Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 8 (15.8.1926)
- Date
- 1926-08-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 8 _ Jüdische Schulzeitung. Seite 7 ..Der Leser wird in. diesem Buche da und dort auf eine Bemerkung gestoßen sein, die sich auf spätere Zeiten bis in die Gegenwart herein bezieht. Er mag daraus entnehmen, daß sich mir au diesem Stoffe die an der Hand der Geschichte mir längst erwachsene tleberzeugung neu bestätigt hat: daß nämlich die Menschbeit im Lauf mehrerer Jahrtausende wohl dies und das zur Erweiterung unserer Erkenntnis, zur Verfeinerung des Daseins und zur Beherrschung der Materie hinzugelernt hat, daß sie aber in dem. was das Leben ausmacht: in der Kultur der Seele und der Reinigung und Veredlung der Sitten kaum oder nur wenig vorwärts gekommen ist" . ... „Aber auch wenn Egoismus und Mangel an Gemeinsinn den Sieg über jene edlen Bestrebungen (der Gegenwart, die erwähnt Werdens davontragen sollten, auch dann wäre für den wahren Optimisten noch lange kein Grund zum Verzagen. Wer weiß, was er soll, wird immer vermögen, in seinem llmkreis seinen Mann zu stellen. Nur müssen die Menschen lernen, ehe sie versuchen.'das Ganze zu bessern, sich selbst und ihren engeren Lebenskreis zu meistern. Das übrige wird Gott ohne sie tun." ' Dieses Buch, in dem Weisheit und Güte eines gesegneten Alters sich aussprechen und die Ergebnisse eines reichen Forschcrlebens in populärer Darstellung verarbeitet werden, wird niemand ohne Genuß und Förderung lesen, auch wenn er in manchen Einzelheiten anderer Meinung ist. Dr. M. Spanier, Berlin. JakobLoewenberg, Abendleuchten. Ausgewählte Gedichte. Verlag M. (Slogan jr., Hamburg 1026. Unter dem Titel „Abendleuchten" erschien eine neue Sammlung Gedichte Loewenbergs. Doch wenn man sie aujschlägt und in den ersten Gedichten von Frühling und Blühen, von Sebnfucht und Licht liest, so möchte man wohl gegen das wehmütige Anklittgeir im Titel kämpfen. Die Kraft. die aus diesen Dichtungen spricht, kann nur einem Menschen zu eigen sein, der noch gibt, wie er stets gab. Doch nicht die Straft allein macht sie so anziehend,' die feinsinnige Beobachtung, das stille Leuchten und wiederum der strahlende Sonnenglanz, der Märchenduft, der auf allem liegt' dieses Verwachsensein mit der allgütigen Spenderin Natur: Da ist reifste und in all ihrem Reichtum schlichteste Lyrik. Auf der andern Seite weltabgewandtes Suchen nach Wahrheit ohne die Absicht, den verhüllenden Nebelschleier über dem Lebensrätsel ganz zu lüften. Und wieder anders: „Balladen und Gestalten": Sie ziehn an uns vorbei, diese Gestalten in trohigem Aufbäumen des „Ris de Nombell", in wehem Leiden des „Schachers".' Alte vertraute Freunde enthält das Werk, doch größer ist die Zahl der neuen Gedichte, die uns lieb werden wollen wie ihre Vorgänger. Statt aller Empfehlung fei ein Wort, das Jakob Loewenberg Gorch Fock zur Würdigung nachsandte, auf ihn selbst angewandt: „Du mußt uns leben! Du singst uns den Tag, wie ihn kein andrer zu singen vermag". Drum: Nehmt und lest? C. M. Aus dem Allgemeinen Deutschen Kantorenverband Unter verantwortlicher Leitung von Hermann Zivi, Elberfeld. Der jüdische Gemeindebeamte.^ Von I. B. °Levy, Frankfurt a. M. Mannigfaltig sind die Ausgaben einer jüdischen Gemeinde. Wie nach dem Ansspruche Simons des Frommen die große, so ruht auch diese kleine Welt ans drei Pfeilern, auf Pflege der Religion, des Gottesdienstes und der Wohlfahrt. Die Jugend zu belehren, Unterrichtsanstalten zu gründen und zu erhalten, für religiöse Belehrung in weitestem Maße Sorge zu tragen, die Gemeinde im ganzen! und ihre Mitglieder im einzelnen geistig zu führen — das ist die e r st e Pflicht einer jüdischen Gemeinde. Die zweite erstreckt sich auf die Ermöglichung gemeinsamen Gottesdienstes: Synagogen zu errichten, in ihnen einen erbaulichen Gottesdienst zu veranstalten, die rituelle Versorgung der Gepicindeangehörigen zu gewährleisten, heißt Awaudoh im Sinne der Gemeinschaft. Die dritte Säule im Tempel einer echt jüdischen Gemeinde ist die Pflege aller Zweige der Wohlfahrt: die Fürsorge für Arme und Kranke, Witwen und Waisen und endlich die Bestattung der Toten. In vergangenen Zeiten wurden diese religiösen Pflichten der Gesamtheit innerhalb der Gemeinde zum größten Teil ehrenamtlich ausgeübt. Ganz besonders gab es immer Männer und Frauen, die im Gottesdienst und in allen Zweigen der Wohlfahrtspflege ihre Kraft gern freiwillig zur Verfügung stellten. Aber je mehr die Gemeinden wuchsen, je größer die Anforderungen an Zeit und Mühe, je stärker der Sinn für Aesthetik, Musik und Kunst wuchs, desto mehr zeigte sich die Notwendigkeit, für all diese Aufgaben, wie von jeher für den ersten Zweig des Gemeindelebens, für den Unterricht, auch Männer and' Frauen zu finden, die ihre ganze Tätigkeit ihrem Amte widmeten und sich nach entsprechender sachlicher Vor- und Ausbildung ein solches Amt zum Lebensberufe wählten. Ja, selbst die eigentliche Gemeindeverwaltung, die wohl bis in die neueste Zeit hinein nur ehrenamtlich von Parnoßim, Gaboim, Manhigim, von „Bauleuten" besorgt worden war, entwickelte sich nach und nach zu einem Betrieb, der neben den ehrenamtlichen, in nicht genug zu *) AuS dem „Gemeindcblatt" der Israelitischen Gemeinde, Frankfurt a.-M: dankender Aufopferung wirkenden Männern eine große Zahl von Beamten erforderte, mehr als manche andere Sparte des Gemeindelebens. So bildete sich in den Großgemeinden im Laufe der letzten Jahrzehnte ein großer Lehr- und Beamtenkörper, wie er sich in unserer Gemeinde durch die stattliche Zahl von etwa 250 Amtspersonen darstellt. Die Gemeinde braucht sie und kann sie nicht entbehren: Lehrer, Rabbiner, Kantoren, Hausverwalter, Schächter, Fricdhofsbeamte, Armen- und Krankenpfleger und -Pflegerinnen und — last not least — den großen Stab von Verwaltungsbeamten. Fast alle sind für diesen ihren Beruf durch langjähriges Studium, durch Lehr-, Diätar-, Praktikantenzeit und. dergleichen gründlich, unter Auferlegung großer Opfer an Zeit, Mühe und Geld vor- und ausgebildet; viele Fächer setzen unbedingt akademisches, seminarisches, künstlerisches und praktisches Vorstudium voraus — keine Gemeinde stellt heute noch unqualifizierte Beamte für irgend ein Fach ihres großen Betriebes an. Sie verlangt ferlner von ihnen volle Anspannung ihrer Kräfte für die ihnen gestellten Aufgaben; gilt für den Arbeiter der Acht- und Neunstundentag, so für den Gemeindeangestellten die seinem Fache genräße, höchste Beanspruchung seiner Amtsfähigkeiten. Dabei ist für manches Fach eine stundenmäßige Berechnung der Amtstätigkeit nicht wohl möglich;' es kommen da unermeßbare Faktoren in Betracht, traditionsmäßige Imponderabilien, die mit dem Fach in Verbindung stehen und schwerlich davon zu trennen sind. Nach alledem ist der Beamte heute für einen Gemeindebetrieb unentbehrlich. Nein, mehr! Er ist das Rückgrat der Gemeinde, ohne das ihr Körper.zusammenbräche, ihre Glieder zerfielen, ihr Geist dahinschwände. Man denke sich die Schule ohne Lehrer, die Synagoge ohne Funktionäre, das Rechnungs- und Verwaltungswesen ohne Büro- und Beamtenstab, das Krankenhaus ohne Aerzte und Pflegerinnen, und man wird ohne Einschränkung und ohne das ehrenamtliche Wirken vieler seit Jahren unermüdlich tätiger und verdienter Männer und Frauen irgendwie gering einschätzen zu wollen, ihnen allen doch mit Jetro zurusen müssen: „Verwelken, verdorren würdest du samt dem Volke, das dir anvectraut ist, denn das Werk wäre.für •; t' / ■' f