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Jüdische Schulzeitung · 1926-08-15 · 8 (15.8.1926) · page 3

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
8 (15.8.1926)
Date
1926-08-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nummer 8 . ._Jüdische Schulzeitu rill. _ Cssertc 3 a) sie sind in ihrer Stundenanzahl weniger beschränkt, b) ihr Schülermaterial erfreut sich in der Regel der Unterstützung des Hauses. Allein dem gegenüber ist zu bedenken, a) daß doch nur eine Minderheit ihre Kinder in besondere Religionsschulen schickt, b) daß der fehlende Zusammenhang mit der anderen Schule und die damit zusammenhängende Schwierigkeit in der Handhabung der Schulzucht Nachteile bilden. Der ideale Zustand des eingeglicderten Religionsunterrichts wäre nun, daß alle jüdischen Schüler derselben Klasse eine Abteilung für den jüdischen Religionsunterricht bildeten. Dies ist aber ans äußeren Gründen öfters nicht möglich. Es müssen daher gewisse Grundsätze für die Bildung von Abteilungen ausgestellt werdet!. Die Arbeitsschule ist Gemeinschaftsschule, ist die Schülerzahl zu klein, fehlt der Wettbewerb, ist die Schülerzahl zu groß, so kann man nicht so individualisieren/wie es der Arbcitsschulbetrieb verlangt. Wichtiger als die Trennung nach Geschlechtern ist übrigens die nach der Vorbildung. Der gemeinsame Unterricht von Knaben und Mädchen gibt der Klassenarbeit mehr Farbe und Leben. Daß auch, bei gemeinsamem Unterricht von Knaben und Mädchen diese verschieden zu behandeln sind — bei Knaben herrscht der Verstand vor, bei Mädchen das Gefühl, diese sind schmiegsainer, jene haben mehr Eigenart — wird das Leben in der Arbeitsschule nur noch vielgestaltiger und mannigfaltiger machen. V. Die biblische Geschichte. Die Arbeitsschule als Erlebnisschule muß die Kinder mit den biblischen Gestalten so vertraut machen, daß sie sich in deren Gedanken und Gefühle ganz einleben, Liebe und Teilnahme für die frommen Helden empfinden und sich zur Nachfolge geweckt fühlen. Damit dies möglich werde, werden wir 1. vor der Erzählung all das aus dem Anschaunngs- und Borstellnngslebcn bereitstellen, was das Verständnis und die innere Anteilnahme für das neu zu Erarbeitende ermöglicht und die Schüler seelisch für die Arbeit einstimmt. — Vorbereitung. 2. Wir werden das neue Ziel kurz aufzeigen,, zu dem die gemeinsame Arbeit hinführen will. — Zielangabe. . 3. Wir werden die neue Geschichte erzählen oder gemeinsam mit der Klasse entwickeln. — Eindrucksstuse. 4. In der vertiefenden Betrachtung spricht sich die Klasse über die gewonnenen Erlebnisse aus. — Ausdrucksstufe. 5. und faßt die gewonnenen Erfahrungen in kurzen Worten zuweilen auch in Merksprüchen zusammen. — Zusammenfassung. 6. gipfelt die Arbeit in der Nutzanwendung auf's eigene Leben. — Anwendung. 1. Die Vorbereitung knüpft an den Erfahrungskreis der Kinder an und schlägt die Gedankenbrücke vom Alten zum Neuen. 2. Sie soll das Kind in die rechte Gemütsstimmung versetzen und das Verlangen nach der neuen Geschichte und die Empfänglichkeit für ihren gemütvollen Gehalt in geschickter Weise Hervorrufen, z. B. zur Sintflutgeschichte: Was tut Euer Vater, wenn ihr Böses treibt? Wenn sich das Kind aber gar nicht bessert? Auch der liebe Gott straft die bösen Menschen. Wie? Ueberschwemmung. Nun denkt Euch, das Wasser kommt, steigt immer höher, erst kommt es in die Häuser, die Mensthen klettern auf die Dächer, aber das Wasser steigt ihnen nach, sie retten sich aus Türme, Bäume oder, Berge. Das Wasser steigt immer höher, was wird da schließlich mit den Menschen geschehen sein? > Oder zu Abrahams Berufung. Wir haben schon von frommen Leuten gesprochen. Abel, Noah. Auch von bösen? Es gab auch Menschen, die vom lieben Gott gar nichts wissen wollten, die sich Götzen aus Stein oder Holz machten, oder zu Sonne, Mond und Sternen ,beteten? Wie nennt man diese Menschen? Götzendiener, Heidend Wenn nun ein frommer Mensch unter solchen Leuten wohnt, wie wird ihm zumute sein? Warum wird es ihm aber doch schwer, wegzuziehcn? Oder. Wenn Ihr eine Reise machen dürft, freut Ihr Euch. Aber manche Leute, die wegreifen müssen, sind traurig. Auswanderer. Möchtest du jetzt für immer fort von hier? Warum denn nicht? Weil deine Eltern hier wohnen. Wenn aber Gott zu dir sagen würde, du sollst Weggehen? Zn Esau und Jakob. Was geschieht heutzutage mit den Sachen der Eltern, wenn diese sterben? Dann wird geteilt. Jedes Kind gleichviel. Früher war das anders. Da bekam der Aelteste, der Erstgeborne, das ganze Haus mit allem, was dazu gehört, und die anderen Kinder blieben bei ihm als Hausgenossen. Der Aelteste hat aber die Herrschaft im Hause. Er hatte das Recht, am Hausaltar voizubeten, und vor Vaters Tode bekam er den Segen. Wie wird es nun gewesen sein, wenn der Aelteste vom lieben Gott nichts wissen, der Zweite aber sehr gern beten und opfern wollte? Die Vorbereitung soll so geführt werden, daß sie in die Zielangabe mündet, daher soll an zielbewußtes planmäßiges Arbeiten gewöhnt werden. Die Zielangabe sei gegenständlich und greifbar knapp und klar, den Kern der Sache treffend, z. B. zu Abrahams Berufung. Wir wollen zeigen, wie Abraham den lieben Gott mehr liebt als sein Vaterland, oder zu Abrahams Friedfertigkeit: wir wollen sehen, wie Abraham den Frieden mehr liebte als eine schöne Weide. Die Form des „Wie"satzes ist gewählt, weil so das Ziel den Kindern sich verständlicher darstellt als etwa in einem Hauptwort. Dieses — die, Ueberschrift — tritt erst dann ein, wenn das Kind die Sache begriffen hat und gleichsam > als Verdichtung seiner Ueberlegungen, und wird dann an die Tafel geschrieben. Die Hauptsache muß bleiben, daß bei der Vorbereitung Stimmung und Spannung geweckt wird. Gut ist's, wenn man schon dabei zum Ausdruck bringt, daß es um des Kindes Angelegenheiten, sich handelt. Also nicht bei der Zielangabe sagen, wie Abraham den Streit vermied, sondern wie wir den Streit vermeiden, nicht wie Jakob auf Gott vertraute, sondern wie wir auf Gott vertrauen sollen. Darin hat Rosenberg aus S. 79 seiner Methodik des jüdischen Religionsunterrichts recht, wenn er aber dann doch auf S. 81 das von der Zillerschen Schule empfohlene phantasierte Handeln, durch das die Kinder in erfundene Situationen eingeführt werden, ablehnt, so scheint mir das nicht folgerichtig. Wenn es gilt, den ganzen Unterrichtsstoff mit dem Kinde und seine Interessen in Beziehung zu bringen, dann sollen wir nicht bloß in Vorbemerkung und Zielangabe spüren lassen, daß des Kindes Sache getrieben wird, sondern ihm auch die Freude machen, zu zeigen, wie es für sein Leben das Erfahrene umzugestalten denkt. Immer wird sich fteilich die Anknüpfung an kindliche Erlebnisse oder Erfahrungen ungezwungen nicht ergeben. Nicht immer wird man bei der Sintflut an eine stattgefundene Katastrophe durch Ueberschwemmung oder

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