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Jüdische Schulzeitung · 1926-06-15 · 6 (15.6.1926) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
6 (15.6.1926)
Date
1926-06-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 . , / Jüdische _<s Teile der hebräischen Bibel sowie ein warmherziges Verständnis für den Wert und die Aufgaben unserer Religion — und einen starken Willen zum Judentum verbinden. Angesichts der zahlreichen Hemmnisse, die anderwärts oft den Erfolg des jüdischen Religionsunterrichtes herabsetzen, möchten wir als Vorzug unseres Religionsunterrichts bezeichnen: 1. daß er von allen Schülern regelmäßig besucht wird; ' 2. daß er noch zwei Jahre über das schulpflichtige Alter fortgesetzt wird; 3. daß er in eine Tageszeit verlegt werden kann, in der die Kinder die beste geistige Aufnahmefähigkeit besitzen; 4. daß dem Hebräischen, der Sprache der Bibel und der Hanptsprache unseres Gottesdienstes, eine ausgiebige Pflege zuteil wird; 5. daß die Religionslehrer auch in den sonstigen Gesinnnngssächern unterrichten und deshalb für eine fruchtbare Konzentration sorgen können; 6. daß das Leben in der Schulgemeinschast Gelegenheit gibt, die im Unterricht gepflegten religiösen Interessen und Gesinnungen in Willen und Tat umzusetzen. Möge auch im neuen Säkulnm die religiöse Erziehung an unserer Anstalt begeisterte Pfleger und willensbereite Jünger finden! Vereinsberichte. Bericht über die am 23. und 24. Mai 1926 in Halle a. Saale stattgefundcneJahresverfammlung des Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands. ' B e g r ü ß u n g s a b e n d: Sonntag, den 23. Mai, abends 8 Uhr, gemütliches Beisammensein in den Räumen der Germania-Loge. Begrüßungsreden und Vorträge wechselten miteinander ab. Besonders erwähnt seien die ernsten und heiteren Vorträge von Oberkantor Singer-Halle. >H a u p t v e r s a m m l u n g: Montag, den 24. Mai, vormittags 9 Uhr. Referat I a f fe - Leipzig: Das Zeremonialgesetz in der religiösen Erziehung. Referent führte folgendes aus: 1. Seit 10 Jahren bewegt sich durch unsere Diskussionen die Umbildung des jüdischen Religionsunterrichts in der-Richtung des „Ärbeitsunterrichts" — und doch ist beklagenswerter Weise das methodische Unterrichtswerk nicht geschaffen worden, das unseren Jnngmannen zur Ausbildung in dieser Methode dienen könnte. Darum steht in unserer Religions-Schule das wahre Ziel, die Charakterbildung, nicht scharf genug obenan. Die Religions-Schule vermittelt Wissen und immer wieder Wissen, sie diskutiert, kritisiert und philosophiert im Religionsstoff herum und nimmt keine Rücksicht auf die Notwendigkeit einer Assimilation des Wissens. Man verfällt in den Irrtum einer religiösen „Manchesterlehre" und zieht ein frostiges Judentum groß, das sich höchstens einigermaßen erfolgreich gegen den feindlichen.Ansturm verteidigen kann, das aber nicht zu feurigen Werbern des Glaubens wird, und mit glühendem jüdischen Optimismus trotz des äußeren Elends auf dieser Welt in jubelndem Bekenntnis hinausruft: - D'Stt no') upbri ID hd 'iynm ... mah*» HD'1 noi 2. Man muß also künftig — wenn auch nicht wesentlich weniger Wissen lehren — doch mehr tun lassen. Das Zeremonialgesetz muß wieder mehr in seine Rechte treten; das Zeremonialgesetz, das im liberalen Nummer 6 \ Judentum zu Unrecht in eine Minderbewertung geraten ist, die bei dem großen — fälschlich für Liberalismus ans- . gegebenen — Jndifferentismus zum fast völligen! Verschwinden der religiösen Zeremonie bcigetragen hat;.! ' ohne Rücksicht auf ihren gewaltigen gemütbildenden Wert, der die Vorstufe zur Charakterbildung ist, der nach der Meinung der Apologeten des Judentums aller Richtungen — von Hirsch bis Baeck — jene „Freudigkeit im Dienste Gottes" geschaffen hat, wie sie bei den' Alten vorhanden war, wie sie aber bei unserem Geschlecht so ganz vermißt wird. 3. Das Suchen nach den Wegen, die zur Wiederbelebung des Zeremonialgesetzes im jüdischen Hause führen, muß über eine Reihe von Problemen gehen, deren Lösung allerdings schwierig ist, aber nicht aussichtslos: 1 a) Einwirkung auf die Faktoren der offenen und ge- 1 Heimen Miterziehung. b) Insbesondere stärkste und nachhaltigste Beeinflussung \ der Eltern. f c) Abteilung von Zeit und Arbeit im Unterrichtsbetrieb zur Schaffung von Einrichtungen, die der intensiven ' praktischen Uebung der Zeremonie dienen sollen. d) Anpassung dieser Uebungen an die Altersstufen. e) Methodische Behandlung der Zeremonien im Sinne des Arbeitsunterrichts. Zu jedem dieser Punkte gab das Referat einzelne theoretische und praktische Hinweise, die der Anregung dienten, ohne sich allzusehr in Einzelheiten zu verlieren und schloß mit dem Gedanken: Neben ihren erhabenen Lehren im ' Gebets- und hebräischen Bibelunterricht und ihren er- 1 habenen Beispielen im Geschichtsunterricht muß die Schule i noch die psychologische Wirkung der Suggestion anstreben. | die die ausgeübte Zeremonie auslösen kann, zur Erweckung -5 jenes „religiösen Behagens," das hinführt zur. Freudigkeit | des ^Jndeseins unserer Alten, das aus jedem jüdischen Alltag einen Jaum tauw macht und gegenüber den Unbilden der Welt den Juden mit hochgemutem Herzen bekennen läßt: l :jnK “pT ■wyöD Ti ^nnoa? *o- An der Diskussion beteiligen sich B e st e r - Halle, Seelig -Nordhaüsen, Fab i sch-Göttingen, Saphra- Annaberg, G o r d o n - Weißensels, Graf-Leipzig und H e i m a n n -- Plauen. Letzterer nimmt Anstoß an dem Ausdruck „Zeremonialgesetz". Die Thora spricht entweder von „Auß oder Sikoraun". Der religiöse Brauch erlangt erst durch den Zweck seine Bedeutung. Er ist mehr dafür, den ''Ausdruck „Ritualgesetze" oder, wie Dienemann sagt, „Heiligkeitsübungen" zu wählen. Er stimmt den Ausführungen des Referenten im übrigen zu, glaubt aber, daß dieser den Komplex der täglichen Heiligkeitsübungen (wie Tefillin, Zizzis usw.) vergessen hätte. Als zweiter Referent sprach F a b i s ch - Göttingen über das Thema: Ist eine Kürzung der Dauer des jüdischen Gottesdienstes wünschenswert, und wie kann sie in religiöspositivem Sinne erfolgen? Die Wiedergabe des Inhalts des Referats wird an anderer Stelle erfolgen, von einer Diskussion wird auf Wunsch des Vorsitzenden Abstand genommen. Der Vorsitzende berichtet über den neuen Vertrag des Verbandes mit dem Verlage M. Leßmann-Hamburg hinsichtlich der Gestaltung der „Blätter für Erziehung und Unterricht" und der „Jüdischen Schulzeitung"; er ersucht, für Verbreitung der letzteren in Gemeinden, Logen und sonstigen Vereinen zu sorgen. Unter dem Vorsitze von Jafst-Leipzig erörtert der Verein die häßlichen Vorgänge bei der beabsichtigten Grünz düng einer jüdischen Volksschule in Duisburg. Die Vec- \ iwu ift*!W-WMWM5WG

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