Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 5 (15.5.1926)
- Date
- 1926-05-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer B Jüdische Schulzeitung. 7 geeignet, zum Teil ungeeignet für diese Art des Unterrichts, doch läßt sich das an dieser Stelle nicht ausführlich behandeln. Beschließend sei gesagt: Wenn vielleicht andere Anhänger des Arbcitsgedankens ihr Ziel ans anderem Wege zu erreichen versuchen — Entwicklungsfähigkeit, Auswirkung der Persönlichkeit ist ja gerade Grundpfeiler der Arbeitsschule —, das von I. B. Hirnheimer angestrebte Verfahren ist Arbeitsschulung, Eigentätigkeit des Schülers in hohem Maße vermittelnd. Und um ihn selber sprechen zu lassen: „War der Typ des mittelalterlichen Gelehrtem der „Wissende", dessen Gedächtnis das der andern üoertraf und Staunen erregte, so ist das Ideal des heutigen Geistigen der „Könner", der selbständig zu arbeiten, zu forschen vermag." Die Schrift, deren Lektüre jedem ernst arbeitenden Lehrer zu empfehlen ist, kann durch die Verwaltung des Jsr. Lehrervereins, durch Herrn Rosenseld, München, Buttermelcherstr. 4UIl. gegen Einsendung von 0,50 Mk. bezogen werden. C. M. S. Müller, Jüdische Geschichte in Charakterbildern. 5. Auslage. Stuttgart, Metzlerschc Buchhandlung, 1925. Es ist eine Freude, ein Buch anznzeigen, das nach so kurzen Zeitabständen neue Auflagen erlebt und jedesmal als ein neues Werk erscheint, d. h. eine quantitative,und qualitative Erweiterung erfährt. 'Wie sehr lohnend diese Mühe ist, weiß vielleicht der Verfasser selbst nicht. Denn es dürste auch Müller, der wenig Gelegenheit hat, in großen jüdischen Zentren sich umzuschen, weniger bekannt sein, in welchem Maße sein einstiges Schulbuch die Grenzen der Schuljugend überschritten hat und in die Volkskreise eingedrungen ist. Müllers Buch ist heute ein jüdisches Hausbuch geworden und man kann dem jüdischen und auch dein christlichen Laien, der sich über das Judentum feit Abschluß der Bibel orientieren möchte, keine bessere und handlichere Lektüre empfehlen. Durch seine gefällige Darstellung fesselt jedes Kapitel das Gemüt nicht weniger den Geist. Müller , versteht es vortrefflich, auch dem indifferenten Leser Interesse .beizubringen, und zwar hauptsächlich dadurch, daß die Charakterbilder, trotz ihres kontinuierlichen Zusammenhanges, jedes für sich ein geschlossenes Ganzes darstellt. Der Lehrer kann dieses vortreffliche Buch in den unteren Klassen ebenso zu seiner Präparation benutzen, wie er es reiferen Schülern in die Hand reichen darf. Daß dieses-» Werk eine willkommene Fortsetzung seiner allgemein ' beliebten Bibl. Geschichte „Ein Buch für unsere Kinder", die bereits in der 9. Auflage vorliegt, bietet, soll hier noch besonders hervorgehoben werden. Möge es den hier besprochenen Büchern, die soviel zur Verbreitung der Kennt-- nis der jüdischen Geschichte beigetragen haben, vergönnt sein, noch weitere neue Auflagen zu erleben, in denen sich des Verfassers geistige Kraft immer mehr entfalte und seine Verdienste um das Judentum zu immer höherer Anerkennung und Würdigung gelange. Ich möchte es hier nicht unterlassen, die für religiöse Fragen sich interessierende jüdische Oesfentlichteit auch aus das neueste Hausbuch Müllers „Ein Buch für unsere Mütter" hinzuweisen, zumal es auch eine schöne Gabe für den Sederabend bringt. Daß die Bilder in den genannten Büchern vorzüglich gelungen sind, soll hier ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Jamp.el. Aus dem Allgemeinen Deutschen Kantorenverband Unter verantwortlicher Leitung von Hermann Zivi, Elberfeld. An unsere Mitglieder! Dank den: Entgegenkommen des „Verbandes der jüdischen Lchrervercine im Deutschen Reiche" sind wir heute in der erfreulichen Lage, seit langer Zeit zum ersten Male wieder unter eigener Flagge in kantoralen Dingen das Wort zu ergreifen. Was wir innerhalb dieses engen Rauines behandeln wollen, liegt ausschließlich auf wissenschaftlichem Gebiete, und wir werden es an nichts fehlen lassen, einschlägige Fragen fachgemäß zu behandeln. Wir bitten deshalb alle diejenigen, die in kantoralen und auch sonstwie musikalischen Angelegenheiten etwas zu sagen haben, uns ihre gern von uns gesehene Mitarbeit zu gewähren. Personalnotizen und Verbandsnachrichte n werden von Fall zu Fall in den „Blättern für Erziehung und Unterricht" des Israelitischen Familienblattes ihre Erledigung finden; es wird indessen gebeten, auch sic d u r ch ü n s e r e S ch r i f t l e i t u n g an Ort und stelle gelangen zu lassen. Indem wir unsere verehelichen Mitglieder bei diesenr Schritt in das „Vorwärts" hinein begrüßen, hoffen wir zuversichtlich, daß uns auch das „Aufwärts" gelinge bis hin zur Erfüllung alles dessen, was stets das Sehnen und Trachten unserer Besten war, bis hin zu dem, was unser ehenialiger Führer, der unvergeßliche MoritzHenle, in die Formel geprägt hat: „Aufwärts und vorwärts durch den Allgemeinen Deutschen Kantoren-Verb and!" Der Ausschuß des Attgememen Deutschen Kantoren- Verbandes: I. B. Levy, Frankfurt a. M., 1. Vorsitzender. Hermann Zivi, Elberfeld, 2. Vors, und Schriftleiter. Religion und Kunst. Eine Betrachtung von Oberkantor Hermann Zivi, Elberfeld. Alljährlich, wenn der Frühling näht, wenn mit dein Wiederaufstehen der Natur das Bewußtsein aufs Neue sich durchringt, daß wir zur Freiheit bestimmt sind, und wären in Ketten wir geboren, dann feiert Israel Jahr für Jahr das Fest des Frühlings und der Erlösung, das Fest, an dem wir miteiutreten in das große Konzert des Geschehens, und dem wir dankerfüllten Ausdruck geben im Wort und im Lied und in den Symbolen der auf uns wirkenden Erscheinungen. Kein Wunder, daß wir nach des Wintersrauher Strenge, im Ucberschwang der Gefühle zu dem Mittel greife,:, das die Seele in uns hineingelegt hat, und zu dem wir immer und immer wieder zurückkehren, wenn der philosophisch geprägte Ausdruck des gedanklichen Wortes nicht mehr ausreicht, um hineinzuragen in die höheren Gefilde seelischen Empfindens. An dieser Andeutung, sehen wir schon, daß es sich irgendwo um einen Dualismus handelt, um eine Zweiheit nebeneinander bestehender Faktoren, und wer möchte nicht klug genug sein, um zu wissen, daß diese Andeutung hinzkelt auf den Wesensbestand unseres Gottesdienstes. Ja, nufer Gottesdienst, der jüdische Gottesdienst, ist tief durchdrungen von der Notwendigkeit.seiner Bestimmung, nach zwei Seiten hin dem Begriff der „Religion" gerecht zu werden, von den ältesten Urkunden an. bis in die lichten Zeiten der Gegenwart. Er ist davon durchdrungen, daß die Zweiheit seiner Mittel bestimmungsgemäß nebeneinander hergehend zu dem führen müssen, was wir „religiöse Andacht"- ^was wir „religiöse Erbauung" nennen. Denn von -außen' her kommt solches nicht. Religiöse Ekstase ist dem Judentum fremd, selbst wenn man