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Jüdische Schulzeitung · 1926-06-15 · 6 (15.6.1926) · page 8

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
6 (15.6.1926)
Date
1926-06-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Jüdische Schulzeitung. 'Jt'iiimm'i: »; Manchmal genügt zur Herbeilockung einer anderwärts hingehörigen Melodie oder eines. Motivs ein einziges Wörtlein. W.ir denken an die Thoravorlesung des „Schabboß Ehasauu^, wo man das „Echo es so . . beeinflußt durch die bereits vorhandene Stimmung der „Ben Ham'zorim" und noch, mehr durch die Nähe des bevorstehenden „Tischo-b'aw", nach der Melodie der auch mit dem Worte „Echo" beginnenden Klagelieder rezitiert. Dabei erinnern wir uns auch desselben Brauches bei der sonst doch fröhlich dahinsprudelnden „Estervorlesung", wo ähnliches, aus dem inhaltlichen Zusammenhänge sich ergebend, durch das Wort „Echo" oder das verwandte „Echocho" veranlaßt wird. Bemerkenswert erscheint mir hier auch, was Birnbaum bezüglich des „Scheoßo nissim laawaußönu" in der zweiten M'gilloh- Borbrochoh sagt, indem er ans den Brauch hinweist, diese Worte an die traditionelle Weise des.„Mi scheoßo nissim" von „Birkas hachaudesch" anzulehnen; während, nebenbei bemerkt, die sonstige Uebereinstimmung der „M'gilloh- Brr.choh" mit der zum Schofar Blasen ihre Erklärung darin findet, daß die Alten M'gilloh und Schofar als ein „Jnjan", d. h. als gleichwertige Gegenstände und daher die gleiche Andacht erfordernde gottesdienstliche Handlang betrachteten. " Bon der Vorlesung biblischer Bücher sprechend, dürfen wir auch folgendes auffallende Faktum nicht übersehen. Während die erste Brochoh zur Thora etwa wie die gewöhnliche „Sch'mauneh eßre" erklingt, hören wir bei der Nachbrvrhoh ganz andere, in die „Birchans haschachar" hineingehörige Töne. Auch das hat seinen Grund: Bekanntlich steht die eine Thora-Brochoh tatsächlich auch im Morgengebet, so daß eine Einwirkung des sog. Assvciations Gesetzes („verwandte Vorstellungen wecken einander") nicht ganz abweisbar erscheint. Achnlich läßt sich vielfach auch anderwärts die Brücke schlagen. Einen besonderen Fall von Melodiewiederholung infolge von Textwiederkehr bilden die Stücke mit Refrain, wie z. B. „ L' ch 0 d a u d i", sowie die zahlreichen „Pis m a n - n i nl". Da ferner die meisten Refrain-Stücke im Wechselgesang zwischen Kantor und Gemeinde nicht erst seit neuerer Zeit auftreten, so war wohl oft, schon aus rein technischen Gründen, die Uebernahme der vom Kantor gesungenen Melodie seitens der Gemeinde geboten. Man denke an das „Sch'ma" und „Echod elauhenn" des Aushebens. Die äußerst zahlreichen Beziehungen zwischen Bibel und Gebetbuch machen auch, besonders bei den wörtlich j in den Gottesdienst übernommenen Stücken, motivische / Andeutungen darüber erklärlich; so wenn beispielsweise 7 das „Sch' m a ", die „ S ch i r o h " oder die Opfervorschriften auch als Gebetstücke in halblauter Rezitation immer wieder die Motive des Leienens dirrchklingen lassen. Aehnliches kann man gelegentlich vom Vorbeter am Sabbatausgange bei „W'jitten l'cho", „Hammalorh hagganel", „Aschrecho jisroel" vernehmen. Und auch der bei Baer (274) erwähnte Brauch, das „Uwachaudesch hasch'wii" zu Mnsfaf von Rausch-haschonoh genau mit dem Niggun des „Rausch haschonoh Leienens" zu rezitieren, gehört in diese Kategorie und bildet, noch mehr als das vorhin angeführte „Uw'janm haschabboß", ein markantes Beispiel für vor übergehende Aushebung des eigentlich zuständigen Toncharaktcrs zu Gunsten eines anderen. Koilsequentertveise wird allerdings angeordnet, daß bei talmudischen Stücken im Siddur die - beim Talmndstudium übliche Singlvem Verwendung finde; so bei „Esehn m'kaumon", „Pitum hak'taurcs", „Bameh madlikin". In ähnlicher Weise wird auch „Mah nischtanoh" gesagt. (Schilift folgt.) Ltterarijches. (Smanucl Kirschner, ^T'hillos l'öl eljon". Banv IV.' Gesänge für Fomim noroim. - . Zu einer Zeit, da die Synagogengesangskomposition auf einem toten Punkt angelangt erscheint, und manch jüdische Musikkritiker unter geringer Einschätzung der vorhandenen tradi. tionellen Gesänge der Verwendung jener Musik für den Gottes» dienst das Wort redet, die nur „modernem Musikempfinden" zu entsprechen braucht, im übrigen aber wohl von weltlichen Charakter getragen sein kann, — in einer solchen Zeit meldet sich gleichsam als ernster Mahner ein Meister des Synagogen» gesangs mit einem umsassenden Werk, dessen Zweck er klar uns deutlich in seinem Vorwort ausspricht, nämlich: „die Bewahrung des traditionellen musikalischen Erbgutes". Von diesem Streben, das sich in allen Werken Kirschners offenbart, legt in ganz besoliderem Maße der 4. Band seines T'liillos l'c I eljon Zeugnis ob. Nicht etwa, daß der Komponist sich damit begnügt, vorhandene synagogale Weisen musikalisch zu fixieren, um sie vor Vergessenheit zu schützen, sondern er hat es meisterhaft verstanden, diese unter Anwendung hoher musikalischer Satzkunst in melodischen Fluß in schillernden Farben sich bewegender Begleitung uns interessantem harmonischen Aufbau in eine Form zu kleiden, die jeden Fachmann mit Bewunderung erfüllen muß.. Bei vielen Synagogengesüngen selbst namhafter Komponisten finden mir die Tradition nur in den Solopartien des Kantors gewahrt, während die Chorsähe zumeist in freier Komposition entstantoi sind. Kirschner zeigt uns, daft die herrlichen alten Weisen and für den Chorsat; in Betracht kommen, wie sie ästhetisch uns künstlerisch einwandfrei verwendet, in den Chorgejang eing«! flüchten und verwoben werden können. Des Originellen findet sich dabei zur Genüge. Man betrachte sich die geschmackvollr Vertonung der verschiedenen S’lidioss, wie Stilechtheit, tonörtliche Eigentümlichkeit und inneres Gefühlsgehalt erhalte-i bleibt; ja man kann sagen, daft durch die musikalische Illustn.'. tioii der Charakter dieser Gesänge nicht etwa abgeschwächt oder gar verwischt, sondern im Gegenteil mit besonderer Prägim; hervorgehoben und zu tieferem Empfinden gebracht wird. Cwürde an dieser Stelle zu weit führen, wollte man die einzelnen Piecen nach ihrer Beschaffenheit und Wirkung besprechen. Wer den Stimmungsgehalt des Uw’sdiofor xodoi, L'ss’.sdmwdi. tor Widdui usw. hat auf sich wirken lassen, den Schwung tot K’dusdioh. die Erhabenheit des Adonoj adonoj empfunden ha!, der weift diese Schöpfungen gebührend zu würdigen. Noch eil kurzes Wort über die Rezitation. Daft dieses Cliasonus. spez. a? den joruim noroim zu dem schwierigsten Teil des synagogalei Gesangs gehört, weift jeder Kantor aus eigener Praxis. Einen seits wird die süddeutsche Art in ihrer klaren, einfachen, auf du Dauer aber oft eintönig sich gestaltenden Weise rezitiere andererseits besteht der sog. polnische Gesang mit seiner weiche', in der Improvisation sich ausladenden Phantasie, seinen tenn peramentvollen. impulsiven Eefühlsausbriichen. Er ist gesane,' lich schmieriger zu bewältigen und entspricht nicht immer dem ästhetischen, neuzeitlichen Empfinden. Kirschner zeigt uns ton goldenen Mittelweg, die Verbindung der beiden Arten, die in leicht sangbarer Weise einen phantasiebeschwingten, aus dem Textinhalt hervorgehenden Vortrag ergibt. Es ist selbstverständlich, daß das bei M. W. Kaufmann in Leipzig erschienene Werk im Besitze eines jeden Kantors sein muß. denn der Komponist tritt in vorliegendem Werk nicht nur als Mahner in die Erscheinung, sondern auch als Wegweiser und Wegbereiter, indem er uns in überzeugender Klarheit Wesen, Weg und Ziel der traditionellen Synagogenmusik für eine weitere Zukunft vor Augen führt. Fn seinem Schafi'cr findet sich veranschaulicht die Eigenart echter und edler Sizir agogenmusik wie sie sich wohl für immer als richtunggebend oa: stellt, wobei das dem gediegenen Zeitgeschmack entsprechen« ästhetische Gewand als wichtige Komponente, die Bewahrung des „traditionellen musikalischen Erbgutes" aber als Dominium nufzufassen ist. A. Müller. München Kollegen, werbt für Me Verbreitung der „Jüdischen 5chrilzeitung"! Probenummern in beschränkter Zahl stehen bei üer Lchristleitung zur verfiiaung. WMEEWWWWßWWWWVWWWWWWWWWl>NWWWWWWWWMWWWRJH-WWl«MWW«WMff^^

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