Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 4 (15.4.1926)
- Date
- 1926-04-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 4 Jüdische Schnlzeitung. Selte r» die daraus folgenden Sabbat- und Festpsalmen zu verschassen, sei es durch kurze Inhaltsangabe oder mit Erklärung oder^ Lesculassen des übersetzten Textes. — Anschließend au Obiges halte ich cs auch für angebracht, ja notwendig/ die ältere Jugend mit dem Festgebetbuch von j-fl und O'i vertraut zu machen. rpn rUDT) das ergreifendste Gebet, lasse ich meine Schüler übersetzen. Außerhalb der Schulzeit, also ganz freiwillig, mögen die älteren Schüler mit ehemaligen Schülern nach vorausgegangeuer Inhaltserklärung in folgenden Recitativantworten Ucbnng erhalten: 11^0 ,"j^ "iy "Hy} nsw. pi -piy bsb 'D'Wxü *?di n'nbxb noK* Ich svrcche die Notwendigkeit dieser allerdings freiwilligen Arbeit aus, weil das Antworten der Gemeinde an den hohen Feiertagen immer spärlicher wird. Der mir nicht unbekannten Ansicht, daß die Chasan- und Kahalzwiesprache ein überlebter Standpunkt ist, ganz unzeitgemäß sei und der wahren Erbauung nicht mehr diene, trete ich scharf entgegen. Sie hat erbauend gewirkt und kann es auch heute noch, oder sollen Chor, Solisten, Orgelkunstvorträge die Gemeinde ersetzen? Die Synagoge ist kein Kunsttempel, sondern eiii nbDH rvn ein Haus des Gebetes, das sagt auch Jesaia. Man befleißige sich, wieder aus der Jugend eine antwortende Gemeinde zu machen, die unserem Ritus nach und nach gewachsen ist, unsere traditionellen liturgischen Weisen liebgewinnt. Unsere Aufgabe ist es nicht, aus unserer Jugend,Kantoren zu machen, aber den gesanglichen Charakter desselben Textes, ein Stück jüdischer Seele, z. B. des usw. des Hauptgebetes von Wochentag, Sabbat und Festtagen ihnen zu erschließen, daß sie sich daran erbaue, das kann ich von ganzem Herzen empfehlen. "ri*) I ch singe dem Ewigen! Das war ja immer unsere und jedes einzelnen Juden Verbindung mit dem göttlichen Hüter Israels. Der jüdische Gesang, aus alten Zeiten nnS geworden, ist uns mehr wert als nicht israelitische Choralmelodien und moderne Kirchenmusik. Er muß wieder Eigentum der Gemeinden werden durch die Jugend, Ich gehe nunmehr zur Jnhaltsvermittlung - unserer Gebete über durch Darbietung ihres tiefen Gehalts. An einigen Beispielen will ich dieses veranschaulichen. Zuvor bemerke ich aber noch: Gut vorübersetzt, ans der Seele vorgetragen, ist schon halb erklärt. Einige Beispiele: □ jn»S Vorbereitung. Aus dem Schmagebct kennt ihr den Spruch: Dein Erwachen und dein Niederlegen geschehe mit Gott. Das Frühgebet bringe dich Gott und seinem Wesen nahe. V o r ü b e r s e tz e n des A d a u n aulom, und Nachübersetzen. Wie wird Gottes Wesen in diesem Gebete gezeichnet? Die Schüler antworten nach ihrem Verständnis. Der Lehrer wiederholt und ergänzt etwa folgendermaßen: Gott ist der Herr der Welt, wir sterbliche Geschöpfe. Er regierte, ehe ein Gebilde erschaffen war und wird in Ewigkeit walten, wenn alles wieder in nichts aufgehört hat. Er hat also keinen Anfang und kein Ende. Keine Macht gleicht seiner Macht, kein Gebilde dem unsichtbaren Weltenherrn. Er ist nicht selbst die Welt, sondern steht über ihr als..ihr Herr. Darum kennt er uns, kennt jedes Menschen Schritt, ist auch mein Führer, mein Erlöser, weiß meine geheimsten Regungen, mein Wohl und Wehe! Er reicht mir den Becher des Heils und steht mir bei, den Leidenskelch zu tragen. Darum vertraue ich ihm. Ich befehle ihm Geist und Körver und fürchte keine irdische Macht. D22\3 Wer nur allein von allen Geschövsen kann Gott so erkennen und erfassen und sich zu ihm erheben? Der Mensch. Weshalb? Weil er eine Seele hat, Geist von Gottes Geist ist. Morgens erwacht ihr, freut - euch des neuen Tages, des neuen Lebens. Wer tut das in euch? Unsere Seele. Wofür haben wir also an jedem Morgen Gott zunächst zu danken? Daß er uns unsere* . Seele gelassen. Hat Gott uns auch eine Pflicht, unsere Seele betreffend, auferlegt? Ja. Welche? Wir sollen sie rein (unbefleckt) erhalten. Warum? Weil sie rein ans Gottes Hand uns anvertrant ist. — Vortragen des Gebets: Ihr seid vom Schlafe erwacht, habt Gottes Wesen und Walten bedacht, habt ihm für eure Seele, für das neugeschenkte Leben gedankt. Ist damit genug des Dankes? Nein, wir haben Gott für vieles zu danken. ‘ Nach dem Gebet stehen eine Reihe von Dank-' risprüchen für Wohltaten Gottes am frühen Morgen. Was^ mögen sie wohl enthalten? — Darbietung des Stoffes, Innere Erfassung der Svrüche: Gott hat mich als Israelit' wieder den neuen Tag erleben lassen und heilige Pflichten auserlegt, hat mir das Augenlicht gelassen, hat mir Freiheit zu neuem Schaffen gegeben, Kleidung und Nahrung und Bedarf, er ist cs, der des Mannes, des Vaters: Berufsschritte bestimmt, der uns Kraft zur Arbeit verleiht, der Israel mit Herrlichkeit schmückt usw. So danken wir Israeliten am frühen Morgen. Nun- ' wollen wir unser Tagewerk beginnen. Mit Gott beginnen wir es. Was bedeutet das? Mit allem Guten. Ohne/ Sünde. Ja, ohne Sünde. Im Menschen steckt der Trieb zum Guten und zum Bösen. Welcher Trieb soll die Herrschaft behalten? Der Gute.. Wenn die Sünde nicht? aus uns selbst herauskommt, durch wen können wir dann auf die sündige Bahn kommen? Durch die Menschen, die. Mitwelt. Wer verleiht uns Stärke, der Verführung zu widerstehen? Die Religion, das Wort der Thora. Um was sollen wir demnach jeden Morgen Gott bitten? Daß er uns durch seine Lehre stark machen soll. Und dieses drückt das folgende Gebet psi in wundecschöner Weise aus. „Möge es dein Wille sein. Ewiger, unser Gott und Gott unserer Väter, daß du uns wandeln lassest in deiner Lehre, daß wir deinen Geboten anhangen! . Bringe uns nicht in die Gefahr einer Sünde und der Versuchung! Laß nicht den bösen Trieb über uns herrschen! -Halte uns fern von bösen Menschen und böser Gesellschaft! Bereinige unsere Triebe dir du dienen! Mögen wir in deinem Dienste Wohlgefallen bei dir und allen Menschen finden!" (Also nach darstellender Methode.) : - Ein weiteres Beispiel. Wir wollen uns heute mit dem Einzug des Sabbats i beschäftigen. Sabbat! Dieses Wort erfüllt uns gewiß mit Herzensfreude. Warum? Wenn der Sabbat; kommt, ist das Wochenwerk getan, die Wohnung zum .. Empfang des Sabbats bereit. Die Mutter zündet die Sabbatlichte an. - Im Gottcshause ist es so feierlich, die Lichter Strahlen. Die Gemeinde versammelt sich zur Andacht. (Diese Antworten können die Kinder wohl geben. 5 Man knüpfe weiter an.) Ja, die Gemeinde sammelt sich zum Gebet. Wovon hat sich alt und jung frei gemacht? Von der-Berufsarbeit der Woche und den Sorgen des Lebens. Ja, beim Sabbatbeginn und Sabbatlichtern schweigt das Irdische und Alltägliche. Da zieht der G 0 t t e s f r i e d e n in die Brust. Und was auch? Tie Gottesfrcude und Erhebung zu Gott. — Es ist, als ob einer dem anderen zurufen müßte: Kommt, wir wollen