Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 4 (15.4.1926)
- Date
- 1926-04-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 4 Jüdische Schulzeitung. Seite 7 wurden. (Ich greife immer wieder die Achawa heraus, weil sic die leistungsfähigste Kasse war, und weil ich sie, da ich über 2 Jahrzehnte ihrem Vorstande angehört habe, am besten kenne.) Die Achawa besaß vor dem Kriege ein Vermögen von etwa' einer halben Million. Da die Zinsen allein schon ansreichten, um etwa zwei Drittel der oben erwähnten Quoten ansznzahlen, so konnte man sich das Verfahren noch gefallen lassen. Aber etwas Unsoziales hatte diese Art der Zuwendung an Kollegen, die ihrer nicht bedurften, doch stets. Einmal war ein großer Teil dessen, was zur Auszahlung gelangte, aus dem Wege der Wohltätigkeit znsammengebracht worden, zum anderen hätte nmn diese Beträge niemals an Lehrer, die ein angemessenes Ruhegehalt bezogen, zur Auszahlung bringen dürfen, so lange es noch. Religionslehrer im Amte gab, die mit Weib und Kindern weit weniger Gebalt bezogen, als das Ruhegehalt jener betrug. Ich habe als Vorstandsmitglied der Achawa oft auch die Erfahrung gemacht, daß für Erholungsreisen Zuschüsse von Kollegen erbeten wurden, die ihrer nicht durchaus bedurften, während für Fälle wirklicher Not .die Mittel dann nicht ausreichten. — — — Eine neue Zeit erfordert neue Maßnahmen. Die Frage der Ruhegehälter und der Hinterbliebenenversorgung ist zur Stunde einigermaßen geregelt, oder muß, — mit allem Nachdruck muß dahin gestrebt werden — geregelt werden. Der preußische und bayerische Landesverband beziehen für diese Zwecke beträchtliche Zuschüsse vom Staate, in Württemberg, Baden, Hessen sind durch staatliche Maßnahmen einigermaßen erträgliche Zustände geschaffen worden. Es gibt einige Kleinstaaten, deren jüdische Bevölkerung zur Uebernahme der sich hieraus ergebenden Lasten kaum ausreicht; ich denke dabei an Großthüringcn. Braunschweig, Anhalt usw. Hier wird der zu gründende Reichsverband eingreifeu müssen. Auch dürften Notlagen infolge von Krankheitsfällen seltener werden. Unter den heutigen Zcitverhältnissen muß jeder fürsorgliche Familienvater für sich und seine ganze Familie einer Krankenkasse angehören, die die notwendigsten Ausgaben für Arzt und Apotheke völlig oder doch zum großen Teile erseht. Die Frage wäre nun: Sind unter diesen Verhältnissen Hilfskassen für die Lehrerschaft überhaupt noch erforderlich? Außer allem Zweifel. Man denke nur an die Möglichkeit, daß ein Lehrer in jungen Jahren aus dem Leben scheidet und eine Witwe mit mehreren Kindern hinterläßt. In diesem Falle reicht die gesetzlich gewährte Witwenpension zur Lebenserhaltung nicht aus. Oder mau denke an den Fall, daß ein Lehrer in jungen Jahren wegen irgend eines Leidens in Ruhestand versetzt werden muß. Auch seine Pension reicht nicht aus, und wenn er etwa auch sonst arbeitsunfähig sein sollte, so muß die Berufsgemeinschaft, der er angehört, ihn mindestens vor dringender Not oder gar vor der Notwendigkeit der Annahme von Almosen schützen. Auch sonst sind Hilfskassen erforderlich. Ich denke an Fälle, daß jemand Heilbäder, wie Neuenahr, Wildungcn, Ems, Kissingen, Karlsbad, Oeynhausen usw. aussuchen muß und seine Mittel ihm dies nicht gestatten. Auch der Preußische Staat hat die Notwendigkeit von „Notstandsbeihilfen" eingesehen und bezügliche Maßnahmen getroffen. Ich verweise dabei auf einen bezüglichen Artikel in Nr. 32 der Preußischen Lehrerzeitung (Dienstag, den 16. März 1926). Hilfskassen werden auch.in Zukunft für die Mitglieder unseres Standes unentbehrlich sein. Ich denke dabei u. a. auch an die ehemalige Darlehenskasse des Verbandes, die wiederholt recht segensreich gewirkt hat, leider aberebenfalls der Inflation zum Opfer gefallen ist. Zu verlangen ist jedoch, daß sie möglichst von der Lehrerschaft selbst erhalten werden, allenfalls können von den Großgemeinden und Landesverbänden regelmäßige Jahreszuschüsse nachgesucht werden. Aber die private Wohltätigkeit muß nach Möglichkeit ausgeschaltet werden. „Wir wollen nicht , Wohltätigkeit, wir wollen unser Recht." Das, was in . unserem Organ und in unseren Versammlungen so oft gefordert worden ist, müssen auch wir selbst zur Wahrheit macheu Helsen. - . Es wird ferner mit der bisherigen Zersplitterung der Kräfte aufgeräumt werden müssen. Tie Einzelvereine können der Aufgabe, die, wie vorhin ausgesührt worden ist, an sie herantreten kann, nicht immer gerecht werden. . Das kann nur eine größere Gemeinschaft. Eine Hilfstaffe für die gesamte jüdische Lehrerschaft im Reiche ist demnach zu fordern. Es ist mit einiger Bestimmtheit darauf zu rechnen, daß noch im Lause dieses Jahres die jüdische Lehrerschaft Deutschlands sich zu einer Bereinigung zufammenschlie-. ßen wird. Ob auch der kleine noch ausstehende Rest der . separatistischen Orthodoxie den Weg zu dieser Vereinigung finden wird, oder ob sie es vorzieht, auch weiterhin ihre eigenen Wege zu wandeln, läßt sich zur Stunde noch nicht sagen. Aber auch wenn sie das letztere vorziehen sollte, so müßte sich immerhin ein Weg finden lassen, die gesamte soziale Fürsorge für die Mitglieder unseres Standes einheitlich zu gestalten. Die sozialen Aufgaben unseres Verbandes! Sie bieten noch ein weites Betätigungsfeld. Ueberall in unseren Vereinen müssen soziale Ausschüsse gebildet werden, die von selbst eingreifcn, wenn eine Notlage bei einem der * Unsrigen eintritt. Recht häufig — warum die Tatsache verschweigen — wenden sich notleidende Kollegen oder ‘ notleidende Lehrerwitwen oder auch notleidende Kinder verstorbener' Kollegen aus weiter Ferne'an mich. Die Kraft eines Einzelnen reicht nicht aus, um immer Rat ■ und Hilfe zu schaffen, namentlich nicht in dieser Zeit allgemeiner wirtschaftlicher Nöte. Eine große einheitliche . und leistungsfähige Hilfskasse müssen wir begründen und Vertrauensleute (ansche chajil, jire elauhim, ansche emeß, ßaune wozu) müssen in allen Vereinen bestellt werden. Ihrer Tätigkeit erschließt sich auch sonst ein weites Feld: Säumige Kollegen, die abseits stehen, für die Gesamtheit' zu interessieren; Kollegen, welche durch ihr Verhalten in den ^Gemeinden, durch unpassende Nebenberufe dem Stande zur Unehre gereichen, privatim aus das Ungeziemende ihres Verhaltens hinzuweisen. Wie aus der Fußnote zu Beginn dieses Aufsatzes ersichtlich ist, will er nur „Gesichtspunkte" für die Referenten geben; ich hoffe, daß die Beratungen in den Vereinen sich dahin kären, daß dem nächsten Verbandstage eine Vorlage zur Beschluß- : fassung unterbreitet werden kann: der Verbandstag be-- v schließt eine einheitliche Hilfskasse für alle seine Mitglieder; die bestehenden Provinzial- und Landeskassen schließen sich zu diesem Zwecke zusammen. Ansprachen beim Iugendgollesdiensk. 6. A r b e i t. Liebe Kinder, der Bau des ersten Tempels, von dem wir heute vernommen haben, veranlaßt uns, einmal über die Arbeit bei den Juden zu sprechen. Es gehört nämlich zu den Vorwürfen, die man uns macht, daß wir die Arbeit nicht lieben. WWMDWMMMWjMMMWWWMM«WWWWIMMMWW.WWMl>?tWW^WWW