Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 3 (15.3.1926)
- Date
- 1926-03-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 3 Jüdische Schulzeitnng. iZt’lC > r f ir. d sätze zu nennen,-die im Anschlrlß an den Unterricht gestellt, auch gelegentlich Plötzlich geschrieben werden können. Hierhin zähle ich auch .das Ansschreiben unbekannter Worte ans Sätzen, dib in der nächsten Stunde übersetzt werden sollen. Aber auch größere Arbeiten, zu denen leider nicht alle Schüler herangezogen werden, dürfen einmal vor«, kommen. Wieder ein Beispiel: plötzlich fällt einem Schüler ans, das; bei der Auszählung dec Kundschafter es immer heißt „nach dem Stamme" HEO1?/ dagegen werden die Stämme Reuben und Gad genannt. Das wird zum Anfang, der Frage nachzngehen, wann iT£2 Stamm oder Stab bedeutet und ebenso, wann dies bei ADL'der Fall ist. Bei erwachseneren und eifrigeren Schülern können ans solche Weise nicht allein große, sondern wertvolle Arbeiten entstehen. Es fallt durch sie auch der Blick der Schüler ans andere Arbeiten, an die sich vielleicht auch andere Schüler von selbst machen. Es hört durch das Vokabular, durch schriftliche grammatische Arbeiten aller Mechanismus auf, es beginnt in beu frühesten Schuljahren statt des alten übernommenen Wissens und seines Mechanismus ein eigener Aufban. Dadurch kommt der Schüler viel rascher hinter die Stilistik des Hebräischen. Wer einmal den Schlüssel zu einer Sprache gefunden hat, dem kann sie nie mehr schwer fallen. Die dritte Möglichkeit, die Arbeitsschule für die Religionsschule zu verwerten, bietet vielleicht der Jugend gottesdienst. Es wird oft darüber geklagt, daß er schlecht besucht wird. Und es bedarf in Wirklichkeit sehr großer Mühe und Anstrengung, um etwa - - wie dies bei lins der Fall ist. — der Schüler zu.gewinnen. Wenn ein Schülerrat dies in die Hand nähme, wenn die Schüler sich gegenseitig beeinflussen würden, es föunte leichter und noch mehr erreicht werden. Gerade so, wenn dieser profane Vergleich angewandt werden darf, wie sich die Schüler, wenigstens die Freunde zu gemeinsamen Spazier' gängen zufammensinden, müßte sie der gemeinsame Weg znilr Gottesdienst führen, indem ja obendrein im wahrsten aber auch heiligsten Sinne des Wortes gearbeitet wird, was sonst leicht totes Wort zu bleiben drohen könnte. Man tonnte vielleicht bei großen Klassen einzelne Schüler finden, die gern oder auch um des ehrenden Postens lvillen, es übernähmen, die Verantwortung des Erscheinens für ihre Klassenkameraden zu übernehmen. Ich bin mir dessen wohl bewußt, daß ich hier das Thema der Arbeitsschule nicht erschöpft habe, es lag auch nicht in meiner Absicht. Nnr zum Nachdenken über diese.neue Methode mögen diese Zahlen veranlassen. Im übrigen sei ans die Arbeit von W. Halberstadt, die Arbeitsschule (Schriftenreihe des Bundes Jüdischer Akademiker I, Berlin 1925) verwiesen. t Ansprachen beim Iugenbgottesbiensk. 5 L ü ge. „Von falscher Rede hatte dich fern." Amen. Liebe Kinder, wir wollen uns heute den Satz der Thora, den ihr soeben gehört habt, recht klar machen. Seht, wenn ihr euch auf einem Wege befirrdet, den ihr noch nicht gegangen seid, so werdet ihr genau auf den Wegweiser achten. Denn wenn ihr nur ein wenig von der Richtung abweicht, so wiüd es euch zuletzt schwer werden, überhaupt auf den richtigen Weg zu kommen. So ist es aber auch mit der Unwahrheit. Ihr habt vielleicht ein kleines Versehen, begangen und sucht nun einen Borwand, euch zu rechtfertigen. Ihr weicht ein ganz klein wenig von der Wahrheit ab. Eure Eltern und Lehrer aber glauben euch, und ihr freut euch, daß eure Tat gelungen ist. . ' . In Wirklichkeit müßtet ihr erschrecken. Denn .nun!. könnt ihr leicht eine traurige Uebung im Lügen bekommen. Das erste Mal habt ihr mit zögerndem Munde, mit geheimem Herzklopfen gesprochen, ein zweites und. drittes Mal habt ihr schon Mut. Mit- Recht sagt darum die Bibel: „Von falscher Rede halte dich fern!" Scheue sie wie eine Gefahr, fliehe sie wie eine Krankheit, betrachte sie als deinen Feind! Ihr kennt ja wohl auch das Verslein: - „Vor allem eins, mein Kind, 0 Sei treu und wahr. Laß nie die Lüge deinen Mund entweihn." Besonders aber, liebe Kinder, achtet dann auf eure ' .. Worte, wem; es sich um die Ehre und den guten Namen, um den Ruf eines anderen Menschen handelt. Es wird v vielen so leicht, ein übles Gerücht weiter zu verbreite». Aber das ist ein Zeichen schlechter Gesinnung. Ter wahrhaft Fromme spricht lieber, von dem Guten und Lebens- - werten, das er an andern Menschen gesehen. - . Der Tallnud behauptet: „Tie Verleumdung schadet; drei Menschen: dem Verleumder, dem Verleumdeten und , - dem, der die Verleumdung mitanhört." Liebe Kinder, wir Juden haben immer viel unter der Verleumdung zu leiden gehabt, und wir leiden noch heute darunter. Was sagt man uns nicht alles nach: wir gebrauchen Ehristenblut, wir hassen die Nichtjuden, wir betrügen sie! Und gerade deshalb, weil wir so viel unter der Verleumdung , leiden, wollen wir selber uns immer den Satz vor Angen - halten: „Von falscher Rede halte dich fern." Amen. Dereinsberichke. n Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin. (Aus dem Jahresberichte 1925.) Der weitaus größte Teil der Vereinsarbeit galt in den harten Nachkriegsjahren in allererster Reihe der materiellen Sicherstellung der Kollegenschaft und der zeitgemäßen Erledigung brennender Standessragen: und mit Genugtuung dürfen wir dabei seststellen, daß diese Arbeit immerhin zu recht ansehnlichen Erfolgen geführt har. Dursten wir doch 1924 mehrfache Erhöhungen der Reli> gionsstnnden Honorare und l4 Festanstellungen von Religionslehrkrüften verbuchen. Auch ist cs den Bemühungen des Vorstandes der W. V., namentlich denjenigen unseres Vorsitzenden, geglückt, daß die „Wissenschaft!. Vereinig. ' jüd. Lehrer n. Lehrerinnen zu Berlin" von den Berliner . jüdischen Gemeindebehörden als die berufene Vertretung der jüdischen Lehrerschaft Groß Berlins offiziell anerkannt ist. - ' Wenn wir am Schluffe des Jahresberichtes 1923 ' die Hoffnung ausgesprochen haben, daß wir, was die wissenschaftliche A H'it anbetrifst, recht bald zu früheren Erfolgen zurückkech H, dürften, so ist diese Hoffnung für " einen großen Teiler Vereinsarbeit von 1925 in Er- .''r füllung gegangen. Die Arbeitsgemeinschaft für Neu- | hebräisch besteht nun über ein Jahr und drei weitere '. sollten folgen. Leider stellten sich diesen drei geplanten Z Arbeitsgemeinschaften Schwierigkeiten mannigfachster *3trt: entgegen, die im Berichtsjahre noch nicht beseitigt werden - konnten. Jedoch besteht die berechtigte Hoffnung mit. Be- . . ginn des neuen Vereinsjahres 2 von ihnen eröffnen zu - können./ \ ij % E ■I WWW W