u f e. Glück der Heimgekehrten und ihre Rot. Samariter und andere suchen den Tempelbau zu hintertreiben. Rur Gott kann trotzdem die Bauarbeit segnend zu .gutem Ende führen. Inwiefern gilt dies bei jedem Hausbau? Eheschließung. Auch die Wächter vor den Mauertrümmern Jerusalems helfen nichts gegen die von Feinden geplanten Ueberfälle, wenn Gott nicht hütet. Du kannst noch so sorgsam am Abend dein Haus verschließen, nur wenn Gott dich schirmt, bist du sicher. Ohne Fleiß kein Preis; doch ohne Gott mühen wir uns vergeblich. Der Fromme in seinem Gottvertrauen gönnt sich Nachtruhe, Sabbatfeier und Festesrast; er weiß, Gott wird helfen. Auch gute Kinder sind eine Gnadengabe Gottes. V. Zusammenfassung: Ueberschrift: An Gottes Segen ist alles gelegen, oder „ohne Dich ist nichts getan". 1. er baut das Haus. 2. Er schirmt die Stadt. 3. Er segnet die Arbeit. 4. Er spendet Familienglück. VI. A n w e n d u n g: 1. Weihe deine Arbeit durch Gebet. 2. In schwerer Stunde denke adonaj li lo iro, Gott; ift bei mir, ich fürchte nichts (memorieren). Vielleicht auch 1 noch jom iro ani elecho ewtoch, „am Tage, da ich fürchten müßte, vertraue ich auf Dich." 3. Unsere Altvordern schrieben über ihre Briefe beesras Haschern, „unter dem Beistände Gottes", wir über jedes neue Blatt unseres Lebensbuches, über jeden neuen Tag: Mit Gott! Asoziale und Psyochvpalhen als Erziehungsobjekke. Von Direktor Baronowitz, Repzin. Wir fühlen alle, daß das Verbundensein der Menschen untereinander — die Art des geselligen Seins — irgendwie nicht in Ordnung ist; es haben sich schwerwiegende Veränderungen bemerkbar gemacht. Man kann geradezu von einer Gesellschastskrise sprechen; bestimmte Gesellschastsgebilde, die bisher Machtfunktionen in Besitz hatten, haben diese auf andere Sozialgemein schäften übergehen lassen müssen. Uns gehen hier die Ursachen dieser Umbildung nichts an, das sind politische Probleme; wir müssen uns nur mit gewissen Folgen dieser Erscheinung auseinandersctzen. Eine sehr bemerkbare Folge dieser Umstände ist: früher war in der Familie die ganze Fülle des Lebens verankert, während die wesentlichsten Gesellschaftssunktionen vom Staate ausgeübt wurden, .heute hat der Staat schon begonnen, viele dieser Funktionen an andere Gruppengebilde, namentlich wirtschaftlicher Natur, abzugeben;, dadurch ist die Familie nicht mehr der Mittelpunkt des Lebens, sie tritt immer mehr zurück, namentlich in den Industriezentren, in den Großstädten. Nur in der Landbevölkerung, überhaupt beim Kleinbürgertum, sind noch Spuren dieses bedeutsamen Familienlebens zu finden; anderswo ist die Familie mehr und mehr zu einem Nebeneinander von Menschen geworden; das innere Seelenleben, ist einander fremd, das einzig Verbindende ist nur noch das wirtschaftliche Moment. Der Leidtragende durch diese zwangsläufige Entwickelung ist die Jugend. Mit dem Schwinden des alten reinen Familiensinnes ist auch der innere, für die Erziehung so sehr wichtige Zusammenhang mit der Heimat unterbunden. Denn die Heimat hat ihre festen Sitten und Anschauungen, feste Lebensnormen, sie gibt innige Verflochtenheit vom Gemüt, vom Herzen aus; sie leuchtet wider im Heim. Wo Familienleben fehlt, ist auch Heimatssinn zerstört, fehlt die Idee des Familienheims. Die Wirkung auf die erziehliche Entwickelung der.Jungend ist dann oft katastrophal. Durch die Familie und die nächstgelegene Umwelt werden doch dem Kinde und dem Jugendlichen die Wertungen der lebenden Generation übermittelt, d. h. die Heranwachsende Generation wird „erzogen"; die asozialen, egoistischen, subjektiven Wertungen sollen unterdrückt und soziale, altruistische und allgemein bedeutsame Wertungen, sittliche, treten an deren Stelle. Die Erziehungsmaßnahmen sollen diese Aenderung im Jugendlichen bewirken. Erziehen kann aber nur, wer die eigenen asozialen usw. Wertungen in sich selbst zu unterdrücken vermag und in dem Jugendlichen die andern zu wecken. Die Erziehungsmaßnahmen sind umso wirksamer, je gefühlbetonter sie sind. Wenn nun die Familie hierin versagt, so müssen eben andere Organe die Aufgabe der „Familie" übernehmen; es ist dann nur Ersatz, nichts natürlich Gegebenes. Der Ersatz, die Anstalt, kann aber doch erst in Funktion treten, wenn das Versagen der eigenen Familie in erziehlicher Hinsicht offenbar ist, wenn also schon ein sittlicher oder seelischer Schade vorhanden ist.