Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 3 (15.3.1926)
- Date
- 1926-03-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 3 tiimS und seiner engen und unlöslichen Verknüpfung des Religiösen mit dem Ethischen wird aber auch die Bildung und Stärkung des Willens wesentliche Aufgabe des jüdischen Religionsunterrichts werden müssen, der freilich die überlieferte Forderung der Pflege des Verstau desnicht wird übersehen dürfen. Der Ausbau aller seelischeil Kräfte in unseren Schülern tut not. Mit einem Wort: Psnchologisierung des Religionsunterrichts ist die dringliche Forderung. Ter Berichterstatter zeigt dann, wie der Religionsunterricht sich dem seelischen Erlebnis erst des Kindes mit seinem rezeptiven Kinderglauben, dann des Pubeszenten in seiner Zeit der Unruhe und schließlich des Jugendlichen mit seinem religiösen Wiederaufbaubestreben anzupässen habe, wie ferner die verschiedenen Typen der Individualisten und Gemcinschaftsmenschen, der Optimisten und Pessimisten, der Beruhigten und Erlösungsbedürstigen, wie vor allem auch der Unterschied zwischen Knaben und Mädchen zm berücksichtigen sei. Es fielen in den weiteren Ausführungen Streiflichter auf die Art des dogmatischen wie die des geschichtlichen Religionsunterrichts, indem Gefahren und Segen und notwendige Veränderungen dieser beiden aufgezeigt wurden. .Insbesondere wurde noch hervorgehoben, wie im Gegensatz zu Scherwatzky (Erziehung zur religiösen Bildung) der jüdische Religionsunterricht den Homoethicns nicht vom Homoreligiosus trennen könne, wie vielmehr für diesen gerade die stärkere Betonung des Moralischen nötig sei. Auch hier wurde wiederum darauf hingewiesen, daß ebenfalls in diesem Teilgebiet des Religionsunterrichts die richtige psychologische Anpassung an die verschiedenen Stufen der Entwicklung im sittlichen Bewußtsein des Menschen von seiner frühen Kindheit an bis zum Hinaustretcn ins Leben zu erfolgen habe. Als Weg und Ziel für diese sehr ungleichmäßig sich gestaltende Entwicklung sei die Linie von der Heteronomie zur Autonomie gegeben. Es sei freilich nicht zu übersehen, daß die sittliche Bewußtheit, geschweige denn die volle Entfaltung der sittlichen Kräfte erst in einer Zeit sich vollziehe, da der Schüler dem Einfluß des Lehrers durch seinen Hinanstritt ins Leben völlig entwachsen sei. Wie denn auch die Gottesvorstellung am Ende der Schulzeit noch nicht auf der Höhe zu fein pflege: Gott ist noch nicht das sittliche Prinzip, Gott wird noch nicht als Hakodausch boruch hu erlebt. Somit kann diese erhabenste aller Ideen und mit ihr und aus ihr sich ergebend, die Idee von dem einen heiligen Volke Israel und dann der messianischen Menschheit erst im späteren Leben voll erworben und zum' unlöslichen Besitztum der Judenseele werden. Schwierige Aufgabe des Religionsunterrichtes sei es, hierfür die vorhandenen seelischen Grundlagen mit fürsorglicher Behutsamkeit und eingehendem Verständnis für die verschiedenen Entwicklungsstadien unter steter eingehender Berücksichtigung des Seelenlebens der ihm anvertranten Zöglinge und der psnchologischen Wesensart des Judentums auS- und auszubauen. Sterns Büchlein habe hier einen wertvollen Baustein geliefert, der genaueste Beachtung verdiene, wenn auch nicht zu verkennen sei, daß eine starke V c r jüdisch u n g des von ihm herangezogenen allge meinwissenschaftlichen Materials, wie es der Referent in * dieser und jener Beziehung versuchte, dringende Aufgabe - bei Fortführung der von Stern angebahnten Arbeit sei. 168. Sitzung (Generalversammlung). Der Vorsitzende, Dr. Höxter, erstattet den Jahresbericht, der sich in folgenden Gedankeugängen bewegt: „Kaum hatten wir , unseren Lehrplan beendet, als die Reform des höheren Schulwesens erfolgte, die die An-' Seire 7 Passung unseres Religionslehrplanes an die neue Stoff- , i einteilung erforderlich machte. — . i Von großer Bedeutung für die wissenschaftliche und ' f pädagogische Weiterbildung unserer Mitglieder ist die um- , [ fangreiche und wertvolle Bibliothek unserer „Vereinigung", die in den Räumen der Bibliothek der israelitischen Ge- : | meindc nntergebracht wurde und von dem Bibliothekar i j, mitverwaltet wird. — . i Die Teilnahme an den großen Fragen, die die ge- I samte jüdische Lehrerschaft bewegen, hat uns dazu geführt, f uns mit der künftigen Lehrerbildung zu befassen. Die Dar- { legungen der Kollegen Dr. .Hartmann und I. B. Lcvy, j. | daß eine jüdi s ch e Vollanstalt, wie wir sie im hiesigen -' | Reformrealgymnasium Philanthropin besitzen, die gecig- ' innerste Porbildungsstatte für die pädagogische Akademie sei, | fanden durchweg Zustimmung. Wir sind alle daran in- J teressiert, daß die Ausbildung der jüdischen Lehrer und Kulrusbeamten gleichen Schritt hält mit der anderer Be- \ kenntnisse, fordern aber, selbst in den Kleingemeinden, - V $ ebenso entschieden die materielle und rechtliche Gleich- . i'A stellung unserer Beamten mit den staatlich- und kom- ’lJj munal-angestellten Beamten. So groß auch unser Ver- ’ •. fj langen ist, daß jede Synagogengemeinde wieder ihren - Lehrer und Kultusbeamten als religiösen und geistigen Führer hat, so dürfen wir doch keineswegs die .Hand dazu 7 bieten, daß abermals Stellen besetzt werden, die nicht staat- ‘;! liche Besoldungsordnung, lebenslängliche Anstellung und Alters- und .Hinterbliebenenversorgung zubilligen. Es wird - . r unsere Aufgabe sein, in Gemeinschaft mit den anderen ' ' Vereinen, dieser Forderung beim Landesverband zum Siege - : zu verhelfen. - . 7 || Nachdem die Wahlen vollzogen und Kaffen- und Bit»- liotheksbericht erstattet sind, regt Konrektor Hofmann die | Anschaffung des neuerschienenen, von E. Gut heraus- . 4 gegebenen „Jugendbuchs", Bd. III, für dje Schulbib- Ü liotheken der städtischen Schulen an, da.es auch christh lichen Schülern und Schülerinnen vieles bietet. $1 Dr. .Hartmann. * - Literarisches. | Jahrbuch für jüdische Volkskunde. .Herausgegeben von Dr. Max G r u n w a l d, 1923. Benjamin Harz-Verlag, Berlin-Wien. Der einleitende Aufsatz, von dem Herausgeber selbst " 1 versaßt irtiter dem Titel: 25 Jahre jüdische Volkskunde, )i gibt einen Ueberblick über die seit 1896 bearbeitete Volks- - kundliche Literatur, die die Ges. f.. j. Vt. in Hamburg herausgegeben hat. ES sind 66 Hefte, die jetzt als Jahr- ,v ■] büch er erscheinen sollen, womit vorliegend der Anfang ge« *. •] macht wird. Es wird im Einzelnen berichtet und Literaturnachweis geliefert: 1. über die Dialektforschung, ' ' wobei wir auch einer Erklärung für das vielgebrauchte 7 und vielbestrittene „newisch", „nebbach" — niebogi (slavi- 7 sch cs Wort) begegnen. 2. über Namen, wo wir einen ' Schein Tob in einen Kalonymos, einen Jom tob in einen 7 Bondi sich verwandeln sehen und erkennen, wie Stand, -7; j'j Gewerbe, wie heMtsverbietende Gesetze auf Namensgebung 5:. eingewirkt habemM. über Sprüchwörter und Redensarten, /. $ aus denen die Tragik des Judenloses, aber auch , I die Lebens fähig kei nes Volkes sich kundtut; die sein unerschütterliches Gottvertrauen und seine unbeirrbare Zu- .;I! verficht in die sieghafte Gewalt des Rechts verkünden.. | 4. über jüdische Dichtung. Hier hat die Pflege der jüdischen ■ j Volkskunde geradezu Wunder gewirkt. Ihrem Bemühen * verdanken wir, daß der Westen das . jüdische Volkslied ' wieder kennen und würdigen lernte, s. über Glaube »ind s Jüdische Schulzeitung