Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 3 (15.3.1926)
- Date
- 1926-03-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Jüdische Schulzeitung. 9htmmcc h Sage, ein Gebiet, auf,, dem'man so greifbar deutlich er kennt, wie tief die Seele der Umwelt in der Seele des Juden wiederklmgt; da ja in den Maaße Büchern uns alle Gestalten der Nibelungen, Gudrun, Tristan u. a. begegnen, nur nmgemodelt vom jüdisch ethischen Empfinden. 'Und doch hat sich der „Aberglaube" der Umgebung breite Breschen geschlagen. Ganz deutlich enthüllt uns diesen Einslnst der letzte Abschnitt über Sitte und Brauch.— Und nun weiter in dem interessanten Buche: Die Auferstehung in der jüdischen Tradition findet ihre erschöpfende Darstellung durch Adolf Löwinger. Selbst was die Religions- Philosophen über diese Frage gedacht, wie die Liturgie von ihr beeinflußt wurde, weiß er uns mitzuteilen. Es folgt eine solkloristische Studie von Jakob Nacht: Der Futz, der durch Nachweis der Ausdrucksweisen, bei denen der Fuß eine Rolle spielt, uns einen tiefen Blick in das kulturelle Denken des jüdischen Volkes tun läßt, aber auch an der pikanten Frage des „schönen Frauenfußes" ebensowenig vorübergeht, wie es die Alten getan, über die Symbolik des Fußes als Ausdruck ökonomischer Stärke, über Fußlnß und Fußwaschung, über den Fuß in symbolischer Gleichsetznng mit Trieb in interessantester und höchst belehrender Weise uns zu unterhalten weiß. Wer erfahren will, wie man die Sprache der Vögel versteht, die Treue einer Frau prüft, oder ein Rezept für Unterleibsleiden, gegen Feuer oder für Prediger lesen will, wobei bei letzterem nicht bemerkt ist, ob es qualitativer oder quantitativer Wirkung sein wird, der lese die Abhandlung: Ans Hausapotheke und Hexenküche. Ein Kapitel über Beerdigungsgebränche bildet den Schluß dieser interessanten Mitteilungen. Ob sich wohl die damaligen jüdischen Frauen um das Luxnsgebvt stark gekümmert haben, das uns Grnnwald von den drei Gemeinden Hamburg, Altona, Wandsbek nutteilt, oder cs nickst -vielmehr mit jenem „verständnisvollen" Lächeln gelesen haben, das da sagt: Davon versteht ihr Rabbiner nun wirklich nichts! Auch in seine Liedersammlnng läßt uns Grunwald hineinschauen. Es sind echte Volksliederweisen, wie Kirschner schreibt, die den Purim und andern Gelegenheitsgedichten zu Grunde liege;,, darunter aber solche, welche von einer unübertrof jenen Innigkeit der Empfindung sind. Die Melodie des „Habet mischomajim ureh" ist erschütternd. — Ob die Prager Dienstmädchen gar so schlimm waren, wie sie der Pamphletist uns schildert? Einen wertvollen Beitrag zur Religionsgeschichte und Volkskunde liefert A. Marmorstein durch seine tiefgründige Erklärung des 1V)2? „Kieselstein" in der talmudischen Magie und der Stelle Gen. i\ 45,2 als Zeremonie. zwecks Förderung des Kindersegens. Wie furchtbar die abergläubischen Vorstellungen der Umwelt in die Gedankenwelt selbst der sog. Gelehrten sich cingenistet haben, das kommt einem beim Lesen dieser geistreichen Abhandlungen erschreckend zum Bewußtsein. .Hier kann jüdische Volkskunde säubernd und aufklärend wirken. M. L. Bamberger macht uns durch seine Einleitungsworte auf das Oeffnen seiner „Minhagmappe" sehr neugierig. Aber von dem vielen „Minhag Schluß",' der .wirklich einmal der Beleuchtung bedürfte, erfahren wir noch nichts. Das Dargebotene ist interessant, aber säst allzubekannt. Jakob Br'onner liefert einen Beitrag mit Abbildung Hauben tragender Frauen, die uns zeigt, daß es auch hier einen Wechsel der Moden gab. Einen tiefen Einblick in die Lebensauffassung der Ostjuden bieten uns die von A. Laudan gebrachten Jüdischen Sprichwörter und Redensarten, die z. T. einen köstlichen .Humor in sich bergen, der freilich oft an Sarkasmus grenzt. An die Schwelle der die Gesamtmenschheit verbindenden Gefühlswelt läßt uns M. Grnnwald in seiner Ab« Handlung „Jüdische Mystik" treten, zeigt uns, wie ein gemeinsamer seelischer Strom das „Allmenschliche" durch dringt, wie in den Mythen der Völker', etwa in der Gralssage, die gleichen Vorstellungen wiederkehren wie in der jüdischen Legende vom glänzenden Wunderstein, den David mit dem Gottesnamen versah, um die Wasser der Urtiefen zu versiegeln, aus dem dann das Heiligtum errichtet wurde. Und das Siegel, das er ihm aufdrückte, war das Hexagramm, das Zeichen für den Stern der Wei'en von altersher (Magen David), das Symbol der Versöhnung der Gegensätze: des Wassers (Dreieck mit der Spitze nach unten) und des Feuers (Dreieck nach oben strebend). Und das einigende Prinzip ist die Liebe, die aus Gott entquillt, die nach Anschauung der Kabbala und des fväteren Ehafsi dismus in der Brust des Zaddik auslebend, diesen mit Gott vereinigen und Wunder wirken lassen kann. Die sitt' liche Kraft des Menschen und seine Würde erreichen hier in der jüdischen Mystik eine Anerkennung wie sonst nirgends. Die Forschungen unb Darstellungen auf dem Gebiete des Mythos liegen Grunwald offenbar viel mehr, wie die rein historischen Abhandlungen. Was er über die Berufe der Juden schreibt, bleibt hinter dem, was der Titel verfvricht, zurück. Es ist eine Darstellung des Judentums bis etwa in die salomonische Zeit, eine Auslassung darüber, wie allmählich sich Jerusalem zu einer Welt Handelszentrale entwickelt durch die enge Beziehung zwischen Juden und Phöniziern. Dann geht in der Tat, reso. verliert sich die Abhandlung in des Verfassers ureigenstes Gebiet und es ist ein geistreicher Versuch, wie er die Namen der beiden Säulen am Eingang des salomonischen Temvets deutet. Das Ganze ist sehr lesenswert. Ganz in feineni Element ist der Verfasser in der das Buch abschließenden Abhandlung: die Vorgeschichte des Sukkotritunls und zeigt uns, wie hier Vorstellungen, die bei andern Völkern ins irdisch sinnliche sich verloren haben, in geläuterter Form als erlösende Menschheitsgedanken wiederkehren und somit kein zweites Fest so wie Sukkot geeignet ist, die Sehnsucht nach dem Messias auszusprechen und damit nach der Einigung der Menschheit, die von Hause aus als Einheit sich darstellt, in der Gemeinsamkeit der leitenden Motive religiösen Fühlens und mythologischen Gestaltens. Das ist der Schlußsatz dieses gediegenen Buches, das in keiner Bibliothek eines Juden fehlen sollte. B. May. Berichttgung. In dem Aufsatz „der Gottesstaat" in der vorigen Nümmer muß es S. 4, Spalte 2, Zeile 18/19 von oben statt „das Urbild" des Urbildes und S. 5», Spalte i, Zeile 22 statt „auf eine Linie" a uf eine Linse heißen. Bei der GMtldmng eingtnonnene Mer. Martin Bnber (gemeinsam., mit Franz Rosenzweig) „Das Buch im Anfang \ Berlin. Lambert Schneider. 'X Uollegen, werbt für die Verbreitung der „Jüdischen Zchulzeitung"! probcnuinmern in beschränkter Zahl stehen bei der Schristleitnng zur versiigung.