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Jüdische Schulzeitung · 1926-05-15 · 5 (15.5.1926) · page 2

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
5 (15.5.1926)
Date
1926-05-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Jüdische Schulzeitung. Nummer 5 scheu Wirkungen und Forderungen, wie durch den Heilig-« keitsbegriff erst der Glaube an den Weltschöpfer und der Vorsehungsglaube ihren rechten Inhalt gewinnen; denn nun werden beide zum sinnfälligen Ausdruck für den Gedanken> daß in der Welt eine sittliche Ordnung besteht und ' daß diese sich mit Hilfe der natürlichen Ordnung durchzusetzen vermag. Aus dem Glauben an den heiligen Gott ist dann auch die Lösunng des Problems der Theodizee abzuleiten, die ihren schönsten Ausdruck in dem Satz des Ben Asai gesunden hat: Der Lohn für eine Pflichterfüllung ist eine Pflichterfüllung, und der Lohn für eineUebertretung ist eine Ucbertretung, ein Satz, zu dem Lazarus in seiner Ethik des Judentums folgende Erklärung gegeben hat: „Wir können nicht erwarten, für unsere sittlichen Handlungen einen anderen Lohn zu empfangen als den, der in dem Wachstum an sittlicher Kraft, in der Selbstveredlung des Menschen besteht, und die schlimmste Strafe für die Sünde ist die damit verbundene Entwürdigung und Selbsterniedrigung des Menschen." Wie die Behandlung der Lehre von Gott sich im wesentlichen darauf beschränkt, zu zeigen, daß er nach israelitischer Auffassung der Heilige ist, der das Gute vom Menschen fordert, so behandelt die Lehre vom Menschen zunächst seine Würde und Freiheit, d. h. seine Fähigkeit, das Gute zu üben; dann seine Aufgabe, .das ist die Pflicht, dieser Fähigkeit gemäß zu leben. Diese A-ufgabe ist eine doppelte, eine sittliche und eine religiöse im engeren Sinne. In der Sittentehre sind nicht die einzelnen Pflichten zu behandeln, sondern das, was das eigentliche Wesen der jüdischen Sittenlehre ausmacht, nämlich ihr religiöser, ihrabsoluter, ihr sozialer, ihr kultursrenndlicher und ihr universaler Eharakter. Auch bei der Besprechung der religiösen Pflichten im engeren Sinne kommt es darauf an, ihre Bedeutung für die innere Hebung, die Heiligung des Menschen hervortretcn zu lassen, wie sie geeignet sind, nicht bloß die eigentlich religiösen Tugenden, Demut und Zuversicht, zu wecken, sondern uns auch zu Bürgern einer höheren Welt zu machen, all unser Tun emporzuheben über den Dienst selbstischer Interessen in den ewiger geistiger Zwecke und ihm dadurch selbst einen Ewigkeitswert zu geben, unsere Sehnsucht zu wecken nach dem Ewigen und Unendlichen, das hinter der sichtbaren Welt liegt als die wahre Welt des Seins, die jener erst ihren Wert gibt. Ist das die Aufgabe der religiösen Heiligung im allgemeinen, so ist bei der Behandlung der einzelnen religiösen Pflichten und der Ausdrucksformcn der Religion darauf einzugehen, wann und wieweit sie eine solche Wirkung auszuüben - vermögen. An dieses Kapitel schließt sich das über Sünde, Buße und Vergebung an, denn erst dadurch, daß die Heiligung des Menschen eine ihm von Gott gestellte Aufgabe . ist, bekommt jede Vernachlässigung dieser Aufgabe, jeder Verstoß gegen sie einen besonderen Eharakter, er wird zu einer Ucbertretung der göttlichen Ordnung, zu einer Her- . absetzung der von Gott dem Menschen verliehenen Würde, , zur Sünde. Mit dem Glauben an die Gottesebenbildlichkeit; des Menschen, an den zur fortschreitenden Vervollkommnung berufenen Menschen hängen schließlich die persönliche Zukunstshoffnung des einzelnen und die universale der Menschheit zusammen. Uusterblichkeitsglaube und Messiasidee und im Zusammenhang damit die Lehre von der Anscrwähltheit Israels bilden somit den Schluß der systematischen Religionslchre. Im einzelnen ist endlich noch zu sagen, daß es natürlich durchweg darauf ankommt, den jüdischen Charakter der besprochener, Idee,! durch Bezugnahme auf das biblische und . das gesanne nachbiblische religiöse Schrifttum, namentlich auch auf unsere Gebete, nachzuweisen, um daß an allen. dazu Gelegenheit gebenden Stellen auch Apologetik zu treiben,ist. In ähnlicher Weise ist der Stoff auch bei jüngeren, . weniger reifen Schülern auszuwählen, wenn bei ihnen der Abschluß des Schulbesuchs eine Zusammenfassung der Lehren des Judentums rätlich erscheinen läßt. Doch erhebt sich hier die Frage, ob eine bloße Zusammenfassung der im Anschluß an die biblische Geschichte und das Bibellesen behandelten Ideen gegeben werden soll, oder ob diese auch in einen systematischen Zusammenhang gebracht werden sollen. Nach meinen Erfahrungen ist eine Vereinheitlichung des Stoffes durch eine durchgehende Jnbeziehung setzung aller einzelnen Lehren zu dem Grundgedanken des ethischen Monotheismus auch auf dieser Stufe möglich. Ist sie das aber, so sollte man sie auch durchführen; schon um die Vorstellung zu vermeiden, als ob das Judentum ein Mosaik vieler einzelner Gedanken sei, eine Vorstellung, die sich eher als anderswo in unserer Religion einstellt, die mit ihrer großen Zahl von Bräuchen leicht den Anschein erweckt, daß sie nicht eigentlich Lebensanschaunng, sondern Regelung der einzelnen Lebensäußerungen sei. Aber auch nur so wird dem systematischen Religionsunterricht eine durch keinen anderen Zweig des Religionsunterrichts erreichbare Wirkung gesichert, nämlich durch den Abschluß der früher behandelten Ideen in klarer und zusammenhängender Erkenntnis eine Einheitlichkeit des Gedankenkreises im Zögling herbeizuführen und ihm so einen nachhaltigen und kräftigen Einfluß auf das Willensleben zu ermöglichen. Eine. Schwierigkeit liegt nur darin, daß trotz der .systematischen Anordnung hier wegen der ganzen - Geistesrirhtnng der in Betracht kommenden Schüler' viel mehr als auf der Oberstufe höherer Lehranstalten eine Anknüpfung an ben aus dem Bibellesen und der biblischen . Geschichte bekannten Stoff und eine Ableitung des Begriff > lichen aus dem Konkreten notwendig ist. Es ergibt sich ans diesen beiden Forderungen der Systematik und der An^ knüpfung an die Geschichte und aus der dritten der Bezugnahme auf die Gegenwart folgendes allgemeine Schema für die Behandlung: 1. Darbietung des religiösen Gedankens für sich und im Zusammenhänge mit den früher besprochenen Ideen. 2. Geschichtlicher Nachweis, daß es sich hier um eigentlich jüdische Ideen handelt, und eingehende Behandlung derselben im Anschluß an den konkreten Stoff. 3. Inhalt und Bedeutung der Idee für die Gegenwart. Es sei mir gestattet, auch hier kurz einen Lehrgang zu. skizzieren und dabei zu zeigen, wie ich mir die Anknüpfung der einzelnen Ideen an bekannte Stoffe denke. Ich empfehle, auch auf dieser Stufe von einer Darstellung des Wesens der Religion auszngehen, die anknüpft an das, was die Schüler aus eigener Erfahrung darüber wissen, und sehe das Ziel der Besprechung in der Erkenntnis, daß Gott nicht angesehen werden darf als Bürge für den Erfolg unseres eigensüchtigen, sondern einzig und allein unseres sittlichen Strebens, daß die Welt und unser Leben in ihr einen Sinn hat, was aber nur ein anderer Ausdruck ist für den Glauben, daß in der Welt ein heiliger, allmächtiger Gott lebt. Jes. 6, Micha 8, 1—8, und namentlich die Stellen bei Hosea und Jeremia, die von der wahren Gottes erkeuntnis handeln, sollen dann zeigen, daß für die Propheten das Wesen Gottes ganz in seiner Heiligkeit anfging; Jes. 1, 10—17, Jer? 7, 21—23, Ainos 5, 21—25, Hosea 6, 6 und Lev. 19, dieses allerdings' nur in Auswahl, daß nach prophetischer Auffassung auch die Forderungen Gottes an die Menschen nur ein Ausfluß seines heiligen Willens sind. Daß auch die Rabbinen diesen Standpunkt eingenommen haben, geht aus ihrer Ansicht

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