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Jüdische Schulzeitung · 1926-02-15 · 2 (15.2.1926) · page 7

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
2 (15.2.1926)
Date
1926-02-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nummer 2 Jüdische S besannt! Nun aber das Unheil einmal da ist, und da wir Lehrer zur Bannung des Unheils beitragen können, dürfen wirmns./nicht grollend beiseite stellen oder gar durch Forderungen materieller Art das Unternehmen zu Hintertreiben suchen. Die finanzielle Frage ist ganz gewiss eine Lebensfrage für den einzelnen Lehrer, und diese Frage wird nicht zur Ruhe kommen, als bis den gerechten Forderungen nachgcgeben lvird. Aber in diesem Augenblick einer Uebcrgangszeit muß diese Frage losgelöst bleiben von der anderen Frage, nämlich der nach Schaffung eines Nachwuchses, und wenn dieser auch ein „Uebergängsnachwuchs" ist! Ich will damit sagen: man sollte 'der Berliner Gemeinde in dieser Frage nicht in den Arm fallen, sofern sie das, was in Köln dekanntgegeben wurde, wahr Macht, daß nämlich Abiturium als Vorbildung und ein zweijähriges Studium verlangt wiich. Was aber die Lehrerschaft mit diesem Uebergangsstudium aussöhnen könnte, ist m. E. die Zusicherung der Berliner Gemeinde, daß sie diesen Studiengang nicht verewigen werde, sondern alsbald nach Festlegung der amtlichen Vorbildung der Lehrer diese Uebergangseinrichtung eingehen lassen werde, um den amtlichen Vorschriften Platz zu machen. Aus der Behandlung und Besprechung der Lehrerbildungsfrage, wie auch aus der des Themas über die Arbeitsschule, erkannte ich, daß die Art der Arbeit im Lehrcrvcrband eine andere sein müßte. Dann gebe ich folgenden Vorschlag zur Erwägung. Bei solch tiefgreifenden Themen, dir ein gründliches Studium notwendig machen, sollte nicht wenige Wochen vor Abhaltung einer Tagung eine Ankündigung erfolgen. Sie müssen vielmehr eine lange Zeit vorher angegeben und als V e r b a n d s a u f - gäbe gestellt werden. Die einschlägige Literatur müßte aüfgeführt sein. Dadurch erführe ein Thema eine gründliche Behandlung im kleinen Kreise, und auf Tagungen würde nicht Nebensächliches und Unwesentliches vorgekehrt . werden. Es würden nur wichtige und wesentliche Punkte einer Besprechung entzogen. Und dadurch könnte auch auf großen Tagungen wirklich Maßgebendes und Ergänzendes zutage gefördert werden. Ansprachen beim Iugenbgoltes-ienst. 4. B e s ch e i d e n h e i t. Liebe Kinder, eine alte Erzählung berichtet: als sich Josef seinen Brüdern zu erkennen gegeben hatte, und er sie nach Hause -sandte, sagte er: „Sollte mein Vater zweifeln, daß ich Josef bin, so berichtet ihm: Josef weiß noch, was du ihn einst gelehrt hast." — Als Jakob das hörte, rief er aus: „Ja, mein Sohn Josef lebt noch. Jetzt glaube ich es." Was erkennen wir hieraus, liebe Kinder? Josef ist in Aegypten so fromm, tugendhaft und bescheiden geblieben, wie er früher war. * - Vor allem bescheiden. Auch als Vizekönig Aegyptens veerachtete er die Lehren seines Vaters nicht. Und Io wollen wir denn heute, da wir von Josef Abschied nehmen, uns die Mahnung einprägen: sei bescheiden! Liebe Kinder, nichts wird von unseren Vorfahren so gerühmt wie ihre Bescheidenheit. Von Mose heißt es: „Der Mann Mose war sehr bescheiden, mehr als irgend ein Mensch auf der Erde." Von David wird erzählt, daß er vor der Bundeslade tanzte .und hüpfte. Und König Salomo sagt in seinem „Buch der.Sprüche": „Der Ehre geht Bescheidenheit voran." Seht, meine Lieben, die ihr noch die Schule besuchet: es kommt wohl vor, daß ihr wegen eurer Leistungen und Fortschritte gelobt werdet. Solltet ihr eud) vielleicht etwas darauf einbilden? Ihr habt doch nur eure Schuldigfeitgetan. Und wenn ihr auck) das beste Zeugnis erhieltet, müßt ihr eud) sagen: Je mehr man lernt, desto be^- sd)eidener muß man werden; denn immer mehr sieht man ein. wie viel man nick)t weiß. Seht eud) aber auch, meine Lieben, unter den Er-. wachsenen um. Ihr werdet eud) sd)nell davon überzeugen, daß anmaßende, eingebildete, unbescheidene Menschen nirgends gern gesehen werden. > Der Talmud, das große jüdisthe Werk, von dem ihr vielleid)t sd)on gehört habt, erzählt: „Als Gott beschlossen hatte, das heilige Zehnwort auf einem Berge zu verkündigen, drängten sich die höchsten Berge der Erde um die Ehre. Aber Gott wählte den niedrigsten, den Sinai." Liebe Kinder, was Josef and) Gutes getan — es wäre wertlos gewesen, wenn wir ihn gleichzeitig anmaßend und unbescheiden gefunden hätten. Er war es aber nid)t. So präget euch das Bild Josefs, fest in das Herz. Dann wird sich auch an ihm das Wort unserer Bibel bewähren: „Das Andenken de, Frommen gereicht zum Segen." Amen. Vereinsberichte. Verein jüdischer Religionslehrer Ostpreußens.*) Am 18. November cr. hielt der Verein in der Kantloge zu Königsberg seine 31.' Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende, Direktor Peritz, erstattete den Geschäftsbericht. Die Bestrebung des Vereins auf tarifmäßige Ordnung der Gehälter der ostpreußischen Kultusbeamten, sind von gutem Erfolg begleitet gewesen. Mehr als die Hälfte der ostpreußischen Beamtenschaft erhält zur Zeit bereits ein Gehalt nach staatlichen Grundsätzen. Schlimm stehk es noch mit einer Anzahl alter Beamter, die nicht durch Stellenwechsel ihre Lage verbessern können. Der Vereinsvorstand wird auch für diese Beamten eine Verbesserung ihrer zumeist noch kärglichen Gehälter zu erreichen bestrebt sein. Durch die Einführung des obligatorischen Schiedsgerichts beim ostpreußischen Synagogenverband haben auch die Nechtsverhättnisse der jüdischen Beamtenschaft eine Verbesserung erfahren, und dürften auch die inneren Beziehungen der Beamten zu ihren Gemeinden dadurch innigere und friedlichere werden. Die Religio nssch)rlverhältnisse in d e n kleine n Gemeinden unserer Provinz haben sich im letzten Jahre wesentlich gehoben. Eine Anzahl seminaristischer Lehrer ist neu in unserer Provinz angestellt worden. 'Außerdem wurde eine Verbesserung der Religionsschulverhältnisse noch dadurch , erreicht, daß verschiedene kleine Gemeinden zu Bezirks verbänden vereinigt, oder an benachbarte größere Gemeinden mit fachgebildeten Religionslehrern angeschlossen wurden. — Zu den hohen Feiertagen verhalf der Verein' einer Anzahl kleiner Gemeinden durch Zuweisung von H ilfs vorbete rn zu einem eigenen Gottesdienst. — Zwischen dem Lehreroerein und dem Ost preußischen Synagogenverband besteht ein eifriges und inniges Zusammenarbeiten, das beiden Teilen und in der Hauptsache den Eesamtinteressen unseres Jlldentums in Ostpreußen zugute kommt. Auch durch die Bestrebungen des Preußischen Landesverbandes sind unserer Provinz wesentliche Unterstützungen zur Verbesserung des Religionsunterrichts zuteilgeworden. — Zur Förderung der beruflichen Fortbildung unserer ostpreußischen jüdischen Lehrerschaft hat der Ostpreußische Synagogenverband einen Betrag von Jl f>00.— zur Verfügung gestellt, die zu Zuschüssen zu den Kosten des Besuches der Fortbildungskurse für Lehrer und Kantoren in Berlin oder Breslau verwendet werden sollen. Auch die Gemeinde Königsberg bewilligte für einen ihrer Lehrer einen Zuschuß zu solchem Zwecke. — Als nächste "dringendste Aufgabe sieht der Verein die D e r - *)' Von der Schriftleitung gekürzt. . '

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