Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 3 (15.3.1926)
- Date
- 1926-03-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Jüdische Schulzeitung. Nummer 3 Wo sängt nun unsere. Arbeit an? Wie wäre sie einzuteilen? Zuerst in eine gottesdienstliche in der Synagoge und außer gottesdienstlich e in der Gemeinde selbst. Werde, sei und bleibe ein guter, mustergiltiger Leiter des Gottesdienstes! Hierzu gehört nicht unter allen Umständen eine geschulte Stimme, ein brillanter Chor, Harmonium- oder Orgelspicl, erstklassige Rednergabe, ein Prachttempel usw., es geht auch ohne diese Dinge, vielleicht, ja oft mit weit, besserem Erfolge, bei weniger „Drum und Dran". Es kommt vor allem auf die Hingabe mit ganzer Kraft an. Daniit gibt der Lehrer eben alles. Der Spruch über dem Almemor an der Ostwand: HDtt "O ''jD1? „Wisse, vor wem du stehst!" das ist seine beste Richtlinie. Ich setze dabei voraus, daß der Beamte weiß, was er im Gebete ansdrückt, belesen ist, inhaltlich, grammatisch, traditionell! und geschichtlich. Der Lehrer und Kultusbeamte soll als Träger des Gottesdienstes die Tradition seiner Geineiude hüten. Mit Neugestalten, Bessermachcn sei man sehr vorsichtig. Besser ist es, vorhandene Gemeindegesänge, ebenso kantorale Weisen zu 'erhalten. Man soll das Ueberlieserte wahren, soweit es nur möglich ist. Wohl empfiehlt es sich, falls eine herkömmliche Sangesweise in einem schlechten Gewände ein gutes Motiv verrät, zu veredeln. .Hierfür ein Beispiel aus eigener Praxis! ~ Schlußkaddisch von Rauschhaschonoh. (Dasselbe wurde als Motiv mit entsprechenden Tonansätzen vorgetragen.) — Ich möchte bei dieser Gelegenheit davor warnen, einen altbestchenden Gottesdienst vollständig durch neue Weisen zu ersetzen, abgesehen davon, das; dem Publikum das Herzstärkende der altgewohnten Andacht genommen wird; der eigentliche Zweck, die Hebung des ganzen Gottesdienstes wird schwerlich damit erreicht. Glaubt der Lehrer, nach Borhergesagtem der würdige Träger des Gottesdienstes zu sein, so uehme er a u ß e r h a l b des G 0 t t e s d i c n st e s Fühlung m i t seiner Gemeinde. Er suche privatim die Familien für den hebräischen Gebetkultus zu gewinnen, besonders aber die'Fernstehenden. Das läßt sich vielleicht mit besserem Erfolge in zwangloser Familienunterhaltung erreichen als von der Kanzel. Es ist ganz gewiß kein leichtes Stück Arbeit, alte Vorurteile zu bannen, alte üble Angewohnheiten an der Wurzel zu packen. Der Lehrer muß hier als Fachmann, als achtunggebietende Persönlichkeit, als erfahrener, taktvoller Mann den tiefen Gehalt unseres Gebetkultus zum Verständnis bringen. Man lasse sich nicht durch mißglückte Versuche abschrecken. Keine Eiche fällt ans den ersten Streich. Unter allen Umständen müssen die Familien für das Hebräische gewonnen werden, und wenn wir noch so viele Gegen- Weisheit zu hören bekommen. Am besten zieht noch der Hinweis auf den Gottesdienst der Andersgläubigen, daß diese unsere Psalm'eu — das Kirchenlied ist nur eine Nachahmung derselben - singen, und wir wohl die erste Pflicht hätten, die biblische Poesie in der Ursprache in unseren Gotteshäusern und Wohnstätten erklingen zu lassen, umsoniehr, da iu deu Worten und Tönen des hebräischen Gebets die jüdische Seele, das jüdische Gepräge auslebe und ausgehe. Ich glaube nun kurz und schlicht den Nachweis erbracht zu haben, daß zur Förderung des Hebräischen ein würdiger, aus tiefer Verinnerlichung hervorgchender Gottesdienst und Fühlungnahme mit der Gemeinde die Vorbedingung für die Arbeit in der Schule sein müsse. Und nun zu unserer Jugend selbst. II. Unterricht im 'Hebräischen. Atter Anfang ist schwer. Das gilt mit gutem Recht von diesem Unterrichtszweig. Mit Lesen beginnt d i e Arbeit. Lesen ist eine Hauptnahrung der hebräischen Untcrrichtskost. Ich möchte hier im Geiste der „Sprüche der Väter" sprechen: „Auf drei Dingen beruht die heilige Sprache: auf-Lesen, auf Lesen und aus Lesen," sonst ist alle Arbeit vergebens. Und weshalb? Erstens, weil es leider in vielen, vielen Häusern keine aus hebräischer Grundlage bestehende Erbauung bezw. Hebung mit der Jugend mehr gibt, zweitens, weil die heutige Religionsunterrichtsftundenzahl im Gegen' satz zu früher aufs äußerste beschränkt ist. Die höheren Schulen weisen zwei, höchstens drei Stunden auf. Die Hauptarbeit liegt also eventuell in den unteren Jahr' gängen einer jüdischen Volksschule, die mehr Re ligiousstundcn zuläßt. Ich betone die unteren Jahrgänge; denn sobald^oas kleine Volk flügge wird, fliegt es nach den Ha!l(M.der höheren Schulweisheit dank dem Bildungs drang innerer Glaubensgenossen. Kurz, es bleiben uns im höchsten Falle zwei Stunden für den hebräischen Unterricht übrig. Dieser beginnt zu Anfang des zweiten Schuljahres mit Lesen. Was die Lesemethode betrifft, so möchte' ich gleich vorausschicken: Alle Wege fuhren nach Rom. Es kann wohl niemand von sich sagen: Ich beherrsche eine Schnell Lesemethode, die es mir ermög licht, die Schüler in einem. Vierteljahr zur Lese' sertigkeit zu führen. Jeder Kollege möge für das Fibelleseu seinen aus Erfahrung und Mühe ausgebauten Weg für den richtigen halten. Eines kann ich freilich als allgemein grundlegend nicht unerwähnt lassen. Nachdem die Kinder die Vokale und Konsonanten kennengelernt haben, ob alle oder nur stusenmäßig nur einige was ohne größere Bedeutung ist lasse man einzelne Silben oder einsilbige Wörter lesen, dann mehrsilbige ohne Schwierigkeit. Dann schreite mau zur Leseschwierigkeit, die abschließendeu Silben, das bewegliche lind ruhende Schwa und Chates, ebenso das Dagesch betreffend. Ob es richtig ist, die Schüler gleich an die grammatische Betonung der Wörter zu gewöhnen, gemeint ist die Endsilbe, oder Anfangs- und Mittelsilbe, bleibe dahingestellt. Ich lasse in den ersten Jahren ruhig silbcnmäßig wie im Deutschen lesen. Beispiel: HOT.3 Selbstredend unter Beachtung des Dagesch uiib Schwa. Nach und nach fällt das fort, wenn das Lesen schneller von statten geht, und das vvrgeschrie bene Lesen, wie es der Gebetvortrag erfordert, beginnt. Die G r a m mati f. Ich will der Grammatik vor dem Uebersetzen das Wort reden. Soll die Grammatik als besonderer Unter* richtszweig gelten, oder soll sie mit dem Uebersetzungsunterricht zusammen gehen? Das sind zwei Fragen, die ich beide mit ja beantworte. Das heißt demnach: Mai: treibe Grammatik und verbinde sie auch mit dem lieber» setzimgsnnterrichte. N a ck t e G r a m m a t i k. Eine halbe- Stunde wö» chenttich, wo es durchzusetzen ist. Von welchem Schuljahre, von welcher Klasse an? Das richtet sich ganz nach den Schulverhältnisscn. Man denke sich hierbei die Religionsschule als Mittel oder Oberstufe. Mittelstufe. Der Weggang wäre folgender: Vorbedingung: Uebung im Quadratschriftschreiben als Haus aufgabc. Arbeitet man nicht nach einer Grammatik, es gibt wohl keine, die praktisch und zweckmäßig genug ist.