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Jüdische Schulzeitung · 1926-05-15 · 5 (15.5.1926) · page 3

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
5 (15.5.1926)
Date
1926-05-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nummer 5 ben $Md haben soll, die Menschen zu läutern, aus den bekannten Zusammenfassungen des Rabbi Simlai und besonders auch, aus/ dem Umstande, daß sie Jes. 58, die Predigt vom rechten Fasten, und das Buch Jona mit seinem schönen-Satz: Als nun Gott ihr Tun gewahrte, daß sie sich von ihrem schlimmen Wandel bekehrten, — nicht daß sie safteten und trauerten — da ließ sich Gott das Unheil gereuen, das er ihnen angcdroht hatte, und führte es nicht' aus (3, 10), zur Prophetenvorlesung am Versöhnungstage bestimmt haben. Gottes vergebende Liebe wird noch besonders hervorgchoben im Anschluß an die 13 Middaus, die ja geradezu eine Schilderung von Gottes Wesen sein sollen, und an die Behandlung des Versöhnungstagcs. Darauf ist wie bei reiferen Schülern die ethische Beden-» iung der übrigen sogenannten Eigenschaften Gottes zu zeigen, die der Allgegenwart und Allwissenheit in Anknüpfung an Ps. 139, die der Ewigkeit an Ps. 90. Es ist ferner auch hier im Anschluß an den Schöpfungsbericht auf den religiösen und ethischen Gehalt des Schöpsungsglaubens und des Vorschungsglaubeus hinzuweisen. Eine eingehende Behandlung verdient wieder die Lehre vom einzigen Gott. Die Schüler wissen aus der Geschichte und dem Gottesdienste, welche Bedeutung dem Bekenntnis der Einzigkeit GvtteS zu allen Zeiten beigemessen worden ist, und sollen nun erfahren, worin sie liegt. Daß mit dem einen Gott die eine Menschheit gegeben ist, daß man nur den einen Gott mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzer Kraft lieben kann, daß mit diesem Glauben eine innere Einheit des Menschen geschaffen worden ist, werden auch schon Schüler dieser Stufe einsehen können. Eine wiederholende Behandlung des Buches Hiob und die Besprechung einzelner Psalmen, namentlich des 73. Psalms, lehren dann die Schüler, wie die Besten und religiös Reifsten in Israel den Widerspruch zwischen dem sittlichen Tun des Menschen und seinem Schicksal zu be-. scitigen versucht haben. Zum Schlüsse der Lehre von Gott können die Unterschiede zwischen der christlichen und der - jüdischen Glaubenslehre und die Widerlegung der Vorwürfe eine Stelle finden, die namentlich von protestantischen Theologen gegen die jüdische Gottesanschauung erhoben werden. Bei der Lehre vom Menschen gehe man von Gen. 1,26 und Psalm 8 aus, behandle die Aufgabe des Menschen nach derselben Gliederung wie auf der Oberstufe höherer Schulen und hebe auch hier den universalen, sozialen und kultursrenndlichen Charakter der jüdischen Sittenlehre hervor, zeige bcu ersten namentlich an der Stellung des Judentums zum Fremden und zlim Feinde, den zweiten an den Anordnungen des Pentateuchs zu Gunsten der wirtschaftlich Schwachen, den letzten an der Auffassung des Judentums von der Arbeit und dein Werte der persönlichen Ehre. Gute Dienste leisten hier die von Kristeller herausgegebenen Belegstellen zur jüdischen Sitteulchre. Auf einzelne Forderungen der Rechtlichkeit, der Wahrhaftigkeit und andere Tugenden einzugehen, erübrigt sich im allgemeinen, da sic selbstverständlich sind und klare Definitionen für das ..praktische Leben geringe oder keine Bedeutnnghaben. Nur soweit sie die jüdische Sittenlehre in ein besonders Helles Licht zu stellen und zu charakterisieren geeignet sind, sind sie zu erwähnen. Ich erinnere an . die feine Auffassung von der Wahrhaftigkeit, wie sie sich im Verbot von G'neiwäs daas ausspricht, an. das Verbot, von einem Hirten Wolle, Milch und junge Ziegen, von einem Feldhüter Bäumchen und. Früchte zu kaufen, das ich nach Feilchenfclds kurzgefaßtem Lehrbuch der jüdischen Religion (S. 56) — 4. Allflage, herausgegeben von Freund, Frankfurt a. M., Kauffmann — zitiere, oder an das Verbot von Hassogas gwul, das unlauteren Wettbewerb schon vor eite 3 zwei Jahrtausenden verbot. Begriffe wie Mizwo, Z'doko, G'milus chesed, Kiddusch und Ehillul Haschern verdienen als für die jüdische Sittenlehre charakteristisch gleichfalls eine eingehende Behandlung. Auch das Gebot der Beschäftigung mit religiösen Dingen, die Wichtigkeit, die man dem Lernen beigemessen hat, und die Einrichtungen, zu denen diese Wertschätzung geführt hat, verlangen eine besondere Behandlung. Die religiösen Formen und Feste sind auch hier als Heilignngsmittel zu erwähnen. Sehr brauchbares Material für die Behandlung dieses Kapitels bietet das eben erwähnte Religionsbnch von Feilchenfeld, in dem dieser Abschnitt mit Recht die Ueberschrift „Die Heiligungsmittel" trägt. Namentlich was sich hier über das hebräische Gebet und den öffentlichen Gottesdienst findet, verdient die Beachtung des Religionslehrers. Süllde, Buße und Vergebung können hier kurz behandelt werden, da sie schon bei der Lehre vom heiligen Gott und .der Besprechung des Versöhnungstages ihre Stelle gefunden haben. Die Zukunftshoffnung des einzelnen und der Gesamtheit bilden auch hier den Abschluß des eigentlichen systematischen Religionsunterrichts. Mit Maybaum er- ' kenne ich in der höheren Natur des menschlichen Geistes den einzigen Grund für die Unsterblichkeitshofsnung, und der Lehrer hat sich hier wohl vor einer Ausmalung des Jenseits zu hüten. Eine ausführliche Behandlung verlangt wieder der Messianismus, und zur Beleuchtung der Stellung, welche diese Idee in unserer Religion einnimmh. müssen nicht nur die bekannten Prophetenstellen herangezogen werden, sondern auch unsere Gebete und die Tatsache des Vorhandenseins eines messianischen Festes; denn erst daraus wird ganz deutlich, welche Rolle der Messianismus zu allen Zeiten im religiösen Bewußtsein des Juden gespielt hat. Verkehrt wäre es, wenn das Vorhandensein einer nationalen Hoffnung unbesprochen bliebe. Hier ist nun die rechte Stelle für die Behandlung der Auserwähltheit Is raels. Was man sich in der biblischen Zeit unter dem Einfluß der Propheten darunter vorgestellt hat, geht ans dem Pragmatismus der Bibel hervor, mit dem die Schüler an dieser Stelle bekannt gemacht werden: alle Menschen sind im Ebenbilde Gottes geschaffen. Da sie aber unfähig sind, die durch diese Würde ihnen auserlegte Verpflichtung zu erfüllen, erwählt Gott einen untadeligen Mann, Abraham, damit er zum Stammvater. eines Volkes werde, das nach dem Willen Gottes zum Lehrer der Menschen bestimmt ist. Die ganze weitere biblische Geschichte ist aber im wesentlichen nichts anderes als eine Darstellung der Art, wie Gott Israel zum Priestervolk erzieht. Und an den erhabenen Anfang knüpft das erhabene Ende an, wennDeuterojesaja uns in wundervollen Versen und bilderreicher Sprache den Knecht des Ewigen in seinem Leiden und Dulden als Träger der weltgeschichtlichen Sendung Israels schildert. Daß auch nach der Ansicht der Rabbinen die Gvtteslchre für alle Menschen bestimmt war, kann an den bekannten Midraschim gezeigt werden, nach denen die göttlichen Gebote in 70, d. h. in allen Sprachen offenbart wurden, die Gotteslehre zuerst allen Völkern angeboten, von Israel allein angenommen wurde, die Offenbarung in der Wüste stattfand, so daß alle wie auf einem freien Platze sie hätten vernehmen können, ferner an den rabbinischen Erklärungen zu Versen, in denen die Beobachtung der. göttlichen Gebote durch den Menschen, nicht, wie die .Erklärer sagen, durch den Priester, den Leviten, den Israeliten gefordert wird. In der Idee der Auserwähltheit ist aber nicht nur der Gedanke des „Mamleches Kauhanim", sondern auch der des „Gauj Kodausch" enthalten. Ein klassischer Beleg dafür, daß die Auserwähltheit keine Rechte, sondern nur Pflichten auferlegt, ist Amos 3, 2. Jüdische Schulzeitung.

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