Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 7 (15.7.1926)
- Date
- 1926-07-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 7 . Jüdische Schulzeitung^ =,„,.<5eite .? Ehe wir diesen Punkt verlassen, sei nur daran erinnert, daß auch im Hebräischen analog vorgegangen wird. Es wird zuvorderst festgestellt, welche Wörter und Endungen im neuen Stücke bekannt sind, dann wird das Neue mitgeteilt und im Zusammenhang mit dem Alten nach seiner Bedeutung im vorliegenden Satze zu erfassen gesucht. Der Ein drucks stufe mit ihrem äußerlichen und innerlicken Erfassen dessen, woran sich die Seelen aktiv betätigen. ftebt ergänzend zur Seite die Stufe der Aus- , A? die Seelen fick ihre Eindrücke luran '.\± t»?: ci »rnwärriZen. Sie wird so zur Besinnung über Erarbciteles, Fragen werden gestellt, Vergleiche werden gezogen, Aehnliches wird zu Reihen zusammengefügt, z. B. im hebräischen. Tcphilloh, Tehilloh, Techilloh, wobei das Trocken- Sprachliche möglichst herzhaft und sinnig zu beleben ist, etwa durch das Rätsel: Mit f und h zeigt's frommen Sinn, Mit ch bedeutet's Anbeginn; oder goal, gomal, golal: Mit a schafst's Rettung, Mit m tut's gut. Mit I sagt man's von des Wassers Flut. Oder in der biblischen Geschichte etwa bei Davids Königssalbung wird herausgestellt, daß Gott nicht auf äußere Vorzüge, Schönheit, Größe sieht, sondern aufs Herz, dann wird etwa Abrahams und Moses Berufung herangezogen oder Rebekka als rechte Gattin und wird dabei gezeigt, wie in diesen Erzählungen nicht auf die äußeren Dinge, sondern auf den inneren Wert der Nachdruck gelegt wurde. Man wird so immer kleine Einheiten bilden — und hier gilt divide et impera — und zur Verknüpfung bei der Zusa m nt enfassung zuweilen auch einen Merkspruch einprägen — in unserem Beispiel, evcntl. hebräisch: „Der Mensch sieht auf den Augenschein, Gott aber blickt ins Herz hinein." Hierbei ist ganz besonders die Entwicklungsstufe des Kindes zu beachten und nur das. zu geben, was wirklich von ihm geistig verdaut werden kann. Freilich muß man nun nicht beanspruchen, daß das Kind jedes Gcbetswort und jeden Bibelspruch in seiner ganzen Tiefe erfasse. In Wirklichkeit ist ja jedes Gotteswort „weiter denn das Meer". Wenn dem Kinde nur ein leidlich guter Sinn dabei ausgegangen ist, dann begleitet solch Wort es durch die Jahre und im Laufe wird es ihm klarer und lieber (vgl. Kellner, Aphorismen S. 69). Auch vor dem zuviel, vor dem Zerfragen muß man sich hüten. Die übertriebene Fragesucht mancher Lehrer ist der Todfeind jener Wärme, die von Herzen kommt und zu Herzen geht und gerade für den Religionsunterricht den besten Teil bildet. Erklären soll man, aber nicht zerklären, eher verklären durch Schweigen. Als ich meiner jüngsten Tochter, die damals etwa sieben Jahre war, biblische Geschichten erzählte, experimentierte ich mit Erklärungsfragen. Darauf endlich meine Kleine: „Vater, erzähle die Geschichte noch einmal, aber laß mich nicht so viel raten." Also nicht zu lange bei einem Gegenstand verweilen. Die größte Sünde in der Schule ist die Langeweile. Nur kein ermüdendes Breittreten, das die kindliche Teilnahme am Gegenstände erstickt. Gerade vor jüngeren Kindern denke man an das „variatio delectat"; ist der Geist reifer und ernster geworden, dann ist größere Beharrung bei eine m Thema angebracht (vgl. Tos. Sanh 38a). Manchmal wird man gut tun, vor Abschluß der Besprechung noch auf analoge Gegebenheiten und Erscheinungen unseres Kulturlebens hinzuweiscn. Dazu bieten reiche Fülle brauchbaren Materials neben Försters Jugendlehre die vom Leipziger Lehrervereine herausgegebenen drei Bände „Im Strome des Lebens", die auch israelitische Lehrer gründlich studieren mögen. Immer sei man dem Leben zug c w a n d t, prophylaktisch und apologetisch; auf der Oberstufe berücksichtige man die wissenschaftlichen Ergebnisse, so weit sie religiös wertvoll und didaktisch verwertbar sind (vgl. Beermann, Apologetik auf der Oberstufe in Kroners Jubelschrift). (Fortsetzung folgt.) Ansprachen beim Jugendgottesdienst. 7. Hausfrieden. Liebe Kinder, ich kam einst an einem Sommermorgen in eine Familie. Die Sonne war längst aufgegangen, die Vögel sangen, viele Menschen begaben sich an ihre Arbeit. Wie erstaunte ich aber, als ich die Kinder noch im Bett fand, obgleich sie in einer halben Stunde in der Schule sein mußten. Und da hörte ich denn, daß diese Knaben immer in träger Weise die Morgenstunden verträumen, ohne auf die Rufe der Mutter zu hören. Wenn die Zeit aber vorgerückt ist, springen sie schnell auf, sorgen nur mangelhaft für die Reinigung, frühstücken hastig und stürzen nach der Schule. Da fiel mir, liebe Kinder, das Wort ein, das wir heute gelesen haben: „Ein Schaden zeigt sich mir am Hause." Ja, liebe Kinder, nichts ist für den Menschen gesünder, als sich zeitig zur Ruhe zu begeben und zeitig aufzustehen. Faulenzerei und Langschläserei aber ist ein Schaden. Wie spottet schon der König Salomo über den Verschlafenen: „Gehe zur Ameise, du Fauler, sieh ihre Wege und lerne Weisheit . . . Wie lange. Fauler, wirst du liegen? Wann wirst du ausstehn von deinem Schlummer? Ein wenig Schlaf, ein wenig Schlummer, ein wenig die Hände ineinandeclegen, und die Armut kommt über dich wie ein Landstreicher und der Mangel wie ein gewappneter Mann." Meine Lieben, ich bin auch einmal in eine Familie zum Mittagessen geladen worden und habe dabei meine Aufmerksamkeit auf die Kinder gerichtet. Da habe ich manches gesehen, wovon ich sagen mußte: „Ein Schaden zeigt sich mir am Hause." Welche störenden Angewöhnungen bemerkte ich da! Der eine erklärte, dies nicht „gern" zu essen, der andere jenes! Aber wie unrecht ist es, wenn Kinder ein gesundes, kräftiges Essen verschmähen. Was euch nicht zuträglich ist und eurer Gesundheit schaden könnte, wird euch von euren Eltern nicht dargeboten werden. So viele arme Kinder würden sich glücklich schätzen, wenn sie auch nur einen Teil dessen hätten, was ihr mit Verachtung zurückweist. Und wenn ihr das Elternhaus einst verlasset und in die Fremde geht — glaubt ihr, daß fremde Leute auf eure Launen und Gewöhnungen Rücksicht nehmen werden? Aber' ich habe noch andere Erfahrungen mit Kindern gemacht und mußte auch sonst noch an das Wort denken: „Ein Schaden zeigt sich mir am Hause." Bei dem Umgänge mit den Eltern nämlich zeigt sich der Unterschied zwischen dem einem und dem andern Kinde. „Ein Schaden zeigt sich am Hause" mochte ich auch da oft sprechen. Ein kleiner Auftrag der Eltern selbst wird mit Unlust, verdrießlichem Gesicht und zögernd ausgeführt. Ein Gang nach dem andern Zimmer erscheint als Belästigung! In Gegenwart anderer wird den Eltern oft von euch widersprochen, ja, ihr tut manchmal so, als wenn ihr ihnen an Kenntnissen, Verstand, Wahrheitsliebe überlegen seid. Sind das nicht häßliche Schäden? Wie werden sich solche Kinder erst gegen Dienstboten fr I |l