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Jüdische Schulzeitung · 1926-05-15 · 5 (15.5.1926) · page 4

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
5 (15.5.1926)
Date
1926-05-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Jüdische Schulzeitung. _;__ ____ Nummer 5 Dieser Gedanke ist in unser Gebetbuch ausgenommen worden und bat in Ahawo rabbo, Ahawas anlom, attow'chartonu in ähnlichen Gebeten seinen Ausdruck gefunden. (Vergl. hierzu die schönen Ausführungen. Steinthajs in seinem Aussatz „Der Inden tägliches Gebet", der in die Sammlung „Ueber Juden und Judentum" ausgenommen Ivvrden ist, namentlich S. 258.) Den Beschluß des Unterrichts n«ag eine Besprechung der -Quellen der jüdischen Religion bilden,' die dann Gelegenheit bietet, von der bleibenden Bedeutung -der Bibel, vom Ossenbarnngsbegrisf, vom Wunderglauben und ähnlichen Fragen zu sprechen. ' In welcher Form soll der systematische Religionsunterricht erteilt werden? Sie wird verschieden sein, je nachdem cs sich um Ableitungen religiöser Ideen aus bekanu- 1m ober neu zu gebendem biblischem oder anderem guellen- - mäßigen Stoff, um die Darlegung des Zusammenhangs einzelner religiöser Gedanken oder um die Lösung religiöser Probleme handelt. In allen diesen Fällen ist die Selbsttätigkeit der Schüler nach Möglichkeit in Anspruch zu nehmen und das entwickelnde und ausgabenstellendc Verfahren am Platze. Damit sott nicht gesagt sein, daß nicht in einzelnen Fällen selbst da, wo die heuristische Lehrform angewandt werden könnte, die akroamatische trotzdem den Vorzug verdiene, weil es sich um die Einwirkung auf das Gefühl handelt, die durch die verstandesmäßige Entwicklung beeinträchtigt werden könnte. Da für die Ableitung der religiösen Ideen aus dem in den Quellen gegebenen Stoff die Grundsätze gelten, die allgemein bei der Ableitung von Abstraktem aus Konkretem beobachtet werden müssen, so erübrigt sich hier ein näheres Eingehen darauf. Doch sei hier namentlich für die Lösung religiöser Probleme auf die Lehrform der freien Diskussion hingewiesen. Ihr Wesen besteht darin, daß die Schüler, nachdem das Problem ihnen gegeben bezw. von ihnen selbst gefunden worden ist, nun nicht mehr durch Fragen des Lehrers zum Ziele geführt werden, sondern selbsttätig seine Lösung zu finden haben. Sie sollen selbst angeben, auf welchem Wege eine solche gefunden werden kann; was einer von ihnen dazu beigetragen hat, wird von anderen ergänzt und vertieft, Widersprüche werden ausgewiesen und zu beseitigen versucht, Einwände werden erhoben und entweder in ihrer Richtigkeit anerkannt oder widerlegt, und der Lehrer hat nur dafür zu sorgen, daß die Diskussion sich nicht verliert, Seitensprünge vermieden werden, und wird namentlich da, wo mit dieser Lehrsorm erst Versuche gemacht und die Schüler an diese Form gesteigerter Selbsttätigkeit gewöhnt werden, oft genug dafür sorgen müssen, daß die Dis-' kussion nicht im Sande verlaufe und weiter gesponnen, werde. Man wende nicht ein, daß eine solche Lehrform die Verstandeskritik allzusehr in Anspruch nehme in einem Fache, das in erster Linie die Bildung des Gemüts ins Auge fassen müsse. Es gibt eben Partien in diesem Unterricht, die vornehmlich eine verstandesmäßige Behandlung verlangen. Diese Lehrform kann z. B. angewandt werden bei der Behandlung der Fragen nach dem Werte des Glaubens an einen Gott, nach der Bedeutung der Verbindung von Sittlichkeit und Religion, nach dem dauernden Werte der Bibel, nach der Stellung des Menschen in der Welt und ähnlichem. Das Interesse an dem Problem erweckt man am besten dadurch, daß die Schüler mit Aussprüchen und Ansichten bekannt werden, die zu dem im Gegensatz stehen, was sie selbst bisher als-richtig anerkannt haben. Durch eine solche Behauptung wird mit psychologischer Notwendigkeit im Schüler das Bedürfnis hervorgerufen, den Widerspruch auszugleichen. So habe ich wohl, wenn es mir darauf ankam, die Schüler den Wert des Glaubens an den einen Gott erkennen lassen, sie mit der Behauptung Lagardes bekannt gemacht, daß der Glaube an einen Gott Sache der Arithmetik sei und mit wahrer Religion nicht mehr zu tun habe als das Wissen um den Flächeninhalt des Deutschen Reiches mit der Vaterlandsliebe. Es ist leicht zu sehen, daß in diesem Falle eine verstandesmäßige Behandlung keinen Schaden anrichteu kann, denn es kommt nun darauf an, eine Behauptung zu widerlegen, die wohl das Gefühl unsicher zu machen geeignet ist, die aber selbst , mit dem Gefühl nichts zu tun hat. Die erste Religionsftunde. Von Hauptlehrer Durlacher. Heidelbergs Vorbemerkung: Auf der Kölner Tagung behandelte , die Referentin beim Thema „Arbeitsschule" die praktische Ausgestaltung des Arbeitsprinzips im Religionsunterricht, und zwar derart, daß sie aufzeigte, wie die Vorgänge in der * Natur (Sonne, Gewifter, Regen, Wachstum der Pflanzen) zu religiöser Betrachtung oder als Mittel zur Hinleitung zum Religiösen Verwendung finden. Wenn ich ein derartiges Vorgehen in der ersten Klasse nur teilweise gutheißcn kann, so geschieht es deshalb), weil sch einem zweiten, mir noch wichtiger erscheinenden Stoffgebiet bei der Besprechung in der ersten Klasse und weiter auf der Unterstufe das Wort reden möchte, einem Stoffgebiet, das dem Kinde in vielleicht noch höherem Maße wie Naturvorgänge geläufig und darum zur Anknüpfung für den Unterricht geeignet ist. Dieses zweite Gebiet ist des Kindes Unigebung, ist das Familienleben, sind die Feste. Gewiß hat die Vortragende in Köln auch von diesem Stoffe gesprochen; aber merkwürdigerweise hat sie besonders hervorgehoben, daß im ersten, ja sogar im zweiten Schuljahr Besprechungen von Dingen gepflogen werden sollen, die nicht gerade jüdisch-religiös sind. Wenn ich nun auch keineswegs das strikte Gegenteil! dieser Ansicht behaupten will, da ich — wie schon erwähnt — die Verwendung der erstgenannten Stoffeinheit für den Religionsunterricht der Unterstufe für durchaus geeignet halte, so möchte ich doch schon im ersten Schuljahr das Jüdische stark betont wissen. Gewiß werden Natur- Vorgänge Ausgangspunkte für die Betrachtungen und ftir die Behandlung biblischer Geschichten (Schöpfungsgeschichte, Sintflut) bilden. Jedoch sollte dem von mir genannten zweiten kindlichen Gedankenkreis der Vorrang eingeräumt werden. Gerade weil wir so manche Kinder in die Schule bekommen, die nicht viele jüdische Dinge aus Anschauung und Erfahrung kennen (Sabbath Brote, Kiddusch, Hawdalah, Peßach und Sakkos, Chanukah und Purim), so sollten wir den Kleinsten schon von diesen Dingen erzählen, sie zur Besprechung und Ableitung religiöser Begriffe (natürlicherweise in einfachster, kindlicher Form) benützen; kurz: dieser Gegenstand sollte im Mittelpunkt unseres Unterrichts stehen. In den nächsten Schuljahren sollte der gleiche Stoff in weiterer Ausgestaltung und ausführlicherem Eindringen seine Vertiefung erfahren. Nur so erscheint es mir möglich, daß das wiederholt und in stets neuen Variationen Gehörte allmählich zur Gewohnheit und zur selbstverständlichen Uebung wird. „Was ich als Kind schon getan und geübt, nicht will ich's im Alter entbehren!" Von diesen Ueberlegungen ging ich aus, als mir in: Herbst vergangenen Jahres anläßlich des vom Oberrat der Israeliten in Baden ins Leben gerufenen Fortbildungskursus für Lehrer zur praktischen Vorführung die Ausgabe „Die erste Religionsstunde" gestellt wurde. Ich entledigte mich dieser Aufgabe mit folgender Unterrich tsprobe, die ich aber nicht für den Fortbildungskurs konstruiert, son> >< dern einige Monate früher in Wirklichkeit gehalten hatte. .

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