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Jüdische Schulzeitung · 1926-07-15 · 7 (15.7.1926) · page 3

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
7 (15.7.1926)
Date
1926-07-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nummer 7 Jüdische Schulzeitung._ Seite 3 das in staatsbürgerlicher Hinsicht äußerst wichtige Element dieser Einrichtung. Natürlich kann erst von Selbstregierung die Rede sein, .wenn die Schüler die nötige Reife besitzen, sich von sittlichen Idealen leiten zu lassen. Das zu ermessen erfordert psychologischen Tiefblick vom Lehrer; solch seelenkundliche Jnnenschau ist auch nötig, um auf die. persönliche Eigenart jedes Kindes in verständnisvoller Seelensnhrnng einzugehen. Der Nervenarzt Adler in seiner Schrift: „Nervosität und Charakter" weist darauf hin, daß gerade nervöse Kinder die Neigung haben, ihre instinktiv gefühlte Minderwertigkeit unter Störungen und Ordnungsverletzungen aller Art zu verbergen, um dadurch andern Schülern zu imponieren. Hier muß der verständnisvolle Lehrer wissen, geschickt statt aller Strafen das krankhafte Geltungsbedürfnis solcher Kinder 311 berücksichtigen und es für gute Zwecke nutzbar zu machen. Bei der rechten Auffassung von Selbstregierung wird der geschickte Lehrer auch den Sinn für Ehrfurcht und Acht u n g entwickeln und sich von Verstiegenheiten und Ucbertreibungen in dem Sinne frei halten, daß die sittliche Achtung vor der Lehrerpersönlichkeit nicht leide. Graf Keyserling scheint mir in seinem „Reisetagebuch eines Philosophen" nicht so unrecht zu haben mit seiner Behauptung: „Die besten Erzieher sind immer die, welche zum Schüler am meisten Distanz zu halten wissen", nur würde ich das Wort so formen und ergänzen: „Die besten Erzieher find immer die, welche zugleich Achtung und Liebe in des Schülers Seele zu wecken wissen." Dann ist aus der Halbwahrheit eine Ganzwahrheit geworden. HI. Allgemeine methodische Grundlegung. Religion ist Leben in Gott. Sie ist Quelle einer doppelten Kraft, der Tat und des Trostes. Unterricht in Religion, das bedeutet: unter religiöser Einwirkung alle Seelenmächte sich regen und stärken lassen. Das fordert die Vermeidung einseitiger Verstandes- und Gedächtnisbildung. Das will Tat- und Lebenspädagogik, wie sie ihre beste Form in der Arbeitsgemeinschaft findet. (Vgl. Eberhard, Arbeitsschulmäßiger Religionsunterricht, S. 10.) Die Arbeitsschule will nach Kerschensteiner mit einem Minimum von Wissensstoff ein Maximum von Fähigkeits¬ und Charakterbildung auslösen. Unterrichten in der Arbeitsschule, das bedeutet, Kräfte wecken, um die Gesamtpersöulichkeit des Schülers zu fördern. Nicht aufnehmen, sondern gestalten lassen, nicht lehren, sondern Leben wachrufen, wird angestrebt. Die Lernschule ging vom Stoffe aus und kam häufig und unwillkürlich zur einseitigen Verstandcspflege. Die Arbeitsschule geht vom Kinde aus! Was geeignet ist, vom Kinde verarbeitet und erlebt zu werden, wird ausgewählt zu gemeinsamer Gestaltung. Die Gesamtentwicklung des Kindes, auch nach der Gefühls- und Willensseite hin zu fördern, ist ihre Aufgabe, nichts soll geboten werden, was nur das Gedächtnis füllt und allenfalls den Verstand beschäftigt, aber Herz und Gemüt kalt und leer läßt (vgl. Pretzel und Hylla, Neuzeitliche Volksschule, S. 11). Der Unterricht muß ein Stück Leben geben. Er muß zu Erlebnissen führen, d. h. sorge, daß sachlich Gegebenes mit persönlicher Anteilnahme erfaßt, also gefühlsbetont gegeben und ausgenommen, und weil der Umwelt des Kindes und seinem bereits erworbenen geistigen Besitz zugehörig, in kin d gemäß er Sprache (Mundart!) eingekleidet, auch geistig verarbeitet werden kann (vgl. Will). Albert, Gestaltung des Unterrichts zum Erlebnis, S. 20). .Die freie Tätigkeit des Kindes zur Entfaltung zu bringen, das ist das Geheimnis der rechten Lehrkunst, der kindliche Geist soll seine Schwingen regen und suchen, was er nur irgend selber finden kann. Um dies zu errnög-' lichen, muß der Lehrer des Schülers Seele mit ihren Erlebnissen, Erfahrimgen und Vorstellungen genau kennen und den gesamten Unterricht in das Leben und die 2öeft des Schülers hineinstellen. Nicht nur der erste Religionsunterricht muß in der Kindesheimat wurzeln und an die dem Kinde bekannten religiösen Eindrücke, Bilder, Bräuche, feste Einrichtungen anknüpsen, sondern auch später ist nie zu vergessen, an Heimatliches, Anschauliches, Greifbares anzuknüpfen. Das ganze Lehrgespräch wird sich immer an den vier Forderungen prüfen: 1. Unterrichte kindgemäß. 2. Lasse anschauen. 3. Lasse erleben. 4. Lasse gestalten. Arbeiten heißt zweckmäßig verfahren, zielstrebend sich betätigen. Die Schüler müssen wissen, um was es geht. Sie ■' müssen das Ziel sehen, das durch die Arbeit erreicht werden soll. Durch die Zielangabe unterscheidet sich schon äußerlich ernste Tätigkeit von hin und her flatterndem Spiele. Dann könnim auch wohl die Wege erwogen werden, auf dem man sich dem Ziele nähern will, die Mittel überlegt werden, durch die man die Aufgabe erledigt. Zumeist wird man aber auch jetzt nicht gleich an die Gestaltung des neuen gehen. Zum mindesten wird es für den Lehrer eine Stufe der Vorbereitung geben, auf der er sich fragt: Welche Erlebnisse meiner Schüler kann ich brauchen, um durch deren Herausstellung die rechte Empfänglichkeit zu erreichen urtd das nötige Verständnis zu wecken? Die Vorbereitung muß so gestaltet werden, daß Spannung und Arbeitslust geweckt wird. Am besten ist die unmittelbare Anknüpfung an ein Schulerlebnis, etwa bei Abraham und Lot an einen Streit um einen Gegenstand, um einen Platz. Da, wo Anknüpfung ans Schulerleben sich nicht ermöglicht, beginne man mit irgendeiner örtlich oder zeitlich naheliegenden Beziehung oder auch mit dem Bilde, das mitten in die Geschichte einführt und bei dessen Anblicke sich das Kind frei ausspricht. Bei Gebetstücken, bei Liedern und Psalmen wird man auch solche Worte zur Unterlage des freien Lehrgesprächs machen, die die Eigenbewegung fördern. Etwa bei dem Sabbatgebete rezeh wird man an Stichwort menuchoh-Ruhe anknüpsen und von da aus die Fäden knüpfen zu den Einzelgedanken und Wendungen des Stücks, immer so, daß man Fragen bei den Schülern weckt, die dann andre zu beantworten suchen. Immer erstrebe man, aus den Quellen kindlicher Anschauungskraft sogar für ethische Begriffe Hilfe zu gewinnen. Immer denke man an des Kindes nächste Umgebung: Kinderstube, Elternhaus, Heimatort. Immer suche man auch schon beim Vorbereitungsgespräch die Unterhaltung so zu lenken, daß die seelische Teilnahme geweckt und das Gefühl wachgerusen wird: das geht uns an. Wenn nun äußere Bilder oder die Gegenwartswelt der Schüler zur Anknüpfung benutzt werden, so darf auch bei der Vorbereitungsstufe schon nicht das Stimmungsmäßige, das Unaussprechliche vernachlässigt werden. Schon hier muß es Stellen geben, wo die tiefe Innerlichkeit der Sache anklingt und die Feierstille und der Erlebniskraft der Stunde vorbereitet wird. Jede Religionsstunde soll ja ihren Höhepunkt in Weihe und Andacht haben, darum muß man vorhandene und ausdämmernde Stimmungen zu steigern und auszuwerten wissen. Man will zu unterrichten anfangen, und draußen geht ein Gewitter über die Stadt. Es wird in der Klasse dunkel, die Kinder, ach, wie bange wäre uns/ wären wir jetzt allein 1 WWW WW ii 1 k I WWW

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