Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 6 (15.6.1926)
- Date
- 1926-06-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer Jüdische Schulzeitung. Seite 7 sammluug stimmt einmütig folgender Entschließung zu: „Der Verein israelitischer Lehrer Mitteldeutschlandsbedauert den Kampf des Predigers Herrn Dr. Karl Rosenthal-Berlin gegen die Errichtung einer jüdischen Schule in Duisburg. Der Verein dankt seinem langjährigen Vorsitzenden, Kollegen Steinhardt-Magdeburg, für seinen aufopfernden Kampf gegen die' Feinde der jüdischen Schule und spricht ihm sein unentwegtes Vertrauen aus." Die neue Organisation des Verbandes, sowie die geplante Schaffung von Landesverbänden im Freistaat Sachsen und in Groß-Thüringen, machen auch eine neue Organisation des Vereins notwendig. Es wird beschlossen, daß zunächst die Mitglieder des Vereins in der Provinz Sachsen, im Freistaat Sachsen und in Groß-Thüringen sich zu besonderen Vereinen zusammenschließen. Der „Verein israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands" soll jedoch als Dachverband unter allen Umständen erhalten bleiben. Der Verein ist im Prinzip damit einverstanden, seine im Entstehen begriffene Hilfskasse zu Gunsten einer Zentral' Hilfskasse auszulösen. Der Vorsitzende berichtet ausführlich über die Maßnahmen des Landesverbandes. Die Versammlung nimmt mit Bedauern davon Kenntnis, daß eine Regelung der Lehrerbildung beabsichtigt wird, die im Gegensatz zu den Kölner Beschlüssen des Lchrerverbandcs steht. Er befürchtet auch.von der Art der geplanten Bezirksrabbinate eine Beeinträchtigung der Interessen des Lehrerstandes. Mit Bedauern wird ferner zur Kenntnis genommen, daß es 5 Monate gedauert hat. bis der Landesverband einer greisen Lehrerwitwe auf ihr Ersuchen ein Witwengehalt bewilligt hat. Im Allgemeinen ist der Eindruck vorhanden, daß bei der Leitung des preußischen Landesverbandes die Lehrerangelegenheiten lässig, wenn nicht gar feindselig, behandelt werden. Die Vorstandswahlen ergaben folgendes Resultat: Vorsitzender: Steinhardt -Magdeburg, 2. Vorsitzender: Jaffö-Leipzig, Kassierer: Heilbrunn-Arnstadt (Thüringen), Schriftführer: Schäler- Gotha, Alexander - Magdeburg, ferner: H e i m a n n - Plauen, Heu mann - Dessau, Seel i g - Nordhausen, Strauß-Holzminden. Die Schriftführer. Schäler- Gotha. Alexander- Magdeburg. Literarische Notiz. Von der rühmlichft bekannten Zeitschrift „Der Jude" (Berlin, Jüdischer Verlag) »st ein Sonderheft „Erziehung" erschienen (Preis: Mark 2.M). Es enthält eine Reihe wertvoller Aufsätze, deren Verfasser an sich schon für die Vortresflichkeit Gewähr leisten. Wir greifen heraus: Leo Baeck, Religion und Erziehung, Viktor Kellner. Die Problematik der jüdischen Erziehung, Moses Caloary, Jugendnot in Palästina, Fritz L ö w e n st e i n. Das hebräische Echulwerk in Palästina. Elfriede Bergel-Gronemann, Ueber religiöse Erziehung, E r n st S i in o n, Erziehung zur Tradition. A l b r e ch t Hell mann, Erziehung zum Zeitgeist. Ernst Müller. Zum pädagogischen Problem der Bibel, Arthur Posner, Der Vater als Lehrer usw. usw. Wir empfehlen das Sonderheft allen Kollegen auf das angelegentlichste. M. St. Aus dem Allgemeinen Deutschen Kantorenvevband Unter verantwortlicher Leitung von Hermann Zivi, Elberfeld. Warum wiederholen sich synagogale Melodien? Bon Oberkantor S. Guttmann-Potsdam. (Vortrag aus der Tagung des Allgemeinen Deutschen Kantoren - Verbandes zu Berlin, im Dezember 1925.) Die Frage: „Warum wiederholen sich synagogale Melodien?" ist meines Wissens bisher noch nicht im Zusammenhänge erörtert worden, und sie kann auch nur durch systematische Betrachtung geklärt werden. Es muß daher, selbst bei der hier nur andeutungs- , weisen Darstellung, nicht nur Bekanntes herangezogen, sondern es muß zugleich der Begriff „Melodie" im [. weitesten Sinne gefaßt werden; d. h. sowohl das in; sich abgeschlossene Tongebilde, wie auch die Form des . weniger begrenzten Rezitativs, und sogar des kleinen, aber charakteristisch hervortretenden Melodieteilcs, das man Motiv nennt. \: Bei rein oberflächlicher Betrachtung will es scheinen, - als hätten die recht, die in den häufigen Melodie-Wieder- Holungen viel Zufälliges, oder — neben chasonischer Willkür — Auswirkungen einer gewissen „Melodiea r m u t" in weniger sangesproduktivvn Zeiten erblicken möchten. Geben wir — abgesehen dai von, daß auch Zufälle irgendeine Verkettung haben — , die Möglichkeit genannter Einflüsse zu, ohne sie aller- ' dings auf ihren Umfang hier prüfen zu wollen, so kann!. cs dabei allein doch nicht sein Bewenden haben. Es müssen, für solche, zwar auch im Kirchen- und Volksgesange beobachtete, dort aber bei weitem nicht in so ausgiebigem Maße hervortretende Erscheinungen noch andere Gründe vorhanden sein: Den wichtigsten Hinweis gibt da m. E. Birnbaum, wenn er gelegentlich bemerkt, daß besonders dem Chasan des Mittelalters die Aufgabe zugefallen sei, „Traditionen in Töne um zu setzen", d. h. sie musikalisch zu versinnbildlichen. Unter diesem Gesichtspunkte wird uns nämlich vieles, was wir sonst dafür halten könnten, nicht mehr als Willkür im Sinne von Wahllosigkeit und Einfallslaune' erscheinen, sondern als wohl beabsichtigte musikalische Ausdrucksform irgendwelcher liturgischer, kulturhistorischer oder rein musikalischer Beziehungen und Zusammenhänge. Nicht selten aber mögen es auch unbeabsichtigte, ja von unserem Willen ganz unabhängige psychische Vorgänge gewesen sein, die die Andeutung eines Zusammenhanges durch Töne veranlaßten. Der einfachste und natürlichste Fall einer Melodiewiederkehr ergibt sich aus der Wiederkehr von Texten, sei es, daß das gesungene Wort sich innerhalb desselben Gebetstückes wiederholt, wie z. B. beim „Aud'- cho" und in den folgenden Versen des „Hallil", oder daß es an ganz verschiedenen Stellen im Gottesdienste wiedererscheint, wie z. B. „Melech eljaun", „Jmru lelauhim" u. a. Aber auch ganz schnell vorübergehendes, plötzliches Auftauchen von befremdenden Tönen kann auf diese Weise seine Rechtfertigung finden; so wenn etwa — wie im Osten üblich — mitten in der tiefernsten Rezitation des Mussaf-Gebetes von Rausch - haschonoh das „Uw'jaum haschabboß" in dem ganz anders gearteten Tongeschlechte des Sabbats erscheint, um dann gleich wieder den „Tönen des Tages" („Jnjono d'jaumo") Platz zu machen.