Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 5 (15.5.1926)
- Date
- 1926-05-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nummer 5 & U 2- Jahrgang Monalsschrisl füt Pädagogik und Schulpolitik Heransgcgebett vom „Verbände der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche" Die „Iiidiscbe Schiilzeitliiig" erscheint am 15.!! eines jedenMonats und wird allen Mitgliedern der -ein „Verband der jüdischen Lehrervereine || im Deutschen Reiche" aiilteschlossenen Vereine j] kostenlos zuqejtellt. - Post-Bezugspreis für j|‘ Nicht Mitglieder: Alk. 1.29 pro Quartal, ij Hamburg, ln». Mai 102<> Druck, Verlag und Geschäftsstelle: M. Letz mann, Hamburg, ABC-Stratze 57. Fernsprecher: Elbe 7910, 7911, Vulkan 8(;S.'{. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. Steinhardt- Magdeburg, für den Inseratenteil: E. Loo s/Hamburg. Anzeigenpreis 49 $ für die «gespaltene Nonpaceille-Zeile. Inhalt d i e s e r N u m m er: Notwendigkeit, Stoff und Methode dcs^ systematischen Religionsunterrichts, von Stndiendireltor Dr. Gutluanu, Berlin (Fortsetzung. Die erste Religionsstunde, von Hanptlehrer Dnrlacher^ Heidelberg. Pereinsberichte. Literarisches. Ans dem Allgemeinen deutschen Uantoren-Verbande: Religron und Kunst, von Oberkantor Zivi in Elberfeld. NolwendigKeil, Slvff und Methode des lygemalischen Religionsunlerrichls. Von Studiendirektor Dr. Gutmann, Berlin. (Schluß.) Ich schlage für den Unterricht dieser Schüler folgenden Gang vor: Nachdem der Ursprung der Religion in der Sehnsucht des Menschen nach Selbstbehauptung seiner Person gefunden worden ist, ist zunächst zu zeigen, dast aller Fortschritt der Religion abhängig ist von dem, was als der eigentliche Wert des Menschen angesehen wird, daß die höchste Stufe demnach da erreicht wird, wo die Religio^ nicht mehr dienen soll dem Streben nach Sicherung des materiellen Wohlergehens und der persönlichen Existenz, sondern nach Sicherstellung der sittlichen Persönlichkeit. Diese Sehnsucht nach der Sicherstellung der sittlichen Persönlichkeit führt aber zum Glauben an den Sinn des Lebens, an das im Wesen des Menschen und der Welt begründete Gute, an eine das Universum erfüllende Kraft, deren Wesen Sittlichkeit ist und die dafür bürgt, daß das Gute sich in der Welt durchsetzen und zum Siege gelangen wird. Wenn auch das Vorhandensein dieser sittlichen Macht niemand bewiesen werden kann, wenn'auch zu dieser Sehnsucht, diesem Glauben niemand ans anderem Wege gelangen kann als durch Anerkennung des Sittlichen als des eigentlichen Wesens des Menschen und durch unermüdliche Arbeit an seiner sittlichen Vervollkommnung, so ist doch anderseits nötig, diesen Glaubcp gegen Angriffe zu verteidigen, die von seiten einer materialistischen Philosophie, einer autonomen Ethik und der modernen Naturwissenschaft gegen sie ,gemacht werden. Denn wenn auch vom Verstände kein Beweis für die Wahrheit religiöser Sätze erwartet werden darf, so wäre doch der von ihm geführte Nachweis ihrer Unrichtigkeit für die Religion ein Vernichtungsurtell. Das Recht der Korrektur kann dem Verstände nicht abgesprochen werde»:. Deshalb ist dann zu zeigen, daß alle Versuche, die Sittlichkeit ihrer Würde dadurch zu entkleiden, daß ihr Wert nicht in ihr selbst, sondern in ihrer Bedeutung jsür die Erreichung von Zwecken gesucht wird, die außerhalb' ihrer liegen, vor einer strengen, die Tatsachen richtig wertenden Kritik keinen Bestand haben, daß die Naturwissen- . schaft mit ihrer Lehre von der Entwicklung nur der altisraelitischen Auffassung von der Entstehung der Welt und ihrer Wesen widerstreitet, nicht aber dem für eine religiöse Weltanschauung unentbehrlichen Zweckgedanken,, ja daß dieser geradezu die Ergänzung der Entwicklungstheorie ist, — denn wie kann von einer Entwicklung, einer Stufwärtsbewegnng geredet werden, wenn nicht das Ziel selbst als etwas Wertvolles angesehen wird — und daß nichts uns zu hindern braucht, bei aller Anerkennung der mechanischen Kausalität dieses Ziel der Entwicklung als schon in der ursprüllglichen Anlage vorhandene Zweckursache an-» znsehen. Hier ist auch die Stelle, auf die Unvereinbarkeit von Pantheismus und Monismus mit wahrer Religion hmzuweisen, denn mit ihrer Identifizierung von Sittlichkeit und Natur, mit ihrer Leugnung von Zwecken in der Welt, mit ihrer ^Anerkennung der absoluten Notwendigkeit vyn allem, was existiert, heben sie die geistige Freiheit aus, machen sie die Gottheit selbst zu einer willenlosen Naturkrast und nehnien sie der Religion ihre Herzwnrzel, nämlich den Glauben, daß in der Welt nicht nur eine natürliche Ordnung besteht, sondern auch eine sittliche, ein Reich dtr Freiheit und des Geistes. Und schließlich ist zu zeigen, daß die autonome Ethik durch eine Religion keine Beeinträchtigung zu erleiden braucht, die in dem Streben nach Sicherstellung der sittlichen Persönlichkeit ihre Grundlagen hat, deren beste Vertreter eine Prüfung der göttlichen Gebote fordern und einen freien, ans innerer Zustimmung entspringenden Gehorsam verlangen. Daß aus die Beweise für das Dasein Gottes nicht tiefer eingegangen zu werden braucht, die für einen Glauben, wie seiner der rcsigiöse Mensch bedarf, überhaupt keine Bedeutung haben, ist nach dem Gesagten wohl selbstverständlich. Bevor der Unterricht zur Darstellung des religiösen Gehalts des Judentums weiterschreitet, sind einige Vorfragen zu behandeln: Die Quellen der Religion, die Eigenart und die dauernde Bedeutung der Bibel, der Osfenbarungsbegriff, die israelitische Religion eine Religion der Entwicklung. ' Bei der Darstellung der Grundlehren der israelitischen Religion hat der ethische Monotheismus den Einigungspunkt zu bilden. Mit ihm sind alle einzelnen Lehren in Zusamlnenhang zu bringen, aus ihm alle einzelnen Forderungen abznleiten, denn der Glaube an den einen Gott erhält seine wahrhaft religiöse Bedeutung erst in seiner Ergänzung durch den Glauben an den heiligen Gott. „Nicht das ist Monotheismus," sagt Steinthal in einem seiner Aufsätze zu Bibel und Religivnsphilosophie (S. 188), „daß Jahwe allein tut, was die Götter unter sich verteilen^ sondern daß er etwas ganz anderes tut als diese, daß er jm Unwetter nicht einen Drachen bekämpft, sondern unter Donner und Blitz jene 10 Worte verkündet, die die ewigen Grundsäulen aller sittlichen Gemeinschaft sind." Dann werde gezeigt, wie der Glaube an den heiligen Gott die Grundidee der gesamten israelitischen Religion ist, wie er die Lehre von den göttlichen Eigenschaften beherrscht und durchdringt, die alle nicht eigentlich sein Wesen schildern, sondern nur Hinweisen auf die von ihm ausgehenden ethi-