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Jüdische Schulzeitung · 1926-05-15 · 5 (15.5.1926) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
5 (15.5.1926)
Date
1926-05-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Jüdische Schulzeitung. . Nummer > aus sich, sondern von der Umgebung, von Mutter. Vater, Haus und Schule. durch Anregung, Beispiel und Geschichte. Es lernt von der Mutter zuerst ein Gebet sprechen, erlebt religiöse Anschauung. Und immer äst Religion, auch in der Bedeutung als Religiosität, an irgend ein Positives gebunden: an Menschen, Institulionen und Formen. Der Mißerfolg unseres Religionsunterrichts liege einesteils an der allzuoft verkehrten einseitigen Methode, die ihre Maßstäbe von Modetyeorien, wie Formalstnsen, geographischer Anschauung oder dergleichen hernehme, die den Religionsunterricht zum ertötenden Gedächtnisstofs oder zum rein intellektuellen Unterrichtsgegenstand mache, der belehre, statt zu beleben. Hauptsächlich aber liege der Mißerfolg an oer ungeeigneten Lehrerpersönlichkeit, die einen Beruf ausübe. ohne berufen zu fein. Aber ebenso sei die neuere, besonders in evangelischen Kreisen aufgekommene Zielsetzung zu verwerfen, die aus jeder Religionsstunde eine Stunde gefühlsseliger Erbauung voll sentimentaler Stimmung und pietistischer Schwärmerei zu machen strebe. Unser Lehrplan treffe darum schon das Richtige, wenn er als Lehrziel sich sehe: „die jüdische Jugend auf Grund des Verständnisses der jüdischen Lehre zu religiös-sittlichen Persönlichkeiten zu erziehen und zur Teilnahme am Leben der jüdischen Gemeinde zu befähigen." — Kollege I. B. L e v y erkennt, zur Diskussion übergehend, an, daß Rabbiner Dr. Seligmann ..Religöses Erleben und Aneignung bestimmten Stoffes" als goldene Mittelstratze ansehe. Er selbst aber gehe (und darin sekundiert ihm später Kollege M a r x) noch weiter und wünsche Rückkehr zum sogenannten Lernsystem. Ohne Wissen keine Religion und Religiosität. Wenn es nach ihm ginge, dann würde in den unteren Klassen biblische und in den oberen jüdische Geschichte durchgenommen,' in den mittleren jedoch müßte das Thora st udi um intensiv betrieben werden, wie er überhaupt dem Schöpfen aus der hebräischen Quelle immer das Wort rede. Wie Wunderbares an sittlichen Werten könne dem Kinde beispielsweise aus Lev. 15) vermittelt werden, selbst wenn bei mangelnder hebräischer Kenntnis des Kindes die Durchnahme aus der deutschen Bibel erfolge! Rach weiterer kurzer Debatte wird zum Schluß noch auf die in Aussicht stehende Drucklegung des ..Quellenlefcbuches zur jüdischen Geschichte und Literatur" von Dr. Julius Höxter hingewiesen. — Dr. Hartmann. Literarisches. Heinrich Heines Gespräche. (Briefe, Tagebücher, Berichte seiner Zeitgenossen.) Hrg. v. Dr. H. Bieber, Welt-Verlag, Berlin. 1926. Das beste Buch, das in beu letzten Jahren über Heine erschienen ist, liegt vor uns. Wir vernehmen die Stimmen der literarisch und politisch bedeutendsten Persönlichkeiten aus einer Zeit, wo West-Europa sich für die Demokratie, wir können auch sagen für Pan-Europa vorbereitet.. Die Zeit war voller Gegensätze, freiheitsdurstend und reaktionär, kirchlich romantisch und äußerst areligiös, die Zeit war zerrissen, darunr zerriß und zerspaltete sie Heine, einer ihrer echtesten Söhne. Man lese alles in diesem Buche, ob Balzac und Sue, ob Laube und Fanny Lewald und Alfred Meißner mit oder über ihn plaudern oder Alexandre Wcill ihn zu religiösen Disputationen herausfordert. Wir werden den Juden und Menschen ganz anders beurteilen lernen und verstehen, daß er Deutschland liebte, gerade weil er bitterste Wahrheiten über seine Zustände anssprerhen mußte, daß er Jude war und jede Qual empfand, die von mittelalterlichen Pharaonen bis in seine Tage Juden erlitten haben: „O, wenn Märtyrertum adelt und Geduld und Treue, Ausdauer im Unglück, so ist dieses Volk adlig vor vielen andern." Lesen wir doch die Geschichte des Mittelalters, dieser klassischen Zeit des verbündeten Pfaffen- und Rittertums, es gibt kein Jahr darin, das für die. Juden nicht bezeichnet wäre durch Foltern, Scheiterhaufen, Enthauptungen, Brandschatzungen und Massakrcs! Und zwar leiden die Juden unter den Anhängern Christi, den durch ihre Religion gebildeten, immer mehr als unter den rohesten wildesten Völkern, Polen, Ungarn, Beduinen, Chazygen und Mongolen. O, es-ist-doch ein schönes Ding um die Religion der Liebe! . . . Wenn Israel sich von Zeit zu Zeit durch kleine Gaunereien an seinen Bütteln rächt — es nimmt zur Entschädigung damit nur den millionsten Teil der Buße, die ihm gebührte! Man lese dieses Buch, jeder Lehrer soll es besitzen, denn es ist eine erquickliche Unterhaltung, eine schöne Belehrung! B. M. I. B. H i r n h e i m e r, Hebräischer Sprachunterricht im Sinne des Arbeitsprinzips. Der Beschluß des Jsr. Lehrcrvereins für Bayern, der eine ihm von I. B. Hirnheimer vorgetragene Arbeit über den „Hebräischen Sprachunterricht im Sinne des Arbeits- Prinzips" durch Druck einer breiteren Oessentlichkeit zugänglich machen wollte, ist nur zu begrüßen, denn das klar durchdachte und der Psyche des Kindes nachfühlcnde Referat bringt des Anregenden genug. Aus der Beobachtung heraus, daß man beim alten Unterricht nicht den vollen Kern jüdischer Werke von der Umhüllung befreien konnte, aus der Erfahrung heraus, daß es an wahrem Verständnis für Thoravorlesung und Gebet fehlt, von der Gewißheit ausgehend, daß der in allen Schulfächern sich bewährende Arbeitsgedanke auch hier sein Ziel nicht verfehlen wird, stellt der Verfasser seine Forderungen für den modernen hebräischen Unterricht, den er allerdings nicht als gänzlich kongruent mit dem Unterricht in neueren Fremdsprachen betrachtet. Als Grund hierfür gibt er das andere Ziel an: Moderne Sprachen sollen vor allem Svrechkenntnis auf Grund grammatischer Belehrungen vermitteln,' das Hebräische dagegen soll in erster Linie zum vertieften Berstäuduis hebräischer Texte führen. Die Methode kann auch nicht die gleiche sein, da der jüdische Unterricht in einem viel früheren Alter einsetzt als anderer Sprachunterricht. Nach kurzeil, interessanten und psychologisch vertieften Ausführungen über Sprachbildung, Gedächtnis und Spracherlernung kommt H. zu dem Resultat, daß der Umweg über die Muttersprache erschwerend sei, daß häufige im -Zn» sammeuhang gegebene Wiederholung an Stelle des sinnlosen Erlernens von Vokabeln treten müsse. Grammatische Regeln, die er nach Möglichkeit beschränken will, dürfen erst auf Grund sehr vieler Beispiele vom Kilid gesucht werden, auch soll kein Uebungsstück zu Gunsten der Gramlnatik in seinem Wert als religiöses und literarisches Erzeugnis beeinträchtigt werden. Aus der untersten Stufe soll in möglichst kindertümlicher Art, in Bilderbuchmanier/ und unter Anwendung von selbstgcschafsenen Anschauungsmitteln Buchstabe und Wort eingeprägt werden. Später soll sich das Kind in ihm interessante Erzählungen einleseu, sie hebräisch wiedergeben und Fragen darüber hebräisch beantworten. H. legt auch Wert auf Abschrift und freiwillige Niederschrift der Texte in Quadratschrist; das Diktat sei für das Ziel von geringem Wert. Wesentlich dagegen ist das Erfassen der Sprache durch das Ohr, durch Lehrererzählung vermittelt. Die Bücher der Mittelstufe sollen schon nach Möglichkeit Originalstellen aus Gebetbuch, Pentateuch und Nebiim bringen. Auf der Oberstufe natürlich dominieren Chumesch und Tefillah. Hier sollen auch die grammatischen Kenntnisse erweitert und vertieft werden. Eine Einführung in die Mischna, in den Talmud — allerdings eine zum bessern Verständnis,mit Interpunktion versehene Schulausgabe — erscheint dem Verfasser wohl nicht unmöglich; das Lesen hebräischer Novellen und Gedichte wird sehr empfohlen, ebenso wie das Arbeiten im jüdischen Geschichtsunterricht ans Grund hebräischer Quellen und das im formalen Religionsunterricht etwa an Hand des Kizzur Schulchan Aruch. — Im Schluß wird eine Reihe von Büchern besprochen, zum Teil

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