Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 8 (15.8.1926)
- Date
- 1926-08-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Jüdische Schulleitung. Nummer i dich zu schwer, du könntest es nicht allein vollbringen. . Darum erwähle dir tüchtige Männer, daß sie mit dir tragen . . . Nur so wirst du bestehen können und auch dieses ganze Volk wird in Frieden zu seinem Ziele gelangen!"— Das aber allein ist auch die richtige und 'zeitgemäße Auffassung vom Beamtentum: gleichwertige Mitarbeiter sind sie am Bau des Gottestempcls einer jüdischen Gemeinde, Männer, deren Lebensberuf es ist, der eine hier, der andere da — „jeder freut sich seiner Stelle, bietet dem Verächter Trutz" — mitzubauen an diesem Werke in Treue, aufopfernder Liebe zur Gemeinde, in Gewissenhaftigkeit und mit Ausbietung aller Kräfte, wie ihr Amt es erfordert und das Interesse des Gemeindewesens, dem sie augehören wie ihre Auftraggeber, das ihr Wohl bedeutet, wie das jedes Gemeindemitgliedes,, dem sie sich widmen mit dem Gefühl der Zugehörigkeit eines Gliedes zum großen Ganzen. Seine Heranziehung zur vollen, Dienstleistung scheint daher dem echten und rechten Gemeiudebeamten selbstverständlich, sein ganzes Tun hat diesen Inhalt. — Wie viele Beamte haben der Gemeinde schon unschätzbare Dienste geleistet, die weit über den Nahmen ihrer eigentlichen Dienstpflicht hinausgehen! Wenn der Vcrwaltuugsbcamte sich in sein Ressort vertieft und' in Sitzungen und außerhalb seiner Bürozeit die Probleme be- und verarbeitet, die sein Fach betressen; wenn der Rabbiner auf der Kanzel und in den Schicksalsfällen des Lebens, wie bei sozialer Hilfe sein eigenes Selbst, im Dienste der Gesamtheit opfert; wenn der Lehrer kein Stundengeber, sondern wirklicher Führer der ihm anvertrautew Kinder, für sein eigenes und für das Wachstum der Jugend über seine Pflichtstundenzahl hinaus tätig, wenn der Kantor seine Seele ausschüttet, sein Brot erwirbt durch Hingabe seines ganzen Ich, seiner vollen künstlerischen Persönlichkeit, wenn gar mancher Gemeindebeamte, den der Rasen bereits deckt, in vielartiger Geistes- und Denkarbeit in Wort und Schrift oder, vulgär ausgedrückt, in unzähligen Sitzungen, Aufsätzen, Gutachten, Exposes, Studien, literarischen und musikalischen Werken, in Schulbüchern und Lehrmitteln, kurz in Gemeindeangelegenhciten im weitesten 'Sinne mitgearbeitet hat, kann man da den „Gemeindebeamtcn" schlechthin als angestellten Lohnarbeiter erachten? Es ist ein großes Unrecht, wenn unter solchem Gesichtspunkte daS Wirken von Männern betrachtet wird, deren Persönlichkeit wir nur vor unser geistiges Auge zu stellen brauchen, um solche Anschauungen als falsch und verderblich zu erkennen und gegenüber dem Beamtentum und der Beamtenschaft eine richtigere, mehr zutreffende „Einstellung" zu gewinnen. Wer wollte, um nur einige, wenige Namen zu nennen, die Verdienste eines Markus Horovitz, eines Salo Adler, eines Isidor Kracauer, eines Berthold Baer, eines Heinrich Frohmann, eines Fabian Ogutsch, eines Daniel Worms für Gemeinde und Judentum leugnen? (Schluß folgt.) Emarmel Äirschner. Studie von Oberkantor Leon Zorniger, Hamburg. Vor etwa 28 Jahren trat ich zum erstenmal mit Kirschners, damals eben mit dem 1. Band herausgekommenen Werk in Berührung. Ich diente damals im Brünuer Hausregiment mein Einjährigenjahr ab und betrieb gleichzeitig bei Joseph Heller die Vervollständigung und Abrundung meiner kantoralen Studien. Man kann über Heller als Synagogenkomponist verschiedener Meinung sein. Man kann — z. B. wie ich — glauben, seine Chore und begleiteten Sologesänge wiesen einen Grad von Unbeholfenheit und musikalischer Unkenntnis auf, daß man darüber lächeln könnte, wenn man nicht gleichzeitig über die darin auftretende, mit untauglichsten Mitteln betriebene Wichtigtuerei und Großmannssucht in helle Wut geraten müßte. Man kann insbesondere — wie z. B. ich — seinen Orgelsatz in der holden Ahnungslosigkeit bezüglich jeder musikalischen und instrumentalen Technik wirklich humoristisch finden; denn er mutet der Orgel Tätigkeiten zu, die sie — trotz aller modernsten Errungenschaften — wirklich noch nicht leisten kann, wie etwa: das Rülpsen. — Aber man muß darin übereinstinrmen, daß Hellers traditionelles Rezitativ zu dem besten gehört, was bisher ausgezeichnet wurde. Und wer Heller — wie ich — jahrelang als ausübenden Kantor hörte, der weiß, daß er ein Kantor größten Formates ist, daß sein „Sagen" geradezu unübertrefflich genannt werden darf, und daß seine noch heute herrliche Stimme und souveräne Beherrschung des traditionellen Stils manchmal die gewaltigsten und tiefsten Erlebnisse vermittelt, die man im jüdischen Gottesdienste finden kann. Heller war es nun, der mich zuerst auf Kirschners Werk hinwies. Er selbst war davon wahrhaft begeistert. Insbesondere rühmte er daran — das ist bei seiner Einstellung begreiflich — das hervorragende chasonische Können, die Echtheit und Tiefe des traditionellen Stils, Eigenschaften, die sich nicht nur im Auszeichnen und Harmonisieren überlieferter Gesänge äußerten, (das gab es ja auch bis dahin in ausgezeichneter Form), die sich vielmehr darüber hinaus schöpferisch auswirkten. Und das in einer Weise, die vorher unbekannt war, ja geradezu unmöglich schien. Daß man solche W'schom'ru schreiben könne, in denen nicht nur die Singstimme, sondern auch die Orgel echt jüdischen Jargon spricht, und noch dazu in künstlerischer Vollendung, das enthusiasmierte Heller. Und wie interpretierte Heller diese Gesänge! Man mußte einmal von seinem weichen, markigen, dunklen Tenor den b-moll-W'schom'ru (Nr. 15) hören, wie Ilang das förmlich als Improvisation eines echten Chasan! Wie schlangen sich die Sätzchen der Singstimme und der Orgel durcheinander, wie Seidenbänder in jüdischen Farben! Trat so Heller von seinem Standpunkte, dem des gediegenen (dortzulande sehr bezeichnend: fleischig genaunt) Chasan an Kirschners Werke heran, so packte ich die Sache beim anderen Ende an. Damals war ich noch nicht allzulange von der Schulbank aufgestanden, war mit Musikgclehrtheit gespickt, wie ein Igel mit Stacheln, hatte alle Regeln der Satztechnik im kleinen Finger, also die ganze Musik im Kopf, statt tm Herzen, unb setzte mich nun, so geartet und so gewappnet, hinter Kirschners Werk. Und siehe, — ich war ebenso begeistert wie Heller! (Fortsetzung folgt). Hotel u.PenstonHirsch bekannt gute Verpflegung. Volle Pension von Mk. 6.SO i Garten-Veranda. Rollegen, werbt für die Verbreitung der „Indischen Zchuheitung"! probenummern in beschränkter Zahl stehen bei der Schristleitung zur versügung.