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Jüdische Schulzeitung · 1926-07-15 · 7 (15.7.1926) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
7 (15.7.1926)
Date
1926-07-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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(5citc_ L oder gar auf freiem Felde. Solche Szenerie muß der Religionslehrer benutzen und das Lehrgespräch geschickt so lenken, daß die prächtige Stimmung, die der Naturvorgang weckte, durch geeignete Vorstellungen für das Gefühlsleben nutzbar werde und etwa in der Mitteilung des üblichen Segensspruches beim Gewitter gipfle. Oder ein Kind ist nach schwerer Krankheit genesen und nun zum ersten Male wieder in der Religionsstunde; es hat aus seinem Krankenbette in seinem Leben die ernste Erfahrung gemacht, wie der Mensch so ganz von Gottes Fügung abhängig ist, wie wir ganz in Gottes Hand gegeben sind. Hiervon ist nur ein Schritt bis zur Empfindung des Psalmisten „Herr, was ist der Mensch". Wie. Stimmung zur Religion, zur subjektiven Frömmigkeit verdichtet wird, hat Kabisch in seinem Aufsatze über die Lehrbarkeit der Religion (Zeitschrift für Theologie und Kirche 1902, Seite 331) gezeigt. Es mag noch durch ein Beispiel beleuchtet werden. Sitzt da ein Kind im Dämmerstündchen. Am Stubensenster die Mutter. Draußen herbstelt's. Der Wind biegt und schüttelt die Birken. Die grauen Wolken jagen am düstern Himmel. Es ächzt und stöhnt und heult um das Haus. Das kleine Menschenkind sitzt und lauscht und fühlt sich so schwach gegenüber den großen Gewalten da draußen. Ihm wird so bang und schaurig zumute. Fragend und suchend blickt es empor zur Mutter; und diese versteht des Kindes Sehnen und Zagen und beugt sich hernieder, fährt ihm mit linder Hand über die Stirn und spricht mit weichem, warmem Wort: Gott ist ja bei dir, unser lieber Vater, der uns beschützt. Still und ruhig wird's in des Kindes Gemüt. In sein kleines Herz hatte das Licht des Glaubens hineingeleuchtet. Religion ist nicht lehrbar, aber übertragbar, das muß immer wieder betont werden. Was an religiösem Gute das Elternhaus und die Gemeinde bietet, muß sorgsam berücksichtigt werden, der Freitagabend mit Kiddusch und Sabbatlampe, der Seder und das Channukkahlicht, Hochzeit und Beerdigung, Barmizwah und Konfirmation, Synagoge und Friedhof gehören zur religiösen Umwelt und müsse, wo es zweckdienlich ist, schon auf der Stufe der Vorbereitung herangezogen werden. Weihe soll im Religionsunterricht herrschen, aber auch Freude. Das kindliche Gemüt muß in der Religion ein Stück Sonnenschein und Lenzespracht lieben können, und Unlustgesühle dürfen sich nicht mit seinen ersten religiösen Erfahrungen verknüpfen. Wenn man auch nicht die Schüler den Arbeitsgegenstand selbst bestimmen lassen kann, weil ein solches Verfahren das regelmäßige und sichere Fortschreiten vom Leichteren zum Schwereren und die Vermittlung von einigermaßen zusammenhängenden Erkenntnissen zum mindesten erschwert, so wird man doch auf Fragen und Wünsche der Schüler bereitwilligst eingehen, sagt doch schon der Talmud, „die Schüler lernen das am liebsten, wohin sie ihr Herz zieht". Die Kunst der geschickten Vorbereitungsgespräche muß sich darin zeigen, daß man die innere Anteilnahme für den zu bearbeitenden Stofs gewinnt und die Schüler in den Bann der vorliegenden Aufgabe gezogen werden. Bei der Erarbeitung des Lehrstoffes handelt es sich zunächst auf der,Eindrucks stufe darum, in freier Unterhaltung die einzelnen Bestandteile zur Zusammensetzung der neuen Lehreinheit zu gewinnen. Ein Element des Gedankenkreises wird durch das Ziel ins Bewußtsein gerufen, daran wird angeknüpft, und es wird auf eine neue Vorstellung, einen neuen Gedanken geschlossen. Der eine Scvüler stellt eine Behandlung aus, ein anderer geht einen Scsrin weirer. Falsches wird vom Lehrer oder einem Schüler berichtigt und zum Schlüsse jedes Ad- Nummer 7 schnittes wird das Erarbeitete zusammengestellt. Das ist die eine Möglichkeit des Lehrverfahrens. Wir wcrden hernach sehen, daß es neben diesem entwickelnd darstellenden Unterricht, bei dem das fertige Lehrstück, Geschichte oder Gebet nicht den Anfangspunkt, sondern den Endpunkt des Lehrgesprächs bildet, noch ein anderes Verfahren gibt; nämlich nach einer Vorbesprechung das Lehrstück, z. B. die Erzählung wirken zu lassen. Die entwickelnde Art hat den Vorzug, daß sie 1. den Lehrer zwingt, im Gesichtskreis und Verständnis der Schüler zu bleiben, 2. dem Lehrer ermöglicht, sich auf Schritt und Tritt zu überzeugen, ob er mit seinen Schülern auch in inniger Fühlung ist, 3. die Mitarbeit der Klasse sichtbarer macht. Hingegen kann durch die andere Art, durch ein' warmherziges, zusammenhängendes Erzählen, eine stärkere Gemütswirkung hervocge bracht werden, was Linde im pädag. Jahrbuch 191 l S. 211 anerkennt. Die Selbsttätigkeit der Schüler braucht darunter nicht zu leiden; man denke nur an die begleit tenbcu Gemütserregungen, an die starke ausmalende Phantasiebcteiligung und an das Ausblitzen von Affekten und Entschlüssen in der Seele der Schüler beim Anhören einer Geschichte. Wo aber erzählt wird, da spreche man kindgemäß. Die .Sprache sei biblisch, so weit wie möglich, klein malerisch und freischöpferisch, so weit wie nötig. Alles Befremdliche, von der sittlich-religiösen Hauptsache Ablenkende, kulturlich erst umständlich zu Erläuternde, lasse man zu mindesten aus der Unterstufe fort. Abraham und Lot sind zwei Männer, die irgendwo lebten und große Herden besaßen und sich fried lich trennten, weil sie es nicht leiden konnten, daß ihre Hirten alle Tage zankten. Also keine Betonung des Lokalkolorits, es schadet gar nichts, wenn sich der Schüler die Geschichte als auf der ihm bekannten Wiese seiner Heimat geschehen sich ausmalt. Ueberhaupt keine Ueberladung mit Nebensächlichkeite n, die den sittlich-religiösen Gehalt der Geschichte erdrücken und ersticken könnte. Wird so erzählt, so kann nicht nur im Innern, wie oben gezeigt, die Selbsttätigkeit des Schülers geweckt werden, sondern sie wird sich auch nach der Erzählung hinreichend äußern müssen, in ihren Urteilen über das Gehörte, in ihrer Meinung über die dargestellten Personen. Es wird dann zurückgeschaut, beurteilt und bewertet. Ich kann nun Pretzel a. a. O. S. 21 nicht beipflichten, daß es genüge, wenn die religiös sittlichen Wahrheiten von den Kindern erfühlt werden, vielmehr meine ich, daß darin gerade des Lehrers Kunst liegt, das dunkel Geahnte zu Hellem Bewußtsein zu bringen und so zu klären und zu vertiefen. Man kann darüber streiten, ob man das Lehrstück erst in seiner Ganzheit darbiete resp. erarbeiten lasse oder zunächst nur in Teilzielen. Mehr der seelischen Struktur des Kindes wird es entsprechen, wenn zunächst das Ganze einmal erarbeitet wird. Auch wird zu betonen sein, daß die allernotwendigste, psychologische Vermittlung der besprochenen Handlung schon auf dieser Stufe zur Aussprache gelangt. Und wo spontane Wertungen des Kindes zum Ausdruck kommen, da wird man die Möglichkeit zu ihrer Aeußerung geben. Es wird sich empfehlen, die Ergebnisse dieser engeren Betrachtung schon herauszustellerr. um eine feste, solide, tragbare Grundlage zu gewinnen für die spätere erweiterte Betrachtung, wiewohl nicht zu verkennen ist, daß es Fälle geben kann, in denen die Ableitung eines Ergebnisses schon aus dieser Stufe als verfrüht erscheinen könnte. Jüdische Schulzeitimg.

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