Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 7 (15.7.1926)
- Date
- 1926-07-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Jüdische Schulzeitung. Nummer 7 ltiib gegen Fremde betragen, wenn sie sich schon gegen die Eltern so benehmen? Ich weiß wohl, das; ihr noch Kinder seid und manchen Fehler noch ablegen.könnt. Aber weshalb wollt ihr damit warten? Bedenket: heute sind noch Menschen da, die euch ans eure Fehler aufmerksam machen, eure Eltern, eure Lehrer, ich selber. Aber wenn ihr älter seid, wird die Zahl solcher Menschen immer kleiner. Dann hat ja niemand mehr ein Recht, euch wegen solcher Fehler zu tadeln. So seid uns denn dankbar, wenn wir euch darauf Hinweisen und sorgt dafür, daß man nie von euch zu sagen braucht: „Ein Schaden zeigt sich mir am Hause." Amen. Vereinsberichte. Hauptversammlung des Vereins israelitischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalens in Dortmund am 25. und 26. Mai 1926. Mit einer eindrucksvollen Rede, die zum Teil in Nr. 22 der Blätter für Erziehung und Unterricht abgedruckt ist, eröffnet Kollege Abraham-Essen am 25. Mai um 2 Uhr nachmittags im Gewerbeverein zu Dortmund die Verhandlungen und richtet ein herzliches Willkommen an die Erschienenen. Er leitet die Verhandlungen zum letzten Male, weil er wegen Arbeitsüberlastung den Vorsitz 'niederlegen muh. Während seiner Amtsführung hat er allezeit das Schulwesen beider Provinzen zu heben und zu fördern gesucht, die Stattdesinteressen der jüdischen Lehrerschaft aufrecht vertreten und den Verein zu einem Hort für die wirtschaftlich Schwachen gemacht; das sei ihm herzlichst gedankt. Herr Stadtschulrat Wormann begrüßt die Versammlung im Namen der Stadt und Schulverwaltung, Herr Justizrat Dr. Kempenich im Namen der Synagogengemeinde. Herr Mittelschullehrer Stern-Berlin im Namen des Verbandes der jüdischen Lehrervereine i. d. R., Herr Rektor Heymann im Namen des Ortsausschusses. Aus dem nun folgenden Jahresberichte des Koll. Kehler- Münster sei nur hervorgehoben, dah im abgelaufenen Jahre in den Vereinsbezirken zielbewuht gearbeitet worden ist, u. a. ist ein Lehrplan für den Religionsunterricht in der Grundschule fertiggestellt worden. Einen wackeren Mitarbeiter haben wir verloren: Kaiser-Mülheim ist in jungen Jahren von uns geschieden. Alles hat sich ehrfurchtsvoll erhoben und hört stehend die treffenden Worte der Würdigung an. die Kehler für den Heimgegangenen findet, dessen Andenken unter uns fortleben wird. — Seine Schlußworte sind Abschiedsworte, die er selbst an den Verein richtet, dem er weiterhin Zielsicherheit wie seither. Blühen und Gedeihen wünscht. Kehler folgt einem ehrenvollen Rufe der Synagogengemeinde München; wir freuen uns, dah der verdiente Mann einen Wirkungskreis gesunden hat, in dem er seine Eeistesgaben, seine reichen pädagogischen Erfahrungen und sein Lehrgeschick zur vollen Entfaltung bringen kann, beklagen zugleich aber, dah sein Platz in unserem Vorstande leer wird und wir seinen klugen Rät in Zukunft entbehren müssen. Sein Interesse für unfern Verein lieh ihn bitten, von Neuwahlen heute abzusehen, damit die bleibenden Vorstandsmitglieder dem Verein erst über die schwebenden schwierigen Fragen hinweghelfen. Er schlügt vor. Koll. Meyer- Lünen den Vorsitz zu übertragen, Abraham soll als zweiter Vorsitzender an seiner Seite bleiben, und um den Vorstand zu komplettieren, soll der älteste Stellvertreter Katzenstein-Steele ausrücken. Der Vorschlag wird widerspruchslos angenommen. Nunmehr nimmt Koll. Stern-Berlin, der Vorsitzende des Verbandes der jüdischen Lehrervereine i. d. R. und Mitglied des Großen Rates, das Wort zu seinem Vortrage „Preußischer Landesverband und jüdische Lehrerschaft." Mit steigendem Interesse werden seine Ausführungen entgegengenommen. (Das Referat sowie die sich daran schließende Besprechung ist in Nr. 26 der Blätter für Erziehung und Unterricht wiedergegeben. Die Schriftleitung.) Bei der Aussprache über den Jahresbericht kommt es zu einer längeren Besprechung über die Rede des Herrn Dr. Karl Rosenthal, Berlin, gegen die zu begründende jüdische Volksschule in Duisburg und die sich in der Presse daran knüpfende Polemik zwischen dem Verbandsredakteur Koll. Steinhardt und .Herrn Dr. Rosenthal endet mit der bereits in Nr. 22 der Blätter für Erziehung und Unterricht abgedruckten Entschließung. Kaufmanns Kassenbericht ist kurz: Die Ausgaben von 1282,74 dl hielten sich um 1120,06 dl unter den Einnahmen. Die Sinne wurde von den Prüfern in bester Ordnung gefunden. Entlastung wird mit dem Ausdrucke des Dankes für treue Mühewaltung erteilt. , Ein gemeinsam eingenommenes Abendbrot, das humorvolle Reden würzten, hielt die Konfercnzbefucher bis spät in die Nacht hinein zusammen. Frau Meyer-Neecholm (Lünen) erfreute durch vorzügliche deklamatorische Darbietungen aus Löwenbergs Werken, und Frl. Meyer-Witten erhöhte die Stimmung durch herzerquickenden Gesang. Koll. Nuhbaum- Dortmund, der dankenswerterweise im wesentlichen die Versammlung vorbereitet hatte, leitete auch diese wohlgelungene Veranstaltung. Am Mittwoch morgen war man um 8*4 Uhr im Tagungsraume schon wieder bei der Arbeit. Als Ort für die nächstjährige Konferenz wird Bonn oder Eoblenz in Aussicht genommen. Man hört den Vortrag des Koll. Meyerhoff-Niedermarsberg: „Grundsätzliches zum Bibelunterrichte." Auf die ausgezeichnete Arbeit, die vielen ein Erlebnis bedeutet, soll hier nicht eingegangcn werden, weil sie in diesen Blättern demnächst erscheinen wird. Die reiche Aussprache lieh die vielfache Anregung erkennen, die sie gegeben hatte. Es sei nur heroorgehoben: Frl. Löh wünscht mehr moderne Literatur in Verbindung mit der Bibel. Meyer-Lünen ist kein Freund des Bibelunterrichts in seither geübter Form, er verlangt Bibellesen. Frl. Sachs möchte mehr soziale und religiöse Stoffgebiete auf denen Frauen arbeiten, behandelt sehen. Stern-Berlin sieht in der Art wie jüdische Geschichte vielfach betrieben wird, nur Martyriologie und einey Kampf ums Recht in der Neuzeit. Jüdische Geschichte müsse stets in Verbindung mit allgemeiner Kulturgeschichte behandelt werden, sie dürfe nie als „Ding an sich" angesehen werden.; Nach Meyerhoffs Schlußwort wird eine Kommission eingesetzt, bestehend aus Frl. Löb, H. Meyerhosf, Heymann-Rheydt, Strauß-Dinslaken, die mit der Arbeitsgemeinschaft des In» dustriebezirks einen Stoffplan für die Oberstufe bis zum nächsten Jahre ausarbeitcn soll. Die Kollegen Stern-Hörde und Katzenstein-Steele sotten der nächstjährigen Konferenz außerdem erneu Stofsplan für den Religionsunterricht an höheren Lehranstalten vorlegen. Koll. Reinhardt-Köln berichtet kurz über die vom Preuh. Landesverbände kürzlich einberufene Versammlung der Provinzialverbünde zwecks Gründung von Bezirksrabbinaten. Koll. Steinhardt-Magdeburg, der von'der Düsseldorfer Kassentagung kommend, stürmisch begrüßt wird, verbreitet sich in längeren Ausführungen über die geplanten Bezirksrabbinate. Es folgt die Generalversammlung unserer Pensionskasie. Kaufmann berichtet. Sie hat noch 52 Mitglieder, darunter 2 Saarländer, 10 verheiratete und 6 verwitwete Pensionäre, außerdem 27 Witwen und 3 Kinder sind vorhanden, die zusammen 178 Anteile zu beanspruchen haben. Nach Abzug von 7-16,29 dl Ausgaben bleibt noch ein Bestand in der Kaffe von 5272,81 dl, wovon -'/» satzungsgemäh zu verteilen sind, so dah ein Anteil 19 dl beträgt.' Die Kasse ist geprüft und richtig befunden, Entlastung wird erteilt. Reinhardt berichtet über die gestrige Tagung in Düsseldorf zwecks Gründung einer Zentralkasse. Nur die Süddeutschen sprechen sich dagegen aus, weil ihnen ihre Kaffe das einende Band ist, das alle zusammenhält; in unserem Kreise scheint die Kasse geradezu trennend zu wirken. Von 145 Vereinsmitgliedern gehören nur 52 der Kasse an. Die von Reinhardt vorgelegte. bereits veröffentlichte Resolution findet einstimmige Annahme. In der nun folgenden freien Aussprache wird noch manche wertvolle Anregung gegeben, die der Vorstand zur Kenntnis nimmt. Als Mitglieder der Kommission für die Formulierung des Beamtenrechts werden bestimmt Goldschmidt-Dortmund. E. Jacoby-Köln, Andorn-Hattingen, Katzenstein-Steele und Suhmann-Elberfeld. Um 1 Uhr konnten die Verhandlungen mit Dank an alle, die zu dem guten Gelingen beigetragen hatten und dem Wunsche. Verbandsvorstandsmitglieder auch bei künftigen Tagungen unter uns zu sehen, geschlossen werden. Goldschmidt-Dortmund. Literarisches. Marlin Buber, Das Buch im Anfang. Berlin. . Lambert Schneider. Preis 4 Mark (in Pappband). In Gemeinschaft mit Franz Rosenzweig hat Martin Buber ein großes Werk begonnen: Eine neue Uebersetzung