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Jüdische Schulzeitung · 1926-04-15 · 4 (15.4.1926) · page 8

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
4 (15.4.1926)
Date
1926-04-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Jüdische Schulzeitung. Nummer 4 Und doch ist das ganz falsch. Schon in ältester Zeit stand das Handwerk bei uns in Ehren. Die berühmtesten Gelehrten waren gleichzeitig Handwerker: Holzhauer, Schmiede, Maurer, Böttcher. Ein Böttcher benutzte bei seinen Vorträgen ein Fas;, das er selbst gearbeitet und selbst in das Lehrhaus getragen hatte. Sprüche des Talmuds aber besagen: „Wer seinen Sohn nicht ein Handwerk lernen läßt, bildet ihn zum Räuber aus", oder „liebe das Handwerk", oder „die Arbeit ehrt den Arbeiter". ' Freilich, liebe Kinder, lange Zeit war es den Juden verboten, ein Handwerk zu erlernen, sie dursten nur Handel treiben. Heute jedoch sind solche Verbote längst verschwunden, und jetzt gibt es-bei uns sogar einen „Verein zur Förderung des Handwerks".' Aber der Bau der Stiftshütte, liebe Kinder, zeigt uns noch etwas anderes. Sehr viele Menschen waren hier vereinigt, um gemeinsam ein großes Wort zu vollbringen. Und es gelang. Wie oft aber gelingt ein solches Wert nicht.!' Und woher kommt es? Jeder will nur nach seinem Sinn handeln, nach dem, was er für recht, passend und bequem hält. Jeder möchte befehlen, keiner will gehorchen. Mit Recht sagt darum der .Talmud: „Nicht die Stelle ehrt den Mann/sondern der Mann ehrt die Stelle." Und schön drückt es ja auch unser Dichter aus: „Meister rührt sich uud Geselle - In der Freiheit heilgem Schutz. Jeder freut sich seiner Stelle, Bietet dem Verächter Trutz." , Wer schon in der Schule, meine Lieben, seine Aufgaben ohne Sorgfalt ansertigt, wer Pünktlichkeit, Sauberkeit und Ordnungsliebe für überflüssig hält, wer sich durchaus nichts befehlen lassen will, der wird es sväter einmal-nicht viel anders treiben. Und doch --- die schönste Freude ist die Freude an der Arbeit. Schon die Schwalbe bewundern wir, die ihr. Nest baut, die Bienen, die ihre Zellen ansertigen. Und doch arbeiten sie heut nicht anders als vor Jahrtausenden. Was aber haben w i r nicht alles durch Arbeit gelernt, wie anders sehen unsere Häuser heut aus als die Häuser der früheren Jahre, als die Lehm- und Strohbauten! Und mit Tiersellen gehen wir auch nicht mehr gekleidet. Denkt an den Bergmann, denkt an die Maschinen,, denkt an das Flugzeug und dann seht, was man durch Arbeit erreichen kann. * Und es gibt kein Gebiet, liebe Kinder, aus dem nicht auch die Arbeit der Juden Bedeutendes geleistet hat. Lest das schone Buch: „Juden als Erfinder und Entdecker", und ihr werdet staunen, aus wieviel Gebieten sich die Juden ausgezeichnet haben. Aber auch das laßt euch sagen: daß Juden oft die gewöhnlichsten Handwerke verrichten. Sie sind, hauptsächlich in Pole,; - und Rumänien, Kutscher, Lastträger <nd Hausknechte. In Palästina treiben die Juden Ackerbau und bauen zahlreiche Kolonien. So darf man ruhig sagen, daß der Jude zu allen Zeiten das Wort des Psalmes getreulich erfüllte: „Wenn du von deiner Arbeit lebst -- heil dir und wohl dir dann." Möchtet auch ihr dieses Wort stets beherzigen! Amen. . Literarisches. I. Elbogen, Die Wissenschaft des Judentums, Fest rede, Berlin 1925, Philo Verlag. Diese Rede, gehalten zum 50jährigen Bestehen der „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums" behaudelt die Leistungen der genannten Anstalt für die Wissenschaft deS Judentums. Sie spricht mit begeisterten Worten, in markiger, sicherer und oft liebevoller Svrache von den großen Geistern, die in diesem Kreise gelehrt oder für ihn und sein Bestehen wirksam gewesen sind. Ob damit nicht vielleicht das Thema der Rede etwas zu weit gewählt ist? Ob man die Lehrfreiheit nicht auch anders auslegen kann? Man lese dennoch diese Rede, denn sie hat viele vorzügliche Gedanken, und schon um deS folgenden willen, sei die Veröffentlichung der Rede mit großer Freude begrüßt: „Die Wissenschaft darf nicht zum Leser herabsteigeu, sie muß ihn zu sich emvorhe'ben . . . Wissenschaft ist. wie das Saatkorn, das, vom Kundigen in den wohlvorbereiteten Erdboden versenkt, mit Sorgfalt beobachtet und behütet wird, bis es aufgeht." Rabbiner Dr. A. Posner, Kiel. Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums. 0. Jahrgang 1925, C. A. Schwetschke &' Qoijn, Berlin W. 30. Das Blatt bringt neben den Berichten und einer Gedenkrede, die Gustav Bradt auf August von Wassermann am 6. 5. 1925 gehalten hat, zwei wertvolle Beiträge, 1. von Fritz Bacr über Probleme der jüdisch svauischen Geschichte; da Baer dieses Gebiet z. T. im Auftrag der Akademie schon viele Jahre bearbeitet, sind seine Ausführungen nicht ohne Belehrung und Interesse, 2. von Martin David „zur Forschungsgeschichte auf dem Gebiet des biblischen Rechts, eine sehr tiefschürfende Abhandlung, die die dovpelte Belesenheit des Verfassers auf jüdischem wie allgemein-juristischem Gebiet kundtut. Man wird daher mit Svannung seinen weiteren Arbeiten auf diesem Gebiete entgegeusehen. In dem vorliegenden Beitrag verdient wohl die Erörterung über das Wort „Mohär" (Ex. 22, 1516) besondere Beachtung. Bei der 6MtIeityng eingegangene Siidjer. Festschrift zur Feier des hundertjährigen Bestehens der Knabenschule der jüdischen Gemeinde in Berlin. Berlin 192». Ern st von Düring: Grundlagen und Grundsätze der HeUpädagogik. Rotapfel-Verlag. Erlenbach - Zürich. Preis 9,5,0 Ji. Rabbiner D r. L. A. R o s e n t h a l: Gesammelte Schriften. Erstes Heft. Berlin 192». Louis Lamm. I. B. H i r n h e i m e r: Hebräischer Sprachunterricht im Sinne des Arbeitsprinzips. Herausgegeben vom Israelitischen Lehrerverein für Bayern. Preis 5,0 Pfg. (Zu beziehen von Lehrer Rosenfeld, München, Buttermelcherstraße 1.) Kollegen, werbt für die Verbreitung der „Jüdischen Zchulzeitung"! probemimmern in beschränkter Zahl stehen bei der Schriftleitung zur Verfügung.

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